Rundenbasiertes Survival-Spiel mit allzu simpler Spielmechanik. Macht Spaß, wirkt teilweise aber arg zufällig und erschöpft sich schnell.

Es gibt wenige Orte, die wirklich zum Überleben geeignet sind, wenn der Atomkrieg losbricht. Ein Bunker auf dem Land vielleicht oder eine tiefe Höhle. Für weniger passend hielte ich ein Hotelhochhaus, aber Entwickler Mandragora belehrt mich eines Besseren. In Skyhill befindet sich Protagonist Perry auf einer simplen Geschäftsreise, checkt in einem Hotel ein, macht es sich bequem.

Und erhält dann den Hinweis, er möge sein Hotelzimmer jetzt doch bitte nicht verlassen. Den Grund erkennt er, als er aus dem Fenster blickt: Ein Atompilz reckt sich am Horizont in die Höhe. Das ist das Ende, das Jüngste Gericht. Aber nicht für Perry. Der residiert zwar im 100. Stockwerk des Skyhill-Hotels, nach dem das Spiel benannt ist - er macht sich aber trotzdem voller Mut auf den Weg nach unten.

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Checken Sie ein ins Skyhill-Hotel. Wir bieten die besten Filter für den bevorstehenden Atomkrieg! (Skyhill - Test)

Skyhill ist bereits im vergangenen Jahr für PC und mobile Plattformen erschienen, jetzt folgt auch die Konsolenfassung. Seine mobile Herkunft merkt man dem Spiel an, denn das Spielprinzip ist innerhalb weniger Sekunden verstanden. Schrittweise bewegt ihr euch von Raum zu Raum, wobei jedes Stockwerk aus einem Teil des Treppenhauses sowie zwei zufällig generierten Zimmern besteht. In einigen trefft ihr auf Gegner, in anderen warten nützliche Gegenstände, in wieder anderen auf beides. Und in manchen auf nichts. Perry ist ein sehr hungriger Typ. Jede Bewegung von einem Zimmer ins nächste verbraucht eine Essenseinheit. Ist dieser Wert auf null gesunken, beginnt euer Protagonist zu verhungern, dann verliert er jede Runde etwas von seiner Lebensenergie. Diese zwei Werte sind es, die das Gameplay in Skyhill bestimmen. Und genau damit jongliert ihr auf dem Weg nach unten.

Unterwegs trefft ihr auf allerhand Zombies und Mutanten, die euch an den Kragen wollen. Das Kampfsystem könnte simpler kaum sein. Ihr könnt lediglich aus verschiedenen Trefferchance-Varianten wählen, wobei ihr bei einer geringeren Chance natürlich mehr Schaden macht. Spezialfähigkeiten gibt es nicht, ebenso wenig etwas, das mit Magie vergleichbar wäre. Zwischen Kämpfen könnt ihr euch mit gefundenen Erste-Hilfe-Kästen und vergleichbaren Goodies heilen und natürlich könnt ihr auch bestimmen, welche Waffe ihr ausrüsten wollt. Ihr seid natürlich auf das angewiesen, was ihr im Hotel findet, schließlich gehen nur die wenigsten Leute mit der Schrotflinte auf Geschäftsreise. Küchenmesser und Baseballschläger sind also die Waffen eurer Wahl, findet ihr entsprechende Rohmaterialien, könnt ihr euch in eurem VIP-Zimmer im obersten Stockwerk auch selbst was basteln. Dort befindet sich nämlich aus unerfindlichen Gründen eine Werkbank. So klöppelt ihr euch aus Sägeblatt, Brett und Zahnrädern schon mal etwas zusammen, das gut in einen Mad-Max-Film passen würde. Aufzüge erlauben es euch, zwischen einmal entdeckten Stockwerken schnell hin- und herzuwechseln.

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Der Kollege hier war wohl mal Baseball-Fan. Vor seiner Mutation. (Skyhill - Test)

Euer Hotelzimmer erfüllt aber auch noch einen anderen Zweck und der ist wenig überraschend: Ihr könnt hier schlafen. Schlaf wandelt in Skyhill schlichtweg euer Hungerlevel in Lebensenergie um. Habt ihr also gerade drei Salate gegessen und zwei Cola getrunken (sowas findet ihr an den unmöglichsten Orten), blutet aber schon aus Körperöffnungen, die vorher nicht da waren - legt euch einfach hin und ihr habt danach beide Werte auf 50 von 100. Egal, wie gut ihr euch aber anstellt: Ihr werdet sterben. Das fühlt sich bisweilen etwas unfair an, weil die prozedurale Generation des Hochhauses es auch schon mal versäumt, euch rechtzeitig mit einer anständigen Waffe auszustatten, sodass ihr dann einen riesigen Mutanten im Faustkampf besiegen müsst. Aber es gehört eben zum Spiel.

Je weiter ihr nach unten vordringt, desto mehr Modifikatoren schaltet ihr frei. Von ihnen könnt ihr vor jedem neuen Spiel zwei wählen, einen aktiven und einen passiven. Darunter befinden sich beispielsweise so geschmackvolle Skills wie "Bulimie". Der sorgt dafür, dass ihr weniger Nahrung braucht, führt aber auch dazu, dass eine gewisse Chance besteht, dass ihr alles wieder erbrecht - was das Spiel in Form von körperlichem Schaden darstellt. Ziemlich geschmacklos. Davon abgesehen, gibt es aber auch Skills, die euch einen zusätzlichen Erste-Hilfe-Kasten geben, euch Einblick in angrenzende Hotelzimmer gewähren oder euch mehr nützliche Gegenstände finden lassen.

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Den Kampf bestreitet ihr im Wesentlichen, indem ihr zwischen verschiedenen Angriffswahrscheinlichkeiten wählt. (Skyhill - Test)

Letztlich sind es diese Spezialfähigkeiten, die euch helfen, bei jedem neuen Durchgang ein bisschen länger zu überleben. Relativ schnell habe ich aber festgestellt, dass das gar nicht so schwer ist. Das wiederum hat mit der zufallsgenerierten Spielwelt zu tun. Skyhill kennt kein Belohnungssystem. In einem gewöhnlichen Rollenspiel würdet ihr davon ausgehen, dass ein schwer zu besiegender Gegner auch entsprechenden Loot hinterlässt. In Skyhill kann es passieren, dass ihr in optionalen Nebenzimmern auf sehr mächtige Feinde trefft, die euch potenziell das Leben kosten, die euch aber rein gar nichts hinterlassen, wenn ihr sie besiegt. Diese Erkenntnis hat in meinem Fall dafür gesorgt, dass ich einfach umgekehrt bin, wenn ich auf einen solchen Feind getroffen bin. Das ist in den meisten Fällen möglich, nur einige Feinde im Treppenhaus müssen zwangsläufig besiegt werden, damit ihr euren Weg nach unten fortsetzen könnt. Ihr verpasst auf diese Weise zwar Erfahrungspunkte. Das, was ihr nach einem Stufenaufstieg bekommt, nämlich je vier Skillpunkte, die ihr frei auf die Werte Stärke, Geschwindigkeit, Geschicklichkeit und Präzision verteilen dürft, ist aber wenig im Vergleich zu einem gesunden und satten Charakter.

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Er hier sucht ganz dringend Zahnräder. Wenn ihr die nicht habt, kommt ihr hier auch nicht weiter. (Skyhill - Test)

Zumal ihr auch zufällig auf Erfahrungspunkte stoßen könnt. Beispielsweise, wenn ihr besonders gut schlaft. Oder wenn ihr einen besonderen Gegenstand findet. Ob ihr in Skyhill Erfolg habt oder nicht, ist wirklich sehr stark vom Zufall abhängig. Findet ihr in einem Durchgang alle fünf Zimmer einen tollen Erste-Hilfe-Kasten, der euch komplett regeneriert, kullern euch im nächsten an ähnlicher Stelle nur vergammelte Birnen entgegen. Die stillen zwar geringfügig das Hungergefühl, möglicherweise vergiftet ihr euch aber. Seid ihr wiederum vergiftet, verliert ihr in jeder Runde Lebensenergie, es sei denn, ihr schafft es, ein Gegengift zu basteln, für das ihr wiederum bestimmte Zutaten braucht. Und ob ihr die bekommt ... naja, das ist natürlich wieder zufallsabhängig.

Skyhill ist ein nettes Spiel für eine schnelle Runde zwischendurch. Ihr müsst euch nicht viel Gedanken machen, könnt einfach mal rumprobieren, was beispielsweise passiert, wenn ihr nie Hotelzimmer aufsucht, sondern einfach nur immer nach unten lauft. Oder was passiert, wenn ihr absolut jeden Gegner bekämpft. Das ist entspannend, aber letztlich hatte ich eher das Gefühl, dass das Spiel mit mir spielt und nicht ich mit ihm. Die Spannung ist schon groß, wenn ihr in ein neues Zimmer lauft, nie wissend, was euch da erwartet. Aber wenn da ein Zombie steht, schüttelt ihr eben einfach mit dem Kopf und dreht wieder um. Und wenn da drei Regale offen sind und in allen drei ist rein gar nichts, schüttelt ihr ebenfalls den Kopf und sucht vielleicht vor lauter Verzweiflung auf YouTube nach einem Motivationstrainer. Es ist schwer zu sagen, wie lang ihr für einen Durchgang von Skyhill braucht, weil das Spiel so stark vom Zufall abhängig ist. Drei bis vier Stunden bis zur ersten Endsequenz dürften realistisch sein, wobei das Spiel mehrere Enden bereithält - je nachdem, wie ihr euch bei eurem Abstieg verhaltet. Ihr könnt nämlich unterwegs anderen Überlebenden helfen. Die verlangen meist herrlich unspezifische Dinge wie ein paar Zahnräder und eine Flasche Cola, aber wenn ihr das habt, seid ihr der König.

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Vor jedem neuen Durchgang dürft ihr aus euren freigeschalteten Regelmodifikatoren zwei wählen. (Skyhill - Test)

Skyhill ließ mich erkennen, dass das wahre Grauen nicht so sehr darin besteht, mit etwas ultimativ Bösem konfrontiert zu sein. Es liegt in der Beliebigkeit der Welt. Wenn ich morgen in meine Küche gehe und ich finde in der Besteckschublade nicht mehr das Besteck, sondern drei Drähte, eine Münze und einen Haufen Altmetall, dann weiß ich: Das hier ist das Fegefeuer, ich werde jetzt für all meine Sünden bestraft. Der Teufel lacht mir nicht ins Gesicht, er gibt mir eine alte Zwiebel und lässt mich abwägen, ob es sinnvoll ist, sie zu essen, weil ich Hunger habe, obwohl ich ja weiß, dass ich mich vergiften könnte. Und wenn ich dann den Topf holen will, um sie vorher abzukochen, ist da kein Topf, sondern ein Schlüssel für ein Hotelzimmer, in dem sich dann doch wieder nur ein Monster befindet.

Es ist kein schlechtes Spiel, mobil eignet es sich hervorragend für die schnelle, gedankenlose Partie an der Bushaltestelle. Aber es ist so beliebig, dass es einen konzentrierten Spieler dann doch viel mehr frustriert, als es sollte. Ab Stockwerk 90 kommt ihr ohne eine gute Waffe nun mal nicht mehr weiter und wenn euch das Spiel die nicht geben will, könnt ihr eigentlich auch gleich neu starten. Die Präsentation genügt mobilen Standards und ist ansonsten nicht der Rede wert, wirkliches Endzeit-Feeling will irgendwie nicht aufkommen. Für ein paar vergnügliche Stunden ist Skyhill okay. Darüber hinaus entwickelt es sich schwerfällig zur repetitiven Arbeit. Und das Erdgeschoss allein ist einfach nicht Spielanreiz genug.

Entwickler/Publisher: Mandragora/Daedalic - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, iOS, Android - Preis: 14,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsche Texte, englische Sprachausgabe - Mikrotransaktionen: Nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2018 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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