The Witcher

Sex, Drugs & Fantasy

Die Welt der Rollenspiele hat mit gewaltigen Vorurteilen zu kämpfen. Damit sind nicht die hämischen Blicke der Altersgenossen gemeint, wenn man nur mit Bleistift und Papier bewaffnet in die Welt der Pen&Paper-Rollenspiele versinkt. Nein, es sind die starren Muster der Herr der Ringe-Trilogie, die bis heute das Fantasy-Universum in ihrem eisernen Griff halten. Orks sind böse, Elfen gut und Sex findet nur in den Träumen der Spielergemeinde statt. Es ist eine Welt bestehend aus schwarz und weiß. Jeder weiß, wo sein Platz ist. Niemand zweifelt, was richtig oder falsch ist. Nur eines steht fest: Am Ende gewinnt das Gute.

Natürlich gibt es auch ein paar chaotische Charaktere, die sich nicht so recht an die Konventionen der Spielwelt halten wollen. Doch geht es erst einmal gegen den Erzfeind, steht jeder auf der richtigen Seite.

Selbst der böse 'Hauptcharakter' aus Overlord bezwingt am Ende einen noch größeren Bösewicht, um die Spielwelt nicht im Leid zu ertränken.

Die Entwicklungsmöglichkeiten sind beschränkt, das Ziel immer klar vor Augen und die oft ausgelutschten Geschichten wiederholen sich bis zum Erbrechen. Wer Abwechslung sucht, wird nur selten fündig.

Doch es gibt Hoffnung. Ein polnischer Autor wehrt sich gegen diese Klischees. Andrzej Sapkowskis Welt ist moderner. Zu den Fantasy-Wesen und Zauberkräften gesellen sich harte Drogen, mordende Freiheitskämpfer und wilder Sex. Moral ist in seinen Büchern eine zwiespältige Angelegenheit. Die Charaktere haben oft finstere Hintergedanken und selbst der strahlende Held Geralt jagt so ziemlich jedem Rockzipfel hinterher, der ihm über den Weg läuft.

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Darf ich vorstellen: Geralt und seine wunderschöne Welt.

Außerdem sind die Motive des magisch begabten Hexers nicht von Ruhm, Ehre und Weltfrieden bestimmt. Dem Söldner geht es um den schnöden Mammon und das blanke Überleben. Erst wenn das Gold in seiner Tasche klimpert, geht er seinem Job als Monsterjäger nach. So ist die Welt von The Witcher nicht schwarz oder weiß, sondern meistens einfach nur grau.

Geralt ist also ein fantastischer Protagonist für das ambitionierteste Rollenspiel-Abenteuer in der Geschichte der polnischen Spiele-Entwicklung. Satte vier Jahre verbrachten die Entwickler CD Projekt mit einer faszinierenden Welt, die nun - mit ein paar Startproblemen - auf Eure Entdeckung wartet. Gleich zum Verkaufsstart gibt es einen gewaltigen Patch, der über 200 Probleme der Verkaufsfassung beseitigt. Nichts Dramatisches im Ausmaß eines Gothic 3, aber genug, um das Update zu einer Pflichtveranstaltung zu machen.

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Wenn der Cursor gelb aufleuchtet, könnt Ihr Eure Angriffsserie verlängern.

Da das 112 Mbyte große Paket schon zum Release zur Verfügung stand, haben wir es natürlich in unseren Test mit einbezogen. Es gab zwar auch nach der Installation ein paar Abstürze, doch über weite Strecken war das Spiel ohne Probleme spielbar.

Die Geschichte des Spiels folgt nicht einem Buch des Autors, sondern wurde in Zusammenarbeit mit ihm extra für das Spiel entworfen. CD Projekt griff dabei auf einen beliebten Trick in der Spielebranche zurück, um eine neue Marke einzuführen: Geralt leidet nach einem Kampf an einer schweren Amnesie. Nach und nach muss er gemeinsam mit dem Spieler seine Welt neu entdecken, alte Freunde wieder finden und neue Freundschaften schließen. Sein großes Ziel ist die Vernichtung der Salamandar-Sekte, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Witcher und die übrigen 'Anderlinge' endgültig auszulöschen.

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