Resident Evil 5

CoOp Top, Single Flop

Anmerkung: Ab stehen wir Euch bei Problemen mit unserer Komplettlösung von Resident Evil 5 zur Seite.

Ein schriller Schrei durchbricht die Stille des afrikanischen Wüsten-Nestes. Aus dem Schlagschatten der grellen Sonne schälen sich zuckende Gestalten. Die Menge hat Chris Redfield und seine Partnerin Sheva Alomar entdeckt. Mit weit aufgerissenen Augen, kruden Waffen und pulsierenden Adern stürzen sich die Monster auf die BSAA-Agenten. Äußerlich noch Menschen, wurde ihnen von einem Parasiten die Willenskraft genommen. Nun herrscht in ihrem Schädel nur noch blanke Wut und das Verlangen, alles andersartige zu töten.

Schnell schließt der erste Gegner zu dem Duo auf. Chris empfängt ihn mit seinem Messer. Schlägt zu. Daneben. Gefühlte 10 cm. Scheiße, schnell wieder das Messer eingesteckt, ein Schritt nach vorne. Zu nah. Der Kerl hängt an seiner Kehle. Blitzschnell reagiert seine Partnerin und hämmert dem Wahnsinnigen ein harte Gerade ins Gesicht. Ein weiterer Irrer springt auf Chris zu, in der Hand eine rostige, blutige Axt. Nun das ganze Spiel wieder von vorne. Diesmal zückt er die Pistole, doch bevor er die Waffe ausgerichtet hat, springt ihn ein Gegner von hinten an. Wieder muss Sheva aushelfen.

Minutenlang geht das Spiel so weiter. Anhalten, Waffe ausrichten, ein bis zwei Treffer anbringen, dann weglaufen. Wie in einem altertümlichen Tanz umkreisen sich Gegner und Euer Team. Immer wieder ein zu kurzer Schlag mit dem Messer, ein zu spätes Ausrichten der Waffe. Wut, Panik und Adrenalin halten sich die Waage. Mit einem menschlichen Leidensgenossen entsteht ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, mit dem Computer immer wieder Frust. Oft steht die KI-Sheva im Weg rum, nutzt nur ihre Pistole und verbraucht unnütz wertvolle Munition. Resident Evil 5 ist trotz moderner Grafik und spannendem CoOp-Modus - mit Offline-Splitscreen - ein Sprung in die Vergangenheit.

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Neu im Resident Evil-Universum: Ballern bis der Lauf glüht.

Lang und breit wurde im Vorfeld über die Steuerung diskutiert. Erst hat Capcom die Stop-and-Shoot-Mechanik als traditionell verteidigt, dann hat ein europäischer Manager fälschlicherweise eine Action-Steuerung angekündigt. Im fertigen Spiel läuft alles bis auf wenige Details wie im Vorgänger ab. Ihr könnt Euch zwar erstmals ohne gezogene Waffe seitwärts bewegen, aber kaum legt Ihr an, seid Ihr wie gewohnt am Boden festgenagelt. Messer-Attacken umständlich über zwei Tasten. Neue Steuerungs-Konzepte, wie zum Beispiel bei Dead Space, wurden komplett ausgeklammert.

Und auch bei der restlichen Gameplay-Elementen setzt Capcom über weite Strecken auf die damals frischen, heute jedoch etwas verbrauchten Ideen des vierten Teils. Ihr betretet eine Location, überschreitet einen Trigger, werdet von einer Horde Gegner attackiert und müsst sie entweder vernichten oder einen weiteren Trigger beziehungsweise das Ende eines Zeitlimits erreichen. Schockeffekte? Fehlanzeige. Dann noch Kisten zerschlagen, viele Quick-Time-Events überstehen, Gegenstände aufsammeln, Waffen aufrüsten und alle paar Abschnitte ein kleines Rätsel a la „Lenke den Sonnenstrahl“ lösen. Bis auf die extreme CoOp-Spezialisierung, die im Single-Player einige Probleme bereitet, hat sich Capcom für den einfachen, sehr konservativen Weg entschieden.

Immerhin ist das Szenario frisch. Nach einigen Herrenhäusern, der spanischen Provinz und verlassenen Inseln verschlägt es Bioterrorism Security Assessment Alliance (kurz: BSAA)-Agenten Chris Redfield nach Afrika. Dort greift ihm seine afrikanische Kollegin Sheva Alomar unter die viel zu muskulösen Arme, um einen Biowaffen-Händler namens Irving zu verhaften. Bei ihren Untersuchungen platzen sie dann leider direkt in einen Feldversuch der „Las Plagas“, die Ihr noch aus dem Vorgänger kennen dürftet.

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Der Händler war atmosphärischer: Der nüchterne Inventar-Screen.

Der Parasit wurde der Bevölkerung des kleinen Dorfes Kijuju verabreicht, die sich daraufhin auf Lynchmorde spezialisiert und Euch mit Äxten, Fackeln und Lanzen durch die Gegend jagt. Ihr trefft wieder auf einen Kettensägenmann, der sich am besten mit gezielten Schüssen auf sein Auge samt anschließender Nahkampfattacke in die Knie zwingen lässt. Einen martialischen Henker, der mit seiner Axt komplette Wohnhäuser „umdekoriert“. Und auf fliegende Monster, die sich kreischend an Eurem Kopf festbeißen.

Bei den Locations leistet sich Capcom keine Blöße. Ihr schlagt Euch nach dem Dorf durch eine atmosphärische Sumpflandschaft, zerlegt eine verwinkelte, Feuer strotzende Ölraffinerie und entdeckt eine prachtvolle, unterirdische Tempelanlage. Alles grafisch hervorragend in Szene gesetzt und mit einer netten Story versehen, die vor allem Fans der Serie zu einigen ungewöhnlichen Aha-Momenten verhilft. Um nicht zu spoilern, sei nur so viel verraten: Ihr trefft auf einige alte Bekannte, löst ein paar Rätsel aus dem ersten Teil und rettet, mal wieder, die Welt vor dem Untergang.

Auch die Zwischensequenzen erfreuen das Zockerherz. Schnitt, Synchro, Musik-Untermalung und Action-Sequenzen liegen auf Hollywood-Niveau. Metal Gear Solid 4 liegt zwar eine Nasenlänge vorne, doch für Resident Evil-Fans wird großes Kino geboten. Die ständigen Ladezeiten vor diesen Sequenzen sind manchmal störend, unterbrechen den Spielfluss aber nur kurz. Außerdem gibt es auf dem Ladescreen interessante Informationen aus fast 15 Jahren Resident Evil. Wer einen Teil verpasst hat, kann hier ein paar Fakten nachlesen.

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