Kirby und das magische Garn

Das Garn, aus dem die Helden sind

Schon seit den frühesten Tagen des Videospiels ist der Tod ein ständiger Begleiter. All die beliebten Helden von heute und früher, heißen sie nun Mario, Sonic, Mega Man, Crash Bandicoot, Lara Croft oder Nathan Drake, sie alle sterben unzählige Tode, bis sie ihre großen Ziele erreichen und als Spieler sind wir das ständige Ableben mittlerweile schon so gewohnt, dass uns die Abwesenheit des Bildschirmtodes oft völlig irritiert.

Glaubt ihr nicht? Dann denkt mal zurück an Ubisofts wundervoll präsentiertes Prince of Persia aus dem Jahr 2008 – da wurde kaum über Grafik oder Spielbarkeit geredet, 90% der Diskussionen drehten sich um die „Casualisierung" des Spiels durch Begleiterin Elika, die dem Protagonisten das Sterben unmöglich machte.

Gute zwei Jahre später sehen die meisten Spieler die Sache da schon etwas entspannter: Obwohl der persische Prinz nicht starb, drehte sich die Spielewelt weiter und im Jahre 2011 beschwert sich niemand, dass auch der knuffige Kirby in seinem neuesten Wii-Abenteuer quasi unsterblich ist. Wird er von einem gegnerischen Speer gepiekst oder fällt er in eine Grube, dann kostet ihn das ein paar eingesammelte Edelsteine und mehr nicht. Aber kann ein solches Spiel denn überhaupt irgendeinen Spieler über Grundschulalter fesseln? Und ob!

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Spielgrafik oder Stoff-Collage? Manchmal ist der Unterschied kaum noch festzustellen.

Kirby und das magische Garn ist vom Intro bis zum Abspann ein absolutes Wohlfühlspiel. Da ist der nette Onkel-Erzähler, der euch die Geschichte von Kirby und seinem neuen Freund Prinz Plüsch wie aus einem dicken Märchenbuch vorliest und bei Dialogen einfach die Stimme verstellt. Da ist die Musik, auf die einfach nur das Adjektiv „bezaubernd" passt... alleine schon das lässt euch jede Bitterkeit und jeden antrainierten Zynismus vergessen und führt zu einer herrlichen Regression in unbeschwerte Kindheitstage.

Vor allem aber ist da ist die wunderbare Welt aus Filz, Cord und Garn. Ähnliches hat man ja mittlerweile schon bei Spielen wie LittleBigPlanet auf der PS3 oder Yoshi´s Story auf dem N64 gesehen, aber noch nie wurde eine solche Welt so rund und so einladend gestaltet und präsentiert. Es sind wie so oft die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Die Stoffböden, die sich immer leicht unter Kirby und dem Prinzen senken, wenn sie darüber laufen. Das sind die Wölbungen auf Wänden, hinter denen sich Kirby bewegt... Kaum ein Spiel vermag es, ein solches Gefühl für die Haptik der Umgebung zu vermitteln wie das neue Kirby. Die ganze Welt scheint fühlbar, greifbar, warm und einladend zu sein.

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Die Surf-Session an den Woll-Wasserfällen gehört zu den frühen grafischen Highlights des Spiels.

Genauso liebevoll wie die Präsentation ist auch die spielerische Gestaltung der Levels. In jedes Szenario muss unendlich viel Feinarbeit geflossen sein. Jede Sprungentfernung ist perfekt austariert, die Geheimnisse sind stets so leicht abseits des Weges versteckt, dass man sie gut findet, aber trotzdem das Gefühl hat, sich den Fund auch verdient zu haben. Gegner sind clever platziert und es macht einfach Spaß, sich an einen Baum zu hängen und die Kristalle runterzuschütteln.

Besonders die elementaren Grundelemente wie das Sprungverhalten und die Laufgeschwindigkeit fühlen sich hier wunderbar richtig an: Die Entwickler haben nicht einfach das typische Kirby-Prinzip mit den Schwebefähigkeiten und dem Einsaugen von Gegnern zum Skill-Klau übernommen, sondern komplett auf das Stoff- und Garn-Setting angepasst. Anstatt sich als wandelnder Staubsauger zu betätigen, benutzt Kirby jetzt ein Garn-Lasso, mit dem er Gegner einfach auffädelt: Drückt ihr den Knopf kurz, dann zerfällt der Gegner in einzelne Schnüre, haltet ihr ihn einen Moment länger, dann rollt Kirby den Faden auf und kann das entstandene Knäuel nun auf andere Gegner werfen. Seine Gewicht-Stampfattacke beherrscht Kirby noch immer, im Fallen kann er sich nun in einen Schirm verwandeln und sicher zu Boden zu schweben.

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