Tekken Tag Tournament 2 Wii U Edition - Test

Nur Pilze sind besser als Bälle. Und für beides braucht man Freunde.

Tekken Ball muss der Kracher dieser Umsetzung sein. Ganz sicher, welches Mini-Spiel sollte bitte die Wiederbelebung des Tekken-3-Klassikers überbieten können? Dachte ich so bei mir und startete den Mushroom-Modus ... Ladys and Gentlemen, we have a winner!

Die Idee kam wahrscheinlich bei einer Runde Pilze: "Das wär doch cool, wenn Heihachi einen Pilz isst ... nein, nicht so einen, lass meine Pilze in Ruhe! ... so einen wie bei Mario. Und dann, dann wird der Heihachi total groß! So richtig groß! Und er ist in einem Mario-Kostüm. Und kämpft gegen Jack und der ist ... Bowser! Das kommt bestimmt cool!"

Kommt es. Und genau so funktioniert es auch. Ihr spielt eine gepflegte Runde Tekken Tag Tournament, nur dass ihr zum einen ein paar Mario-Kostüme freischalten könnt, die dem ganzen einen surrealen Hauch geben. Und dass in der Arena Mario-Pilze auftauchen, die euch groß oder klein werden lassen oder in lila Ausführung vergiften. Sogar ein gelb grinsender Unverwundbarkeitsstern hat es hier hinein geschafft. Es ist einfach wundervoll. Plötzlich ist Marshall so groß, dass der verzweifelte Jun nur noch seine in einer Mario-Latzhose steckenden Scheinbeine treffen kann.

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Mushroom-Modus...

Was er auch tut. Wer groß ist, hat nicht automatisch gewonnen, sondern schlägt und tritt sehr viel Luft über dem nun weit unten gelegenen Kopf des Gegners. Der zwar deutlich weniger Schaden als der Riese verursacht, aber keine Probleme hat, etwas zu treffen. Es ist zwar gar nicht mal so wild und un-taktisch, wie es erst den Eindruck macht, aber das interessiert in fröhlicher Runde erst mal gar nicht. Gab es zuerst "Bäh! Tekken, das spielen wir schon seit Jahren nicht mehr", rissen zwei Runden Mushroom-Modus das Ruder herum. Fast wären wir gar nicht mehr zu Tekken Ball gekommen.

In diesem Modus schlagt ihr einen Ball in etwas, was man nur eine Anlehnung an DOA nennen kann, auf einem Beach-Volleyball-Feld zu J-Funk-Klängen über die Linie. Erwischt ihr ihn richtig, ist er aufgeladen und kann den Gegner verletzen. Der muss nun kontern, aber ohne den Ball fallen zu lassen. Es verlangt Können und ein wenig Taktik, vor allem aber Beherrschung des Pads. Oder zumindest zwei Typen, die nicht wissen, was sie tun, um es auszugleichen. Und wiederum, in der richtigen Runde ist es ein Kracher.

Auf dem GamePad seht ihr im Kampf eine lange Liste aller Special-Moves, die aber nicht nur eine Erinnerung daran ist, wie es geht, sondern ein aktiver Cheat-Modus. Tippt auf den Move und er wird ausgeführt. Ihr könnt sogar vier davon direkt auf die Face-Buttons verteilen und immer neu sortieren. Nenne wir es mal ein glücklicherweise abschaltbares und in den Online-Modi einschränkbares Nicken an absolute Anfänger. Warum nicht?

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... und Tekken Ball. Wie ging es jemals ohne.

Technisch gibt es mal gute Nachrichten. Es sieht dank der Wii-U-Farben etwas satter aus, erkauft sich das aber nicht durch Framerate-Einbrüche. Es läuft so gut wie auf den anderen Konsolen. Nur, dass ihr aller Wahrscheinlichkeit bei den Gegnern nicht so viel Auswahl haben werdet. Die Communities auf 360 und PS3 sind groß und etabliert, auf der Wii U muss das erst noch passieren. Wie es genau aussehen wird, lässt sich aber erst in ein paar Tagen oder sogar Wochen sagen.

Tekken Tag Tournament 2 Wii U Edition ist die Edition, die ihr kaufen solltet, wenn ihr die Wahl habt. Ein paar Freunde im Hause und Tekken Ball und Mushroom-Mode entfalten ihre ganze Pracht. Das ist jetzt nicht gerade das Katapult in die 10er-Riege, aber doch mal etwas, worauf die anderen Konsolen-Spieler ein klein wenig neidisch sein dürfen. Wenn sie das nicht sind, haben sie zu wenig Humor oder legen halt wert auf eine große etablierte Online-Gemeinde. Aber wer weiß, vielleicht holt die Wii U da jetzt zügig nach, was die Wii verpasste. Nach mehr als einem halben Jahrzehnt Rückstand in dem Bereich wäre das dringend nötig.

Test Tekken Tag Tournament 2 vom 19.9.2012

Tekken Tag Tournament 2. Allein schon der Name ist ein Statement verlorener Magie. Tekken, das Erste, war DAS Ding der Stunde. Tekken 2 und 3 einzulegen, waren Welten, die bewegt wurden. Endlose Nächte voller Kombos, Aufregung im Vorfeld, Ekstase beim Erscheinen. Die Magie eines neuen Prügelspiels über die letzten Jahre hingegen ... Street Fighter 4 vor ein paar Jahren vielleicht noch. Sonst? Meh ... Die Dinger sind einfach zu gut geworden. Mal ehrlich, wann erschien das letzte wirklich schlechte Prügelspiel? Rise of the Robots? "Indie"-Verbrechen wie Deadliest Warrior natürlich ausgenommen.

Tekken Tag Tournament 2 also und es erfüllt nicht nur die Erwartungen, es legt noch einen oder zwei drauf. Es ist Perfektion und sogar die Perfektion, die ich persönlich wirklich in einem Prügelspiel schätze. Nah-Kontakt statt Projektile, die Kämpfer immer im direkten Clinch, lange Kombos, Counter und Paybacks inklusive. TTT 2 spielt sich wie ein Traum, daran kann kein Zweifel bestehen. Aber wo ist die Magie, das Wunder ob des großen neuen Titels? Es ist halt die Fortsetzung zum Spin-off der Serie. Schwer da jetzt den großen Funken zu zünden.

"Tekken Tag Tournament 2 erfüllt nicht nur die Erwartungen, es legt noch einen oder zwei drauf."

Das mag jetzt alles Altersschwäche meinerseits sein. Langes Gamer-Leiden, der schon ein paar Generationen zu viel mitnahm, aber das ist es nur zum Teil. Ich weiß, dass es in manchen Genres nicht die bahnbrechenden Umwälzungen geben kann, welche bitte sollten das hier auch sein? Und dass TTT2 wenn schon nicht danach, dann doch nach Perfektion strebt und sie in gewisser Weise auch erreicht. Selbst ich als Street-Fighter-Fanboy akzeptiere und genieße das in vollen Zügen. Während ich unbeeindruckt bin. Aber was soll's, ich habe viel zu viel Spaß, um mich wirklich aufzuregen. Und außerdem, eine Sache versucht TTT2 eben doch.

Prügelspiele sind mittlerweile endgültig eine Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite die Pros, die alles geben, jede Kombo wie selbstverständlich lernen und wenn es nötig sein sollte auch aus dem Anleitungsheftchen, als wäre es 1992. Und dann sind da die "Noobs", die alle paar Jahre, wenn überhaupt, mal reinschauen, auf halb-easy die KI durchleben, und dann als Bodenfeger im Onlinespiel herhalten müssen. Der Graben dazwischen ist sehr tief und das Mittelfeld als Brücke praktisch nicht vorhanden. Was TTT2 versucht - und das meiner Ansicht nach sogar ausgesprochen erfolgreich - ist, hier eine Brücke zu bauen und das Lager der Unerfahrenen in Könner zu verwandlen, ohne sie in simplen Dauer-Tutorial-Dojos zu nerven.

Tekken Tag Tournament 2 - Swimsuit-Trailer

Die Geheimwaffe dafür heißt Fight Lab und ist letztlich ein Roboter, den ihr per eigener Stil-Definition formt, mit ein paar ganz leichten RPG-Anleihen aufbohrt und zu euerer ganz persönlichen Kampfmaschine heranreifen lasst. Ihre Kombos lernt ihr, eingebettet in eine Tekken-drollige Story, praktisch nebenbei und spielerisch. Scheinbar hat man sich ein paar Bücher zum Thema Pädagogik angeguckt und kam zum Schluss, dass auch Spieler wie Kinder nur den richtigen Rahmen zum Lernen brauchen und dann klappt das schon. Und ja, es funktioniert. Super sogar. Während sich jeder, egal ob alt oder neu im SF4-Dojo genervt abwendet, verbringt man hier enthusiastische Stunden und baut den Bot zur Perfektion aus.

Der kleine Haken an der Sache ist, dass ihr damit nicht unbedingt einen speziellen der regulären Kämpfer meistert. Die Moves und ihre einzelnen Konzepte bauen auf gleichartigen Mustern auf und insoweit ist der Bot eine wertvolle Fingerübung und ihr seid danach weit bessere Prügelspieler. Aber mit den einzelnen Kämpfern müsst ihr danach immer noch Hände und Fäuste schütteln, was durchaus mitunter Stunden, Tage oder Wochen - ja nach eigenem Talent - bis zum Anfang der Perfektion dauern kann. Aber egal, der wichtigste Schritt ist gemacht, eure Reflexe und Bewegungen spielerisch gestärkt und ihr hattet so schon für lange Zeit Spaß dabei.

"Viel mehr als hier geboten wird, kann man sich für einen Tournament-Fighter kaum wünschen."

Tekken Tag Tournament 2 - Snoop-Dogg-Trailer

Das ist auch wichtig für die echte Herausforderung. Die liegt nämlich nicht in der KI, welche uns zur Einleitung zurückbringt. Spielte man damals auch noch, um diese zu besiegen und zu meistern, ist hier endgültig die Luft raus. Wenn man lang genug übt, besiegt man sie auf jedem Level - tue ich nicht - aber der Reiz dessen lässt sich nicht beliebig oft wiederholen. Was jedoch nicht verfliegt und was es damals nicht gab, ist der Kampf gegen die große Unbekannte da draußen im Netz. Gegen andere Spieler vor Ort ist alles Spaß und gute Laune, so wie es das immer war, aber der Netz-Code erlaubt das Aufleben echter Aufregung und ja, der in TTT2 ist verdammt gut.

Volle Signalstärke, keine Aussetzer, für mich nicht feststellbare Lags - echte Profis erzählen vielleicht was anderes, auch wenn ich bisher noch nichts hörte - und Tonnen von Statistiken, um eueren Rang in der Welt zu definieren. Viel mehr als hier geboten wird, kann man sich für einen Tournament-Fighter kaum wünschen. Außer vielleicht, dass man Online direkt Freunde anwählen und mit ihnen in einem Tag gegen andere Spieler antreten könnte. Dafür müsst ihr zu zweit zusammen vor der Konsole sitzen. Ich empfand das mehr als ein Kuriosum angesichts der sonst endlosen Einstell-Möglichkeiten der Online-Kämpfe.

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Was einen Tournament Fighter sonst auszeichnet und was seine Balance auf den höchsten Leveln des Könnens noch beweisen muss - wiederum für mich völlig tadellos, aber die Besten der Besten müssen ihr Urteil noch fällen - ist das komplexe System aus Launch-, Bound- und Tag-Angriffen. Erstere befördern den Gegner in die Luft und eröffnen Möglichkeiten, ihn mit langen Kombos zu quälen. Geht es jedoch schief, wird er mit euch den Boden aufwischen. Gleiches gilt für die richtige Anwendung der Bounds, die den Gegner auf den Boden holen und wiederum Chancen für Kombo-Ketten bieten. Dazu kommt der zwingende Einsatz sinnvoller Tags - sofern ihr nicht nur mit einem Charakter antretet -, der absurde Kombos und Special eröffnet sofern ihr denn die erforderliche Arbeit investiert, diese zu lernen. Denn macht nicht den Fehler und nehmt es auf die leichte Schulter. Spielen ist einfach, TTT2 zu meistern ... ich würde nicht sagen "Lebensaufgabe", aber ihr seid schon beschäftigt zu verhindern, dass ihr ständig als wandelnde Kontermöglichkeit den Asphalt küsst.

Gerade die Tag-Systeme sind beeindruckend, besonders für jemanden wie mich, der nie viel von diesen Systemen gehalten hat. Die simple Tatsache, dass der Kampf endet, wenn einer von beiden auf dem Boden liegt, sammelt schon einige Punkte, die die gute Balance dann ausbaut. Jede Kombination aus Kämpfern macht nach einer Weile einen eigenen Sinn mit kleinen Feinheiten und auch Schwächen, die es zu lernen gilt. Sogar überzeugte Einzelkämpfer müssen nicht verzweifeln, sie haben gegen Zweierteams gute Chancen, weil die richtige Gewichtung zwischen Angriffstärken und Lebensenergie gefunden wurde. Es zeigt sich in solchen Dingen, dass hier viele Jahre Erfahrung drinstecken und wie alles andere auch an diesem Spiel gibt es keinen Ansatzpunkt für echte Kritik.

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Genug an Abwechslung wird auch geboten, die Charakterliste nimmt inzwischen fast absurde Züge mit 40+ Figuren an, für alle gibt es Outfits und ihr Arcade-Mode endet mit ein paar der schrägeren Momente der Serie. Und das heißt in diesem Falle so einiges. Minispielchen sucht ihr diesmal leider vergeblich, dafür gibt es ja das Fight Lab. Und eigentlich habe ich auch für dieses Leben genug Beach-Volleyball mit Gon gespielt.

Tekken Tag Tournament 2 ist perfekt. Simpel und einfach. Es wird viele philosophische Diskussionen geben, ob es besser als Tekken, Street Fighter oder welcher Fighter auch immer ist, aber das liegt daran, dass sich diese Spiele alle auf einem unglaublich hohen Niveau bewegen und keiner so genau weiß, wie man es noch besser machen soll. TTT2 sieht super aus, läuft butterweich über den Screen und das ist viel wert, gerade im engen Super-Nahkontakt, den dieses Spiel mit letztlich eher dezenten Neuerungen in seinen Kombo-, Tag- und Counter-Mechaniken sucht. TTT2s wirklich lobenswerter Ansatz ist es, die inzwischen ausgestiegenen Prügel-Spieler mittels des Fight Labs zurück in den Zirkus hochkomplexer Moves zu holen und dies mittels einer spielerischen, intelligenten und einfach spaßigen Methode. Kudos für den Versuch und auch den Erfolg, soweit man das schon sagen kann.

Tekken Tag Tournament 2 ist eigenständig in seinen Bewegungen, seiner Kampfdistanz und seinen Kombos, so wie alle Prügelspiele irgendwo ihre eigene, sehr kleine Nische haben. Und es ist so perfekt wie alle anderen aktuellen großen Prügelspiele auch. Jedes für sich. Perfektion kann schon manchmal langweilig sein. Nörgeln auf Everest-Niveau ist ein Zeichen ultimativen Luxus.

Denn letztlich werfe ich Tekken Tag Tournament 2 nichts anderes vor, als dass es nur tadellos ist.

Gott, geht es dem Genre gut.

Oder?

9 / 10

Unsere Wertungsphilosophie Tekken Tag Tournament 2 Wii U Edition - Test Martin Woger Nur Pilze sind besser als Bälle. Und für beides braucht man Freunde. 2012-11-30T11:00:00+01:00 9 10

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