Tom Clancy's H.A.W.X. 2

A-Bomben, Separatisten, Terroristen... Das Übliche halt.

"He was turned to steel, in the great magnetic field, When he travelled time, for the future of mankind..."

Man muss es den Entwicklern von H.A.W.X. 2 schon lassen. Bei Nacht über feindlichem Gebiet mit einer Hercules AC 130 zu kreisen und Geleitschutz für ein durch Feindfeuer flüchtendes Auto zu geben, muss man erst einmal auf langweilig trimmen. Das kann nicht jeder. Ein einsamer Jeep mit einem geretteten Piloten kurvt durch eine nahöstliche Stadt und wird von allen Seiten unter Beschuss genommen, von Hubschraubern gejagt und mehrfach beinahe eingekesselt. Und ich wünschte die gesamte, belanglose Sequenz über, dass ich nicht ein simples Fadenkreuz über die Nachtsichtlandschaft lenke, um helle Flecke in hellere Explosionen zu verwandeln.

Um die "Story" - dazu in Kürze ein paar weitere deutliche Worte - voranzutreiben, gestaltete man einzelne Sequenzen interaktiv, die man normalerweise als Cutscene schnell übergehen würde. Und zwar in einem Sinne des Wortes, das den gleichen schalen Beigeschmack trägt, den es zuletzt im Zeitalter interaktiver Filme genoss. In einer Sequenz sollt ihr per AWACS, oder was auch immer, ein paar bösen Jungs hinterherspionieren. Im Ergebnis lenkt ihr ein Fadenkreuz über die Stadt und lasst es auf Häusern ruhen. Diese weder atmosphärisch noch spielerisch noch sonst irgendwie wertvolle Aktion dauert mehrere Minuten und wiederholt wird es in leichten Abwandlungen auch noch.

Selbst im Flug hält man euch damit auf. Während einer Nachtmission ist es eure Aufgabe, eine Flughöhe von 5.000 Metern zu halten, um den Geschützen der Luftabwehr zu entgehen. Hoch über den Wolken wechselt das Spiel dann in die Bombenansicht, wo ihr per simpelstem Tastendruck ein dick angemarkertes Ziel tagged und den Rest erledigt die Bombe brav von selbst.

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Die Flugzeugmodelle sind definitiv das Beste an der Optik.

Das ist wahrscheinlich recht realistisch. Moderner Luftkampf ist die meiste Zeit nicht besonders aufregend, gerade wenn man nur aus großer Höhe ein paar Laser-Guideds abschmeißen will. Nur warum taucht so etwas in einem Spiel auf, das eben keinerlei Simulationscharakter, dafür aber angeblich jede Menge Action aufs Tapet bringen will?

Bei der Story wollte man wohl mehr Realismus in das doch recht weit hergeholte Setting des ersten Teils bringen. Schade, dass man sich dabei in den abgedroschendsten Klischees der letzten 15 Jahre bewegt. Russische Separatisten, Aufständische im Nahen Osten und afrikanische Waffenhändler tanzen ihren üblichen unheiligen Reigen mit ein paar an den Haaren herbeigezogenen, unerklärten, wahnsinnig finsteren Hintermännern.

Noch ein paar geklaute Atombomben dazu und fertig ist die Langeweile. Wenn man ein solch hundertfach durchzelebriertes Konglomerat wenigstens richtig Michael-Bay-mäßig inszeniert, dann wird immerhin ein Modern Warfare 2 daraus. So bleibt wiederum Desinteresse seitens des Spielers in einem Game, das eigentlich mit Action und Drama zupacken sollte. Auch weil die Feinde kaum über das Niveau von Flugschülern im Anfangsstadium hinauskommen.

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Ich gebe zu, dass ich, was Flugsimulationen angeht, ganz gut durch die harte Schule von Microprose und Wild Bill gestählt wurde. Und ich bin mir auch bewusst, dass dies hier kein solches Nischenprodukt werden sollte und stattdessen Aufregung im Top-Gun-Stil vermitteln möchte. Finde ich gut. Nur ein paar grundsätzliche Faktoren sollten es schon von einem reinen Ballerspiel abheben

Man kann mangels Anwesenheit von G-Kräften ohne Red- oder Blackouts mit Mach 2 engste Kurven ohne jegliche Strafe fliegen, Stalls sind Ärgernisse statt Todesfallen. Fein. Vorausgesetzt es wird komplett überzogene Action geliefert, die auf Inszenierung und Bildgewalt setzt. Persönliche, harte Fights gegen überzogene, genmutierte, russische Superpiloten. Oder was auch immer. Aber die Mischung aus Pseudo-Realismus beim Umgang mit dem Setting und dem Flugverhalten eines Weltraumshooters passen nicht zusammen. Zu langsam für ein Ballergame, zu simpel für eine Simulation. Nichts Halbes, nichts Ganzes, nichts Richtiges.

Die gegnerische KI scheint komplett auf Stärke durch Zahlen ausgelegt zu sein. Ein Kampf zwischen einer F-16 und ein oder zwei MIG-31 sollte eigentlich dann eine echte Herausforderung für den Spieler darstellen. Beide Flugzeuge sind sehr wendig und ähnlich bewaffnet, der eine etwas beweglicher, der andere etwas schneller. Spannung vorprogrammiert, zumindest in den Händen geübter Piloten oder einer zumindest brauchbaren KI. Hier verkommt die einzelne MIG zur Zielscheibe, selbst auf dem hohen Schwierigkeitsgrad wenig mehr als Kanonenfutter.

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