Da steht sie noch, die kleine, rote Telefonzelle. Der erste versteckte Seitenhieb des Spiels. Ob am anderen Ende immer noch … ? Sam lässt sich nicht lange bitten. „Hallo Vermittlung, verbinden sie mich mit Las Vegas!“ „Hallo?“, fragt die Männerstimme am anderen Ende der Leitung. „Blondie, bist du es?“, entgegnet Sam. „Nein, hier ist John.“ „Wann kommt er?“ „Er kommt, wenn er fertig ist.“ „Fertig mit was? Pah, ich warte nun schon ewig auf ihn.“ Der Scherz mit Duke Nukem Forever funktioniert tatsächlich genauso gut wie vor acht Jahren. Fast sogar noch besser. Moment! Acht Jahre ist es nun schon her, dass sich Serious Sam: The Second Encounter erstmals in den PC-Laufwerken gedreht hat? Kaum zu glauben.

Doch es war in der Tat Anfang 2002, als Entwickler Croteam Herrn Obercool Stone zum zweiten Mal in den Kampf schickten. Eine nette Introsequenz erzählte euch damals, warum es das am Ende des Vorgängers gekaperte Raumschiff nicht zum Planet eures Widersachers Mental schafft, sondern in Südamerika abstürzt. Eine Einleitung, die übrigens in der generalüberholten HD-Neuauflage fehlt – Punktabzug beim Perfektionsbonus.

Ansonsten präsentiert sich Serious Sam allerdings in Bestform. Die Kroaten spendieren ihrem Action-Held Nummer 1 diesmal endlich von Beginn an alle Mehrspieler-Modi, die sich die meisten schon für die erste HD-Auflage des Vorgängers erhofft hatten. So geht ihr mit 16 Spielern auf Bestienjagd, erobert Flaggen, spielt „Deathmatch“, „Instant Kill“ oder „Der letzte Überlebende“ und punktet bei „Meine Bürde“, wenn der Rest der Meute zur Jagd auf euch bläst. Hinzu kommen noch drei Team-Varianten, so das ihr bei satten neun Mehrspieler-Modi den Sam in euch heraus lassen könnt. Klassische Ballerkost ohne Kompromisse.

Wer gerne kooperativ zu Werke geht, findet drei Spielmodi vor (Klassisch, Coin-Op, Survival). Gerade die Koop-Geschichten waren schon immer das Aushängeschild der Spiele um Serious Sam und die HD-Auflage macht dem Ruf der Serie alle Ehre. Über den Serverbrowser finden sich momentan im Grunde rund um die Uhr Mitspieler, die mit euch ihren Alltag an der Garderobe abgeben und die virtuellen Waffen glühen lassen: Von der Kettensäge bis zum Raketenwerfer ist alles dabei. In der Kampagne habt ihr übrigens bereits nach fünf Minuten ein stattliches Arsenal am Start, wenn ihr die Levels gründlich nach geheimen Bereichen durchforstet. Sam kommentiert solche Funde wie immer gern mit trockenen Sprüchen der Marke „Hahaha, jetzt gibt es gleich ein Burnout-Syndrom zu bewundern“, sobald ihr etwa den Flammenwerfer das erste Mal vorheizt.

Sobald die Hufe eines siranischen Werbullens aus den Lautsprechern donnern, versetzt euch Serious Sam in Alarmbereitschaft. Die Schockeffekte mit plötzlich von hinten auftauchenden Feinden und markerschütternden Schreien sind zwar genauso billig wie in einem Teenager-Horrorfilm, trotzdem verfehlen sie ihre Wirkung nicht. Ihr fühlt euch wie in einer großen Baller-Achterbahn, Adrenalinstoß inklusive. Und wenn ihr dann erst einmal einen 2,25 Meter großen Typ mit Kürbiskopf umnietet, der euch mit einer Kettensäge angreift, hat euch das Spiel wieder gepackt. Auch nach all den Jahren.

Die Serious Engine 3 kitzelt dabei deutlich mehr aus dem simplen Spielgeschehen heraus als ihr es vom Original gewohnt seid. Ohne allerdings zu sehr ins Detail zu gehen oder euch wie Call of Duty: Modern Warfare auf die Knie fallen zu lassen. Wer das erste Serious Sam HD bereits kennt, weiß in etwa, was ihn erwartet.

Das Schöne daran: Das Spiel läuft auch auf älteren PCs flüssig und eignet sich hervorragend für einen kurzen Ausflug ins Hirnlos-Ballerland. Mehr solltet ihr euch jedoch auch von der zweiten HD-Neuauflage nicht versprechen. Die Gegner vegetieren weiterhin als Kanonenfutter in den Levels. Immerhin gibt es auch diesmal wieder echte Kolosse zu bewundern. Nach Südamerika führt euch eure Reise noch nach Persien und ins Mittelalter, wodurch ihr nach dem Maya-Tempel-Einstieg auch noch ein paar andere optische Eindrücke bekommt.

Angenehm ist, dass ihr auch alleine ganz ohne Druck und Kampagnen-Zwänge ein paar Minuten auf Bestzeit-Jagd gehen dürft. Genauer gesagt geht es darum, wie lange ihr den Ansturm der Monster überlebt. Auf sieben Karten mit massig Munition und Lebensenergie strömt euch dabei Horde um Horde entgegen. Somit bietet euch Serious Sam HD: The Second Encounter tatsächlich alles, was ihr von einem Ballerspiel für Zwischendurch erwarten könnt.

Das zweite Serious Sam HD erobert den Platz in meinem Herzen deutlich schneller zurück als sein Vorgänger. Weshalb? Es bietet einfach mehr. Das beginnt bei der längeren Kampagne und endet bei massenweise Mehrspieler-Modi. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass auch The Second Encounter schon genug Jahre auf dem Buckel hat, um der Urgroßvater jedes aktuell veröffentlichten Ego-Shooters zu sein. Auch spielerisch liegt eine meterdicke Staubschicht auf der überholten Mechanik. Als Geldschneiderei erscheint es mir zudem, die zwei HD-Teile nicht als Doppelpack zu veröffentlichen. Immerhin sehen sie sogar die Entwickler selbst als Einheit und bezeichnen sie zusammen als ersten Teil einer Trilogie. Doch Schwamm drüber, Serious Sam HD: The Second Encounter rockt die Hütte. Komplizierter ist eben doch nicht immer besser.

7 /10

Serious Sam HD ist für PC bereits über Get Games erhältlich, eine Version mit Verpackung und Anleitung ist für Deutschland derzeit nicht geplant. Demnächst soll das Spiel zudem als Download für Xbox 360 erscheinen.

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