Wildstar: Siedler, Wissenschaftler, Häuslebauer und Boss-Tänzer

Wissenschaft ist Drohnenkrieg, Siedeln Lego und ein Wohnzimmer wird erst ab 18 ausgestopften Krokodilen gemütlich.

Kurz zur Erinnerung: In Wildstar, dem kommenden MMO der Carbine Studios, dürft ihr zusätzlich zu einer der vier Charakterklassen (Krieger, Arkanschütze, Meuchler, Esper) einen von vier Pfaden wählen, die eurer Spielweise entgegen kommen sollen, und in denen ihr eigene Erfahrungspunkte, sogenannte Path-XP, spammelt (siehe auch unsere letzte Vorschau).

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Und hier bekämpfen wir ... Urmel aus dem Eis?

Wer gerne jeden Winkel des größtenteils Ladebalken-freien Planeten "Nexus" erkunden möchte und temporär Pfade für die Allgemeinheit freischalten will, wird Kundschafter. Wer lieber Monster kloppt und jagt, wird Soldat und darf dann an bestimmten Orten in der Spielwelt Feinde anlocken, auf dass die bissigen Wellen ordentlich Erfahrung und Loot heranschwemmen. Zu den beiden anderen Pfaden, Wissenschaftler und Siedler, gab es jetzt kürzlich anlässlich eines Events in München frische Infos durch den Game Design Producer Stephan Frost. Nebenbei durfte ich mir dort das Playerhousing näher ansehen, hörte ein paar schwammige Aussagen zu den Tradeskills und wurde mit Kollegen durch einen instanzierten Dungeon zum ersten Zwischenbossfight gelotst.

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Die Wissenschaft ermöglicht buchstäblich große Sprünge.

Als bekennender Bücherwurm kann ich dem Wissenschaftler-Pfad einiges abgewinnen. Man beschwört eine fliegende Drohne, die man dann auf alle möglichen Dinge in der Spielwelt loslassen darf, damit sie Informationen sammelt (Erklärungstexte und Path-XP) oder Trigger für besondere Ereignisse aktiviert. Scannt die fliegende Blechkugel zum Beispiel einen schwebenden blauen Kristall, erhält man kurzzeitig die Fähigkeit, enorm hoch zu springen, und kann so eine unwegsame Bergwand erklimmen. Oder man stolpert über eine Tür, deren Schloss durch ein zufallsbasiertes (!) Puzzle gesichert ist, das nur ein Wissenschaftler per Drohne entschlüsseln und öffnen kann. Wie auch bei den anderen Pfaden profitiert die ganze Gruppe davon, wenn die Drohne ihren Job macht - es werden neue Räume zugänglich oder man erfährt die Schwachstelle eines Monsters.

Noch mehr für die Allgemeinheit tun allerdings die Siedler. Ihnen obliegt es, an bestimmten Orten in der Spielwelt die Infrastruktur aufzubauen und am Laufen zu halten. Dafür sammeln sie Ressourcen, die dann für den Bau eingesetzt und regelmäßig nachgeschaufelt werden müssen, soll das Gebäude nicht wieder in sich zusammenbrechen. Im einfachsten Fall stellen Siedler Zäune auf oder lassen Wachposten erscheinen, die dann umstehende Monster angreifen. Doch auch Quest-NPCs, Buff-Maschinen, Mailboxen, Taxihaltestellen oder Banken gehören zum Repertoire des Siedler-Pfades. Wie gesagt: Diese Gebäude lassen sich nur an bestimmten Stellen errichten, was ein bisschen an die LEGO-Reihe erinnert - Wildstar ist nun mal keine Sandbox. Lagerfeuer für Buffs darf man hingegen überall platzieren, doch sobald ein fremder Spieler draufklickt, kann er für 24 Stunden kein anderes Lagerfeuer benutzen, was Path-XP-Grinding unterbinden soll.

Schaffe, schaffe, fliegende Insel freiräumen

Mehr Freiheit sollen das Playerhousing-System und die selbst erstellten PvP-Areale bieten, die sogenannten Warplots. Letztere wurden auf dem Event leider nicht gezeigt, sollen aber bis zu 40 Spielern pro Seite riesige PvP-Schlachten ermöglichen, deren Schauplatz man selbst gestalten und mit Feinden aus der Spielumgebung bevölkern darf, um zum Beispiel die Tore seiner Basis zu bewachen.

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Simple Übung für Siedler ... Lagerfeuer aufstellen.

Ein eigenes Haus in Wildstar zu beziehen, ist ebenfalls alles andere als eine friedliche Angelegenheit. Man wird auf eine fliegende Insel verfrachtet und soll dort erst einmal Bäume und Monster mit Sprengstoff aus dem Weg schaffen. Hat man das erledigt, folgt eine Quest, in deren Verlauf man mehrere Wellen von Geister-Skelett-Dinosauriern abwehren muss und ich rede hier von richtig dicken Brocken. Erst wenn man diese Herausforderungen gemeistert hat, darf man sich sein trautes Heim, vom Lagerfeuer-Camp bis zur Prachtvilla, zusammenklicken. In der gezeigten Version standen hierfür auf einem Raster sechs Felder unterschiedlicher Größe zur Verfügung (von einem Kästchen bis vier mal vier Kästchen). Nicht nur, dass man erwartbare Schmankerl, wie Briefkästen, Crafting-Stationen und NPCs rund um sein Haus aufstellen kann - die Bandbreite an Zusatzgebäuden reicht von Grills und Gärten mit Nutzpflanzen und Ressourcen spendenden Minenschächten über Heli-Pads bis hin zum Scharfschützenturm. Doch so martialisch das jetzt klingt: Die Inseln anderer Spieler zu erobern oder anzugreifen, ist nicht möglich. Nur friedliche Besuche sind erlaubt. Gekämpft wird trotzdem, wenn beispielsweise Monster eure Heimstatt überfallen.

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Ob NPCs oder Buff-Maschinen - wird alles von Siedlern instand gehalten.

Auch wenn die fliegenden Eilande prinzipiell für alle Spieler gleich aufgebaut sind, gestaltet sich die Einrichtung eures Domizils recht individuell. Hier stehen euch zig Tapeten, Bodenbeläge, Fenster und frei positionierbare Einrichtungs- und Dekogegenstände zur Verfügung, die man als Handwerker herstellen oder in der Umwelt finden kann. Mein persönliches Feng-Shui-Verbrechen in einem ersten Testlauf war ein Wohnzimmer mit kitschiger Cartoon-Karotten-Tapete, einem Holzstuhl und 18 ausgestopften Mammut-Krokodilen als Bodenbelag, stimmungsvoll beleuchtet durch ein Fenster, das vorbeifahrende Züge simulierte. Gemütlich, oder?

Zu Handwerk und Bosskämpfen

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Über Geschmack lässt sich streiten - vor allem bei der Inneneinrichtung eures Hauses.

Zu den Tradeskills und den Crafting-Mechaniken wollte sich Stephan Frost nicht im Detail äußern, außer, dass sie allen Klassen und Pfaden offen stehen. Bereits bekannt sei, dass man Mineralien und Ressourcen nicht wie in anderen MMOs durch simple Interaktion mit einem Felsen oder einer Pflanze abbaut. Stattdessen müsse man zum Beispiel Käfern nachjagen, die das Mineral auf dem Rücken tragen - was nebenbei Bot-Gebrauch unterbinden soll. Ein neues Stichwort, das Frost in den Raum warf, war das "Coordinate Crafting". Das müsse man sich wie Kochrezepte vorstellen, bei denen man zwar die Zutaten wisse, doch nicht die Dosierung. Quasi: "Dreimal salzig, zweimal süß, einmal sauer, ergibt das übermächtig buffende Fischbrötchen". Die Rezepte werden zufällig sein und man muss sie für jeden Charakter herausfinden, darf den Gegenstand aber von da an immer mit den gleichen Zutaten basteln.

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Silo, Grillpavillion und Heli-Pad? Darf auf keinem Grundstück fehlen.

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Ebenfalls bemerkenswert war der Bossfight zum Ende der Veranstaltung. Die versammelte Presse wurde in den Dungeon mit Kriegern, Arkanschützen und Espern geschickt, die auf Tank, DPS und Heiler geskillt waren. Kämpfe sind in Wildstar sehr dynamisch. Eure Stellung und Ausrichtung zum Gegner ist wichtig. Feindliche Attacken werden durch rote Markierungen am Boden gekennzeichnet - die alle möglichen Formen annehmen können. Besonders deutlich sah man das am Zwischenboss namens Talon. Dieser wechselt munter seine Angriffsphasen und beharkt das Areal aus der Luft, sobald man seine Lebensleiste dezimiert hat. Dabei färbt sich der Boden wie eine riesige rotierend- und rotblinkende Dartscheibe, sodass nur schmale Streifen bleiben in denen man vor dem Luftbombardement sicher steht. Habt ihr schon einmal ein Video mit den typischen Endbossen aus 'Ikaruga' gesehen? So muss man sich das vorstellen. War jedenfalls ziemlich adrenalingeladen und macht neugierig auf das fertige Spiel. Da sollen die Angriffsmuster noch weit komplexer werden.

Neuigkeiten zum Zahlungsmodell gibt es nicht zu vermelden - anwesende Entwickler und Publisher verweigerten konsequent jedwede Aussage Pro oder Contra Abomodell, von einem "wird bald angekündigt" mal abgesehen. Ein genaues Releasedatum blieben die Entwickler ebenfalls noch schuldig (irgendwann 2013). Derzeit läuft die geschlossene Betaphase, zu der man sich auf der offiziellen Seite anmelden kann.

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