Dishonored: Definitive Edition - Test

Definitive? Die PC-Version gibt es doch schon.  

Remaster? Nein. Diesmal beim besten Willen nicht mehr. Remaster bedeutet nicht immer, dass etwas besser wird. Ein Film kann poliert etwas von seinem Charme einbüßen oder Musik etwas verlieren, was bei der Originalproduktion da war. Oft genug ist ein Remaster wirklich eine verbesserte Version, in jedem Fall aber etwas anders als davor, und das kann ich hier bei Dishonored: Definitive Edition nicht ausmachen. Gut also, dass es sich nicht mal selbst ein Remaster nennt.

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Stil haben manche einfach, auch mit 30 fps.

Wenn man es ganz kurz und hart sagen will, dann ist es die PC-Version mit leicht abgespecktem Detailgrad, die nun in 30 Frames läuft, was an sich schon keine Meisterleistung ist, bedenkt man, dass Dishonored rein technisch nie ein Meilenstein war. Dazu befinden sich alle DLCs mit auf der Scheibe - oder im heruntergeladenen Datenpaket - und alles zusammen geht für den Nice-Price von etwas über 35 Euro zu euch. Habt ihr die PC-Version, braucht ihr das nicht. Habt ihr die Spiel-des-Jahres-Fassung für die alten Konsolen, braucht ihr das nicht. Aber ist das nicht der Fall, dann braucht ihr das. Nun, das oder die PC-Fassung.

Selbst wenn es nur leicht aufgehübscht wurde, hier mal ein paar Texturen, da mal ein paar Farben, dort mal ein Lichteinfall - Dishonored ist weit mehr als nur Technik. Es ist ein Spielansatz, von dem es in den letzten Jahren viel zu wenig zu sehen gab. Die kleine Sandbox könnte man es nennen, elegant und sehr bewusst gebaute Level. Sie sind nicht groß, aber jede Nische hat ihren Zweck, jede Wache etwas zu tun und ihr habt die Werkzeuge, um auf zig unterschiedliche Weisen an das Ziel zu gelangen. Dishonored zeigt spielerische Freiheit, wo andere Open-Worlds euch bei allem Auslauf nur einen echten Weg zum Ziel gönnen. Es hat das vielleicht Beste am Leveldesign, was euch in einer 3D-Umgebung passieren kann.

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Aber trotzdem: Nicht zu nah an die Texturen bitte.

Auch stilistisch spielt es keine so große Rolle, dass da nicht mehr remastert wurde. Bewusst wählte man einen Cel-Shading-Look. Nehmt Borderlands mit mehr Steampunk und Victorian und ihr seid nah dran. Klar würde auch der in 1080p60 noch mal besser wirken - weshalb ihr ja auch die PC-Version spielen sollt -, aber am Ende ist es ziemlich egal, ob da jede Textur passt. Der Gesamteindruck stimmt hier immer noch. Es ist eine Spielwelt, die sich zwar inhaltlich nicht so sehr entfaltet, wie man es gerne hätte, schlicht weil man einfach mehr von ihr sehen will. Aber ihr Andeuten dessen, was hinter den Kulissen lauert, schafft es immer, euch in die nächste Mission zu reißen. Vielleicht ist es auch besser so und im Rahmen der ganz großen Stärke der brillant aufgebauten Level gar nicht anders möglich oder sinnvoll. Es bleibt bei einem geradlinigen Handlungsverlauf, der ein klarer Gegensatz zu den verwinkelten Optionen und verschlungenen Pfaden ist, die ihr im Kleinen und für euch wählt. Ein Tausch, den ich gerne öfter eingehen würde.

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Kleiner Overkill: Das ist ein wenig viel für Stunde Eins.

Aber, und ich hätte nicht gedacht, das mal zu sagen: Es war keine gute Idee, hier alle DLCs mit in das Paket zu werfen. Damit meine ich natürlich nicht die beiden großen Handlungs-Add-ons, die euch auf einen parallelen Weg zum Helden schicken. In der Rolle des vermeintlich Bösen - alles ist irgendwie relativ - laufen Dishonoreds Systeme teilweise zu Hochform auf und ich könnte mir keinen besseren Nachsatz zu diesem Spiel vorstellen.

Nein, es ist der Kleinkram, der hier seltsame Auswirkungen hat. Je nachdem, wo damals ein Spiel im exklusiven Verkauf landete, bekam der Käufer als In-Game-Item einen Talisman, der euch einen kleinen Perk gibt, ein paar hundert Goldstücke und eine Tierfigur, die es euch erlaubt, mehr dieser Perks gleichzeitig auszurüsten. Jedes dieser insgesamt damals vier Pakete für sich ist keine große Sache. Das Gold ist schnell weg, ein Perk macht keinen großen Unterschied. Alles davon jetzt jedoch gleich nach der ersten Stage in die Hand gedrückt zu bekommen, macht ein eh schon nicht so schwieriges Spiel noch mal etwas einfacher und wirkt inhaltlich schlicht schräg. Hallo, wir sind der halb verhungerte Widerstand, nimm doch Platz in unserem Gästezimmer mit seiner Talismansammlung. Bitte, greif zu, genug Gold für alle. Es wirft das Spiel jetzt nicht aus der Bahn, es aber über den Verlauf zu verteilen wäre sicherlich eleganter gewesen. Ach ja, dann sind da noch die City-Trials, ein paar Sonderaufgaben für Gelangweilte. Meh. Nett, dass sie da sind.

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Ärgerlich, dass der Kampf so viel Spaß macht. Denn eigentlich kämpfen die meisten nur, wenn was gründlich falsch lief.

Dishonored war nie das perfekte Spiel, aber es war und ist eines, das der Grundstein für ein solches sein könnte. Seine Art, einen kleinen Level in ein Universum der Möglichkeiten zu verwandeln und es euch ganz nach eigenem Gusto tödlich oder (relativ) friedlich zu erkunden und sogar zu lösen, ist nicht ganz einmalig, wird aber viel zu selten in einer Welt mit eigentlich so vielen Assassinen gesehen. Wenn hier eine Fortsetzung, sei es die eigene oder die im Geiste von jemand anderem, an den richtigen Punkten ansetzt, dann haben wir Dishonored als Spieler noch viel mehr zu verdanken, als das jetzt schon der Fall ist. Das wäre bei der Definitive Edition ein faszinierendes, wenn auch eben etwas zu einfaches Vergnügen in einer Welt, die es liebt, anzudeuten und euch einfach euren Weg gehen zu lassen. Definitve? Nein, das ist die PC-Version, auch wenn die Umsetzung für PS4 und Xbox One okay ist. Aber egal, welche Version ihr nehmt, eine solltet ihr auf jeden Fall gespielt haben.

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Über den Autor:

Martin Woger

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