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Nubert nuLine 34 Regal-Lautsprecher - Test

Kein Platz? - Egal! Keine Kompromisse!

Klein, aber nicht winzig, preiswert, aber nicht ganz billig, klanglich sehr beeindruckend: Die nuLine 34 sind ideal, wenn Platz knapp wird.

Nach den zuletzt getesteten riesigen Teufel Ultima 40 MK2 wird es nun eine Nummer kleiner, aber das heißt nicht, dass es günstiger würde. Ich habe mir für meine kleine Vinyl-Spaß-Anlage - siehe mehr dazu hier - ein halbes Dutzend Regal-Boxen über ein oder zwei Monate angehört und die, bei denen ich am Ende hängen blieb, kommen aus dem schönen Schwabenland. Nein, nicht dem Prenzlauer Berg bei mir um die Ecke, sondern im schönen Schwäbisch Gmünd - Home of the Altersgenossenfeste -, wo die Boxenbauer von Nubert sitzen. Die guten Stücke hören auf den Namen Nubert nuLine 34 und liegen bei etwa 340 Euro. Pro Stück diesmal.

Quader auf vier Gummifüßchen

Von außen betrachtet sind die 34 so konservativ, wie eine Box nur sein kann. Wer hier was anderes als einen rechteckigen Quader - im Gegensatz zu... den mystischen runden Quadern? Tolle Formulierung, Martin... - erwartet, muss woanders gucken. Etwas ungewöhnlicher ist das Mesh, das nicht aus Stoff, sondern Metall ist und per Gummi-Steck-Aufsätzen an seinem Platz bleibt. Da es weit schneller geht, bei diesen Boxen aufzulisten, was nicht den Eindruck höchster Verarbeitungsgüte bietet, fange ich damit an: vier Gummifüßchen zum Aufkleben? Sicher, das ist praktisch, erlaubt es auch die Box zu legen und mit den Füßchen zu bestücken, noch dazu tun diese akustisch wertvollen "Bumpons" tadellos was sie sollen - die Box vom Boden abkoppeln -, aber irgendwie... Ist praktikabel, sinnvoll und passt irgendwie doch nicht so richtig. Egal, der Rest kann für das Erbe eingeplant werden, auch wenn das eigene Ende noch lange entfernt scheint. Was die 34 aber nicht wirklich sind: klein. Eine Höhe von 34 Zentimeter, 21 in der Breite und 33 in der Tiefe ist nichts, was ein Billy-Regal verkraften würde, zumal das massive MDF mit Mehrschichtlack - hier in Weiß, auch erhältlich in Schwarz oder als Nussbaumfurnier - mit seinem Innenleben fast auf 10 Kilo pro Box kommt. Ja, es sind Regal-Boxen, aber sie erwarten schon ein solides Regal.

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Ob mit oder ohne Metall-Abdeckung habt ihr immer als Option...

Auf der Rückseite der Bassreflex-Box habt ihr oben einen größeren Lüftungsauslass, dem ihr mindestens 3 Zentimeter Platz zu nächsten Wand lassen müsst - mehr ist besser -, was die eh schon nicht zierliche Tiefe noch mal wachsen lässt. Unten findet ihr das Anschluss-Terminal mit zwei Paar soliden Schraubklemmen, vergoldet natürlich. Die meisten werden das wohl kaum brauchen, aber wenn ihr bei diesen Boxen extreme Entfernungen zum Verstärker überbrücken müsst - fünf Meter und deutlich aufwärts -, könnt ihr bei der Schaltung der 34 die innere Frequenzweiche entlasten, indem ihr vier Kabel zum Verstärker führt. Die beiden Frequenzbereiche bekommen dann eine eigene Zuleitung, was mögliche Verluste im Klang über diese Entfernung vermeidet. Ganz ehrlich: Ich müsste schon kreativ die Boxen auf mehrere Zimmer verteilen, um solche Kabellängen zu ziehen und das erschien mir dann doch nicht praktikabel. Wenn ihr euren Ballsaal mit 34ern beschallen wollt, behaltet es einfach als Option im Hinterkopf.

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...für die grundsätzliche der drei möglichen Farben müsst ihr euch einmalig entscheiden.

Für die meisten dürfte der kleine, unscheinbare Schalter zwischen den oberen Klemmen spannender sein. Hier wählt ihr zwischen drei Klangfarben aus: Sanft, neutral und brillant. Dazu im Detail später mehr, ein Blick hinter die Kulissen zeigt eine sehr sauber verarbeitete Schaltung aus zahlreichen Einzelkomponenten, deren Zusammenstellung nicht so wirkt, als hätte jemand mal schnell eben nur das gefrickelt, was nötig war, damit es läuft. Schaltung, Kondensatoren und Verbindungen sehen so aus, als könnten ihnen Zeit und Nutzungsfreude wenig anhaben und in dieser doch immer noch moderaten Preisklasse ist solche Verarbeitung im Detail nicht unbedingt alltäglich. Damit die Schaltung auch wirklich lange durchhält, hat sie einen Überlastungsschutz, der sich, nachdem ihr mit dem Versuch die Boxen zu töten, fertig seid, auch wieder zurücksetzt. Dann könnt ihr es noch mal versuchen, aber wie gesagt: Angesichts der Verarbeitungsqualität könnte das ein längeres Spielchen werden.

Hoch, tief und die Kantendispersion

Vorweg ein paar technische Werte: Ihr habt eine 160 Watt Nennbelastbarkeit und eine Musikbelastbarkeit von stolzen 220 Watt, was nicht reicht, um das Haus abzureißen, aber zumindest die Wand zum Nachbarn. Ein Überlastungsschutz wurde trotzdem nicht vergessen, die Impedanz liegt bei 4 Ohm. Der Frequenzbereich liegt zwischen 48 und 23 KHz, im Rahmen aller in dieser Klasse üblichen Boxen. Der Wirkungsgrad ist mit 85 dB angegeben.

Auf zum Doppelherz der Zweiwegebox an der Vorderseite. Dominant präsentiert sich dabei der 1800mm-Treiber des Tieftöners, der den Mittel- und Tieffrequenzbereich bedient. Die Longstroke-Polypropylen-Membran - fragt mich nicht, das zweite Wort zumindest bedeutet thermoplastischer Kunststoff - ruht in einem sehr massiv und präzise verarbeiteten Chassis, wobei die unterliegende Polplatte weit hineingezogen wurde, um der Membran viel Spielplatz zu lassen. Fast 2,5 Zentimeter Schwingraum gönnte Nubert ihr und das deutet an, dass die entweder zu lose eingesetzt wurde oder später zu richtig harter Bassarbeit bereit ist. Und zu lose ist nichts bei der 34.

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Massiv und solide verarbeitet: Der Treiber für die Tiefen bringt einen guten Teil des Gewichts der 10-Kilo-Box mit.

Weit kleiner ist die 26 Millimetern Seidenkalotte des Hochtöners, dessen "nuOva"-Konstruktion sich über die Jahre seit dem Erscheinen der 34 bewiesen hat. Diese will einem geradezu legendären First-World-Problem den Kampf ansagen, der allseits verhassten Kantendispersion. Habt ihr sicher überall schon von gehört, kennt man ja. Nun, falls nicht, das ist zwar kaum verzeihlich, aber damit ihr was lernt, was ich auch gerade erst gelernt habe: Die Schallwandbreite ist die maximale Wellenlänge des von einem Töner abgebenden stärksten Tons. Wenn diese Wellenlänge größer ist als der Lautsprecher, dann geht das abgestrahlte Schallfeld um die Box herum und man hat einen Rundstrahler. Was man eigentlich haben möchte, ist dass der Schall aber nach vorn geht, also muss die Box breiter sein als die maximale Wellenlänge, die in diesem Falle der Hochtöner abgibt. Je tiefer die Frequenz, desto uninteressanter wird es. Unterhalb von 300 Hz kann das Ohr dann die direkte und die diffuse Beschallung im Raum nicht mehr trennen, deshalb darf man auch Subwoofer irgendwo platzieren, andere Lautsprecher aber nicht.

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Die asymmetrischen Hochtöner sind der Grund, warum es zwei 'unterschiedliche' Boxen gibt und es nicht ganz egal ist, welche wo steht.

Kantendispersion ist ein Problem, dass bei Frequenzen auftritt, deren Wellenlänge der halben oder weniger der Schallwandbreite entsprechen. In diesen Frequenzen kann es durch die Konstruktionsweise der Box - die ja in fast allen Fällen ein eigener Körper ist und nicht in eine plane Wand eingelassen wurde - zu neuen, störenden Frequenzen kommen, die sich mit dem Schall kreuzen, der eigentlich unverfälscht zu hören sein sollte. So, ist es nicht fantastisch, womit man sich an einem Samstagabend beschäftigen kann, wenn man sich in einer Lebenssituation befindet, in der die nächste Mahlzeit keine Problemstellung ist oder man sich nicht über militärische Aktionen in der Nachbarschaft Gedanken machen muss?

Bei den nuLine 34 soll in der nuOva-Konstruktion eine großzügige, mit einer speziellen Oberfläche bedämpfte Volumenkammer für reinen Klang sorgen, aber der Vorderseite sorgt die asymmetrische Front für eine Optimierung des Abstands zu den Kanten, um so eine möglichst geringe Kantendispersion zu haben. Das hat auch den Effekt, dass der Hochtöner näher an seinen unteren großen Kollegen heranrutschen kann und trotz zweier Schallquellen eher der Eindruck einer einzelnen Punktschallquelle entsteht, was bei einer einzelnen Box das Ideal ist.

Große Bühne aus kleinen Kisten

Ob sich der Aufwand lohnt, muss der Test zeigen. Das Setup ist dabei die "Eurogamer-Referenz-Anlage", die ihr auch hier in der kleinen Vinyl-Ecke sehen könnt: Teufels eigenwillige, aber allgemein unterschätzte Kombo 62 mit viel Leistung und neutralem Klang, Thorens 603 Turntable an einem Pro-Ject DS2 Digital, der Netzwerkplayer ist ein Yamaha NP-S303. Eine solide Konstellation, die auch größere Boxen als das abkönnen sollte. Also, auf geht es.

Was als erstes beeindruckt und was ich bei so "kleinen" Boxen nicht kommen sah, ist die Räumlichkeit der nuLine 34. Ihr habt eine Soundstage, die die zwar nicht verschwindende aber sicher nicht überbordende Größe der Lautsprecher Lügen straft und den Eindruck vermittelt, dass da irgendwo vor einem im Wohnzimmer viel mehr MDF stehen müsste, das nicht zu den Möbeln gehört. Aber nein, es sind wirklich nur zwei weiße Brummer im Regal, die so tun, als wäre nichts und den ganzen Raum auch über den idealen Stereopunkt hinaus sauber mit Klang füllen. Dieser Raum hat übrigens eine Größe von etwas über 25 Quadratmeter, ich denke, dass das auch knapp unterhalb der Grenze ist, bis wo diese Boxen ideal sind. Aber das oder kleiner und sie füllen den Raum nicht nur angemessen mit Sound, sie lösen den Klang sogar sehr präzise auf.

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Ein wenig Abstand nach hinten müssen die 34 schon haben, aber so hässliche Boxenständer sind zu Glück absolut optional.

Was den Bass angeht, sollte man bei der Größe nicht viel erwarten. Und erneut, es ist überraschend, wie fest diese Boxen auch in dem Bereich zupacken können. Nein, ihr habt nicht die unterirdischen Erschütterungen, die ein - optional natürlich möglicher - Subwoofer mit sich bringen würde und auch die zuletzt vorgestellten Teufel Ultima 40 MK2 werden nicht erreicht. Aber das heißt nicht, dass die 34 schwächeln würden, ganz im Gegenteil. Abends muss ich die Bässe ein wenig rausdrehen, weil ich sonst auf Dauer Probleme mit der Nachbarschaft bekäme. Mehr noch als die auch schon präzisen Ultimas jedoch beeindruckt das Tempo und die Genauigkeit, mit der die 34 die Tiefschläge abliefern. Wer hier zum Beispiel den eher wabernden Subwoofer einer preiswerteren Soundbar gewohnt ist, wird erstaunt sein, wie diese Explosionen oder die gerade beliebten Hans-Zimmer-Brumm-Barumpfer - bekannt und übertrieben oft genutzt seit Inception - nicht nur tief und sonst irgendwie da sind, sondern eine präzise Struktur und eigene Sprache haben können.

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Ein paar Optionen gibt es: Klangschalter und Verbindungen für Bi-Wiring und -Amping. Die vergoldenen Brücken könnt ihr auch einfach rausnehmen.

Persönlich und als jemand, der Bass schätzt, aber nicht den Schlag in die Magengrube braucht, würde ich sagen, dass die 34 mein Ideal liefern. Alle andere schauen sich den dazu passenden nuLine AW-600 an. Idealerweise, denn ich will hier nicht unbedingt weitere Nubert-Produkte anpreisen, aber Boxen müssen auch ein wenig aufeinander abgestimmt sein und die beiden harmonieren ausgezeichnet, während mein Teufel CB 52 SW zwar donnerte, aber viel von der subtileren Präzision der 34 mit schierer Kraft wegschob. Der Magnat New Omega 380 dagegen, obwohl ein absolut fantastischer Sub, harmonierte auf einem feineren Level nicht so richtig mit den 34. Es war, als würden sie jeweils in der falschen Millisekunde reagieren und waren immer ein klein wenig "off". Am Ende müsst ihr probieren, aber wie gesagt, für meinen Bedarf reicht erst mal schon der so heftige wie klare Bass der 34 alleine.

Was die Höhen im Allgemeinen und die Kantendispersion im Speziellen angeht, hat man scheinbar beim Bau des Tweeters ganze Arbeit geleistet. Auch bei Test-Tracks sind keine Verzerrungen irgendwelcher Art für das normale Ohr hörbar und wer besser hört als das, sollte sich eh in anderen Kategorien umschauen. Schließlich sind die 34 im Set mit 700 Euro jetzt auch nicht endlos teuer. So sauber jedenfalls fiepsten keine Boxen dieser und auch höherer Preiskategorien, die ich hier stehen hatte und wer eine neutrale Reinheit in seinem Klang sucht, liegt hier nicht schlecht. Vor allem, wenn ihr den Regler auf brillant stellt.

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Das Innenleben ist Nubert-üblich nicht sparsam filigran, sondern auf Dauer verarbeitet.

Vor allem bei den Mitten und Höhen kommt der kleine Wahlschalter an der Rückseite ins Spiel. Im Grunde bedeuten die drei Einstellungen "etwas gedämpft, aber warm und unkompliziert", "unverfälschte, fast kalte Klarheit", die am besten im idealen Stereodreieck funktioniert, und in der Mitte ist es dann irgendwie die Mitte dazwischen. Persönlich entschied ich mich für den Alltagsgebrauch für die Wärme. Ihr habt einen sehr schönen, ausgewogenen Klang, der den Höhen etwas die Schärfe nimmt, sie aber eben auch manchmal nicht mit der eigentlich vom Künstler angedachten Brillanz transportiert. Ein sanfter Kompromiss und ihr dürft jetzt auch keine Welten erwarten, wenn ihr an dem Schalter herumspielt. Trotzdem, ein sinnvolles Entgegenkommen an verschiedene Hörgewohnheiten und Vorlieben, lädt auf jeden Fall zum Ausprobieren ein.

Angehört: Spiel, Film und Musik

Das tat ich dann auch und zwar zuerst mit einer Reihe von Spielen. Es beginnt mit Call of Duty: Infinite Warfare - das keiner außer mir liebt, aber hey, it's a dirty job but someone's gotta do it - und ja, wie schon beschrieben hauen mich die Explosionen nicht aus dem Sofa. Das war aber auch nicht das Ziel, sondern ein Test über die Bandbreite hinweg und hier zeigt sich eine sehr solide Mittenbrillanz, klare Ortbarkeit, wenn ihr halbwegs zentral sitzt und ein - alle Tests auf der Einstellung "brillant" - sehr hoch aufgelöstes Klangbild. Für die reine Ortung im MP macht natürlich ein 5.1 am Ende immer mehr Sinn, aber die 34 zeigen eindrucksvoll wie gut ihr auch mit Stereo über die Lage des Feindes Bescheid wissen könnt. Eine ganz anders eindrucksvolle Klangkulisse bietet Dear Esther. Keine Explosionen, sondern zarte, dunkle Töne, oft mit wichtigen Nuancen nach unten und viele Feinheiten in den Höhen. Es ist die Art von Soundtrack, die ein geringeres System als "ganz nett" zeigen würde und aus dem ein gutes Sound-Set ein einschneidendes Erlebnis macht. Und wenn das ferne Schweben hier dann in der Unendlichkeit verhallt und sich die Decke dieses berührenden Spiels klanglich über euch legt, dann wisst ihr sofort in welche Kategorie die nuLine 34 gehören.

Ein wenig Retro muss ebenfalls sein und was wäre besser als das Meisterwerk der 16-Bit-Kunst: Turrican 2 Amiga. Bässe? Ja, war jetzt meist nicht so die Stärke von Paula. Aber was Master Hülsbeck dann aus Mitten und Höhen zauberte ist ein guter Test der Lebendigkeit, die diese Boxen aus jetzt technisch nicht gerade brillantem Material zaubern. Die Schüsse donnern ganz ordentlich, aber vor allem überzeugt die Transformation der für Monitor-Boxen entworfenen Räumlichkeit, die diese goldenen Tage des Heimcomputers frisch aufleben lässt und mit Leichtigkeit den Raum erfüllt. Hier gefiel mir allerdings die "sanfte" Einstellung deutlich besser, sie nahm ein wenig die im Material vorhandene Schärfe der Spitzen in den Höhen und verstärkte gleichzeitig das klangliche Raumgefühl.

Welche Filme könnte man mal nehmen... Die Hard! Wenn Die Hard keine Spaß macht, welchen Sinn hätte dann eine Anlage oder das Leben? Also, Yippie Ki Yay, Motherfucker. Und von der ersten Minute Michael Kamens mitreißender Klänge bis zur Explosion des Nakatomi Towers ziehen Filmsound und nuLine 34 alle Register. Die Bässe sind in der 1988er Abmischung nicht so überbetont wie es in modernen Blockbustern der Fall ist und passen damit ausgezeichnet zu diesem Setup, ohne euch zu enttäuschen, wenn dann was passiert. Aber das Klirren des Glases, die Panik der Geiseln und jede einzelne unsterbliche Alan-Rickman-Zeile wird ebenso spielfreudig wie breitflächig produziert. Hier deutet sich schon an, dass die 34 ganz gut ohne einen Center leben können und ihre Mittendynmik durchaus in der Lage ist, auch Sprache sehr genau und klar abzuliefern. Also ja, das waren zwei gute Stunden. Genauso abgefahren wie in Saigon, stärker als Saigon.

Nehmt ihr dagegen aktuelles Ballern, dann zeigt sich, dass die 34 für manche Dinge doch gerne einen Subwoofer hätten. Der nette Tom Cruise Sci-Fi-Film Edge of Tomorrow oder auch Mad Max: Fury Road stoßen sich weniger an dem fehlenden Surround-Setup als an dem Subwoofer, der nicht da ist, um ihr Donnern in voller Bandbreite zu liefern. Diese Filme können tiefer, sie sind mehr darauf ausgelegt als ältere Streifen und man merkt es schon. Aber, der Sub ist ja eine mögliche Ergänzung und wieder zeigt sich sowohl, dass die 34 den Film auch so gut tragen, als auch, dass sie ein ausgezeichneter Grundstein für ein werdendes Heimkino-Set sind. Es gibt sogar einen optionalen Atmos-Aufbau für sie, modernsten Vergnügungen steht also nichts im Weg. Eine letzte Runde mit The Nice Guys zeigt noch mal die ausgezeichnete Sprachauflösung wie auch den Spaß, den dieser Film bringt. Habt ihr noch nicht gesehen? Ändert das schnell.

Kommen wir zur eigentlichen Disziplin, in der ein Stereo-Set glänzen muss: Musik. Fangen wir mit höheren Tönen und Mitten an und nur selten werdet ihr davon mehr bekommen als in einem guten alten 16-Bit-Soundtrack. Super Castlevania IV hat zwar ein paar Bässe, so viele wie das Super Nintendo eben rausrücken möchte, aber wichtiger ist ein klares, dynamisches Bild bei allem über 100 Hz und es ist für jemanden, der diese Sounds das erste Mal aus einem Mitt-80er-TV hörte faszinierend, wie diese mittlerweile legendären Stücke klingen können. Die 34 leben bei der Herausforderung geradezu auf, Tracks wie Library oder Waterfall mit einer Reinheit vorzutragen, die sowohl die Fehler des Chips aufzeigt, wie auch all den Charme, der diese leicht vergessen macht. Es ist fast analytisch präzise in den Höhen und wenn ihr ein wenig von der wohligen, klanglich weniger brillanten Wärme von damals haben möchtet, dann müsst ihr die Boxen definitiv auf "sanft" stellen. So oder so, es ist ein Erlebnis.

Um etwas seriöser zu werden, nehmen wir eine zu Unrecht fast unbekannte Künstlerin, Hannah Fury und da ihre frühen Aufnahmen, wie zum Beispiel das fast jenseitige "Away" keine brillanten Remaster-Aufnahmen kennen, ist es spannend zu sehen, wie die 34 mit diesem Material umgehen - MP3-Download von Amazon, ich werde nicht 100 Euro beim Scalper für eine CD zahlen. Nun, es ist belebend. Eine frische Klangdusche aus Melancholie. Jeder Ton kommt in der der Künstlerin eigenen glasklaren Schärfe von rosa-blutiger Watte daher und legt Nuancen in der Stimme frei, die wie Zeilen zwischen den Zeilen wirken. Sehr lebendig, sehr klar und offensichtlich auch mit hoher Dynamik gesegnet, denn sonst wäre das nicht möglich.

Es ist allerdings nicht so, dass sich die Bässe verstecken müssten, nur weil dies eine Regalbox ist. Wie weit es nach unten geht und vor allem mit welchem Reaktionstempo die 34 arbeiten können, zeigt zum Beispiel der Retro-Hard-Wave - habe das Genre gerade erfunden - von Dan Terminus' neuer Platte. "Margaritifer" ist ein Stresstrauma über das gesamte Klangspektrum hinweg und damit ein idealer Kandidat, um zu sehen, aus welchem Frequenzbereich man als Hörer am wenigsten shellshocked rauskommt. Bei den 34 ist das nicht ganz einfach, da sich vom Donner in der Magengegend bis hoch zu den hochfiepsigen Chip-Sounds das Gehör gleichermaßen strapaziert anfühlte. Zeigen die 34 bei Hannah Fury, dass sie zarte, verständnisvolle Sensibelchen sein können, gehen sie hier in die vollen wie ein gedopter Marathonläufer. Die Basskraft ist dabei groß genug, um etwaige Nachbarn aus jeder Ruhe zu bringen, das bewies Covenants "Call the Ships to Port" eindrucksvoll, als es nach dem nur sechsten Durchgang auf Schleife an Tür klingelte. Was ich bis dahin erlebte, waren nicht nur tiefe, klare Basslinien, sondern auch beachtliche Reaktionsfreudigkeit in den Abstufungen der Basssounds. Wiederum, die 34 sind extrem schnell und auch wenn ihnen die Power eines Subwoofers fehlen mag, um im Heimkino-Bereich zu glänzen, für Musik wäre der, sofern ihr jetzt keinen Keller-Rave machen wollt, fast schon zu viel des Guten. Die 34 sind sehr schön ausgewogen und in ihren Eigenschaften der Frequenzbereiche balanciert und das über erstaunlicherweise alle Genres hinweg.

Es ist nicht selbst verständlich, dass eine Box, die in diesen Disziplinen glänzt, auch in der Lage ist, Spaß an Rock und Metal zu haben. Ich hatte selbst schon - teure! - Boxen gehört, die perfekt für fast alles waren, aber bei ehrlicher, handgemachter Bühnenmusik einfach nicht so richtig anspringen wollten. Dream Theaters verspieltes "Under A Glass Moon" zeigt dabei verschiedene Dinge: Wie klar und gestochen scharf die sich weit nach oben schraubende Lead-Guitar bleibt, die erstaunlich viel Stage bekommt und wie gut dabei die Mitten ausbalanciert sind. Die Stimme steht klar Front-Center, hat viel, aber nicht zu viel Präsenz und wirkt harmonisch ausgewogen. Bass und Drums bilden den stimmigen, kraftvollen Hintergrund. Passt. Aber auch noch mal deutlich mehr nach vorn ist kein Problem. Sepulturas Klassiker "Rooots Bloody Roots" geht ab und zwar richtig, aber nicht ohne Verstand - was ja auch gut zu dem Song passt. Ihr hört die auf geringeren Boxen fast schon störenden Bongos oder was auch immer da als Statement-Trommel fungiert, mit deutlich mehr Frequenzbandbreite und weniger schnödem "Plock"-Sound und damit weit besser in diese kontrollierte Soundapokalypse eingefasst. Wiederum, großartige Bühne, sehr bewusste und passende Staffelung der Akteure, alles mit viel Kraft vorgetragen.

Aber auch etwas sanfteres Material wie "You Wreck Me" des late, great Tom Petty zeigt, was gute Boxen aus einer nicht idealen, ein wenig zu Mitten-Höhen-lastigen Aufnahme herausholen können, indem sie dem Sound dieses Stücks deutlich mehr Volumen geben, sehr sauber der eigenwilligen Stimme das Scheinwerferlicht lassen, darum herum aber eine dichte Kulisse von sehr dynamischen Gitarrensounds aufbauen. Auf guten Boxen klingt der Song einfach runder und ehrlicher, die nuLine 34 dürfen sich zu dieser Kategorie dazuzählen.

Was es noch gibt: Andere Regal-Boxen

Regalboxen gibt es wie Sand am Meer, etwa ein halbes Dutzend stand in den letzten Monaten mal zum Anhören zur Verfügung und einige stachen ein wenig heraus, leider nicht alle positiv. Okay, die Teufel Theater 500S kosten als Paar auch nur um die 400 Euro, aber sie scheinen ihre Zeit auch mehr absitzen zu wollen. Lustlos, kräftiger, aber undefinierter Bass und viel zu groß sind sie auch noch. Dass Teufel auch anders kann, zeigen die mit 900 Euro deutlich teureren Definion 3S, sehr präzise, dynamisch herausragende Koaxial-Boxen. Definitiv hörenswert. Um die 800 Euro liegen die Magnat Humidor, zwei edel verarbeitete Winzlinge - 25*25*25 - mit einem für die Größe wahnsinnig guten Klang, die aber am Ende in allen Punkten leider ein wenig hinter den NuLine 34 anstehen müssen.

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Das lustige PR-Bild des Tages liefern die schicken Dali Opticon 2: Echte Hipster brauchen nicht mal Kabel.

Trotzdem, wer wenig Platz hat und es schön haben möchte, das wäre dann meine erste Wahl. Und dann sind da noch die Dali Opticon 2, ähnlich in den Abmessungen wie die 34, aber deutlich hübscher - sorry Nubert. Leider kosten sie auch dann gleich um die 900 Euro und sind klanglich den 34 nicht unähnlich. Was die Opticon 2 in der Mitten-Brillanz noch leicht dazugewinnen - absolut brillante Boxen in dem Bereich - verlieren sie in der Stage, am Ende würde ich mich aus diesem Grund und wegen des Preises wohl für die 34 entscheiden. Trotzdem, sehr schöne Boxen.

Nubert nuLine 34 - Kraftvolle Könner auf kleiner Fläche

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Die Nubert nuLine 34 sind ideal. Nicht perfekt, aber sie kommen sie meinen Hörgewohnheiten mit nicht zu betonten Bässen im Austausch gegen beeindruckende Stage, Dynamik und Auflösung sehr entgegen. Es ist brillantes Hören im besten Sinne, Klarheit, akzentuierte Betonung und Detailliebe in einem Paket, dessen einziger Nachteil für mich sein dürfte, dass sie klein genug sind, um sie zwar in einem großen Regal zu verstauen, aber dann doch zu groß, um den Wife Acceptance Factor zu maximieren, selbst wenn sie problemlos geduldet werden. Das und es sind eben Boxen für 700 und nicht 7000 Euro das Paar, HiFi kann fast immer einen draufsetzen. Aber ehrlich gesagt, für unter 1000 habe ich keine Boxen gehört, die mir besser gefallen hätten und bis 2000 wurde es schon noch mal etwas netter, aber nie so sehr, dass ich auch nur im Entferntesten darüber nachgedacht hätte diesen Aufpreis als lohnend zu bezeichnen. Für 1000 Euro kann man eine Menge machen, nur den wenigsten dürfte dieser kleine Hüpfer in Sachen Klang wirklich viel bringen (vorausgesetzt natürlich, Geld spielt eine Rolle).

So jedenfalls haben sich die Nubert nuLine 34 mit Leichtigkeit als das Set für meine kleine Referenzanlage durchgesetzt. Ausgezeichneter Klang in Verbindung mit hervorragender Verarbeitung zu einem sehr angemessenen Preis. Genug des Lobes? Wie wäre es damit: Nie klangen Turrican und Super Castlevania schöner in meinen Ohren. Die besten Soundtracks auf den besten Boxen. Beides gesagt von Herzen und natürlich unter der addito salis grano, um es versnobt genug ausklingen zu lassen.

Die Boxen könnt ihr im Direktvertrieb bei Nubert hier kaufen: Nubert nuLine 34

Oder bei Amazon.de.

Die Testmuster wurden von Nubert gestellt.

Nubert nuLine 34 Regal-Lautsprecher - Test Martin Woger Kein Platz? - Egal! Keine Kompromisse! 2017-12-05T09:08:00+01:00 5 5
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