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Bayonetta

Super Happy Witches Fun Time!

“Super Happy Witches Fun Time!”

“Magic! Motorcycles! Crazy!!”

“Witchtastic!!!”

Irgendwas in dieser Richtung steht bestimmt irgendwo auf ostasiatischen Werbeflyern zu Bayonetta. Falls nicht, dann nur, weil der Geschmack der Werbetexter stilsicherer wurde und sich das gute, alte Engrish ein wenig auf dem Rückzug befindet. Sollte das der Fall sein, dann passierte es ein Spiel zu früh. Bayonetta ist so weit draußen, dass es schade wäre, ihm nicht die ganze Super-Power-Japan-Behandlung zu geben. Wie weit draußen, wurde mir in dem Moment klar, als ich dem Showdown entgegenstrebte, mit einem Motorrad die Seite einer riesigen, sich bereits auf dem Weg in den Orbit befindlichen Rakete hochraste und in keiner Sekunde diese sonst so ungewöhnlichen Umstände hinterfragte.

Auch dass ich die bereits gestartete Rakete über Sprünge durch ein herabstürzendes Trümmerfeld erreichte, erschien mir nicht weiter wild. Diese Sequenz erreicht ihr nach etwa zwölf Stunden. Und wer so viel Zeit mit Bayonetta verbrachte, der nimmt so einiges als gegeben hin, was man ein paar Stunden vorher vielleicht zumindest kurzfristig überdacht und als ganz groben Mist verworfen hätte. Nicht in Bayonetta. Hier gibt es alles. Plus Extras.

Technisch gesehen spielt die Story auf unserem Planeten. Und wer behauptet, dass es in Bayonettas Version nur kleinere Abweichungen zur Realität gäbe, behauptet auch, dass der Ansatz der Kreationisten nur mit wenigen wissenschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. In Bayonetta teilt sich das Universum in Himmel, Hölle und die Zwischenwelt der Menschen. Die Ebenen sind durch irgendeine Energieschicht getrennt, sodass normale Menschen die übernatürlichen Wesen zwar nicht sehen, aber doch spüren können. Seit (hier langer, ansonsten beliebiger Zeitraum einsetzen) wurde das Gleichgewicht der Kräfte durch gute Magier und böse Hexen in der Schwebe gehalten. Irgendwann aber gab es einen Bruch, jetzt ist Krieg und alle suchen die „Augen der Welt“, auch wenn keiner weiß, was das ist. Und ihr seid mit eurer unter Komplettamnesie leidenden Superhexe Bayonetta mittendrin.

Bayonetta - Trailer

Zu wild? Zu chaotisch? Zu versponnen? Auf jeden Fall. Der Plot bedient sich bei bekannten Elementen und wie Thomas Pynchons Romane vermischt es ein paar zu viele davon – für diesen Vergleich komme ich in eine ganz besondere Hölle. Schon von der ersten Sekunde an überflutet euch das Spiel mit einem allumfassenden Overkill. Ihr wisst noch nicht mal, wer ihr seid, da stürzt ihr auf den Resten des Big Ben in eine unmögliche Tiefe auf die Erde zu, vermöbelt verschroben wirkende Engel, während ein überdimensionierter Cherubinkopf mit zwei Extrahälsen, die in Drachenköpfen enden, euch unter Feuer nimmt. In diese visuelle Flut hinein erzählt euch dann eine ätherisch wirkende Stimme die Grundzüge des Hintergrunds, wobei sie genug auslässt, um selbst aufmerksame Zuhörer ratlos zurückzulassen.

Aber das ist egal. Roll with the punches, bleibt einfach dabei und haltet euch gut fest. Bayonetta wird euch keine Sekunde mit endlosen Monologen fragwürdiger Nebenbösewichter langweilen. Es sind immer ganz wichtige Leute, die euch fragwürdige, grundsätzlich zu coole Sätze um die Ohren hauen. Die Masse des eigentlichen Casts hält sich ziemlich in Grenzen. Neben der namensgebenden Hexe treibt noch eine zweite, in Rot gewandete Artgenossin ihr Unwesen. Wir haben ein mysteriöses kleines Mädchen, einen übercoolen Fishburne-Dämon, der nebenbei mit übernatürlichen Waffen dealt, und einen Reporter, der gleichzeitig die Rollen der Lovestory und des lustigen Sidekicks übernimmt.

Das bringt uns auch gleich zum Humor von Bayonetta und dem damit verbundenen Design der Figuren. Beides ist ein ganz klarer Fall von Hit oder Miss(t). Aber nicht auf das Gebotene bezogen , sondern nur auf die Einstellung des Spielers. Die einen bevorzugen klare Formen und die Art von düsterem Pseudo-Realismus, den man beispielsweise in Gears of War oder Resistance vorfindet. Bayonettas Welt und Figuren könnten kaum weiter davon entfernt sein. Wenn es so etwas wie Bonbon-Dunkel gibt, dann ist es wohl das. Apokalyptische Figuren zerplatzen mit viel Blut, je mehr desto besser. Das Design der Biester fiel in keiner Weise freundlich, eher befremdlich, schräg und ehrlich gesagt ziemlich cool aus.

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