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Drakensang: Am Fluss der Zeit Test

PC Test von Martin Woger

8 Februar, 2010

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Es wurde vor ein paar Jahren mal etwas erdacht, was sich milde hochtrabend das Manifest des Neuen Spielejournalismus nennt. Der Gedanke, der hier ausgedrückt wird, ist sehr einfach. Ein Spiel ist ein Medium, wie Musik oder ein Film. Es wirkt auf jeden anders. Sicher, ein paar Kriterien lassen sich festmachen. Wie gut die Aufnahmequalität der Songs ist, um ein Beispiel zu nennen. Aber selbst das ist kritisch. Man muss eigentlich das Werk in einen kulturellen Gesamtkontext stellen und dann noch seine persönlichen Gedanken einfließen lassen. Intermediale Kreuzreferenzierung ist ausdrücklich erwünscht, genau wie subjektive, wenn auch begründete Eindrücke. Es sollte klar sein, dass es natürlich nicht reicht, „Find ich doof!“ zu sagen. Es gehört natürlich immer ein „weil…“ hinter das „doof“.

Der Spielejournalismus, gerade in Deutschland, ging häufig genug den Ansatz, ein Spiel wie ein Anwendungsprogramm im Sinne von Office zu analysieren. Sind bestimmte Funktionen vorhanden, erfüllen sie ihren Zweck oder was ist umständlich? Das ist bei einem Spiel auch nicht ganz unwichtig. Drastische Mängel in der Steuerung können die besten Intentionen verderben, technische Schlampereien dürfen nicht unerwähnt bleiben und man sollte auch generell erzählen, wie denn das Gameplay funktioniert. Schließlich soll der Leser sich ja ein Bild von der Gesamtlage machen können. Aber das eigentlich Wichtige, der persönliche Eindruck, die Emotionen, die das Spiel auslöst, und wie sie begründet sind, kam (und kommt) oft zu kurz. Ob dann jemand diesen Einschätzungen folgt, bleibt dem geneigten Leser selbst überlassen. Aber der Versuch, ein Spiel wie Drakensang: Am Fluss der Zeit rein und absolut objektiv zu bewerten, fällt mir nicht schwer, es ist fast unmöglich.

'Drakensang: Am Fluss der Zeit' Screenshot 1

Südlicher Main, August 1473. Zumindest wie Disney es sich vorstellen würde.

Dafür liebe ich einfach die dienstälteste Welt des deutschen Pen&Paper zu sehr. Es war mein Erstkontakt vor über 20 Jahren. Selbst wenn ich mich am Spieltisch schon vor langer Zeit von Aventurien abwandte, haben Havena, Al Anfa oder Der Große Fluss nie ganz den magischen Klang verloren. Es ist kein verlorenes Paradies, mehr ein Ort, an dessen Existenz man nicht glaubt, aber an den man zurückkehren kann, indem man kurz ein paar alte Bücher hervorholt und ein wenig in die Kindheit eintaucht. Mich von diesen Eindrücken zu lösen, während ich das neue Drakensang von Radon Labs spielte, sah ich überhaupt nicht ein. Es war eine sehr persönliche Erfahrung, die ich mit all den anderen DSA-Nerds teile. Und für uns lässt sich schon zum Start sagen: Das ist unser Spiel. Es fängt all das ein, was die Welt von DSA ausmacht, sogar noch ein wenig besser als der Vorgänger es tat.

Das bedeutet aber natürlich auch, dass hier allerfeinstes Fantasy-Biedermeier geboten wird. Das schwarze Auge hatte nie ein Äquivalent für das Dreckige in einem Witcher, nie die völlige Außerweltlichkeit eines Planescape oder den Actionappeal moderner, cineastischer Storyteller-Systeme. Drakensang: Am Fluss der Zeit bleibt den Grundwurzeln des hohen Mittelalters komplett treu. Eine spießigere Welt müsst ihr erstmal finden.

'Drakensang: Am Fluss der Zeit' Screenshot 2

Der Schrottgolem war mir neu. In welchem Regelbuch kommt der denn vor?

Wirken andere Welten global und gewaltig, entspricht die Gegend um die Kleinstadt Ferdok, die ihr bereist, genau dem: Einer sehr behäbigen Kleinstadt. Eine dieser kleinen Städte in der Rhein-Main-Gegend oder in Bayern, deren Kern vor 600 Jahren von der Zeit vergessen wurde. Eben so, wie sich Amerikaner das Mittelalter vorstellen. Mehr Kostümfestival mit Hexenpfanne vom Spieß, weniger Dreck, Blut, Krankheiten und Tränen.

Dieses Szenario strahlt allerdings etwas aus, was man eigentlich nur eine Art unverwüstliche Unschuld nennen kann. Die Wiesen sind grün, Zwerge graben noch nach Gold, Elfen leben noch in Bäumen – selbst wenn es Frank Gehry-Bäume sind – und der Graf lebt in einem Schloss über der netten Kleinstadt. Stadtmauer, Nachtwache und alle Extras inklusive. Wer von sowas abgeturnt wird, der wird eine harte Zeit haben, denn es macht beim Szenario keineswegs halt. Die Gespräche der Helden untereinander oder mit einer ganzen Masse an NPCs erinnern perfekt an das letzte DSA-Ratstreffen mit Horden von Larp-Nerds, die eine eigene Vorstellung haben, wie in dieser Mittelalterwelt gesprochen wird. Es ist eine eigentümliche Mischung aus scheinbar sperriger Gestelztheit, dem völligen Verzicht auf Kraftausdrücke und fragwürdiger Namensgebungen. Yerodihm Der Heuchler, Silberzahl Jalik, Mandavar Krallentanz, Sanraya Lockenglanz, reicht es fürs Erste?

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Kommentare: 1-14 von 14

Autor
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Nekator
08/02/10 @ 08:45
#1
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Liest sich gut und ist schon lange bestellt :)
m_coaster
08/02/10 @ 09:28
#2
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12 Jahre war ich alt als ich mit DSA anfing... es wurde irgendwann, 10 Jahre später, eingestaubt weggestellt. Man hatte weniger Zeit und wenn dann mal Pen & Paper waren es meist andere Rollenspiele auf dem Tisch. Aufgrund meiner Vergangenheit und dem Test, hört sich das ja fast nach Pflichtitel an! :D
tomservo staff
08/02/10 @ 09:47
#3
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hier, zur Ergänzung, das angesprochen "New Games Journalism-Manifest".

http://alwaysblack.com/blackbox/ngj.html
Harvey_Dent
08/02/10 @ 09:59
#4
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Warum kann sowas nicht auch für die 360 erscheinen?

Es soll zwar ein 360 Pendant raus kommen, aber..:-!
Heavy_Rain
08/02/10 @ 12:48
#5
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hier, zur Ergänzung, das angesprochen "New Games Journalism-Manifest".

Oder als Beispiel einen der bekanntesten Artikel dazu.


Das Fazit verwirrt mich etwas, ich dachte immer die Eurogamer Wertungen wären subjektiv?
Gonzo09 staff
08/02/10 @ 13:06
#6
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@Heavy_Rain

Sind sie auch und ist auch diese hier (Ist bei Spielen am Ende nicht jede Wertung subjektiv, egal wo?). Aber eine höhere zu vergeben, nur weil ich in meiner Kindheit einen DSA-Schaden abbekam und in glücklicher, sehr persönlicher Nostalgie schwamm, die ich kaum anderen Spielern abverlangen kann, erschien mir ein wenig ZU persönlich. Es hätte auch in der Relation zu anderen RPGs nicht so gepasst. Insoweit: Diese Wertung ist also irgenwie ein wenig weniger subjektiv. Oder so. Wie auch immer man das genau nennen möchte.
Longbow
08/02/10 @ 14:38
#7
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Klingt haargenau nach einem RPG nach meinem Geschmack!
gigsen
08/02/10 @ 14:43
#8
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@ Longbow

obwohl es SecuROM benutzt.. ? dachte du magst sowas nich
cph
08/02/10 @ 14:54
#9
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Leider habe ich aktuell keinen spielefaehigen PC, ansonsten haett ich es direkt gekauft.
Longbow
08/02/10 @ 15:26
#10
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@gigsen
Ich sprach vom Spiel an sich. Dass es SecuRom hat, gefällt mir dagegen wirklich nicht!
SoSchautsAus
08/02/10 @ 21:41
#11
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SecuROM ist ja nur ein Kopierschutz. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass DRM zum Einsatz kommt. Der Vorgänger Drakensang hatte auch SecuROM, allerdings die Offline-Variante, also ohne Online-Aktivierung oder gar Installationslimit. Ich vermute mal, dass es bei Am Fluss der Zeit wieder genauso sein wird. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

SSA
Sevens
09/02/10 @ 04:16
#12
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Gut geschrieben.
KayTwo83
09/02/10 @ 11:25
#13
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ahhhh DSA und die Jungend *schwärm* wieviele Samstag Abnede und Nächte man da mit seinen Freunden, Pizza und billigem Rotwein verbracht hat :-)
philex
09/02/10 @ 20:57
#14
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super artikel !
freue mich sehr auf dieses spiel

so die special edition ist bestellt

cool finde ich die stoffkarte von aventurien

ich nur welche aus ja dieses plastik papier - ne alte aus 3. edition und ne fast unbenutze (beide ebenfalls din A2) aus der 4. edition
Edited 1 times, most recently on 10/02/10 @ 21:40

Kommentare: 1-14 von 14

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