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The Last Remnant

Kein Next Big Thing!

Weihnachten gehört nicht zu den Shintoistischen Festen, aber trotzdem hätte sich dieser Termin auch bei japanischen Softwareentwicklern bis jetzt herumsprechen müssen. The Last Remnant, das erste von Square Enix mit Fokus auf die ganze Welt entwickelte Spiel, scheint vom wichtigsten Verkaufsfest des Westens jedoch komplett überrumpelt worden zu sein. Schnell musste es auf den Markt. Egal wie. Entweder das oder man kam einfach mit der Unreal 3 Engine nicht so richtig klar.

Dabei steckt in The Last Remnant ein durchaus überwältigender Grad an Details in einem Design, an dem talentierte Künstler offenbar lange feilten. An den Basics hapert es aber gewaltig. Die Technik-Odyssee beginnt im gefürchteten Land der endlosen Ladezeiten. Die Wartezeiten von bis zu einer halben Minute wären dabei noch allein und für sich keine Katastrophe, in Verbindung mit der Häufigkeit, in der frisches Material in den Speicher geschaufelt werden muss, schon. Nicht einmal eine Zwischensequenz bewältigt das Spiel in einem Satz, ohne dass Ihr zwei oder drei der eher lieblosen Ladescreens über Euch ergehen lassen müsst. Und am Ende brachte es Euch gerade mal zehn nicht interaktive Minuten weiter.

Der Aufbau eines Areals dauert noch länger, für jeden einzelnen Kampf arbeitet das geräuschvolle Laufwerk auf Hochtouren und es gibt nur eine Rettung. Seit dem großen Upgrade des Dashboards lassen sich Spiele bekanntlich zur Geräuschmilderung und Temposteigerung installieren. Selbst 20 GB-Besitzer sollten die 6 GB investieren, um zumindest die aktuelle des zwei DVDs umfassenden Abenteuers flüssig(er) durchschreiten zu können.

The Last Remnant - Gameplay-Video

Hand in Hand mit den Ladeproblemen geht das absurde, nachträgliche Liefern der Texturen. Sobald ein neuer Screen ansetzt oder das Szenario und Kameraposition in einer Szene wechseln, erscheint ein Anblick, der zeigt, wie Playstation 2 in HD aussehen würde. Erst nach ein paar Sekunden purzeln die zugegebenermaßen wirklich kunstvollen Texturen auf die Oberflächen, nur hat bis dahin der Eindruck der virtuellen Fantasywelt dummerweise schon deutlich gelitten.

Zwischen diesen Problemen leuchtet aber immer etwas durch, was Square Enix seit ihrem Meilenstein Final Fantasy VII in Perfektion beherrscht. Das bis ins letzte detailverliebte Design wartet mit allen positiven Merkmalen seiner Herkunft auf und wird das Herz jedes J-Rollenspielers erfreuen. Davon, dass Last Remnant nun aber besonders auf ein westliches Publikum getrimmt wurde, merkt Ihr, von den etwas weniger wilden Frisuren abgesehen, wenig. Klamotten, die kein normaler Mensch tragen würde, seltsame Fabelwesen leben in Eintracht in prachtvollen Highest Fantasy–Städten und das schon seit der letzten großen Katastrophe vor 1000 Jahren. Nein, niemand würde wohl The Last Remnant für etwas anderes als eine fernöstliche Produktion halten.

Und natürlich kriselt es in der Spielwelt gewaltig. Grund allen Zwistes und Basis aller Macht bilden die Remnants, Überbleibsel einer alten Hochkultur. Jedes dieser Artefakte hat spezielle Kräfte, sei es zerstörerische Kraft auf dem Schlachtfeld oder die Fähigkeit, in die Parallelwelt der heiligen Reiche zu gelangen. Um diese Macht zu nutzen, binden Menschen die Remnants an sich und nur ihnen allein steht dann die Kraft zur Verfügung. Und wehe, es käme zu einem Remnant-Krieg...

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Bei Städten war Square Enix schon immer gut.

Ihr steigt wie gewohnt mit einem jungen, etwas nervig aufdringlichen Hitzkopf ein, der seine frisch gekidnappte Schwester aus den Klauen eines fragwürdigen Priesters retten will. Hinter diesem stehen natürlich noch finsterere Mächte, Euer Held findet Freunde, politische Intrigenspiele entfalten sich, Krieg bricht aus, der Welt droht schlimmstes Unheil. Das Übliche halt.

Und selbst wenn die Handlung auch nie wirklich aus den gewohnten Mustern auszubrechen vermag, zieht die Spannungskurve nach dem sehr herzlosen Start der ersten Stunden doch deutlich an. Nur dauert es viel zu lange, bis das endlich passiert und die lethargische Erzählweise hilft nicht dabei, echte Begeisterung für das Geschehen aufkommen zu lassen. Wie schlechte Schauspielschüler sprechen die Protagonisten ihre Sprüchlein auf und es braucht mitunter geschlagene fünf Sekunden, bevor die Gegenüber endlich die meist nach dieser Wartezeit eher enttäuschende Antwort geben.

Selbst kurze Geplänkel arten so zu einem Geduldspiel aus, das Euer Interesse am Fortgang schwer prüft. Und jede Art von Emotionalität wird auf diese Weise im Keim erstickt. Ob nun persönlicher Verlust oder großer Sieg, am Ende bleiben die Figuren in belanglosen Stereotypen stecken, aus denen sie nicht heraus können.

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