'Die Silbermedaille ging nach München'

BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters im Interview

Alea iacta est. Die Würfel sind gefallen. Oder besser: Sie wurden den Verantwortlichen mit voller Wucht ins Gesicht geworfen. So muss sich zumindest die Leipziger Messe gefühlt haben, nachdem ihr der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware die schlechte Nachricht überbrachte, dass ab 2009 die Branchenmesse ohne ihre Beteiligung in Köln stattfinden wird. Für sie endet damit eine einmalige Erfolgsgeschichte. Zumindest sieht es derzeit danach aus.

Doch die Medaille hat auch diesmal zwei Seiten. Nicht nur steigende Preise und das knappe Hotel-Angebot war vielen Publishern ein Dorn im Auge. Für ein weiteres Wachstum fehlte laut BIU das entsprechende Einzugsgebiet und vernünftige Verkehrsanbindungen. Doch in der Pressekonferenz und in unserem späteren Interview wurde klar, dass da noch mehr im Argen lag. So missfiel dem BIU zum Beispiel, dass sich die Games Convention schon recht früh als europäische Leitmesse sah und dies auch kommunizierte. Weitere Antworten gab uns Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU, im Interview.

Eurogamer: Schönen guten Tag Herr Wolters, in der Pressekonferenz kam ja auch das Wachstum der Messe durch den Umzug nach Köln zur Sprache. Gibt es eine erste Schätzung von Seiten des BIU, wie hoch dieses jetzt ausfallen wird?

Olaf Wolters: Unser Ziel ist es, auf jeden Fall zweistellig zu wachsen. In der Region gibt es ein großes Potential, das wir so gut wie möglich nutzen wollen. Es war aber vorrangig eine strategische Entscheidung, die sich aus mehreren Punkten zusammensetzt. Wir müssen natürlich noch die Pressekonferenz in Leipzig abwarten [Anm.: Zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht stattgefunden] und noch weitere Gespräche führen, aber gerade im Fachbesucher-Bereich dürften wir das Ziel locker erreichen. Allein der neue Zeitpunkt im September könnte beim Publikum, weil er außerhalb der Ferien liegt, für ein paar Probleme sorgen, weshalb wir das Wachstum momentan nur schwer schätzen können.

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Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU

Eurogamer: Sie haben die GAMESCom als europäische Leitmesse bezeichnet und klar gemacht, dass sie die Games Convention nur als regionale Lösung sehen. Wie wollen Sie diesen Status erreichen?

Olaf Wolters: Wir werden versuchen, ganz bewusst mehr internationale Mediakooperation abzuschließen. Außerdem werden wir vor Ort im Ausland unsere Akquise-Maßnahmen verstärken. Durch unseren direkten Zugang zu den Publishern werden wir auch diesen Kanal nutzen, um die Bedeutung der Messe zu unterstreichen. Natürlich stehen wir auch mit ausländischen Verbänden in Kontakt, um uns auch deren Zusammenarbeit zu sichern. Konzeptionell sind diese Dinge schon skizziert und werden in der nächsten Zeit nach und nach umgesetzt.

Eurogamer: Wurde denn die Rolle als europäische Leitmesse vorher mit anderen Verbänden und den Publishern abgesprochen? Ist die Rolle der GAMESCom in Europa damit gesichert?

Olaf Wolters: In erster Linie haben dies die deutschen Mitgliedsunternehmen entschieden. Schließlich haben wir in Deutschland die größte europäische Messe und die deutschen Dependancen haben damit die höchsten Aufwendungen. Und da wir nun vor der Entscheidung standen, wohin die Reise gehen soll, war uns bewusst, dass wir deutlich mehr investieren müssen, damit die Messe weiter wächst. Und die Voraussetzung war, deutlich europäischer zu werden.

Da sich die anderen Verbände mit dem Thema nur bedingt beschäftigen müssen, haben wir aber ganz bewusst die deutschen Publisher entscheiden lassen. Wir selbst moderieren das Ganze und bieten den Kontakt zur Messe an. Ob ein Publisher aber kommt, wird er natürlich am Ende selbst entscheiden. Unser Anspruch ist es jetzt aber, deutlich europäischer zu werden, weil momentan ja eher mit regionalen Budgets eine internationale Party geschmissen wird. Das kann ja nicht lange gut gehen.

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