Sonic Generations

Schnappschüsse aus glücklichen Tagen

Sonic als Marke ist nicht im besten Zustand, aber da erzähle ich euch nichts Neues. SEGA selbst gibt sich da auch keinen Illusionen hin und so bemüht man sich in Einzelanspielsessions mit der fast fertigen Version von Sonic Generations, das Interesse aufleben zu lassen. Aus gutem Grund, kam der Igel doch nicht nur in die Jahre,- 20 um genau zu sein und den untergefeierten Geburtstag in Erinnerung zu rufen -, er wurde fast ein letzten Jahrzehnt so artentfremdet gehalten, dass nicht einmal die letztjährigen, sehr guten Sonic Colours und Sonic the Hedgehog 4 das Image nennenswert nach oben reißen konnten.

Die Angst vor dem nächsten schlechten Sonic, gepaart mit Gleichgültigkeit gegenüber der nächsten Ankündigung. Das macht mich als SEGA-Kid der 90er natürlich traurig, aber verstehen kann ich es allemal. Und deshalb gibt es kurz vor dem Release von Sonic Generations noch einmal eine Vorschau. Weil ich euch nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden mit dem Spiel näherbringen möchte, dass diesmal alle Sorgen unberechtigt sind. Grundlos. Geradezu abwegig.

Sonic Generations wird ein richtig gutes Jump´n´Run.

Diese Aussage allein beruhigt schon ungemein. Es macht keine Rennspiel-Versuche, Prügel-Experimente oder fehlgeleitete 3D-Ansätze. Alles, was in diesem Spiel steckt, wurde schon einmal ausgetestet und für gut befunden. Nicht von einem Marketing, das dem Igel schlimme Dinge antat, sondern von den Spielern, die Sonic 1 bis CD liebten, die die guten Passagen eines Sonic Adventure zu schätzen wussten und in Colours endlich einen Hauch von sinnvoller Erneuerung erkannten. Von euch Sonic-Fans also. Allen drei, die noch übrig sind.

An euch liegt es jetzt, die Kunde weiterzuverbreiten, dass der Igel zu seinem Zwanzigsten zurückkehrt. Als Hüpfer. Und nichts anderes. Ich kann diesen Punkt nicht oft genug an die Wand pinseln. Der Ansatz dafür ist genau der richtige. Es wäre sicher einfach gewesen, lediglich eine Best-of-Collection zum x-ten Mal auf den Markt zu werfen und es gut sein zu lassen. Was SEGA stattdessen macht, ist diesem Best-of einen frischen Look in HD zu verpassen, der den Charme der alten Tage sehr gut trifft. Es ist nicht ganz die nach heutigen Maßstäben fast elegante Schlichtheit der 16-Bit-Abenteuer, aber deren Geist wurde eingefangen.

Bunt und knallig, die Primärfarben als beste Freunde des Designers, eine Welt, in der selbst die Feinde eigentlich freundlich wirken, selbst wenn der ewig präsente Robotnik sie zu Robotern verwandelte. Daran hat sich in der einen Hälfte von Generations glücklicherweise nichts geändert. Die bekannten Melodien und Songs aus zehn guten und zehn harten Jahren umwabern einen und versetzten den Nostalgiker in ein glückliches Stupor. Dazu gibt es trotz aller niedlichen und schicken 3D-Tiefen-Parallax-Effekte echtes 2D-Feeeling. Unterschiedliche Wege durch den Level sind vorhanden, auch in unterschiedlichen Ebenen. Ihr seht auf einem der Pfade alternative Wege weit entfernt in einem bildschönen Hintergrund und fragt euch, wie ihr zu ihnen kommt. Es ist kein Weg, der von dem Grundkonzept, dass ein D-Pad und eine Sprungtaste für ein gutes Jump´n´Run reichen, abweichen würde.

Ein buntes Potpourri aus Green Hill Zone, Sky Sanctuary City Escape, von allem etwas und von jedem augenscheinlich die erfasste und geballte komprimiert wiedergegebene Essenz dessen, verzaubert, wenn man es richtig macht, heute noch. SEGA macht es richtig. Das kann man selbst in dieser noch nicht ganz finalen Version sagen. Die Mechaniken des Igelsprungs funktionieren auf Basis von Sonic CD, also mit minimaler Beschleunigungsabweichung der ersten Mega-Drive-Vorgänger hochgradig präzise. Dieses Spielgefühl, dessen Nuancen nicht ganz so fein sind, wie die des großen Gegenparts der 90er, Mario, aber für den Spieler immer noch viel Raum zur Perfektionierung bieten. Diesem kindlichen und doch so hoch entwickelten Farbenspiel gelingt es gleichzeitig, euch zu verzaubern und mehr als nur einen Hauch einer ganzen Ära mit Würde in das Jetzt zu transportieren.

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