Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian

Buttonkiller

Ich mag meinen A-Knopf auf dem Pad. Den B-Knopf auch, aber eigentlich ist mein Liebling A. Er ist leicht erreichbar, ein treuer Diener in allen Spielen und lächelt mich in freundlichem grün an. Und deshalb spiele ich Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian nicht ganz so gerne.

Nicht weil Travellers Tales, die Schöpfer der hinreißend charmanten Lego-Spiele, den A-Knopf ignoriert hätten, sondern ihn weit über die Gebühr beanspruchen. So sehr, dass Ihr durchaus Sorgen haben müsst, er könnte nach dem Durchspielen vielleicht einfach nicht mehr ganz der Alte sein. So viel sinnloses Buttonsmashing habt Ihr noch nie in einem einzigen Spiel erlebt.

Es sind nicht einmal die Kämpfe, sondern die Schalter und Kisten. Jede Kiste, derer nicht gerade wenige in Narnia verteilt wurden, müsst Ihr erst mit B greifen und dann durch zwanzigmaliges Drücken auf A öffnen. Hebel finden sich noch mehr und verlangen das gleiche Prozedere. B greifen, A bearbeiten. Immer und immer und immer und immer wieder.

Als Abwechslung bei derlei Aktionen wird ein interessanter Wechsel angeboten, sobald es darum geht, eine Brücke mit einem Enterhaken zu sich zu ziehen. Hier drückt Ihr erst A und dann endlos B. Wahrscheinlich stellte Travellers Tales irgendwann fest, dass kein normales Pad eine Runde Prinz Kaspian überstand und musste die Last ein wenig verteilen.

Wiederholung ist dann auch das große Motto für das Spieldesign an sich. Sechs große Areale unterteilen sich in jeweils drei bis vier Sublevel, in denen Ihr meist eine recht spezifische Aufgabe bekommt. So müsst Ihr bei einem Angriff auf eine Burg eine Reihe von Wachtürmen einnehmen, bevor es den Wächtern gelingt, Warnglocken zu schlagen und so Eure Mission zu vereiteln. Beim ersten Mal noch reizvoll, lässt die Aufregung beim zweiten, fast identischen Turm nach. Und beim fünften übernahm die Routine längst das Ruder.

Dabei sind einige der Rätsel nicht einmal wirklich schlecht, selbst wenn es sich meist nur darum dreht, einen Hebel zu finden und einen neuen Weg zu öffnen. Ein paar Dunkelheitsbarrieren hier, ein kleines Spiegelrätsel da, nichts, was die Welt des Action-Adventures weiterbewegen wird, aber doch grundsolide. Wenn es sich nur nicht permanent und in direkter Folge wiederholen würde!

Eine Aufgabe ein paar mal über ein ganzes Spiel zu verteilen, ist eine Sache und die meisten Entwickler praktizieren solches Recycling. Euch aber drei bis fünf Mal hintereinander ein und dieselben Arbeitsschritte vorzusetzen, verwandelt es in genau das: Arbeit statt Spaß. An einer Stelle gilt es, eine Schlucht zu überqueren. Dazu müsst Ihr eine Kurbel und einen Heben finden und nutzen. Beim ersten Mal ist es das Übliche. Beim zweiten Durchgang direkt danach hatte ich ein Gefühl von Deja Vu, und als direkt im Anschluss es noch einmal verlangt wurde, blieb kein Spaß mehr übrig.

Ähnliche Szenen wiederholen sich häufig genug und was Euch beim ersten Anlauf erfreute, wird durch die direkte Wiederholung schnell schal. Und es ist jetzt nicht gerade so, dass die Rätseln und Aufgaben an sich große Ansprüche stellen würden. Prinz Kaspian lässt Euch stets wissen, dass die Zielgruppe von zwischen 8 und 15 Jahre alt ist und relativ genaue Kenntnisse aus Buch und Film mitbringt.

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Der Reiz der Turmeroberung lässt dem vierten Durchgang drastisch nach.

Dann wird es Euch auch freuen, dass gleich zu Beginn die Belagerung der Burg durch die Telmarer und der Niedergang Narnias in einer epischen Schlacht ausgespielt werden. Auch einige andere Stellen zeigen manches ausführlicher als der Film, wenn Ihr Euch auch nicht immer des Verdachtes erwehren könnt, dass dies weniger aus künstlerischen Aspekten geschah. Mehr ging es wohl darum, ein wenig Strecke zu produzieren. Denn so schick wie der erste Abschnitt geriet keine der weiteren Ausführungen.

Solltet Ihr die Vorlagen nicht kennen, wird es Euch nicht gerade leicht fallen, die mit großen Handlungssprüngen zusammengeschnittenen Filmszenen in einen sinnvollen Kontext zu bringen. Da ist was mit einem Königreich, seltsamen sprechenden Tieren, Barbaren mit osteuropäischem Akzent und vier Kindern, die Potter-Style plötzlich in dieser Fantasywelt landen. Bis zum Schluss reimt Ihr Euch vieles zusammen. Trotzdem bleiben große Lücken, die durch die andren Medien zu füllen sind.

Nicht nur das große Ganze bleibt etwas dunkel, auch einzelne Aufgabenstellungen werden erst dann wirklich klar, wenn Ihr sie erledigt habt. Die meiste Zeit gibt es keine Zweifel, was gerade zu tun ist. In anderen Momenten hilft nur das permanente Schielen auf die kleine Karte, ob dort vielleicht ein Hinweis gegeben wird, wie denn jetzt das Missionsziel gemeint sein könnte. Gerade bei dem Kinderanspruch der Zielgruppe könnte dies für ein paar Frustmomente sorgen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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