Castlevania: Harmony of Despair

Symphony of the Leid

Graf Zahl hätte sicher seine wahre Freude daran: Nicht ein, nicht zwei, nicht drei kleine, pixelige Vampirjäger wandeln in Castlevania: Harmony of Despair, oder kurz „Castlevania HD", durch die handgemalten 2D-Gemäuer. Nein, es sind derer bis zu sechs zugleich. Insert Blitz und Donner here. Nur geht es im ersten Mehrspieler-Eintrag der Serie aus dem Konami-Klassizismus nicht gegen den zählenden Zwangsneurotiker aus der Sesamstraße, sondern – wie sollte es anders sein – gegen Dracula höchstselbst.

Ein gewisses Gezeter unter der Fangemeinde war durchaus vorprogrammiert. Seit mittlerweile 13 Jahren verzehrt sich die Gefolgschaft nach einem standesgemäßen Nachfolger zu Symphony of the Night, dem einmaligen Höhepunkt der Reihe aus dem von Kennern liebevoll „Metroidvania" getauften Sub-Genre seitwärts scrollender Action-RPG-Springereien. Castlevania HD, mit seinem strengen Mehrspieler-Fokus, ist demnach nicht die abenteuerliche Erkundungstour, auf die diese Leute gewartet haben. Harmony of Despair ist weniger Sightseeing, weniger Rollenspiel und lebt allgemein von der Bereitschaft seiner Spieler, jeden der sechs Level mehrmals im Verbund nach Loot zu durchforsten und den effizientesten Weg zum (und durch) den Endgegner zu finden.

Wenn man sich von seiner Erwartungshaltung zu lösen vermag und darauf besinnt, was für eine tolle Idee doch ein kooperatives Castlevania ist, unterhält der Titel stellenweise sehr gekonnt und ist damit eine vorsichtige Empfehlung wert. Wer das nicht kann oder will, wird vermutlich aber eine gewisse Genugtuung dabei empfinden, dass sich das Spiel an seinen eigenen Ecken und Kanten auf recht ungeschickte Weise den einen oder anderen seiner eigentlich sehr vorzeigbaren Beißer ausschlägt.

30 Minuten – das ist alles, was einem Castlevania HD zu Beginn eines Kapitels gibt, um den Boss zur Strecke zu bringen und mit dem Öffnen der von diesem gedroppten Kiste den Zugang zum nächsten Kapitel zu erhalten. Ist man alleine unterwegs, ist das zwar ebenfalls zu schaffen, aber bockschwer, weshalb ihr tunlichst mit mindestens einem Freund spielen solltet. Eure Werkzeuge dafür sind sechs Helden vergangener Titel, vornehmlich aus den Handheld-Episoden. Unter anderem gibt es ein Wiedersehen mit Soma Cruz aus Aria- beziehungsweise Dawn of Sorrow sowie Jonathan und Charlotte aus Portrait of Ruin, aber auch Alucart kehrt für ein Gastspiel zurück. Anders als jedoch nach und nach mit neuen Fähigkeiten ein riesiges, unbekanntes Schloss zu entschlüsseln, legt euch der Titel zu Beginn eines Kapitels seine gesamte Karte offen.

Euch wird gezeigt, wo sich der Bossgegner befindet und in der 720p-Level-Totale – die dadurch möglich wird, dass es sich bei den verwendeten Assets gewissermaßen um Remixe der niedrig aufgelösten Handheld-Originale handelt – seht ihr sogar eure Mitstreiter mit Lebensenergie- und Magiepunkte-Anzeige durch die Schlösser wuseln. Die traditionelle Pausen-Karte fällt damit unter den Tisch. Dafür werden euch drei weitere Zoomstufen angeboten, durch die ihr auf Knopfdruck ohne Unterbrechung wechselt.

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Offene Karten: Dank HD seht ihr bei Bedarf die gesamte Map.

Die Totale ist selbstverständlich nicht für den Kampf gedacht, weil die aus vergleichsweise nur wenigen Pixeln bestehenden Helden (auch hier scheint es sich um die Handheld-Ausgaben der Grafiken zu handeln) nur noch schwer zu erkennen sind. Die nächstkleinere Stufe eignet sich aber schon recht ordentlich, um durch weniger gefährliche Bereiche mit großer Übersicht von A nach B zu gelangen.

In der Default-Einstellung käme nach dieser Perspektive schon die ziemlich pixelige Großansicht der hübsch gezeichneten Grafiken. Wer sich die Zeit nimmt, in den Bildschirmoptionen nachzusehen, findet aber mit der „2x"-Einstellung das von mir erfühlte Optimum aus gutem Aussehen und Spielbarkeit. In jeder der Perspektiven darf zudem die Ansicht mit dem rechten Stick in die gewünschte Richtung geschwenkt werden, um eine Vorschau auf kommende Räumlichkeiten zu erhalten – eine Funktion, die man mit der Zeit gern und häufig einzusetzen weiß. Wer schon mal ein Castlevania gespielt hat, fühlt sich, nicht nur wegen des Helden- und Burgenrecyclings, auf Anhieb heimisch. Steuerung und Spielgefühl gleichen den Vorgängern aufs Haar und das ist auch gut so.

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