Zombie Army 4: Dead War - Test: Ein Spiel wie ein B-Movie

Eines unter vielen.

Ein Koop-Shooter, der wenig falsch macht, dem aber das Besondere fehlt. Blutiges Gemetzel alleine reißt es nicht heraus.

Dass Rebellion gerne Blut und Splatter zelebriert, ist nichts Neues. Was damals vor vielen Jahren im allerersten Sniper Elite begann, zieht sich bis heute durch und ist ebenso in die Zombie-Army-Reihe des Studios hinübergeschwappt. Hier treiben sie es auf die Spitze, denn bei den Untoten, die ihr dutzendweise noch einmal tötet, kommt der Gore-Faktor noch mehr zur Geltung als bei Nazi-Soldaten. Wenngleich der Nazi-Aspekt beide Reihen verbindet, denn statt lebender Nazis ballert ihr hier untote über den Haufen.

Denn die drohen nach wie vor, die Welt zu überrennen, daher der namensgebende "Dead War". Da spielt es keine Rolle, dass der Widerstand Zombie-Hitler in die Hölle schickte. Die Untoten schlurfen, als hätten sie nie was anderes getan, auf der Suche nach Menschen zum Verputzen durch das Europa der 1940 Jahre. Okay, in puncto Story braucht ihr hier kein Meisterwerk zu erwarten, so viel steht fest.

Zugleich ist es nichts, was Einzelspieler in Ekstase versetzt. Die Kampagne lässt sich zwar alleine in Angriff nehmen, seinen eigentlichen Reiz versprüht Zombie Army 4 jedoch im Koop-Modus. Was bei Left 4 Dead und Co. nicht anders war, daher sind das keine weltbewegenden Neuigkeiten. Insgesamt erwarten euch in der Kampagne ganze neun Kapitel, die jeweils mehrere Stunden in Anspruch nehmen - es ist keine Kleinigkeit.

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Überall lauern Zombies. (Zombie Army 4: Dead War)

Hinzu kommen ein Horde-Modus, in dem ihr wie gewohnt als Team gegen massig Zombies antretet und so viele Runden übersteht, wie es geht, sowie wöchentliche Herausforderungen. Hierbei mischen die Entwickler die normalen Level ein wenig durch, indem zum Beispiel spezielle Modifikatoren aktiv sind und das Gameplay abändern, um es frisch zu halten.

Der Gedanke hinter dem Aufbau des Spiels ist klar: Rebellion hätte gerne, dass ihr den Titel für längere Zeit spielt. Dafür spricht unter anderem die Tatsache, dass es eine ganze Menge an Charakter-Perks, Waffen-Upgrades und kosmetische Objekte zum Freischalten gibt. Das ist alles "nice to have", wenngleich die Zahl der verfügbaren Waffen angesichts dessen, was in dieser Zeitperiode verfügbar war, eher klein wirkt - es sind drei pro Kategorie.

Weniger schön ist zudem, dass euch das Spiel direkt in jeder Sparte eine vierte Waffe als käuflich erwerbbare Alternative vor die Nase setzt. Was gibt es Tolleres, als sich ein Spiel zu kaufen und gleich zu sehen, was noch zu kaufen ist? Das gilt ebenso für weitere Figuren über die vorhandenen vier hinaus und zusätzliche Kampagnenlevel, die über den Season Pass ins Spiel kommen. Schmeißt es einem nicht direkt um die Ohren, dann entsteht auch kein fader Beigeschmack.

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Mit Blut geizt das Spiel nicht. (Zombie Army 4: Dead War)

In den Missionen der Kampagne bemüht sich Rebellion darum, für Abwechslung zu sorgen. Bis zu einem bestimmten Punkt gelingt das, auf eine Inszenierung wie in einem Triple-A-Titel mit feinen Zwischensequenzen und dergleichen müsst ihr indes verzichten. Unter anderem verschlägt es euch nach Venedig, wo ihr mit einem Boot durch die Kanäle schippert, den Weg freiräumt und dabei manchen Zombies in die (noch vorhandenen) Eier schießt - was das Spiel natürlich in Zeitlupe darstellt. Im nächsten Level verteidigt ihr dann eine Basis gegen einen Luftangriff, bei dem es Zombies - natürlich ohne Fallschirm - vom Himmel regnet. Wer fliegt die Dinger eigentlich? Egal, ist nicht wichtig.

Vor allem alleine geratet ihr in solchen Situationen gerne in Stress und Panik, weil ihr alle Dinge auf eigene Faust zu stemmen versucht. Was möglich ist, wenn auch schwieriger als im Koop-Modus. Vor allem wenn ihr an einen Punkt kommt, an dem immer neue Zombies aus dem Nichts spawnen, bis ihr eine vorgegebene Aufgabe erfüllt habt oder einen anderen Trigger auslöst.

Einmal hatte ich während einer Mission ein Problem, dass sich ein Hebel nach der Reaktivierung eines Stromgenerators nicht mehr betätigen ließ. Der Einsatz ließ sich somit nicht abschließen. Eine Rückkehr zum letzten Speicherpunkt half nichts, allein das erneute Spielen des Levels von Anfang an brachte die Rettung - und verlorene Zeit. Seid daher nicht überrascht, wenn ihr auf einen Bug dieser Art stoßt. Ebenso merkwürdig gestalten sich zum Teil die Bewegungen der Charaktere, die sich ein wenig schwammig anfühlen und nicht derart präzise agieren, wie ich es aus anderen Third-Person-Spielen kenne.

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Wenn sonst nichts mehr hilft, dann auf jeden Fall schweres Geschütz. (Zombie Army 4: Dead War)

Während ihr euch durch die Level ballert, baut ihr Kombos auf. Nicht allein, um damit Punkte zu sammeln. Die rechnet das Spiel am Ende eines Abschnitts in Erfahrungspunkte um. Mehr erhaltet ihr natürlich für Kopfschüsse, wenn ihr Sammelzeug gefunden habt oder Fallen verwendet, um euch der Zombies zu entledigen. Dazu zählen explosive Fässer ebenso wie Stromschläge oder riesige Zombie-Haie, die ihr mit Untoten füttert.

Aufpassen solltet ihr dabei, wenn ihr mit Freunden spielt. Wo ihr bei normalen Schüssen nichts zu befürchten habt, spielt das Friendly Fire euch hier nicht in den Karten. Gerät einer eurer Mitstreiter versehentlich ins Maul eines Hais oder in die Rotorblätter eines Flugzeuges, bleibt nicht viel übrig, was sich noch wiederbeleben ließe. Dass ihr für alles mögliche Punkte bekommt, sorgt indes für einen Wettbewerbsaspekt im Koop-Modus. Es ist ein Ansporn zu Höchstleistungen. Und am Ende zahlt es sich ja wie gesagt aus, wenn ihr mehr Erfahrungspunkte dafür einsackt.

Stück für Stück schaltet ihr somit neue Dinge frei, darunter die erwähnten Perks, mit denen ihr je nach Charakter zum Beispiel eine zweite Chance erhaltet. Haut euch ein Zombie um, steht ihr erneut auf, wenn es euch gelingt, noch einen von ihnen zu töten. Ebenso verbessert ihr die Waffen, indem ihr sie mehr Munition aufnehmen lasst oder dafür sorgt, dass sich ein explosiver Schuss auflädt, der mit Feinden kurzen Prozess macht. Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, einen Takedown aufzuladen, der à la Doom ein wenig Gesundheit wiederherstellt, oder eine effektive Nahkampfattacke auszuführen. Ausreichend Optionen, seine Feinde in Einzelteile zu zerlegen, gibt es in jedem Fall.

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Es fliegen die Fetzen. (Zombie Army 4: Dead War)

Und das auf die blutige Art. Die Killcam inszeniert das, wenn ihr Organe explodieren sehen möchtet, in Zeitlupe und mit Röntgenblick. Granaten lassen Zombies effektvoll in blutigen Fontänen auseinander spritzen, ihr zerstampft Leichen, um an Munition zu gelangen, und lasst eure Feinde mit schwerem Geschütz zerplatzen. Zimperlich ist Zombie Army 4 in dem Bezug nicht, was nicht anders zu erwarten war.

Überwiegend schießt und hackt ihr euch dabei durch ganz gewöhnliche Untote - in dezent unterschiedlichen Variationen. Ihr habt Soldaten, Seemänner, dann welche mit und ohne Helm, andere tragen noch Waffen mit sich herum und feuern wild um sich. Die Herausforderung ergibt sich in dem Fall eher durch ihre schiere Zahl als durch ihre Gefährlichkeit. Wer sie auf Abstand hält und ausreichend Munition hat, bekommt mit ihnen keine Probleme. Von Zeit zu Zeit habt ihr es mit besonderen Vertretern der Untoten zu tun. Kommandanten holen Gefallene zurück ins Leben (wenn man das bei Zombies so nennen kann), Scharfschützen teleportieren sich von Dach zu Dach, Selbstmordzombies laufen mit umgehängten Dynamitstangen auf euch zu, andere werden euch mit ihrem schweren MG gefährlich und stecken viel ein. In regelmäßigen Abständen kommt hier was Neues hinzu.

Im Endeffekt ist Zombie Army 4 aber nicht viel mehr als das: Ihr ballert euch durch Massen an Zombies und versucht euer nächstes Ziel zu erreichen, lauft von Punkt A nach Punkt B, aktiviert hier einen Generator, verteidigt dann die Stellung und so weiter. Mir ist das auf Dauer zu eintönig. Ich konnte kaum mehr als zwei Level nacheinander spielen, bevor ich mich nach anderen Dingen sehnte. Da hilft es nicht, dass euch das Spiel ständig mit bunten Zahlen, Nachschubkisten und all dem Kram ablenken möchte. Ein mutiges Spieldesign sieht anders aus.

Ich würde sagen, dass Zombie Army 4 im Grunde nicht viel falsch macht. Es ist gut spielbar, es funktioniert. Ich sehe hier aber nichts, was mich dazu verleitet, mich längere Zeit damit zu befassen. Es ist ein Koop-Shooter, in dem ich am Ende des Tages Hunderte, Tausende Untote über den Haufen ballere. Es fehlt für meinen Geschmack das Besondere, durch das sich das Spiel aus der Masse abhebt. Und nein, der Gore-Aspekt sorgt nicht dafür. Spielerisch wagt Zombie Army 4 nichts Neues. Ihr ballert, absolviert simple Aufgaben und so geht es immer weiter. Wenn es wenigstens eine mitreißende Geschichte erzählen würde, die es Einzelspielern schmackhaft macht. So bleibt Zombie Army 4 am Ende ein Koop-Spiel unter vielen. Eines, das vor allem mit anderen den meisten Spaß versprüht und - wenn ihr eine Gruppe dafür habt oder findet - eine Überlegung wert ist. Wer überwiegend alleine spielt, findet auf dem Markt bessere Einzelspieler-Alternativen.

Entwickler/Publisher: Rebellion/Sold Out - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: zirka 50 Euro Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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