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Super Mario Galaxy 2

Ehrenrunde für den Klempner

Sollte irgendwann einmal der schöne Tag kommen, an dem mir ein Flaschengeist einen Wunsch gewährt, dann weiß ich jetzt was ich will. Ich hätte gerne eine Zunge wie Yoshi. Ich meine, denkt mal drüber nach... Der grüne Dino kann seine Zunge ausfahren wie ein Chamäleon, aber im Gegensatz zu den farbenfrohen Echsen hat Yoshi einen Radius von 360 Grad. Yoshis Zunge ist auch wahnsinnig kräftig: Wenn ihr an einem Vorsprung schwingt, dann trägt sie immerhin Yoshi selbst und den fetten Mario noch dazu! Die Zunge ist sogar intelligent! Ist etwas nicht essbar, dann bleibt sie schön im Rachen, wo sie hingehört.

Vor allem aber gibt es da einen entscheidenden Faktor. Es fühlt sich einfach nur unfassbar gut an, einen Gegner oder ein Objekt per Wiimote anzuvisieren und mit einem schnellen Druck auf den B-Knopf dann die Zunge auszufahren. Das Timing, die Animation, der knuffige Sound-Effekt... schlichtweg perfekt. Bei meinem ersten Yoshi-Ausritt bin ich minutenlang nur rumgewetzt, um Früchte und Gegner zu verspeisen, mit jedem Happs wurde mein Grinsen etwas breiter. Dabei ist die Dino-Zunge nur ein winziger, kleiner Aspekt des großen neuen Mario-Mammut-Abenteuers und kommt nur in einer Handvoll Levels überhaupt zum Einsatz. Trotzdem wurde bereits diese kleine Nebensächlichkeit mit einer unglaublichen Liebe zum Detail erschaffen. Und diese Liebe zum Detail zieht sich durch das komplette Super Mario Galaxy 2.

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Dein eisigen Bowser müsst ihr einschmelzen, zur Belohnung bekommt ihr einen Stern.

Dabei ist der erste Eindruck ja fast schon ein wenig ernüchternd. Nach einem kurzen Vorspann samt Mini-Tutorial fühlt sich die erste Welt doch recht vertraut an. Wieder wetzt Mario über kleine Planeten in allen Formen und Farben, katapultiert sich über Stern-Portale quer durch die Levels und gibt schließlich einer Piranha-Pflanze ein paar ordentliche Klapse auf den Allerwertesten. Natürlich haben wir uns alle nach dem kongenialen Super Mario Galaxy eine Fortsetzung gewünscht. Aber muss die denn so ähnlich sein?

Natürlich muss sie das nicht, das weiß auch Nintendo. Und so tut sich nach einer bewusst vertraut wirkenden ersten Aufwärmwelt schnell ein gigantischer Kosmos voller neuer Ideen und kreativer Herausforderungen auf. Jede Welt hat ihr eigenes Gameplay-Gimmick, eine ganz spezielle Herausforderung oder ein frisches Spielelement, das gemeistert werden will.

In jeder Welt müsst ihr zudem verschiedenste Aufgabenstellungen bewältigen. Beim ersten Besuch genügt es meist, einen bestimmten Punkt zu erreichen oder einen Boss zu besiegen, bei weiteren Abstechern ändern sich die Welten meist radikal. Mal öffnen sich neue Wege, mal erscheinen neue Winz-Planeten und mal tummeln sich frische Gegner in den vertrauten Arealen: Wo vorher nur ein paar kleine Goombas herumliefen, wimmelt es auf einmal von gefährlichen Stachis, die für Mario alleine sehr gefährlich, von Yoshi aber als effektive Geschosse genutzt werden können.

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Mit dem Bohrer bohrt ihr euch quer durch die Scheibe, um den Boss mitten ins Zentralmassiv zu treffen.

Das Drumherum wurde dafür etwas entschlackt: Aus der großen Hub-Welt des Vorgängers wurde ein kleineres Raumschiff, mit dem ihr ähnlich wie in New Super Mario Bros. Wii über eine Karte wetzt, auf der sämtliche gerade erreichbaren Ziele eingezeichnet sind. Und natürlich gibt es dort auch Abkürzungen und Geheimnisse zu entdecken. Vor allem auf Mario-Veteranen wartet die eine oder andere angenehme Überraschung...

Bei der Levelgestaltung ist Nintendo noch mutiger als im ohnehin schon progressiven Erstling. Mal lauft ihr über runde Planeten, mal über keksförmige Scheiben. Dann wieder geht es an Wänden entlang und so manche Welt scheint in sich verschachtelt zu sein wie ein Bild des Holländischen Künstlers M.C. Escher. Ein cleverer Gameplay-Kniff ist dabei erneut die Aufteilung des Abenteuers in kleine, knackige Happen. Die meisten Levels sind keine großen, zusammenhängenden Gebilde, sie sind häufig in mehrere kleine Abschnitte unterteilt, die alle ihre eigenen Herausforderungen bieten. So fühlt ihr euch zu keiner Minute orientierungslos oder völlig überfordert, stets sind das nächste Ziel und die nächste Aufgabe klar vor Augen und auch innerhalb eines Levels erlebt ihr immer wieder kleine Erfolgserlebnisse, bis ihr schließlich den begehrten goldenen Stern in den Händen handelt.

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