Mega Man Legacy Collection - Test

Knapp 25 Jahre später... kein Problem.

Lasst mich den offensichtlichen Elefanten im Raum direkt ansprechen: Ja, in der Mega Man Legacy Collection sind bloß die ersten sechs NES-Ableger enthalten. Schon die Mega Man Anniversary Collection vor über zehn Jahren beinhaltete alle zur damaligen Zeit entwickelten Teile der Hauptserie plus zwei zuvor Japan-exklusive Arcade-Spiele. Warum die Legacy Collection also nicht alle zehn beinhaltet oder direkt zusammen mit der X- sowie Zero-Reihe alles zu einem Komplettpaket verschnürt, kann ich euch auch nicht sagen. Ist es schade? Natürlich. Aber macht es die Legacy Collection deshalb automatisch zu einer schlechteren Sammlung? Sicherlich nicht. Denn hier findet ihr die definitiv besten Versionen der alten NES-Klassiker und erhaltet dazu noch ein paar nette Boni obendrauf.

Als Restauration betrachtet erledigt die Legacy Collection einen verdammt guten Job. Ihr könnt alle sechs Teile von Beginn an auswählen und erhaltet für jedes Spiel einen eigenen Speicherstand, was das Erreichen der jeweiligen Endsequenz wesentlich erleichtert. Jederzeit dürft ihr zwischen drei unterschiedlichen Auflösungen wählen, einen optionalen Hintergrund als Rahmen einblenden oder sogar Scanlines als Effekt hinzufügen. Zudem kann die Steuerung für jeden Titel frei konfiguriert werden, sodass ihr euer Erlebnis frei nach persönlichen Vorlieben modifizieren dürft.

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Segen für das Gehör.

Bei den Spielen selbst handelt es sich nicht um reine Emulationen, sondern um tatsächliche Remaster, wobei jedes originalgetreu umgesetzt wurde. Beispielsweise kann man weiterhin den Pausetrick im ersten Mega Man ausführen, um jeden Bosskampf in wenigen Sekunden zu beenden. In gewissen Punkten stört mich allerdings diese Liebe zur kompromisslosen Authentizität. Ich kann verstehen, warum man die Slowdowns übernommen hat, zumal die Entwickler sie damals absichtlich eingearbeitet haben. Nur geht es mir besonders in Mega Man 3 tierisch auf den Senkel, viele Stellen als Diashow zu erleben, obwohl ich auch bei flüssigem Spielablauf problemlos mit der Situation klarkäme. Warum nicht eine Option einbauen, die mich solche technischen Behinderungen umgehen lässt? Ich spiele gerne die authentische Fassung und habe dies mehrmals in den vergangenen 20 Jahren getan. Nur würde ich die Serie gerne einmal komplett ruckelfrei erleben.

Ansonsten sind die Umsetzungen über jeden Zweifel erhaben und beweisen, dass Mega Man nicht altert. Na gut, der erste Teil mag rückblickend betrachtet ein wenig holprig wirken und übertreibt es an einigen Stellen mit dem Schwierigkeitsgrad. Doch nachdem jegliche Schwächen im Nachfolger ausgemerzt wurden, produzierte das Team bei Capcom einen Hit nach dem anderen. Nun mag man gerne darüber diskutieren, welcher Teil der beste ist - es ist übrigens Mega Man 2 -, jedoch überzeugen selbst die oft vergessenen beziehungsweise absichtlich übersehenen späteren Ableger. Das Hauptproblem beim fünften und ganz besonders sechsten Abenteuer ist die traurige Tatsache, dass dem Spielprinzip durch die Hardware-Limitation nichts mehr hinzugefügt werden konnte. Nach der Einführung des Charge-Shot und Rutschmanövers erschöpften sich die Möglichkeiten. Das macht die letzten Teile nicht zu schlechteren Spielen, nur fühlen sie sich leicht uninspiriert an.

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Schmerzen für die Finger.

Neben den sechs unveränderten Klassikern existiert ein ausführlicher Herausforderungsmodus, in dem ihr über 50 verschiedene Challenges absolvieren könnt. Dabei handelt es sich meist um die schnelle Abfolge verschiedener Bosse oder Stages. Manchmal müsst ihr bestimmte Szenen allerdings unter ziemlich strikten Auflagen bestehen. Wie wäre es zum Beispiel mit dem ultimativen Boss-Rush, bei dem ihr alle Robotmaster aus allen sechs Spielen ohne den Einsatz zusätzlicher Hilfsgegenstände bezwingen müsst? Wer hier alle Aufgaben mit der höchsten Bewertung absolvieren will, kann sich die nächsten Tage mit einer Kiste Baldrian einsperren.

Ebenfalls großartig ist der Musikplayer mit den vollständigen Soundtracks aller sechs Abenteuer. Es ist immer nett, wenn ich zwischendurch in Ruhe das aufreibende Intro von Mega Man 3 oder das hypnotische Chiptune-Meisterwerk der Flash-Man-Stage aus Teil 2 hören darf.

Zugegeben, es ist überaus schade, dass in der Legacy Collection nicht Teil 7 bis 10 enthalten sind und keine andere Serie ihren Weg in die Sammlung fand. Ganz besonders Mega Man 9, Mega Man X2 oder Mega Man Zero vermisse ich sehr und bin weiterhin gezwungen, zwischen verschiedenen Systemen zu wechseln, um diese Perlen spielen zu können. Vielleicht werden auch sie in einer ähnlich angemessenen Form zusammengefasst und mit netten Extras wie dem exzellenten Herausforderungsmodus beschenkt. Trotz dieser Lücken ist die Mega Man Legacy Collection die eindeutig beste Wahl, um alle sechs Original-NES-Klassiker in ihrer definitiven Version zu spielen. Wen das Retro-Feeling gepackt hat oder wer sich schon immer die Ursprünge der Serie ansehen wollte, der darf vor allem beim schmalen Preis von 15 Euro gerne zugreifen.

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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