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Call of Duty: World at War

Zurück in die Vergangenheit

Ich verabscheue Nazis, für mich ist der Holocaust ein unverzeihliches Verbrechen und Hitler ein Schwein. Trotzdem ist es ermüdend, wie viele amerikanische Entwickler den Zweiten Weltkrieg darstellen. Während Filmemacher schon lang erkannt haben, dass die meisten Soldaten einfach nur überleben wollten, werden in vielen Shootern die Deutschen in eine Horde mordender Nazis verwandelt. Bis zu einem gewissen Punkt ist diese Denkweise verständlich, schließlich waren die Achsenmächte die Aggressoren und gerade an der Heimatfront wurden unglaubliche Gräueltaten begangen.

Trotzdem geht Treyarch bei Call of Duty: World at War meiner Meinung nach einen Schritt zu weit. In einem äußerst geschmacklosen Einspielfilm, der den Vormarsch auf Berlin aus der Sicht der Russen illustriert, werden die Alten, Jungen und Schwachen (Der Volkssturm) als Nazi-Ratten bezeichnet, die es mit aller Brutalität auszuräuchern gilt und nicht als verzweifelte Opfer, die oft von der SS zum Kampf gezwungen wurden.

Ja, Krieg ist brutal. Ja, die Emotionalität ist bis zu einem bestimmten Punkt gewollt. Ja, Call of Duty ist „nur“ ein Spiel. Doch der Hass, der hier mit einfältigsten Mitteln und Hurra-Patriotismus geschürt wird, ist einfach nur billig und vollkommen unnötig. Sowohl der Brothers in Arms-Reihe von Gearbox als auch den Call of Duty-Titeln von Infinity Ward gelingt es ohne reißerische Feindbilder, ein deutlich differenzierteres Bild dieses brutalen Krieges zu zeichnen, der nicht umsonst eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte darstellt.

Der CoOp-Modus

Abgesehen von diesen ärgerlichen Details liefert Treyarch ein routiniertes, zum Teil sogar mitreißendes Sequel ab. Call of Duty: World at War folgt den Spuren zweier einfacher Soldaten durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Auf der amerikanischen Seite verfolgt Ihr den Leidensweg des Private Millers, der nach der Folter durch japanische Truppen versucht, im brutalen Pazifikkrieg seinen Mann zu stehen und die Guerilla-Taktiken der Japaner zu überleben. Auf der anderen Seite der Erde schlägt sich der russische Soldat Petrenko durch die Ostfront, hilft dabei, den Deutschen Stalingrad abzunehmen und am Ende Berlin zu erobern. Die Szenarien kommen einem trotz der grafischen Brillanz und der eher ungewöhnlichen Auswahl bekannt vor. In der einen oder anderen Form gab es sie schon bei einem der vielen Vorgänger oder einem Konkurrenten zu sehen, nur bei der Brutalität und der Inszenierung hat Treyarch Zeichen gesetzt.

Auf neue Spielelemente wurde fast vollkommen verzichtet. Bis auf den Flammenwerfer erwartet Euch das übliche Zweite-Weltkriegs-Arsenal, dass Ihr so ziemlich bei jedem Genre-Shooter der letzten zehn Jahre bewundern durftet. Immerhin sorgt der Feuerspucker für einige intensive Grabenkämpfe, weil er durch die geringe Reichweite nur auf kurzen Distanzen wirksam ist. Ohne ihn seid Ihr im Pazifik oft aufgeschmissen, da die Japaner auf versteckte Scharfschützen und vergrabene Nahkämpfer setzen.

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Baby, Baby, light my fire.

Also fackelt Ihr fleißig das Unterholz ab, setzt Bäume in Brand und dürft (in der englischen Version) brennende Asiaten bestaunen, die schreiend Ihr Leben aushauchen. In der getesteten deutschen Variante stürzen sie „nur“ getroffen zu Boden und auch auf einige Sterbeanimationen, wie zerfetzte Leichen bei einem Granatenangriff, müsst Ihr wohl oder übel bzw. Gott sei dank verzichten.

Die Gefechte selbst laufen stark geskriptet ab. Ihr bereitet Euch auf die Landung auf Okinawa vor, stürmt mit der russischen Armee Berlin, schlagt Euch mit einem T-34-Panzer durch die Seelower Höhen, kämpft Euch durch brennende Gebäude und schießt in ein paar unnötigen Abschnitten fliehenden Soldaten in den Rücken. Wie gehabt müsst Ihr Euch ständig nach vorne kämpfen, um die ewig neu erscheinenden Gegner zu stoppen. Doch während dieses Element bei den deutlich intimeren Gefechten des Vorgängers eher störte, wirkt es in einem Weltkrieg deutlich stimmiger.

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