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Goat Simulator - Test

Eine Investition in die Zukunft?

Was ein Bug und was ein Feature ist, ist hier nicht immer sicher. Aber einmalig ist dieses wichtige Werk der Spielegeschichte sicher.

Man hätte anfangs meinen können, der Goat Simulator sei ein gut gemachter Aprilscherz, war die Veröffentlichung des Spiels doch für den gestrigen 1. April geplant. Aber spätestens mit der Produktseite auf Steam war klar: Die meinen das todernst! Und jetzt ist er also da, der Ziegen-Simulator. Ganz wunderbar ist er geworden. Nun, zumindest für ein paar Stunden, ein paar Abende oder als Unterhaltungsprogramm nach ein paar Bierchen hält er euch bestens bei Laune.

Keine gewöhnliche Ziege

Der Goat Simulator bietet euch dabei grundsätzlich das, was er verspricht. Ihr spielt eine Ziege. Nun ist es aber sicherlich keine Simulation des üblichen Tagesablaufs einer Ziege, was ziemlich langweilig wäre. Ganz im Gegenteil: Das hier ist keine normale Ziege, schließlich kann sie mit ihrer Zunge sogar ganze Trucks über die Straße ziehen. Es ist ein verrücktes kleines Spielchen, das sich selbst auf die exakt richtige Art und Weise zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt und genau das ist es auch, was den Goat Simulator letztlich ausmacht.

Ihr startet in einer kleinen Region mit ein paar Häusern, kleineren Waldabschnitten, einer Baustelle, einer Low-Gravity-Fabrik und mehr. Sozusagen eine Spielwiese in Form einer Vorstadtregion, wofür auch die im Hintergrund sichtbaren, aber leider nicht erreichbaren Hochhäuser einer Stadt sprechen. Vielleicht kommen die ja noch später? Wünschenswert wäre es, denn alles in allem ist die Region doch recht begrenzt. Auch wenn man den Entwicklern zugute halten muss, dass sie aus diesem begrenzten Areal das Möglichste herausholen.

Es gibt so viele Kleinigkeiten zu entdecken, die mal mehr, mal weniger offensichtlich in der Spielwelt verteilt wurden. Easter Eggs, Anspielungen, versteckte Figuren und dergleichen. Und auch die Achievements laden zum Experimentieren ein. Ihr stoßt etwa mit eurer Ziege einen großen Stein an, der dann - sofern alles glatt läuft - einer Party ein jähes Ende bereitet. Oder aber ihr rammt eine Stonehenge-Nachbildung auseinander, lasst euch in einem Kornkreis von einem UFO entführen, schwebt durch den Weltraum und so weiter.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Wie gesagt, für einige Stunden gibt es hier so einiges zu entdecken und auch so manche Aufgabe zu erfüllen, indem ihr etwa 500.000 Punkte sammelt, einen 360-Grad-Backflip erfolgreich vollführt und dergleichen. Es ist die Zeit, in der der Goat Simulator wahrlich am meisten Spaß macht.

Zahlenspiele und Zukunftspotential

Irgendwann geht es im Goat Simulator aber nur noch darum, den höchstmöglichen Highscore zu erreichen. Schade ist auch, dass man keine Spielstände anlegen kann. So bleibt euch nur die Option, jedes Mal wieder von vorne zu beginnen, auch wenn ihr zwischendurch ohne kompletten Neustart am Startpunkt respawnen könnt, sofern es mal nötig sein sollte - wenn eure Ziege etwa mit dem Kopf in einer Wand stecken bleibt, nachdem sie infolge einer Explosion über die gesamte Map flog (siehe Screenshot).

Durch die Erfüllung einiger Aufgaben schaltet ihr euch darüber hinaus spezielle Mutatoren für das Spiel frei, mit denen ihr dann einen neuen Anlauf starten könnt. Dadurch erhaltet ihr beispielsweise die Möglichkeit, als Giraffe zu spielen oder ein Jetpack zu nutzen. Ihr könnt sogar verschiedene Mutatoren miteinander verknüpfen, was mitunter zu einem noch verrückteren Spielerlebnis führt. Ja, das geht. Oder habt ihr sonst irgendwo schon einmal eine Dämonen-Ziege mit Jetpack gesehen, die auf Knopfdruck nicht nur abhebt, sondern auch Ziegen vom Himmel regnen lässt? Nein? Dachte ich mir.

"Habt ihr sonst irgendwo schon einmal eine Dämonen-Ziege mit Jetpack gesehen, die auf Knopfdruck nicht nur abhebt, sondern auch Ziegen vom Himmel regnen lässt?"

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Kann schon mal passieren.

Witzig sind auch die kleinen Texteinblendungen, die nach bestimmten Aktionen auf dem Bildschirm auftauchen und euch obendrein Bonuspunkte bescheren. Hüpft ihr mit eurer Ziege etwa in eine Tankstelle beziehungsweise Zapfsäule, die daraufhin mit einem großen Feuerball in die Luft fliegt, heißt es plötzlich „Michael Bay!" auf dem Bildschirm. Nicht weit entfernt davon findet ihr einen Fußball und ein Tor. Versenkt ihr die Kugel, bekommt ihr ein „Like Zlatan" vorgesetzt. Vermasselt ihr den Schuss, heißt es „Like Baggio." Das Spiel steckt voll von solch kleinen Anspielungen und ihr könnt etwa auch die Büros der Entwickler verwüsten.

Interessant dürfte unterdessen die zukünftige Entwicklung des Goat Simulators sein. Nicht nur durch die Entwickler selbst, sondern eben auch durch die Community. Das Spiel unterstützt den Steam Workshop und ermöglicht euch so die Erstellung eigener Ziegen, Level, Missionen und mehr. Und das Spiel bietet auf jeden Fall das Potential für einige Verrücktheiten, was die Community hoffentlich entsprechend ausnutzen wird. Wann wohl die erste Mod mit Geißbock Hennes kommt?

Ziege läuft Amok

Technisch gesehen ist der Goat Simulator durchaus ansehnlich, auch wenn es bei zu vielen Physik-Spielereien auf dem Bildschirm schon mal vorübergehend zu Rucklern kommen kann. Von einer KI bei den herumlaufenden Zivilisten, auf die ihr mit eurer Ziege Jagd machen könnt, brauchen wir gar nicht erst zu reden, dafür glänzen sie mit feinsten Ragdoll-Effekten, die diesem Spiel mehr als nur gerecht werden. Falls ihr schon immer mal einen Menschen mit eurer super haftenden Ziegen-Zunge zu einem mit Höchstgeschwindigkeit arbeitenden Laufband zerren und sehen wolltet, wie er (oder sie) davon durch die Luft geschleudert wird: Das hier ist euer Spiel.

"Wobei ich mir aber nicht so sicher bin, ob es nun ein Bug oder doch eher ein Feature ist, dass die Ziege mit ihrem Kopf in einer Wand steckenbleiben kann."

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Die NPCs glänzen allen voran mit ihrer Ragdoll-Physik.

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Und dass es bei dem ganzen Chaos, das ihr anrichtet, schon mal zu dem einen oder anderen Bug kommen kann, dürfte auch nicht überraschen. Wobei ich mir aber nicht so sicher bin, ob es nun ein Bug oder doch eher ein Feature ist, dass die Ziege mit ihrem Kopf in einer Wand steckenbleiben kann. Aber selbst, wenn hier und da mal Unvorhersehbares passiert, läuft der Goat Simulator alles in allem doch recht gut.

Was bleibt, ist also ein nettes kleines Spielchen, das voller verrückter Dinge steckt und durchaus dazu in der Lage ist, euch einige Abende bestens zu unterhalten. Hat man aber erst einmal alle Achievements gesammelt, Aufgaben erfüllt und Geheimnisse entdeckt, bleibt zumindest im Grundpaket nicht mehr viel übrig. In Zukunft könnte die Community den Goat Simulator mit eigenen Inhalten aber zu einem wirklich großartigen Zeitvertreib machen. Und ich hoffe, dass auch die Entwickler selbst vielleicht noch ein paar zusätzliche Inhalte abliefern. Ist der Goat Simulator also ein Spiel für jedermann? Keineswegs. Aber wenn ihr es albern und abgedreht mögt und einfach gerne mal ohne Sinn, Verstand und Ziel drauflos spielt, werdet ihr damit gewiss eine Zeit lang eure Freude haben.

7 / 10

Goat Simulator - Test Benjamin Jakobs Eine Investition in die Zukunft? 2014-04-02T09:00:00+02:00 7 10
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