Tomb Raider: Lara Croft GO - Test

Indie-Look beim Indy-Schach

Nachdem Hitman GO schon lief, warum also nicht Lara Croft GO? Gute Frage und die einzige logische Antwort heißt natürlich: Nichts spricht dagegen, auf geht es. Rechnet demnächst mit Adam Jensen GO, bevor dann Cloud Strife GO folgt. Ehrlich gesagt hätte ich damit nicht mal wirklich ein Problem, denn Square Enix scheint durchaus talentiert darin, nette Puzzles geschickt mit den charmanten Eigenheiten eines Franchises zu verknüpfen.

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Ein Schritt und alle Spinnen ziehen mit.

Lara Croft GO fühlt sich einfach nach Tomb Raider an, durch und durch. Nicht nach dem neuen Tomb Raider, es ist mehr ein kleiner Seitenarm des alten Croft-Universums, der zu seiner Zeit auf den großen Konsolen nicht fehl am Platze gewesen wäre und sicher mehr Gutes für die Reihe getan hätte als ein Angel of Darkness. Statt als Action-Figur durch eine Stage zu turnen - was bis heute auf einem Touch-Mobile-Gerät selten wirklich gut funktionierte -, zieht ihr Lara auf klar definierten Wegen durch Höhlen, Jungle und Tempel, immer mit dem Ziel, einfach nur den Ausgang der zumeist kurzen Abschnitte zu erreichen.

Die ersten Level zeigen euch, dass ihr Feinde nur von der Seite oder von hinten angreifen könnt. Dass bröckelige Felsen nicht nur unter euch einbrechen, sondern dass ihr auch manche Gegner zu ihnen locken könnt. Überhaupt, dass Fallen genauso gut für als auch gegen euch arbeiten können. Später wird dann immer mehr davon kombiniert, um immer mehr herauszufordern. Nun, soweit das dem Spiel möglich scheint, denn wer halbwegs logisch und geradeaus denken kann, wird hier nach ein paar Stunden durch sein, ohne den großen Puzzle-Aha-Moment gehabt zu haben. Aber das ist für fünf Euro kein Beinbruch, wenn der Weg zum Ende so unterhaltsam ist wie hier.

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Der richtige Touch Retro-Feeling.

Lara Croft GO ist auch deshalb einfach, weil es mehr auf diesen Punkt der Unterhaltung hin möchte. Es fällt leicht, sich vorzustellen, dass die Entwickler durchaus ein paar Level vor sich hatten, die etwas komplexer - oder langwieriger, je nach Betrachtungsweise - ausfielen, diese dann aber zugunsten des flüssigen Spielablaufs opferten. Es steckt eine elegante Balance in dem kleinen Tomb Raider, das euch nach und nach seine Mechaniken offenbart, bevor es diese ein wenig durchwürfelt und euch immer wieder zeigt, dass seine Fallen nicht nur Fluch, sondern genauso oft auch Segen und Teil der Lösung sein können.

Reine Reflexe sind nie gefragt. Sobald ihr einen Schritt macht, ziehen auch alle anderen beweglichen Elemente der Stage einen Schritt. Riesige Steinkugeln rollen eins weiter, Spinnen patrouillieren eins vor oder zurück und Echsen folgen euch genau ein Feld, nie mehr, nie weniger. Damit lassen sich clevere Sachen veranstalten, aber eben auch nur solche, die man recht leicht durchschaut. Die strikten Regeln sind hier kein Schach, das in nur scheinbarer Begrenzung zu unendlicher Komplexität aufblüht, es ist wirklich beschränkt. Steckt ihr fest, wisst ihr praktisch sofort, woran es liegt, und spätestens zwei, drei Versuche später geht es weiter. Aber um es noch mal zu betonen: Nur weil Lara Croft GO nicht das brillanteste Hirnverrenkerspiel aller Zeiten ist, heißt es nicht, dass es keinen Spaß machen würde.

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Ob Indy wusste, dass er nur stehenbleiben muss, damit er in Ruhe über den nächsten Zug nachdenken kann?

Einen guten Anteil daran hat auch die stilvolle Technik. Endlich mal guckte man geschickt bei den Indies ab, entwarf einen minimalistischen Look, der mit seinen weichen Farben die kleine Welt aufblühen lässt und trotz aller Unterscheide viel von dem transportiert, was die Serie an Klasse in ihren ersten Jahren aufzubieten hatte. Musikalisch passend unterstrichen, dazu ein Hauptmenü, das sich dreht, als wäre es 1996. Da kann man leicht verzeihen, dass Sammel-Items einfach und oft etwas lustlos in die Landschaft gekippt sind. Mit ihnen schaltet ihr weitere klassische Outfits frei. Da sucht man doch gerne etwas das Bild ab, das ist immer noch weit besser, als ein paar Euro für drei hässliche auszugeben. Da der einzige andere Weg ein virtuelles und dank des leichten Schwierigkeitsgrades etwas nutzloses Lösungsbuch ist, kann man trotz dieser beiden dezenten Anfragen, ob ihr nicht noch ein paar Euro extra habt, von einem im Großen und Ganzen angenehm mikrozahlungsbefreiten Spiel sprechen.

Lara Croft GO ist sicher kein Meilenstein des Mobile-Gaming, dafür sind seine Puzzles bei aller Eleganz zu schnell zu durchsichtig. Aber kombiniert mit seinem Stil und Charme ergibt das hier ein weit besseres mobiles Gaming-Erlebnis als jede dank des Touch fast automatisch zum Scheitern verurteilte Action-Annäherung an das Tomb-Raider-Thema. Hier hat Square Enix erneut geschickt mit der Plattform und der Eingabe gearbeitet, und das Ergebnis ist ein wundervoller kleiner Zwischendurch-Puzzler nicht nur für Fans, aber ganz sicher auch für sie.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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