Snack World: Die Schatzjagd - Gold (Switch) - Test: Für den kleinen Snack zwischendurch

Seltsames aus Japan.

Ein Spiel, das gerne witziger wäre, als es in Wirklichkeit ist. Auf Dauer eintöniger Spielablauf und eine wenig motivierende Geschichte.

Dass aus Japan des Öfteren ein wenig seltsam anmutende Spiele kommen, ist nichts Neues. Bei Snack World aus dem Hause Level-5 ist das nicht anders. Im Universum von Snack World dreht sich vieles ums Essen, daher der Name. Die Welt heißt Tutti-Frutti, die Stadt, vor deren Toren ihr erwacht, hört auf den Namen Croquetta. Hier herrscht König Büfett, ihm zur Seite steht Prinzessin Melonia ...

Was nicht heißt, dass das gleichzeitig alles nach Essen aussieht - wie der Onion King in Overcooked zum Beispiel -, es heißt einfach so. Und es geht nicht ums Kochen oder um was anderes, das sich in diese Richtung bewegt. Nein, vielmehr steckt hier unter der Haube ein waschechter Dungeon-Crawler. Ihr begebt euch auf Story- und Nebenquests, haut haufenweise Gegnern eure Waffen um die Ohren und sammelt die Beute, die sie fallen lassen. Wer mit dem Genre vertraut ist, für den ist das kein ungewöhnlicher Ablauf.

Gleichzeitig kommt hier ein Sammelaspekt hinzu, der nicht allein neue Beute betrifft. Es ist möglich, alle der 168 verschiedenen Gegnertypen für eure Sammlung einzuscannen und somit für euer Team zu rekrutieren. Bevor das funktioniert, haut ihr so viele des jeweiligen Typs um, bis ihr damit vertraut genug seid. Nach dem nächsten erledigten Widersacher scannt ihr ihn dann ein und somit gehört er euch.

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Immer mal wieder kämpft ihr auch gegen Bossgegner. (Snack World: Die Schatzjagd Gold für Switch - Test)

Dabei erwartet euch eine bunte Mischung an zum Teil mit Wortspielen um sich werfenden Feinden. Katzen-artige Gegner namens Kat-C gibt es ebenso wie Schafe als Zauberer, Pinguinsoldaten und riesige Kraken - die Gegnerdesigns sind zum Teil wirklich schick, aber das ist man vom Ni-no-Kuni-Entwickler nicht anders gewohnt. All die rekrutierten Mitstreiter nennen sich "Snacks" und teilen sich in zwei Gruppen auf. Die einen lassen sich als Begleiter mitnehmen und kämpfen als KI-Kameraden an eurer Seite. Zuerst ist das ein einzelner, im Spielverlauf nehmt ihr bis zu drei zur Unterstützung mit.

Die anderen sind Taschensnacks und einsetzbar, wenn sie aufgeladen sind. Dann transformiert sich euer individuell erstellter Charakter für begrenzte Zeit in den auserwählten Taschensnack und ihr erhaltet Zugriff auf ihre individuellen Attacken. Neben den 168 Feinden gibt es noch 86 weitere Charaktere, die sich zu Snacks machen lassen, wenn ihr sie findet. Häufig passiert das zum Beispiel über Nebenmissionen. Anders gesagt: es gibt einiges zu sammeln.

Das Problem, das Snack World hat, ist, dass sich schnell ein eintöniger Ablauf einstellt. Häufig kehrt ihr im Verlauf der Missionen in Bereiche zurück, die ihr zuvor schon x-mal besucht habt. Je nach Level ist der Aufbau ein wenig anders, viel Variation ist indes nicht zu sehen. Mehr als ein paar Missionen spielte ich kaum am Stück, bevor mich die Eintönigkeit übermannte. Wenn im Gegenzug die Story motivierend wäre ... Großes Interesse weckt sie nicht, sie plätschert vor sich hin und keiner der Charaktere weckt in mir ernsthaft das Bedürfnis, dass ich mich großartig für ihn interessiere - das Gegenteil ist eher der Fall.

Wo bin ich hier gelandet? (Snack World: Die Schatzjagd Gold für Switch - Test)

Was seine Spielsysteme betrifft, präsentiert sich Snack World als einsteigerfreundlicher Dungeon-Crawler. Es gibt verschiedene Assistenten, die euch das Leben erleichtern, zum Beispiel ist es möglich, vor dem Start einer Mission automatisch die dafür am besten geeignete Ausrüstung anlegen zu lassen. Das setzt sich insoweit im Kampf fort, als dass euch das Spiel eine Anzeige einblendet, wenn ihr für den aktuellen Gegner die falsche Waffe ausgerüstet habt. Drückt dann einfach den rechten Trigger und euer Charakter rüstet das aus, was am effektivsten ist. Im Kampf ist das eine enorme Erleichterung, vor allem Einsteiger erhalten damit wertvolle Unterstützung.

Zu Beginn macht es euch das Spiel trotz allem nicht einfach, was Geld und herstellbare Ausrüstung anbelangt. Beides ist eher rar und daher ist es ein zäher Start, was sich später ein wenig bessert. Die Spielsysteme sorgen dafür, dass ihr euch hier eher weniger an einzelne Jaras (Waffen) gewöhnt, da sie wie angesprochen im Kampf ständig wechseln. Ihr spezialisiert euch weniger auf einzelne Builds als in vergleichbaren Spielen, seid flexibel unterwegs. Zugleich lohnen sich Upgrades der Waffen kaum, weil die Verbesserungen gering und den Grind nicht wert sind. Dann lieber gleich was Neues kaufen, wenngleich die Loot-Spirale mich hier nie ernsthaft packte. Zumal bei vielen Dingen das Glück eine maßgebliche Rolle spielt, ob in Form von Roulette, Glückskisten oder Lotterielosen. Nichts gegen ein wenig Zufall, hier wirkt es aber übertrieben viel.

Was mich darüber hinaus davon abhält, mehr in die Welt einzutauchen, sind die merkwürdigen Eigenheiten des Spiels. Charaktere "sprechen" in dem Sinne, dass sich in Dialogen immer wieder einzelne Wortfetzen wiederholen, während ihr die gesamten Gespräche als Text lest. Und wenn ihr die zig mal zu hören bekommt, nervt das schnell. Ähnliches gilt für die Sprüche, die Feinde von sich geben, wenn sie sterben. Hier hört ihr ebenso häufig immer die gleichen Sätze, dass es schnell ins Lästige abdriftet - vor allem wenn ihr mehrere Gegner des gleichen Typs nacheinander um die Ecke bringt. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich diese Sachen ebenso wiederholen wie der spielerische Ablauf und daher gut zusammenpassen. Ein wenig mehr Mühe hätte hier nicht geschadet.

Mal ein witziger Einfall: Ihr haut Gegner wie bei einem Home Run durch die Gegend. (Snack World: Die Schatzjagd Gold für Switch - Test)

Zugleich hat das Spiel über weite Strecken einen zum Teil merkwürdigen Humor. Es spielt mit Stereotypen und schlägt dabei zuweilen über die Stränge, dass es ins Peinliche und Gruselige abrutscht, wenn ich zum Beispiel an Chups - einer eurer Begleiter - Obsession mit der Prinzessin denke. Anstatt darauf zu bauen, in den richtigen Momenten ein paar gute Gags zu zünden, wirkt Snack World zwanghaft bemüht, euch in jeder Szene einen Lacher zu präsentieren. Das klappt ab und an, wenn es zum Beispiel die vierte Wand durchbricht, doch häufig genug scheitert es dabei kläglich - anspruchsvoller Humor sieht anders aus. Unter der eher kindlich anmutenden Oberfläche verbergen sich diverse Zweideutigkeiten (auch sexuelle Anspielungen), fragwürdige Momente und Schimpfwörter, was ihr unter Umständen berücksichtigen solltet, wenn ihr Snack World für ein Spiel haltet, das ihr bedenkenlos dem Nachwuchs in die Hände drücken könnt.

Optisch betrachtet, gefällt Snack World mit seinem bunten Stil, einer Mischung aus Fantasy und modernen Elementen. Was die Qualität der Grafik anbelangt, merkt ihr hier nicht viel von den 3DS-Wurzeln des Spiels. Das zeigt sich eher in Bezug auf den Inhalt, denn die Areale fallen insgesamt klein aus. Und wie erwähnt sind sie wenig abwechslungsreich. Anders angeordnete Räume und kürzere oder längere Gänge täuschen nicht darüber hinweg, dass ein weiteres Stockwerk eines Dungeons im Kern doch gleich aussieht. Es fehlt an echten Überraschungen.

Ich ging ohne große Erwartungen an Snack World heran, weil ich im Grunde wenig darüber wusste - und bin doch enttäuscht. Durch seinen monotonen, wenig abwechslungsreichen Spielablauf fesselt es ebenso wenig vor den Bildschirm wie durch seinen merkwürdigen Humor. Nicht alles daran ist schlecht, manche Ideen sind witzig - und doch saß ich häufig genug mit einem Fremdschämgefühl vor den Bildschirm und fragte mich, ob die Entwickler das ernst meinen. Es ist kein Spiel, das ich in großen Portionen genießen könnte, als kleiner Snack zwischendurch ... okay, das geht noch. Wenn ihr mit dem Humor kein Problem habt und einfach einen bunten Dungeon-Crawler haben möchtet, lohnt es sich unter Umständen, einen Blick zu riskieren. Im Endeffekt ist das hier aber kein Highlight, das ihr zwingend in eurer Switch-Sammlung haben müsstet. Wäre es Japan-exklusiv geblieben, ich hätte es nicht vermisst.

Entwickler/Publisher: Level-5 - Erscheint für: Switch - Preis: zirka 50 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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