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Sennheiser GSX 1000 und GSX 1200 Pro Audio Amplifier - Test

Gaming-Features für audiophile Kopfhörer? Kein Problem!

Update: Mittlerweile konnten wir auch den GSX 1200 Pro ausgiebig testen. Im Innern tun dieselben beneidenswerten Leistungsdaten ihren Dienst, wie im weiter unten getesteten GSX 1000. Alles was dort über Klang, Bedienung und Funktionsumfang steht, stimmt eins zu eins auch für den 1200 Pro. Der ist nun allerdings etwa 30 Euro teurer und richtet sich vornehmlich an Spieler, die in Teams auf LANs unterwegs sind. Für die löst er nämlich zusätzlich ein interessantes Problem.

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Hier gut zu erkennen: Die Buchsen A und B zur Verkettung von bis zu acht Geräten.

Während sich das Gerät von seinem zweieiigen Zwilling auf den ersten Blick unterscheidet, fallen auf den zweiten zusätzliche Buchsen an der Rückseite sowie ein weiterer Lautstärkeregler vorne links auf. Die beiden neuen Anschlüsse sind dazu da, bis zu acht GSX 1200 Pro per mitgelieferter, zwei Meter langer und vierpoliger 2,5mm Klinke miteinander zu verketten.

Das Resultat: glasklarer und vollkommen verzögerungsfreier Sprach-Chat zwischen Teammitgliedern. Wer schon mal mit einem Mitspieler direkt nebenan gespielt hat und dessen Stimme einerseits noch leise aus dem Off hört, nur um das Gesagte mit einer halben Sekunde Verspätung noch mal durch das Headset gepumpt zu bekommen - weil es den Umweg über einen externen Client wie Teamspeak, Steam oder Uplay nahm -, wird das zu schätzen wissen. Und die Ansagen sofort zu bekommen, kann auf dem hohen Level, auf dem die Zielgruppe spielt, tatsächlich einen entscheidenden Unterschied machen.

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Dazu die Möglichkeit, die Lautstärke des eingehenden und ausgehenden Chats separat per eigenem Rädchen zu justieren und fertig ist das Nischengerät, das auf seinen dedizierten "Use case" perfekt zugeschnitten ist. Ich bin mir bewusst, dies ist ein ganz bestimmtes Anwendungsfeld, das viele herzlich wenig interessieren dürfte, in dem Fall sagt aber der Name des schmucken und gut verarbeiteten Tischverstärkers alles, denn das "Pro", steht schließlich nicht - wie so oft bei Gaming Zubehör - umsonst dahinter. Ich kann mir problemlos vorstellen, dass dieser kleine Quader irgendwann zur Grundausstattung diverser eSports-Teams gehört, zumal auch Klang und Bedienung nach wie vor überzeugen.

Ursprünglicher Test: Sennheiser GSX 1000

Ein neuer Monat, eine neue Surround-Lösung für Computerspieler. Und um ehrlich zu sein, am Ende landete ich persönlich bisher doch immer wieder im Stereomodus. Ein guter audiophiler Kopfhörer oder ein Stereo-Headset von einer Firma, die weiß, was sie tut, klingt in meinen Ohren fast immer besser als viele der häufig künstlich scheppernden Aufdröselungen der Klangsignale und die Ortung ist auch mit den Kanälen links und rechts fast immer noch gut gegeben. Was ich sagen will: Nachdem Headsets mit sieben oder mehr verbauten kleineren (und häufig minderwertigeren) Treibern zum Glück schlimm aus der Mode sind, läuft ohnehin alles in Sachen Raumklang über Software - und nichts macht das deutlicher als CS: GOs mit reinen Stereokopfhörern schon bestens funktionierende HRTF-Update.

Im Grunde war ich also von vornherein versucht, das hier als Spielerei abzutun, bei der ich nach dem Test wieder genau dort landen würde, wo ich vorher war - besser dran mit Stereo. Aber so kam es dann doch nicht, denn der externe Audioverstärker GSX 1000 macht nicht nur in Sachen Raumklang vieles einfach sehr gut, er gefällt auch allgemein durch einen ausgewogenen Sound, gute Bedienung und viele praktische Funktionen. In meinem Set-up ist er mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkendes Bindeglied, von dem ich vorher nicht einmal wusste, dass es mir fehlte.

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Macht schon was her: Der Alu-Ring, mit dem die Lautstärke geregelt wird.

Aber der Reihe nach, was ist es überhaupt, was kann es und was nicht? Das mit gut 220 Euro nicht ganz billige Gerät kommt in einem erstaunlich kleinen Kästchen daher. Neben der quadratischen Soundkarte selbst fällt nur noch eine Kurzanleitung, die den Begriff sehr genau nimmt, und ein rotes Micro-USB-Kabel aus der Packung. Das wandert in den PC, die restlichen drei Schnittstellen sind allesamt 3,5mm Klinke und als Kopfhörer, Mikro und Lautsprecher gekennzeichnet. Bereitet euch also darauf vor, für Klinkenheadsets mit vierpoligem Kombi-Stecker eine Weiche zu besorgen, die Mikrofon und Kopfhörerpole des Kabels voneinander abzweigt. USB-Headsets oder Mikrofone bleiben selbsterklärenderweise ebenfalls außen vor. Das GSX 1000 ist damit perfekt für Spieler, die neben einem analogen Headset beziehungsweise einer Kopfhörer-Mikrofon-Kombo noch einen Satz Schreibtischlautsprecher anschließen wollen.

Direkt ins Auge springt, wie gut es verarbeitet ist: Der große Lautstärkering ist ein Blickfang aus gebürstetem Alu und lässt sich fast wie schwerelos drehen, kein Kratzen oder Schaben ist zu vernehmen. Das Kunststoffgehäuse wirkt wertig, Gummifüße verhindern das Verrutschen, und wer es leicht gekippt mag, darf an der Rückseite einen Standfuß ausklappen. Der gute erste Eindruck erstreckt sich auch auf die Bedienung: Einmal konfiguriert - in den Soundeinstellungen von Windows nur das "GSX 1000 Headset Earphone" als Standardkommunikationsgerät einstellen, "GSX 1000 Main Audio" als Standardgerät, dann noch das Mikro des Geräts zum Default ernennen und fertig - spart man sich fortan jegliche Fummelei in den unsäglichen Windows-10-Optionen und wechselt direkt über die Touch-Bedienfelder am Gerät zwischen verschiedenen Einstellungen oder ohne Verzögerung zwischen Kopfhörern und Boxen.

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Die übersichtlichen Ein- und Ausgänge.

Es wirkt auch vor allem deshalb sehr aufgeräumt, weil man keine Software herunterladen muss, um den Klang und die Features an seine Bedürfnisse anzupassen. An der berührungsempfindlichen Front kann man alles auf einen Blick ablesen und justieren. Nie wieder ein Spiel minimieren, weil man eine Funktion zu- oder abschalten will. Lasst ihr es in Ruhe, blendet das Touch-Display ab, bewegt man seine Hand in die Nähe, springt es direkt an. Das ist die Sorte angeberisches Detail, für die ich mich begeistern kann. Etwas vorsichtig muss man an den Ecken sein, denn auch hier sind touch-sensitive Felder verbaut. Jede Ecke steht für eine Voreinstellung und ein LED zeigt an, welche gerade aktiv ist. Aber wenn man nicht aufpasst, passiert es schon mal, dass man zufällig zwischen ihnen wechselt. Sobald man das weiß, passiert das aber so gut wie gar nicht mehr.

Noch bevor ich den 7.1-Effekt auf die Probe stellen konnte, sammelte das GSX-1000 ein paar dicke Pluspunkte bei mir, weil es einige nützliche Funktionen mitbringt, die mein bisheriges Lieblingsheadset - Beyerdynamics MMX 300 - vermissen ließ: Das GSX übernimmt zum Beispiel Mikrofon-Monitoring und schleift eure eigene Stimme in Echtzeit zum Kopfhörer durch, damit man bei nächtlichen Zock-Sessions nicht seinen eigenen Pegel aus den Augen beziehungsweise den Ohren verliert. Zwei Lautstärken gibt es und natürlich schleicht sich dadurch ein gewisses Grundrauschen in den Sound ein, aber das geht nun mal nicht anders und fällt im Spielbetrieb nicht weiter auf. Außerdem lässt der Amp es zu, mit einem Rädchen am Rand Spiel-Sound und Chat-Lautstärke separat zu regeln, was ein echter Segen ist, wenn die Level-Abrissarbeiten in Rainbow Six Siege mal wieder die Stimmen der Mitspieler zu verschütten drohen. "Doppelte USB-Enumeration" nennt die Feature-Liste das. Wieder ein bisschen schlauer.

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Die Bedienelemente von oben links beginnend: Ausgabe an Kopfhörer oder Boxen, Equalizer-Toggle, Verstärkung vorne oder hinten, Toggle zwischen 7.1 und 2.0, Monitoring-Lautstärke und Hallstärke. Die Leuchten in den vier Ecken signalisieren, welches Preset aktiv ist.

Weiterhin gibt es neben dem neutralen Equalizer noch drei weitere Voreinstellungen, zwischen denen per Antippen durchrotiert wird. Allein die Musikvoreinstellung habe ich genutzt, allerdings ist die auch in erster Linie für sehr bassbetonte Musik zu empfehlen. Mit Neutral fährt man in jedem Fall am besten. Das Film-Preset klang okay, stellte gegenüber dem neutralen Sound aber keinen Vorteil dar, während E-Sport-Setting die Bässe runterfährt, um Schrittgeräusche in den Vordergrund zu stellen. Es funktioniert, ist klangästhetisch aber echt gruselig. Wie gesagt: Es mag Geschmackssache sein, aber ich für meinen Teil fühlte mich am besten, wenn ich die Finger davon ließ.

Das sind Funktionen, die nicht wenige dedizierte Gaming-Headsets auch mitbringen und die ich dort - abzüglich des von mir selten beachteten Equalizers - eigentlich ausdrücklich begrüße. Leider stellen die in aller Regel im Klang Kraft über Ausgewogenheit, röhren gerne, klingen schon mal pappig oder kratzen in den Höhen, sobald man in höhere Lautstärkebereiche vorstößt. Die Möglichkeit, einen Satz audiophiler Kannen um Monitoring und die Auskopplung des Chats zu erweitern, erscheint mir deshalb unglaublich attraktiv, zumal alles dank der intuitiven Bedienung in Sekundenschnelle durch ein paar Tipper und Dreher justiert ist.

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Ab und an kommt man zufällig an die Preset-Tasten, aber das gewöhnt man sich recht zügig ab.

Womit wir beim Klang angekommen wären. Ich bin nicht sicher, ob ich in diesem 7.1 besser spiele. Ich bin nicht mal sicher, ob es besser ist als Counter-Strike: GOs neue Sound-Engine. Was ich aber sehr wohl sagen kann, ist dass der Klang eine wirklich gute Räumlichkeit vermittelt, zumal man in zwei Stufen einen erstaunlich effektiven Halleffekt zuschalten kann, der gerade unter geschlossenen Kopfhörern (wie dem MMX 300 oder meinen AiAiAi TMA-2) recht gut die Räume "aufbläst". Mit einer leichten Verfremdung muss man leben, bekommt dafür aber tatsächlich bessere Ortung und hört sogar oben und unten besser heraus. Wer mag, darf sogar bestimmen, ob die Soundkarte die vorderen oder hinteren Surround-Kanäle mehr hervorheben soll.

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Und falls irgendwann doch auch jedes andere Spiel perfekte eigene Surround-Algorithmen einsetzt, ist der GSX 1000 dank tollen Stereoklangs immer noch nicht obsolet und schlägt gängige On-Board-Soundkarten um Längen. Für Musikgenuss über Kopfhörer (bis 150 Ohm) und meine Edifier-Luna-Aktivlautsprecher ist neben dem Surround-Modus für Games fortan jeweils ein Stereo-Preset fest reserviert. Der subjektive Höreindruck hängt letzten Endes dann natürlich am gewählten Schallwandler. Dieser hübsche, kleine Tausendsassa ließ sich mit preisgerechtem, ausgesprochen kraftvollem, sauberem und doch nie zu analytisch-drögem Klang aber nichts zu Schulden kommen. Man merkt zu keinem Zeitpunkt, dass man es mit Sennheisers erster Soundkarte zu tun hat, und bekommt, was man bezahlt.

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Macht sich auch im Schreibtisch-Kontext gut.

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Als das Gerät hier in der Redaktion eintrudelte, hatte ich noch gar nicht mitbekommen, dass im Netz schon längst eine Art kleiner Hype um den GSX 1000 ausgebrochen war. Mittlerweile verstehe ich, warum. Der Klang alleine ist es nicht. Der ist tadellos, wirklich gut sogar. Aber das bieten andere Soundkarten auch. Sennheiser trifft mit seinem neuen Produkt einen Nerv, weil es viele Funktionen auf kleinem Raum vereint und noch dazu ein schlaues Bedienkonzept auffährt. Klar, der Preis ist... nun... nicht ohne, aber die wertige Verarbeitung und nicht zuletzt die Möglichkeit, High-End-Kopfhörern die einzigen Tricks beizubringen, die sie von Gaming-Headsets lernen konnten, macht das nicht ganz zehn mal zehn Zentimeter kleine Paket zu einem begehrenswerten Stück Klanghardware. Es schließt eine Lücke, die andere bisher nicht als solche wahrgenommen haben, und ist damit jeden Cent wert.

Hersteller: Sennheiser - Kompatibel mit: PC, Mac - Geplante Veröffentlichung: erhältlich - Preis: ca. 220 Euro (GSX 1000), ca. 249 Euro (GSX 1200 Pro)

Sennheiser GSX 1000 und GSX 1200 Pro Audio Amplifier - Test Alexander Bohn-Elias Gaming-Features für audiophile Kopfhörer? Kein Problem! 2017-02-13T11:07:00+01:00 4 5
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