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Trials Fusion - Test

Mehr Trials ist immer gut. Nur auf eine Verbesserung müssen wir noch warten.

So oft euch Trials Fusion daran erinnern möchte, dass es in der Zukunft spielt, hätte man es gleich Trials Future taufen sollen. Bei jedem Besuch des Hauptmenüs hört ihr die Worte 'Welcome to the future' mehrfach in Form des Titelsongs und zahlreiche Objekte in der Welt tragen nun bunte Neonröhren, die teilweise wie aufgeklebte Sticker wirken. Generell fühlt sich die gesamte Umgebung in Trials Fusion eher wie eine Sci-Fi-Mod des Vorgängers an und weniger wie ein von Grund auf frisch designtes Spiel.

Welcome to the Future!

Das beginnt bereits mit der Optik. Na gut, Trials gehörte nie zu den technisch anspruchsvollsten Spielen der vergangenen Generation, doch der grafische Schritt zur neuen Next-Gen-Fassung ist nur ein kleines Stolpern. Die gleichen - manchmal mit Neon besetzten - Assets in höherer Auflösung. Dafür mit Texture-Pop-ins und leichtem Tearing. Nein, so richtig 2.0 ist das hier nicht.

Auch auf spielerischer Ebene gibt es nicht viel Neues. Neben den Motorrädern gibt es nun ein Quad. Verhält sich ein wenig schwerer, gleitet allerdings angenehmer auf ungleichem Terrain. Eine nette Erweiterung, jedoch kein revolutionärer Schritt. Gleiche Aussage passt perfekt auf das frisch eingeführte Tricksystem. Keine Angst, Trials verkommt nicht zu einem Tony Hawk. Statt hastigen Tastendrückens vollführt ihr sämtliche Tricks mit dem rechten Stick. Lehnt euren Fahrer in die gewünschte Richtung und dieser bewegt sich passend zur Position eurer Maschine in verschiedene Stellungen. Was sich zunächst ein bisschen seltsam anfühlt, fügt sich später organisch in die restliche Steuerung ein. Trotzdem bleibt es nur ein kleiner Anhang, den Entwickler Red Lynx gar nicht in den Vordergrund rücken will. Erst nach einem Drittel der Kampagne schaltet ihr die Tricks frei und selbst dann findet ihr nur eine Handvoll Level, in denen es sich um Punkte dreht.

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Man könnte bei den meisten Screenshots auch das Logo von Trials Evolution einfügen, ohne dass es jemand merkt.

Im Vordergrund bleiben also weiterhin knifflige Geschicklichkeitspassagen, die leicht mit ein paar lockeren Sprüngen beginnen, bevor euch spätere Stages in frustrierte Bündel aus Wut und Verzweiflung verwandeln. Eigentlich dachte ich, dass man die beiden DLC-Pakete des Vorgängers Trials Evolution vom Schwierigkeitsgrad her nicht mehr überbieten konnte. Tja, die Expertenkurse belehrten mich schließlich eines Besseren. Für die beiden finalen Etappen benötigte ich mehr als eine Stunde Spielzeit, nachdem sich zwischen meinen Füßen bereits eine Pfütze Fingerschweiß angesammelt hatte.

Obwohl Fans der Serie keine Überraschungen erwarten sollten, hat Fusion einmal mehr erstklassiges Leveldesign. Jeder Kurs besteht aus einem Fluss an Hindernissen, die wie Zahnräder eines Uhrwerks perfekt zusammenarbeiten. Benötigt ihr in jungfräulichen Versuchen noch unzählige Neustarts an mehreren Checkpoints, schafft ihr im nächsten Durchgang bereits einen viel sichereren Lauf. Ohne irgendein Upgrade brettert ihr selbstbewusst über den Parcours, der euch zuvor an eurem Verstand zweifeln ließ. Allein dieses bemerkbare Wachstum der eigenen Fähigkeiten machte Trials schon immer zu einer süchtigen Droge. Fangt niemals einen harten Level an, wenn ihr bald ins Bett gehen wollt. Zu oft begang ich diesen Fehler.

"Für die beiden finalen Etappen benötigte ich mehr als eine Stunde Spielzeit, nachdem sich zwischen meinen Füßen bereits eine Pfütze Fingerschweiß angesammelt hatte."

Trials Fusion - Launch-Trailer

Dabei ist das Spielprinzip so dermaßen simpel: zwei Schultertasten für Gas und Bremse. Ansonsten betätigt ihr nur den linken Analogstick zur Gewichtsverlagerung eures Fahrers. Mehr benötigt ihr nicht, um waghalsige Sprünge zu absolvieren oder steile Abhänge zu erklimmen. Doch der Umgang mit der einfachen Steuerung will gelernt sein. Besonders der Bunny-Hop zählt sowohl zu den wichtigsten als auch schwersten Manövern im Spiel. Bis ihr ohne Nachzudenken über kleine Kanten auf steilen Hügeln hopsen könnt, vergehen Dutzende Stunden kläglichen Scheiterns.

Zurück in die Gegenwart

Verglichen mit Evolution bietet Fusion auch innerhalb der Modi wenig Neuerungen. Der Aufbau der Kampagne bleibt unverändert, jedoch findet ihr in jeder Stage drei optionale Aufgaben. Schafft den gesamten Kurs ohne Fehler mit kontinuierlichem Vollgas, findet geheime Schalter oder vollführt zehn Flips. Selbst die einfachsten Areale erhalten dadurch einen unmenschlichen Schwierigkeitsgrad.

Wer lieber gegen andere Fahrer antritt, darf sich in ein paar neuen Multiplayer-Varianten austoben oder die Bestzeiten seiner Freunde schlagen. Stärkere Erweiterungen erhielt dagegen der Editor. Bereits in Evolution war dieser so umfangreich, dass die erdachten Werke der Community selbst die Fähigkeiten der Entwickler übertrafen und gänzliche neue Spielweisen erschufen. Während meiner Spielzeit konnte ich nur die Kreationen anderer Journalisten oder Tester ausprobieren, doch das gigantische Potenzial frischer Möglichkeiten erfüllt mich mit Vorfreude auf kommende Schöpfungen.

"Bis ihr ohne Nachzudenken über kleine Kanten auf steilen Hügeln hopsen könnt, vergehen Dutzende Stunden kläglichen Scheiterns."

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Auch Fusion raubt euch nicht nur den Schlaf, sondern ebenso den klaren Verstand.

Weniger begeistert bin ich von der DLC-Politik. Auf dem Cover der Retail-Version preist man den enthaltenden Season-Pass an. Sechs Erweiterungen sollen folgen. Zwar glaube ich daran, dass diese mindestens genauso gut sind wie frühere Zusatzepisoden. Doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack erhalten, wenn das Hauptspiel nur marginale Erweiterungen liefert und in Sachen Umfang trotzdem auf der Stelle tritt.

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Qualitativ kann ich bis auf kleine technische Mängel wenig am Inhalt meckern. Aber obwohl man das Wort Zukunft lautstark zelebriert, spüre ich kaum eine Veränderung. Natürlich ist mehr Trials immer ein Grund zur Freude. Dafür sind Gameplay und Leveldesign zu fantastisch, als dass man sich groß beschweren könnte. Trotzdem kann ich eine gewisse Enttäuschung nicht leugnen. Vielleicht habe ich einen ähnlichen Sprung wie damals von Trials HD zu Evolution erwartet. Fusion ist dagegen mehr ein Update. Neue Assets, ein weiteres Fahrzeug und ein nettes Tricksystem, dessen wahre Kraft man allerdings noch herausfinden muss.

Was nicht heißt, dass Trials Fusion kein gelungener Nachfolger ist. Problemlos versinkt ihr für ein Dutzend Stunden in der Karriere, bevor ihr euch die kommenden Wochen oder sogar Monate von der Community überraschen lasst. Wer Trials mag, kann sein Geld ohne Bedenken investierten. Nur dürft ihr nicht von einer Revolution ausgehen. Der Zusatz Fusion trifft es da schon eher. Eine Verbindung bekannter Mechaniken mit ein paar neuen Elementen. Mehr nicht.

8 / 10

Trials Fusion - Test Björn Balg Mehr Trials ist immer gut. Nur auf eine Verbesserung müssen wir noch warten. 2014-04-17T09:00:00+02:00 8 10
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