Nintendos Strategie des Remasterings und der Neuveröffentlichung seines First-Party-Wii-U-Katalogs zahlt sich weiterhin aus. Donkey Kong Country: Tropical Freeze von den Retro Studios gelingt der Sprung auf die Switch mit einigen exzellenten Resultaten. Es ist ein Spiel, bei dem sich eine Wiederbelebung lohnt. Mit seiner fantastischen Steuerung, dem tollen Level-Design und dem einprägsamen Soundtrack von David Wise ist es eines meiner Lieblingsspiele, die ich auch Jahre später noch spiele. Aber wie schlägt es sich auf der Switch und welche Verbesserungen beziehungsweise Verfeinerungen wurden vorgenommen?

Nun, wie sich herausstellt, ist es eine einfache Portierung mit einigen wenigen Tweaks und Anpassungen, die von der leistungsstärkeren Switch-Hardware Gebrauch machen. Es ist ein alles in allem verfeinertes und modernisiertes Spielerlebnis. Die Verbesserung, die am meisten hervorsticht, ist die Auflösung. Das Spiel macht einen Sprung von den nativen 720p der Wii U hin zu den vollen 1080p, wenn ihr auf der Switch im TV-Modus spielt.

Das visuelle Design funktioniert gut in 720p und der Sprung auf 1080p lässt kleinere Details glänzen. Es überrascht euch aber vielleicht, wie subtil der Sprung in der Pixelzahl in vielen Szenen erscheint. Die Texturen sind auf der Switch definitiv schärfer, aber die feste Perspektive hilft dabei, Bildrauschen und Aliasing auf der Wii U zu minimieren. Was den portablen Modus betrifft, hat das Zählen der Pixel ergeben, das die Auflösung im Bereich von 1152x648 liegt.

Um diese Zahl zu ermitteln, haben wir verschiedene Level auf eine potentielle, adaptive Auflösung hin untersucht, fanden jedoch nichts. Tropical Freeze scheint in einer festen Auflösung zu laufen. Beim Spielen auf dem LCD-Bildschirm der Switch zeigt sich aufgrund der sub-nativen Auflösung ein Hauch von Unschärfe. Aber wie wir auf der Wii U gesehen haben, hilft das Design des Artworks dabei, die Probleme abzuschwächen, die sich durch einen sub-nativen Output auf einem Display mit fester Pixelzahl ergeben.

So oder so ist Tropical Freeze nach wie vor ein entzückendes Spiel. Es ist technisch nicht auf dem neuesten Stand, aber es demonstriert die Vorteile einer optimierten Engine und einer durchdachten Art-Direction. Größtenteils ähnelt die Switch-Version von Tropical Freeze optisch der Wii-U-Version, doch es gibt einige sehr kleine Veränderungen, ein subtiler Unterschied im Fell-Shading von Kong und andere Umgebungseffekte zum Beispiel. Andere Aspekte der Rendering-Pipeline scheinen mit der Auflösung verbunden zu sein. Das Bloom Lighting vergrößert bei niedrigeren Auflösungen seinen Radius. Spielt ihr im Handheld-Modus, entspricht der Effekt dort eher dem Wii-U-Original, im Dock ist er nicht ganz so ausgeprägt.

Unser Video zu Donkey Kong Country: Tropical Freeze. Ja, die Switch wird von Portierungen überschwemmt, aber Nintendos First-Party-Titel sehen immer großartig aus und laufen sehr gut auf dem Konsolen-Hybrid.

Abseits dieser kleinen visuellen Tweaks und der höheren Auflösung gibt es im Hinblick auf visuelle Verbesserungen nicht viel zu berichten. Es fällt schwer, Kritik zu äußern, wenn das Spiel so schön aussieht. Und es ist deutlich besser als DKC Returns auf dem 3DS, das zuletzt versuchte, Retros Donkey Kong auf ein portables Nintendo-System zu bringen.

Neben der Grafik gibt es eine weitere große Verbesserung, über die es sich zu reden lohnt - die Ladezeiten. Aufgrund der mangelnden Festplatte ist die Wii U nicht für schnelle Ladezeiten bekannt und selbst die Magie der Retro Studios reichte nicht aus, um diese Einschränkung gänzlich zu überwinden. Beim Spielstart gibt es mit der Disc-Version von DKC auf der Wii U eine Ladezeit von 40 Sekunden, auf der Switch sind es gerade mal 11 Sekunden. Eine Stage zu starten geht schneller, aber selbst hier ist die Switch fast doppelt so schnell.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten: Die Performance stimmt. Seit der Arbeit an Metroid Prime und den Fortsetzungen legten die Retro Studios stets Wert darauf, eine flüssige Framerate von 60 Bildern pro Sekunde zu erreichen - und Tropical Freeze macht hier keine Ausnahme. Im Dock hat die Switch wenig überraschend keine Probleme damit, jeden Level des Spiels in dieser Framerate abzuspielen. Nicht einmal während meiner Spielsession mit Tropical Freeze gab es einen Einbruch der Bildrate oder irgendwelche Ausschläge. Es ist eines dieser seltenen Spiele, die Slowdowns komplett vermeiden.

Docked ModePortable Mode
Im Dock liegt die Auflösung bei vollen 1080p, im portablen Modus bei maximal 1152x648. Einige Effekte, zum Beispiel das Bloom Lighting in dieser Stage, unterscheiden sich anhand der Auflösung.
SwitchWii U
Die höhere Auflösung verbessert durchgehend die Klarheit der Texturen, aber es zeigt sich besonders hier bei den Blumen und dem Heu, das im Level verteilt ist.
SwitchWii U
Abseits der erhöhten Auflösung und der schnelleren Ladezeiten entspricht die Switch-Version so ziemlich dem Wii-U-Original. Das schließt die exzellente Kameraarbeit mit ein.
SwitchWii U
Das Fell-Shading und die Beleuchtung von Donkey Kong wurden auf der Switch leicht angepasst. Kong fügt sich nun natürlicher in die Umgebung ein.

Natürlich gibt es noch immer die 0,1-prozentige Chance eines gedroppten Frames hier oder da, aber während ich es spielte, stellte ich nichts dergleichen fest. Es läuft sehr stabil. Und das Gleiche gilt auch für die Handheld-Performance. Hier ist die Framerate noch wichtiger. Die 3DS-Portierung von DKC Returns war mit ihren 30 FPS eine Enttäuschung. Es ist schön zu sehen, dass diese Fortsetzung so gut im Handheld-Modus läuft.

Sieht man von der Performance und den visuellen Elementen ab, gibt es noch andere erwähnenswerte Aspekte der Switch-Version. Tropical Freeze braucht lediglich 6,6 GB Speicherplatz auf eurem System, wenn ihr die digitale Version kauft. Es belegt nicht viel Speicherplatz auf eurer MicroSD-Karte und passt bequem auf den internen Speicher der Konsole.

Im Endeffekt ist das hier inhaltlich zwar immer noch das Wii-U-Spiel, aber Tropical Freeze ist so gut wie eh und je. Die Verbesserungen sind willkommen, aber nicht essentiell. Das Spiel ist jedoch so gut, dass sich ein erneutes Spielen lohnt, selbst wenn ihr es bereits besitzt oder gespielt habt. Es ist zugleich ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie cleveres visuelles Design und eine flüssige Performance einem Spiel dabei helfen können, wie ein guter Wein zu altern. Das Spiel bietet so viele wundervolle Grafik- und Audio-Details, die nach wie vor beeindruckend sind. Zum Beispiel die Art und Weise, wie die Musik nahtlos zwischen Oberflächen- und Unterwasser-Abschnitten überblendet. Obendrein ist die dynamische Kameraarbeit so gut, wie sie es immer war.

Tropical Freeze war schon immer eines meiner liebsten Platform-Spiele und im Dock bietet die Switch-Version gegenüber der Wii-U-Fassung eine nette visuelle Verbesserung. Gleichzeitig liefert sie eine flüssige, in höchstem Maße spielbare, mobile Erfahrung ab. Die Wii-U-Portierungen kommen mit voller Kraft auf die Switch - einige gut, einige schlecht -, aber Nintendos First-Party-Veröffentlichungen für das alte System können auch heute noch mithalten, was Tropical Freeze auf wunderschöne Art und Weise demonstriert.

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Über den Autor:

John Linneman

John Linneman

Staff Writer, Digital Foundry

An American living in Germany, John has been gaming and collecting games since the late 80s. His keen eye for and obsession with high frame-rates have earned him the nickname "The Human FRAPS" in some circles. He’s also responsible for the creation of DF Retro.

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