The Walking Dead - Season 2, Episode 1: All That Remains - Test

Nichts verlernt.

Im Oktober schrieb Alex noch einen Kommentar zum Thema The Walking Dead, wobei er eine zweite Staffel für einen Fehler hielt. Aber ist es das wirklich? Nach dem Durchspielen der ersten Episode der zweiten Season würde ich erst einmal sagen: Nein, es ist definitiv kein Fehler.

Dazu muss ich sagen, dass ich sowohl mit der TV-Serie als auch mit Telltales Reihe eine Art Hassliebe verbinde. Beide bieten einerseits wirklich tolle und spannende Unterhaltung, die mich sofort nach der nächsten Episode lechzen lässt, aber andererseits verzweifle ich auch regelmäßig, weil Charaktere, die ich wirklich mag oder von denen ich gerne noch mehr sehen würde, das Zeitliche segnen. Und falls ihr hier nun die Befürchtung hattet, dass sich in der zweiten Staffel einiges ändert, weil ihr ja nun ein Kind spielt, kann ich euch beruhigen: Es geht nach wie vor hart zur Sache.

Keine Sonderbehandlung

Clementine bekommt in der zweiten Staffel keine Sonderbehandlung, nur weil sie ein Kind ist. Telltale schreckt hier keineswegs davor zurück die Kleine, die wir alle im Verlauf der ersten Season ins Herz geschlossen haben, zu verletzen - und das auf physische wie auch auf emotionale Art und Weise. Der Beschützerinstinkt greift sofort wieder, auch wenn ihr Clementine nun selbst steuert. Man leidet, fiebert und zittert mit, während sie sich durch diese finstere, brutale Welt schlägt.

Das ganze Geschehen spielt 16 Monate nach der ersten Staffel und obwohl man Clementine nach wie vor als das kleine Mädchen erkennt, das sie früher schon war, bekommt man doch auch gleich ein gutes Gefühl dafür, dass sie sich in dieser Zeit spürbar weiterentwickelt hat, ja vielleicht sogar ein kleines bisschen erwachsen geworden ist. Das muss sie auch und nicht nur dank Lee weiß sie bestens, wie sie mit den hungrigen Zombies umzugehen hat - sowohl mit ihrer Pistole als auch mithilfe anderer Werkzeuge.

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Noch immer hungrig. Die Zombies schnappen sich jeden, der nicht aufpasst.

Um das nochmal zu betonen: All das, was Clementine hier passiert, hätte so auch Lee oder irgendeinem anderen erwachsenen Charakter passieren können. Es werden keine Kompromisse nur aufgrund ihres Alters eingegangen, Clementine wird mit der schonungslosen Realität konfrontiert und genau das macht den Staffelauftakt zu einen wirklich intensiven Erlebnis. Eines, das man am besten selbst und unvorbereitet erlebt, daher lest ihr hier an dieser Stelle natürlich keine Spoiler.

Nur so viel: Ähnlich wie die erste Episode der ersten Staffel dient die erste Episode von Season 2 auch als eine Art Grundstein. Ihr lernt neue Charaktere kennen, neue Freunde - wobei man sich dessen in der Welt von The Walking Dead nie so ganz sicher sein kann - und es gibt Geheimnisse, die in den kommenden Episoden sicherlich noch eine tragende Rolle spielen werden.

Beim Start könnt ihr indes euren Spielstand aus der ersten Staffel importieren, die Auswirkungen davon halten sich aber zumindest bislang noch in Grenzen - zumindest ist mir nichts offensichtlich ins Gesicht gesprungen. Gleichermaßen werden eure Entscheidungen hier natürlich wieder einen gewissen Einfluss auf die weitere Geschichte der zweiten Staffel haben.

Mehr vom Gleichen

Erzählerisch ist also alles im Lot und auch spielerisch setzt Telltale auf das bekannte Muster, ohne das ihr hier große Revolutionen erwarten könntet. The Walking Dead bleibt mehr diese Art interaktive Geschichte und ist weniger echtes Adventure, bei dem ihr eure grauen Zellen wirklich anstrengen müsstet. Die erste Episode ist weitestgehend linearer Natur, einen etwas offeneren Ort zum Erkunden und Entdecken, wie man ihn mit der Farm in der ersten Staffel hatte, gibt es zumindest derzeit noch nicht.

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Clementine lernt neue Leute kennen, aber sind sie auch neue Freunde?

Gefragt sind da schon eher flinke Finger, wenn es Clementine mit Zombies oder Menschen zu tun bekommt und sich zur Wehr setzt - auch hierbei ist das alles recht glaubwürdig umgesetzt. Clementine ist ein cleveres, flinkes und agiles Mädchen und mittlerweile weiß sie, wie sie die Umgebung und Gegenstände, die sie dort findet, zu ihrem Vorteil nutzen kann.

Was die Technik betrifft, kämpft die getestete Xbox-360-Version hier und da immer noch mit ein paar Rucklern, allen voran bei Szenenwechseln und wenn ihr Achievements freischaltet. Schade, dass Telltale das noch nicht in den Griff bekommen hat.

The Walking Dead kann nicht noch intensiver und emotionaler werden? Kann es doch! Zumindest empfand ich die erste Folge der zweiten Staffel so. Bedenken, dass Telltale hier irgendetwas zugunsten eines Kindes als Hauptcharakter verweichlicht, zerstreut man praktisch schon innerhalb der ersten Minuten. Wie man es nicht anders kennt, stellt The Walking Dead auch mit dem Start der zweiten Staffel eine Achterbahnfahrt der Gefühle dar, bei der ich gar nicht anders kann, als mitzufiebern und mitzuleiden. Bravo, Telltale.

8 / 10

Unsere Wertungsphilosophie The Walking Dead - Season 2, Episode 1: All That Remains - Test Benjamin Jakobs Nichts verlernt. 2013-12-20T09:00:00+01:00 8 10

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