Stronghold Crusader 2 - Test

Fehlerbehaftet, aber kein Totalschaden.

Näher dran an gut, als es die Serie seit Langem schaffte. Aber nah dran war noch nie gut genug und so hapert es ein wenig überall.

Stronghold 3 war ein Desaster, da gibt es auch nichts weiter schönzureden. Tatsächlich war es für mich eines der aufgrund von Fehlern frustrierendsten Spiele, die ich jemals gespielt habe. Und das, obwohl das eigentliche Spielprinzip hinter dem Gewirr an Bugs durchaus Spaß machen konnte, wenn es denn in seltenen Momenten mal funktionierte. Aber es stimmte so ziemlich gar nichts, ich konnte mitunter Missionen nicht mal beenden. Alles in allem also keine gute Erinnerung, weswegen ich auch bei der Ankündigung von Stronghold Crusader 2 zutiefst skeptisch war.

Nun will es Firefly also besser machen. Gelungen ist ihnen das nicht ganz. Von einem Debakel wie beim Vorgänger ist Stronghold Crusader 2 zwar ein gutes Stück entfernt, aber dennoch zeigt sich das eine oder andere Problem, das aus Crusader 2 am Ende zwar ein gelungenes, aber eben kein überragendes Comeback macht.

Dass man nach Stronghold 3 zu seinen Wurzeln zurückkehrt, ist nicht weiter überraschend, schließlich kam Stronghold Crusader neben dem ersten Teil der Stronghold-Reihe sehr gut an. Was kann da schon schiefgehen, wenn man die bewährte Formel fortsetzt? Nun, letzten Endes hält Firefly vielleicht doch zu sehr an Bewährtem fest. Stronghold Crusader 2 reißt keine Bäume aus, was großartige Innovationen anbelangt. Aber kann man es ihnen wirklich verübeln, nach SH3 erst einmal auf Nummer sicher gehen zu wollen? Klar, den Sprung von 2D zu 3D sollte man nicht vernachlässigen, auch wenn optisch heutzutage mehr möglich ist. Es sieht halt okay aus. Nicht sonderlich schlecht, aber eben auch nicht großartig gut.

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Die Grafik ist okay, aber auch nicht mehr und nicht weniger.

Eine kurze Tutorialkampagne führt euch unterdessen an das Spiel und seine Mechaniken heran, bei denen vor allem die Ressourcenbeschaffung im Vordergrund steht. Denn ohne eine gescheite Versorgung werdet ihr keinen Erfolg haben. Ihr braucht allen voran Nahrung, um eure Soldaten und Bürger erst einmal bei Laune zu halten und Gold durch Steuern zu verdienen. Boni auf die Moral gibt es dann etwa für Bier, wofür ihr aber neben einer Schenke aber erst einmal eine oder mehrere Brauereien benötigt, um den täglichen Bedarf decken zu können - und die Felder zur Hopfenherstellung nicht zu vergessen.

Das ganze Wirtschaftssystem ist wohldurchdacht und erfordert genaue Planung. Und dann müsst ihr euch ja auch noch um den militärischen Bereich kümmern. Rüstungen und Waffen wollen einzeln gebaut, Ställe errichtet, Häuser für weitere Bürger aufgestellt und Soldaten rekrutiert werden. All das schnellstmöglich auf die Beine zu stellen, ist eine ganz eigene Herausforderung für sich. Schade nur, dass der Aufbau in der Kampagne oft keine allzu große Rolle spielt. Hier geht es meist darum, seine eigene Stellung zu verteidigen oder bestimmte Ziele wie das Ausschalten des gegnerischen Burgherren zu erfüllen. Allzu oft setzt man euch dabei leider auch noch ein Zeitlimit vor die Nase. Eigentlich schade, ich hätte lieber Missionen ohne Zeiteinschränkungen gehabt, in denen man auch in Ruhe bauen kann, weil eben genau das eine der Stärken des Spiels ist.

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Dass man sich an Feuer verbrennen kann, versteht die KI nicht so richtig.

Davon abgesehen sind die Kampagnen beziehungsweise Missionen auch nicht sonderlich motivierend inszeniert. Ein paar Texte und Erklärungen hier und da, fertig. Auffällig ist zudem der schwankende Schwierigkeitsgrad. Manche Einsätze sind wirklich schnell gelöst, an anderen beißt man sich mitunter schon mal die Zähne aus. Vom gemütlichen Bauen ist man auch in Skirmish-Matches gegen die KI weit entfernt. Zwar lässt sich optional einstellen, wie lange keine Angriffe ausgeführt dürfen (maximal 30 Minuten), aber was meine KI-Gegner in den gespielten Partien in kürzester Zeit für Truppen aufs Feld schicken konnten, obwohl jeder bei Null beginnt, fand ich dann doch recht erstaunlich. Das grenzt schon fast an Perfektionismus und ist besonders dann frustrierend, wenn man selbst noch in der Lernphase ist und dem dann nichts entgegenzusetzen hat.

Wenn ihr es gemütlicher haben wollt, stürzt ihr euch am besten in den Sandbox-Modus. Hier gibt es derzeit gerade mal drei Karten, aber auf denen könnt ihr ganz in Ruhe eure Burg aufbauen. Optional könnt ihr festlegen, mit welcher Wahrscheinlichkeit zufällige Ereignisse auftreten, etwa Tornados, Brände oder Heuschreckenschwärme, feindliche Angriffe zählen jedoch nicht dazu, was das Ganze zumindest nach gewisser Zeit doch recht eintönig macht. Genau so eine Option würde ich mir aber schon für den Sandbox-Modus wünschen, um zum Beispiel meine mühsam aufgebaute Verteidigung auf die Probe zu stellen und auch dort echte Herausforderungen haben zu können. Prima wäre es, wenn man feindliche Verbände gar selbst zusammenstellen und positionieren könnte.

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Mauern brechen unter Beschuss doch etwas zu leicht zusammen.

Die Kämpfe an sich laufen nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip ab, verschiedene Truppentypen eigenen sich also besser für bestimmte Aufgaben als andere, haben jeweils eigene Stärken und Schwächen. Neu ist, dass eine Reihe von Einheiten nun über zusätzliche Fähigkeiten verfügt. So können sie etwa befreundete Soldaten heilen oder stärken Moral und Panzerung von Verbündeten in der Nähe. Zugleich gibt es auch Neuzugänge, zum Beispiel die Sklaventreiber mit ihrer Peitsche. Zu den effektivsten Einheiten zählen aufgrund ihrer Reichweite aber die Bogenschützen, wenn ihr sie geschickt einsetzt.

Allzu intelligent verhalten sich die Jungs auf dem Schlachtfeld jedoch nicht. So kommt es schon mal vor, dass eure eigenen Leute oder die des Gegners mitten in einen Bereich rennen, der gerade in Flammen steht - und fangen dann selbst Feuer. Auf die Idee, um die Flammen herum zu laufen, um den Zielpunkt hinter dem Feuer zu erreichen, kommen sie gar nicht erst. Mit der Wegfindung gibt es auch an gewissen anderen Punkten immer mal wieder Problemchen, etwa bei Mauern. Mitunter geht in den Kämpfen dann noch die Übersicht verloren, weil einfach zu viele Einheiten im Nahkampf herumwuseln und man einfach blind in der Gegend herumdrückt, um Angriffsbefehle zu erteilen. Von einer Kollisionsabfrage ist wenig zu sehen, was man auch gut an den Formationen sehen kann, in denen dann aufgrund dessen der Kopf eines Pferdes schon mal im Hinterteil des davor befindlichen Pferdes steckt.

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Mit dem Editor könnt ihr eigene Maps erstellen. Die sehen dann sicher auch besser aus als dieses kleine Experiment.

Auffällig ist auch, wie anfällig die Steinmauern wirken, die doch eigentlich recht solide sein sollten. Katapulte können aber im Nu Löcher in die Verteidigung schlagen. Anders gesagt: Ihr habt nicht wirklich das Gefühl, hier mächtige Verteidigungswälle zu errichten, sondern eher kleine Hindernisse, die beim geringsten Beschuss schon auseinander bröckeln.

Um euch zumindest einige KI-Ärgernisse zu ersparen, könnt ihr natürlich auch online gegen andere Spieler antreten, etwa jeder für sich oder in verschiedenen Teams. Selbst ein Koop-Modus ist mit dabei. Hier kontrollieren zwei Spieler zusammen eine Fraktion, bauen gemeinsam Burg und Armee auf. So kann sich zum Beispiel einer um die Kämpfe kümmern, während der andere weiter die Wirtschaft verwaltet und für Nachschub sorgt. Zu guter Letzt gibt es auch noch einen Map-Editor, mit dem ihr selbst eigene Karten in verschiedenen Größen gestalten könnt.

Eigentlich sollte ich schon dankbar dafür sein, dass Stronghold Crusader 2 nicht so tief fällt wie Stronghold 3. Aber trotz eines guten Fundaments macht Firefly am Ende einfach zu wenig aus dem Spiel. Die trocken inszenierten und im Schwierigkeitsgrad zuweilen stark schwankenden Singleplayer-Einsätze motivieren nicht durchgehend und selbst im Sandbox-Modus ist irgendwann die Luft raus. Bleiben also noch die Multiplayer-Matches zur langfristigen Motivation. Und auch die Community selbst könnte das Spiel aufgrund des Editors eine Weile am Leben halten. Die Betonung liebt hierbei auf „könnte", da sich das zum jetzigen Zeitpunkt eben schwer abschätzen lässt. Letzten Endes ist Stronghold Crusader 2 einfach ein Spiel, mit dem ihr am meisten Spaß haben könnt, wenn ihr euch wirklich darin vertieft oder einfach in aller Gemütlichkeit die perfekte Burg bauen wollt und es nicht nur ein bisschen zwischendurch spielt.

6 /10

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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