APB

Räuber und Gendarm

Nur um das zu Beginn klarzustellen: All Points Bulletin ist Meilen von einem klassischen MMO entfernt. Im Kern handelt es sich um einen persistenten Online-Third-Person-Shooter mit ausufernden Charakteranpassungen und einem großen Fahrzeugpark. Im Prinzip ein wenig wie GTA IV im Online-Modus, nur mit mehr Mitspielern, ohne NPC-Gegner und mit den deutlich schlechteren Missionen. Ein Spiel, das Bobby Kotick glücklich machen würde – und die meisten Spieler unglücklich, weil sich der Content zum größten Teil aus PvP-Gefechten zusammensetzt, die User aber entweder Spielzeit kaufen oder ein Monatsabo abschließen müssen.

Was die Struktur angeht, ist der GTA-Online-Verschnitt mit den Cryptic-Titeln (Champions Online, Star Trek Online) vergleichbar. Bis zu 80 Spieler auf zwei Seiten (Sehr kreativ: Kriminelle und Polizisten) schlagen sich in den drei Instanzen von San Padro die Köpfe ein. In einem Social District trefft ihr wie bei Sonys Home andere Spieler, kauft euch neue Klamotten, verziert euren aktuellen Zwirn mit frischen Mustern und Farben und chattet mit maximal 200 Mitspielern. Die beiden anderen Areale sind die so genannten Action-Distrikte. Hier nehmt ihr Missionen an, kämpft gegen andere Spieler und verdient euch Geld für die breit gefächerte Ausrüstung.

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Die beiden Stadtgebiete sind etwa so groß wie eine Insel bei GTA IV. Schick von der Unreal Engine 3 in Szene gesetzt, findet ihr weitläufige Parks, verschachtelte Hinterhöfe und leuchtende Einkaufszentren. Die Gebäudedetails wurden bewusst reduziert, um das Spiel auch auf älteren Maschinen lauffähig zu halten. Im Gegenzug gibt es relativ detaillierte Spieler- und Fahrzeugmodelle. Für die besten Texturen benötigt ihr aber leider ein 64-Bit-Betriebssystem. Die Unreal Engine setzt dem Titel scheinbar hier ihre Grenzen. Insbesondere das Streaming scheint nicht ausgereift. Wie in Mass Effect 1 werden die Details oft erst nachträglich geladen. Kein schöner Anblick.

Der Financial District erinnert am ehesten an Manhattan. Viele Hochhäuser, öffentliche Gebäude und breite Straßen. Der Waterfront District wird durch einen großen Hafen, weitläufige Industrie-Areale und niedrige Wohnhäuser dominiert. Die Stadt wird dabei von NPCs bevölkert, die aber nur als Staffage und kostenloser Fahrzeug-Spawn fungieren. In puncto Intelligenz erreichen sie zu keinem Zeitpunkt die Qualität der Liberty-City-Bewohner. Speziell der Straßenverkehr ist ein Witz. Immer wieder bleiben die Fahrer hängen, stehen stundenlang mitten auf der Straße herum und kümmern sich kaum um ihre Umgebung.

Auch sonst könnt ihr abseits der Missionen nur doof in der Gegend herumfahren. Das Spiel startet zwar relativ bugfrei in den MMO-Alltag, doch abseits von wilden Feuergefechten und packenden Verfolgungsjagden bekommt ihr wenig geliefert. Die Missionen werden euch zufällig zugeteilt. Es gibt momentan weder richtige Straßenrennen noch Banküberfälle oder Deathmatch-Areale. Die Stadt fungiert als Lobby und PvP-Map, ohne aber zusätzliche Anreize durch Mini-Spiele oder besondere Erfolge zu bieten.

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Kommisar Metzger unterwegs im Social District.

So lauf ihr erst einmal lauft relativ sinnfrei herum, sprecht mit ein paar Auftraggebern und schließt euch einer Gruppierung an. Bei diesen steigert ihr mit jeder erfolgreichen Aktion euer Ansehen bei verschiedenen Gruppen, euren Gefahrenlevel, der in etwa eurem True-Skill entspricht, und euer Prestige, das euch bessere Aufträge verschafft und bei jedem Neustart wieder auf den Mittellevel zurückfällt. So schaltet ihr frische Waffen, schnellere Fahrzeuge und Perks frei.

Leider könnt ihr euch die zufälligen Aufträge nicht direkt heraussuchen. Stattdessen bekommt ihr alle fünf Minuten eine Mission angeboten, die grundsätzlich aus äußerst dämlichen Aktionen besteht. Ohne wirkliche Story, gesprochene Texte und Charaktere müsst ihr Autos untersuchen, einen Geldautomaten analysieren oder eine Haustür aufbrechen. Auf dem Papier gibt es zwar auch Bombenentschärfungen, Sabotageakte und Graffiti-Gepinsel, doch am Ende läuft alles nur darauf hinaus, dass ihr an einer Stelle „F“ drückt und wartet, bis sich ein Kreis füllt.

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