Transformers: Devastation - Test

Ein neuer Maßstab für Lizenzspiele.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Activision das von PlatinumGames entwickelte The Legend of Korra. Zwar gehörte ich zu den wenigen Leuten, die das Gute darin sahen, doch auch für mich waren die Limitationen offensichtlich. Ein Jahr später zeigt nun Transformers: Devastation, eine erneute Kooperation zwischen Activision und dem japanischen Entwicklerstudio, wie ein Lizenzspiel aussehen kann, wenn es die nötigen Ressourcen erhält. Wahrscheinlich steckt auch hier wieder viel weniger Zeit und Geld als zum Beispiel im nahezu perfekten Bayonetta 2. Trotzdem fühlt sich Transformers: Devastation wie ein ausgereiftes Spiel an und sollte selbst die größten Skeptiker überzeugen.

Das Team rund um Kenji Saito, zuvor verantwortlich für Metal Gear Rising: Revengeance, erschuf nicht nur ein der frühen Cartoon-Serie treues Fanpaket, sondern füllte es mit einem fantastischen Kampfsystem. Kaum verteilt man die ersten Schläge, schon fallen die Ähnlichkeiten zu PlatinumGames' anderen Action-Titeln auf. Transformers: Devastation spielt sich ungefähr wie eine Mischung aus Metal Gear Rising: Revengeance und Bayonetta. Jeder der insgesamt fünf Autobots besitzt unterschiedliche Angriffsmuster, wobei euch wie in Revengeance ein recht kompaktes Repertoire zur Verfügung steht. Wo Raidens Abenteuer den Fokus allerdings auf das Parieren von Angriffen legt, stehen hier sorgfältige Ausweichmanöver im Vordergrund. Setzt im letzten Moment vor dem feindlichen Treffer zur Rolle an und das Spiel schaltet in eine verkürzte Hexenzeit.

Das letztendliche Ziel dieser Taktik ist die erfolgreiche Aktivierung einer Fahrzeugattacke. Im Anschluss an eine vollendete Kombo verwandelt sich euer Autobot auf Knopfdruck blitzschnell in seine Wagenform und rammt den Feind mit voller Kraft. Optisch gehören diese Transformationen zum Schönsten, was ich jemals in einem Platinum-Spiel gesehen habe. Vollkommen übertrieben vollführt Bumblebee einen Salto und verpasst seinem Gegner dabei einen schmerzhaften Uppercut, während Optimus Prime als Truck frontal auf die Decepticons stürzt. Die Animationen verlaufen nahtlos und verleihen den Gefechten ein erhöhtes Tempo. Wenn ich ohne feindlichen Gegentreffer mehrere dieser Fahrzeugangriffe starte und meine Kontrahenten ohne spürbaren Widerstand verdresche, fühlt es sich wie eine gelungene Ultra-Kombo aus Killer Instinct an. Man diktiert das Tempo des Kampfes, verpasst Schläge im Sekundentakt und wechselt problemlos zwischen den Formen seines Charakters.

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Der schöne Stil lässt einen glatt die hässlich überladenen Bay-Iterationen dieser ikonischen Figuren vergessen.

Wie bei jedem Spiel von PlatinumGames erfolgt nach einer gewissen Einspielzeit ein Moment der Erleuchtung. Plötzlich versteht man die Intention des Kampfsystems, drückt automatisch die richtigen Tasten und betritt eine Art Zen-Zustand. In Transformers: Devastation war es für mich das Ende des ersten Kapitels. Schnell schmeißt man euch nach dem Start vor den aus zahlreichen Fahrzeugen bestehenden Devastator. Ziemlich überfordert versucht man sich an den zuvor gelernten Angriffen, besiegt den Robotergiganten jedoch nur mit Mühe und Not. Eine knappe Stunde später wiederholt das Spiel den Kampf. Doch dieses Mal ist man vorbereitet, weicht gekonnt den Attacken aus und verbindet mehrere Fahrzeugangriffe in einer Kombo. Ein wunderbares Gefühl, bevor der Devastator seine zweite Phase startet und einen vor die nächste Herausforderungen stellt. Viel eleganter kann Spieldesign kaum sein.

Obwohl der Titel spielerisch stark bei seinen spirituellen Vorgängern abkupfert, betritt das Spiel in anderen Bereichen Neuland. Statt vorgegebener Waffen findet man überall wertvolles Loot. Ja, ihr habt richtig gehört. Betretet zwischen den anstrengenden Gefechten das eigene Lager und ihr seht eine überraschende Anzahl verschiedener Gegenstände. Diese könnt ihr verkaufen, den fünf spielbaren Charakteren zuweisen oder sogar mit anderen Tötungswerkzeugen für bessere Statuswerte kombinieren. Daneben dürft ihr eure hart verdienten Credits für Upgrades ausgeben, die den Autobots zusätzliche Fähigkeiten wie Lebensregeneration oder eine erhöhte Drop-Chance verpassen. Dafür müsst ihr im Anschluss an die Zahlung ein kleines Geschicklichkeitsspiel absolvieren. Je besser ihr abschneidet, desto höher die Wahrscheinlichkeit für wertvolle Upgrades. Wer lieber weniger riskante Ausgaben tätigen will, kann im Shop zusätzliche Attacken und Gegenstände kaufen oder die Kohle direkt in das Aufstufen mehrerer Attribute investieren.

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Jeder Autobot kann bis zu vier Waffen gleichzeitig tragen.

Ein Durchgang der Kampagne dauert auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad knapp fünf Stunden, doch gerade die erwähnten Rollenspielelemente ziehen in Verbindung mit dem fantastischen Kampfsystem sofort wieder zurück in die Action. Das System zielt eindeutig darauf ab, euch für mehrere Durchgänge zu begeistern. Höhere Schwierigkeitsgrade sind ohne Upgrades und gute Waffen kaum machbar und erzeugen einen ähnlichen Effekt wie in Diablo. Man will sein verbessertes Arsenal noch größeren Herausforderungen stellen und dadurch noch geileres Loot kassieren sowie seine Autobots stärken.

Aber selbst für einen schnellen Durchritt des Abenteuers lohnt sich die Investition. Im Gegensatz zu anderen Action-Titeln wirft euch Transformers: Devastation in eine halb offene Spielwelt und ermöglicht zumindest in den meisten Kapiteln freies Erkunden der Umgebung. Überall halten sich kleine Aufgaben, Kämpfe und Truhen versteckt, die neugierige Spieler belohnen. Wer das nicht braucht, folgt einfach der Markierung zum nächsten Ziel und muss keine unnötige Spielstreckung befürchten. Zwischen Außenweltabschnitten taucht ihr in feindliche Basen ab, die stets durch neue Elementen oder Strukturen überraschen. Selbst kleinere Ablenkungen wie Verfolgungsjagden oder Turret-Sequenze sind gut umgesetzt.

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Neben Schwertern und Hämmern dürft ihr auch verschiedene Schusswaffen einsetzen, die in Kombination mit der Zeitlupe Erinnerungen an Vanquish hervorrufen.

Allein die ständige Widerverwendung von Feinden stört mich. In fast jedem Level trefft ihr auf einen neuen Zwischenboss, der in leicht veränderter Form zwei weitere Male auftaucht, bis am Ende alle Iterationen zusammen gegen euch antreten. Obwohl jedes Kapitel neue Gegner einführt, verspürt man innerhalb der Missionen eine gewisse Wiederholung, die leicht ermüdend wirken kann. Aber wenn es so verdammt viel Spaß macht, die blöden Roboterfressen zu polieren, fällt es wenig ins Gewicht.

Transformers: Devastation könnte ruhig etwas länger sein, ein wenig mehr visuelle Variation im Leveldesign aufweisen und zusätzliche Feinde einführen. Das sage ich jedoch nur, weil mich die vorhandenen Inhalte dermaßen begeistern. Das Kampfsystem mag nicht so komplex und ausschöpfend wie das von Bayonetta oder The Wonderful 101 sein, dafür konzentriert es sich auf wenige Elemente und könnte diese nicht besser umsetzen. Das Gefühl beim mehrfachen Rammen eines sich in die Luft geschleuderten Megatrons ist unbeschreiblich und sorgt für einen hohen Wiederspielwert.

Wirklich lange beschäftigt die Kampagne nicht, aber die Rollenspielelemente treiben euch schnell zum zweiten oder dritten Durchgang. Und wer tatsächlich alles sehen will, kann sich die nächsten Wochen gerne Urlaub nehmen. Bis sämtliche Schwierigkeitsgrade mit der höchsten Auszeichnung bestanden sind, alle 50 Challenge-Level absolviert wurden und jedes versteckte Geheimnis aufgedeckt ist, vergeht eine Menge Zeit. Und genau wie bei Metal Gear Rising: Revengeance, Vanquish oder Bayonetta zuvor lohnt sich auch hier bereits die einmalige Reise. Viel besser werden Lizenzspiele nicht.

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Björn Balg

Björn Balg

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Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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