Ghostbusters - Test

Nicht sehr geistreich.

Überteuert, monoton und nach einigen Stunden schon wieder vorbei: Das Spiel zum neuen Ghostbusters-Film lässt echte Höhepunkte vermissen.

Ein neuer Ghostbusters-Film kommt in die Kinos und da darf das passende Spiel natürlich nicht fehlen. Wenn ihr euch schon länger mit Spielen beschäftigt, schrillen jetzt wahrscheinlich die Alarmglocken bei euch und ihr vermutet, dass es doch nicht mehr als die übliche Lizenzgurke ist - Ausnahmen bestätigen die Regel -, die zum Filmstart auf den Markt geworfen wird.

Nun, zum Teil habt ihr damit nicht ganz unrecht, an das tolle Ghostbusters-Spiel aus dem Jahr 2009 kommt der neueste Ableger leider nicht heran. Im Umkehrschluss ist der Titel längst nicht so schlecht, wie ich es befürchtet hatte. Aber dummerweise auch nicht so gut, dass ihr euch sofort draufstürzen solltet. Vor allem nicht zum Preis von 50 Euro, der gelinde gesagt ein Witz ist. Das hier ist mehr etwas, was man normalerweise für höchstens 20 Euro als Download-Spiel erwarten würde.

Im Kern ist Ghostbusters ein Twin-Stick-Shooter, den ihr aus der Vogelperspektive spielt. Ihr übernehmt die Rolle eines von vier Mitgliedern aus einem Ghostbusters-Team - weder die Leute aus den alten noch aus dem neuen Film - und geht damit auf Geisterjagd, was jetzt nicht völlig überraschend ist. Dabei seid ihr stets mit dem gesamten Team unterwegs, die drei restlichen Mitstreiter werden entweder von der KI oder von menschlichen Mitspielern gesteuert - aber nur lokal und nicht online. Was die Story betrifft... nun, ihr jagt halt Geister, müsst ihr mehr wissen? Eigentlich nicht. Und im Grunde interessiert es beim Spielen niemanden so wirklich, Hauptsache Geister beseitigen. Wie man eine spannende Geschichte erzählt, müssen die Entwickler jedenfalls noch lernen.

Das Team, das ihr im Spiel steuert.

Die vier Protagonisten verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten und Bewaffnungen. Jeder trägt einen Protonenstrahler mit sich herum, ansonsten nutzen sie noch eine jeweils eigene Schusswaffe zur Geisterjagd: Eine Art Sturmgewehr, eine Minigun, eine Schrotflinte und zwei Pistolen. Darüber hinaus können die Charaktere im Rang aufsteigen, indem sie während der Einsätze Ektoplasma sammeln, wofür sie wiederum Punkte erhalten, die ihr in die Verbesserung der Skills investiert. Dadurch steigert ihr Waffenschaden, Bewegungsgeschwindigkeit, die Abklingzeit für den erneuten Granatenwurf oder die Ausbeute an Ektoplasma bei gefangenen Geistern.

Grundsätzlich funktioniert Ghostbusters in dem, was es tut und sein will, aber es ist einfach so verdammt eintönig, dass es schwierig fällt, sich mehrere Stunden am Stück damit zu beschäftigen. Zwar unterscheiden sich die Locations im Look, doch der Ablauf ist im Grunde immer gleich. Ihr lauft durch die jeweilige Umgebung, folgt der per Tastendruck einblendbaren Linie zum Bossgegner des Levels, schießt unterwegs alle Geister über den Haufen, die euch vor die Flinte laufen, und durchsucht unterwegs alle Nebenräume. Einige der stärkeren Widersacher müsst ihr wiederum mit der Geisterfalle einfangen, bevor es weitergeht.

Im Koop-Modus mit einem oder mehreren menschlichen Mitspielern unterscheidet sich das nicht großartig vom normalen Ablauf. Letztlich seid ihr mit anderen Spielern im Team effektiver als alleine mit KI-Unterstützung. Aber ganz egal, ob ihr nun solo oder im Team spielt, eine große Herausforderung ist das Spiel nicht. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich irgendwelche Probleme mit den Gegnern des Spiels, gefallene Teamkameraden lassen sich, wenn ihr in der Nähe seid, mit einem Tastendruck sofort und mit 100 Prozent Gesundheit wiederbeleben. Ein echtes Gefühl für Gefahr entsteht so zu keinem Zeitpunkt.

Für normale Geister braucht ihr den Protonenstrahler nicht zwingend, dafür reichen die gewöhnlichen Waffen aus.

Das Problem am ganzen Ablauf ist, dass die Level sich, wenn ihr denn auch die Nebenräume abklappert, 30 bis 40 Minuten hinziehen - und das fühlt sich noch länger an, als es tatsächlich ist. Ich tat mich schwer damit, mehr als zwei, drei Level am Stück zu absolvieren, weil irgendwann einfach unweigerlich die Monotonie einsetzt und ihr lieber was anderes machen wollt. Ansonsten können ein, zwei Level aber kurzweilig durchaus für Laune sorgen. Ihr dürft nur nicht erwarten, mit etwas Anspruchsvollem konfrontiert zu werden. Einfach Füße hochlegen und Geister jagen. Die unterscheiden sich in ihrem Aussehen übrigens ein bisschen und sind auf die Umgebungen abgestimmt. Auf einem Schiff bekämpft ihr zum Beispiel einen Geisterkapitän als Endboss, andere Zwischengegner ziehen euch dort mit Wurfspießen zu sich heran. Aber wie gesagt, alles keine große Herausforderung.

Das Ganze erinnert etwas an den Quasi-Vorgänger Sanctum of Slime, der ebenfalls nicht wirklich besser war. Technisch sieht Ghostbusters ordentlich aus, bewegt sich aber selbst hier auf dem Niveau eines Download-Spiels. Nicht spektakulär, nicht schlecht, einfach Durchschnitt. Überhaupt mangelt es dem Spiel einfach an dem Charme, den das Original versprüht und den man im Spiel von 2009 gespürt hat. Die Witze sind hier im wahrsten Sinne wenig geistreich und die Charaktere haben die Ausstrahlung einer eiskalten Gefriertruhe. Da hilft es auch nicht, dass Ray Parker Juniors Ghostbusters-Titelsong im Menü in Dauerschleife läuft. Wer hätte gedacht, dass ich mich daran irgendwann mal satthören könnte. Vielen Dank, liebe Entwickler!

Bei Zwischen- und Bossgegnern nutzt ihr die Protonenstrahler, um sie schließlich einzufangen.

Durchspielen könnt ihr Ghostbusters übrigens in gerade mal fünf bis sechs Stunden. Dann erwartet euch noch ein Remix-Level pro Location, aber für wirklich längere Zeit wird euch das Spiel nicht vor den Bildschirm fesseln. Ein Spiel muss nicht unbedingt dutzende Stunden lang sein, um zu begeistern, aber wenn selbst in der kurzen Spielzeit irgendwann Monotonie herrscht, läuft ein bisschen was schief.

Ghostbusters gelingt es, nicht auf das Niveau des schnell hingeschluderten und frustrierend schlechten Lizenzspiels zu sinken, aber das bedeutet in diesem Fall nicht viel. Es ist schlicht und ergreifend Durchschnittskost, die technisch gesehen ganz gut funktioniert, und spielerisch für vielleicht eine Stunde zwar kurzweilig sein kann. Dann jedoch wird es schnell sehr eintönig und weckt das Bedürfnis nach einer Pause. Mal ganz abgesehen davon, dass es für das, was es bietet, zu einem absolut überteuerten Preis verkauft wird. Um es kurz zu machen: 50 Euro ist es keinesfalls wert, ein würdiger Nachfolger zum 2009er Ghostbusters ist es leider nicht geworden. Dieses Franchise hat definitiv Besseres verdient.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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