Mafia II

Fall einer Legende?

„Auf die USA und darauf, dass du wieder da bist!“ Euer neuer Freund Joe Barbaro bringt es auf den Punkt. Als er euch vom Hauptbahnhof durch die verschneiten Straßen von Empire Bay in die nächste Bar kutschiert, drückt sein Willkommen ein Gefühl aus, das auch vor den Bildschirmen zutrifft: Schön, dass Mafia wieder da ist! Acht Jahre hat es gedauert, bis Teil 2 endlich fertig war. Acht Jahre, in denen das tschechische Entwicklerstudio Illusion Softworks in 2k Czech umgetauft wurde, die Technik sich weiterentwickelt hat und vor allen Dingen acht Jahre, in denen die Erwartungen der Fangemeinde immer weiter gewachsen sind. All das hat zu Ansprüchen geführt, denen Mafia II letztendlich nicht standhält.

Bevor Panik unter den Anhängern des Vorgängers ausbricht: Mafia II ist ein sehr, sehr gutes Spiel. Wer Verbrecherfilm-Klassiker wie „Der Pate“, „Scarface“, „Carlito’s Way“, „Miller’s Crossing“ oder „Good Fellas“ mag, fühlt sich hier heimisch. In vielen Passagen erinnert Mafia II sogar mehr an einen Film als ein Spiel. Das liegt sicher mit an den herrlichen Dialogen der Protagonisten und vielen Szenen mit gut animierten Charaktergesichtern in Großaufnahme. Auch ohne dass sie alle Facetten der englischen Tonspur erreichen, zählen die deutschen Stimmen im Spiel zur ersten Garde und passen zu den Figuren wie das Thompson-Maschinengewehr zum Cosa-Nostra-Ambiente.

So vertont Alex Brehm (Synchronsprecher von Timothy Olyphant) den Hauptdarsteller Vito Scaletta, Torsten Münchow (Brendan Fraser) dessen Kumpan Joe Barbaro und Norbert Gastell (Homer Simpson) den Mafia-Consigliere Leo Galante. Eine tolle Truppe. Dass die Geschichte nicht immer hundertprozentig lippensynchron abläuft, fällt selten auf.

Statt Dauerfeuer wie bei Kane & Lynch 2 gönnen euch die Entwickler viele ruhigere Passagen. Für manchen vielleicht sogar zu ruhig. Besonders da es nur etwa zwölf Stunden dauert, bis der Abspann über den Bildschirm flimmert. Ihr lauft in der Verfolger-Perspektive durch euer Appartement, leert eine Swift-Cola aus dem Kühlschrank, schlüpft in einen Anzug und tippelt das Treppenhaus runter zur Garage, um einen Wagen auszusuchen.

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Das hat schon fast etwas von Heavy Rain. Während ihr im Auto zum nächsten Treffpunkt tuckert, erzählt euch euer Begleiter in der Regel bereits, um was es bei eurem nächsten Einsatz geht. Aus den Radio-Lautsprechern dringen typische Klänge aus der Zeit. Zu Beginn des Spiels, Mitte der 40er-Jahre, sind das Propaganda-Lieder über den Fall Nazi-Deutschlands.

Später, Anfang der 50er, laufen dann auch (etwas anachronistisch) bekanntere Gassenhauer wie „Donna“ von Ritchie Valens oder „Lucille“ von Little Richard. Wenn der Radiomoderator dann das Lied mit einer Eilnachricht über eure soeben verübten Gaunereien beendet, fühlt ihr euch tatsächlich für einen Moment in die Scheinwelt von Empire Bay integriert.

Mit dem Auto zu fahren gehört zu Mafia II dazu wie Popcorn zu einem Kinofilm. Vom klapprigen „Oma Duck“-Oldtimer über das schnittige Cabriolet bis hin zum Laster dürft ihr euch hinter das Steuer klemmen. Unfälle bleiben nicht nur wegen fehlenden Lenkhilfen der Blechschiffe der damaligen Zeit kaum aus. Doch 2k Czech setzt eure Fehltritte in Szene. Scheinwerfer fallen aus, ihr verliert Stoßstangen, Motorhaube, Reifen und die Karosserie verformt sich. Exzellent!

Nur die Polizei vermiest euch die Fahrfreude. Denn rempelt ihr den Gegenverkehr oder fahrt zu flott an einem Polizeiwagen vorbei, verfolgt der euch sofort, um euch einen Strafzettel zu verpassen. Beim ersten Mal ist das noch witzig, später beginnen die Herren in Blau zu nerven. Ja sicher, beim Original-Mafia gab es das ebenfalls, doch mit Tempomat durch die Stadt zu kurven ist eben immer noch genauso spannend wie bei ALDI einen Wocheneinkauf zu tätigen. Zumindest sorgt ihr dadurch für ein bisschen zusätzliche Action, denn die kommt alles in allem etwas zu kurz. Zwischendurch gibt es viel Leerlauf, erst gegen Ende der 15 Kapitel wirft 2k Czech noch ein paar äußerst heiße Ballereisen ins Feuer, freut euch schon mal darauf.

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