Halo 5: Guardians - Test (Kampagne)

Jäger und Gejagte.

Hier lest ihr den Test zum Multiplayer und das Fazit zu Halo 5: Guardians.

Die Xbox-One-Premiere der Halo-Reihe verlief eher unglücklich, um es mal halbwegs freundlich auszudrücken. Das betraf vor allem den Multiplayer-Modus der Master Chief Collection, der selbst Wochen und Monate nach dem Release noch immer schwerwiegende Probleme machte. Erste Partien auf den Pre-Release-Servern von Halo 5 verliefen bislang problemlos und lagfrei, aber wir wollen ja nicht zu schnell urteilen und den ersten Spieleransturm abwarten, daher lest ihr nachfolgend erst mal alles zur Kampagne, in Kürze folgt dann der zweite Teil des Tests, der sich dem Multiplayer-Part unter Livebedingungen widmet.

Mein persönliches Highlight ist aber schon jetzt die Story von Halo 5. Nachdem sich im Vorgänger die Prometheaner, von den Blutsvätern erschaffenen KI-Kreaturen, als neue Bedrohung manifestiert haben, ist die Gefahr noch längst nicht gebannt. Nachdem der Chief den Didaktiker besiegt hat und Cortana sich für ihn opferte, zieht er sich mit seinen Kameraden vom Blue Team zurück und agiert auf eigene Faust. Das UNSC macht sich wiederum Gedanken um die Loyalität des Chiefs und schickt deswegen Spartan Jameson Locke und sein Feuerteam Osiris los, um ihn und seine Kameraden erst mal dingfest zu machen.

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Diese Tarnkorvette leiht ihr euch aus.

Infolge dessen entwickelt sich ein kleines Katz-und-Maus-Spiel der beiden Spartan-Teams, das sie auf verschiedene Welten führt. Dahingehend weckt Halo 5 Erinnerungen an Halo 2, denn das Geschehen wechselt von Mission zu Mission die Perspektive. Mal spielt ihr den Chief, dann wieder Locke. So verfolgt ihr die Geschehnisse der Story zwar von unterschiedlichen Orten aus, doch am Ende hängt schließlich alles zusammen und die Pfade der beiden Teams kreuzen sich letzten Endes.

Unter anderem verschlägt es euch im fünften Teil nach Sanghelios, wo ihr mit dem Gebieter Thel 'Vadam einen alten Bekannten trefft. Gemeinsam mit ihm und den Schwertern von Sanghelios, die er kommandiert, nehmt ihr dort an der Schlacht um Sunaion teil, einem großangelegten Angriff auf die letzte große Festung der verbliebenen Allianztruppen auf Sanghelios.

Sunaion wurde über einem Ozean errichtet - denkt an Kamino aus Star Wars: Episode 2 - und ist ein echter Kriegsschauplatz. Unter schwerem Flakfeuer landen die Angreifer in der Stadt und müssen dort erst mal die Boden-Luft-Geschütze ausschalten, während rundherum das Chaos tobt. In Sachen Inszenierung schöpft 343 Industries in Halo 5 wirklich aus dem Vollen. Vielerorts passieren Dinge im Hintergrund - Kämpfe in der Luft, abstürzende Schiffe und dergleichen -, wodurch sich die Schauplätze lebendig und wenig statisch anfühlen.

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Auch mit verbliebenen Kräften der Allianz nehmt ihr es erneut auf.

Sanghelios ist aber letztlich nur ein Nebenschauplatz auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, zu dem ich an dieser Stelle keine näheren Einzelheiten verraten will. Klar ist nur, dass die Prometheaner die wahre Bedrohung sind und noch ein Ass im Ärmel haben, das alle bewohnten Welten der Galaxie bedroht. Vorangetrieben wird die spannende Story erneut durch zahlreiche vorgerenderte Zwischensequenzen. Die sind eine echte Augenweide. In solchen Momenten könnt ihr euch einfach zurücklehnen und genießen. Immer wieder fühlt sich das wie eine kleine Belohnung inmitten und zwischen den Missionen an. Noch besser: Von nervigen Quick-Time-Events werdet ihr dabei nicht belästigt.

Was den spielerischen Aspekt betrifft: Nun, Halo 5 ist halt ein weiteres Halo. Das klingt, wenn man es so ausdrückt, vielleicht negativer, als es tatsächlich gemeint ist. Was ich damit sagen will, ist, dass ihr keine großen Abweichungen vom bewährten Halo-Gameplay erwarten solltet. 343 Industries krempelt nicht alles um und stellt ebenso wenig das komplette Spielgefühl auf den Kopf. Das höchste der Gefühle sind Dinge wie der schon in Halo 4 eingeführte Sprint, die Möglichkeit, mit dem Jetpack auf eurem Rücken schnell in eine bestimmte Richtung auszuweichen oder beim Zielen kurzzeitig in der Luft zu schweben. Das sind nützliche Optionen, die euch in der einen oder anderen Situation durchaus weiterhelfen können, etwa wenn ihr euch mit einem kurzen Boost in Deckung begebt.

Das bringt alles in allem ein kleines bisschen mehr Abwechslung in den Spielablauf rein, ansonsten erwartet euch hier der bekannte Mix aus engeren Abschnitten und weitläufigeren Arealen, in denen ihr mit Fahrzeugen durch die Gegend braust, darunter Ghosts, Scorpions oder ein Mantis-Exoskelett. Die große Neuerung in Halo 5 ist der Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Dabei handelt es sich um einen Drop-in/Drop-out-Koop-Modus. Soll heißen: Ihr könntet zum Beispiel alleine losspielen und irgendwann, etwa inmitten einer Mission, kommt einfach einer eurer Freunde dazu.

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Noch immer gilt: Dem Energieschwert besser nicht zu nah kommen.

Die menschlichen Mitspieler schlüpfen in die Rolle der drei KI-Spartans, die jeweils den Chief und Locke begleiten. Seid ihr mit drei weiteren Freunden unterwegs, solltet ihr aber mindestens den heroischen Schwierigkeitsgrad wählen - oder den legendären, wenn ihr eine echte Herausforderung wollt. Jeder zusätzliche menschliche Mitspieler sorgt nämlich dafür, dass die Schwierigkeit allgemein ansteigt. In den einzelnen Abschnitten könnt ihr dann auch durchaus taktisch agieren.

Ein Spartan könnte beispielsweise in der zweiten Reihe bleiben und den Rest von einer erhöhten Position aus mit einem Scharfschützengewehr Deckung geben. Ein weiterer gibt Unterstützungsfeuer mit seinem Sturmgewehr, während die restlichen beiden sich mit Schrotflinten in den Nahkampf stürzen. Oder so ähnlich, ganz wie ihr wollt. Genau für solche taktischen Spielereien wurden manche Abschnitte gestaltet und bieten etwa mehrere Ebenen. Die Möglichkeiten sind jedenfalls da und einen Warthog zu fahren, macht mit einem menschlichen Mitspieler immer noch am meisten Spaß.

Das soll jetzt nicht heißen, dass die KI-Begleiter ansonsten nutzlos wären, wenn ihr alleine spielt. Sie feuern selbstständig auf Gegner, aber ihr könnt ihnen auch feste Ziele zuweisen, auf die sie sich dann konzentrieren. Allerdings nehmen sie euch nicht die gesamte Arbeit ab. Ihr erledigt immer noch den Löwenanteil in den Gefechten und solltet sie eher als leichte Unterstützung betrachten. Ganz nützlich sind sie vor allem dann, wenn ihr mal zu Boden geht. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters können sie euch wiederbeleben, was euch eine Rückkehr zum letzten Checkpoint erspart - außer ihr stürzt in einen Abgrund oder werdet von einem Schuss gleich desintegriert, da nützt selbst das stärkste Medikit nichts mehr.

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Manche Prometheaner haben besonders empfindliche Punkte, die ihr treffen solltet.

Ich würde sagen, wenn ihr alleine spielt, ist die Tatsache, dass ihr mit KI-Begleitern unterwegs seid, kein großer game changer. Der Spaß ist aber umso größer, wenn ihr mit euren Freunden gemeinsam über die Feinde herfallen könnt oder mit mehreren Vehikeln nebeneinander über die Schlachtfelder rast und taktisch zusammenarbeitet. Die Feind-KI reagiert auf den höheren Schwierigkeitsstufen ebenfalls etwas anspruchsvoller als etwa auf Normal. Ihre Vorgehensweise richtet sich zugleich nach dem jeweiligen Feindtyp. Ihr bekommt es gleichermaßen mit Nahkämpfern und Scharfschützen zu tun - und mit Gegnern, die sich irgendwo dazwischen bewegen.

Ihr müsst stets das Schlachtfeld im Blick behalten und beispielsweise darauf achten, dass euch in den offeneren Arealen nicht jemand in den Rücken fällt. Gleichzeitig ist die Platzierung der Gegner immer wieder eine taktische Komponente. Könnt ihr es riskieren, euch inmitten eines Areals in den Nahkampf zu stürzen, wenn in höheren Positionen Scharfschützen lauern? Mitunter ist die richtige Vorgehensweise eine Lektion, die ihr erst auf die harte Tour lernt. Umso erfreulicher ist es dann, wenn es funktioniert.

Das Fehlen von Cortana als eure ständige Begleiterin gleichen übrigens die jeweiligen Spartans aus. Immer wieder kommentieren sie das Geschehen und sind somit mehr als nur stille Begleiter. Ihr bekommt ein echtes Gefühl dafür, dass es sich hierbei um eingeschworene Gruppen handelt, die schon viel zusammen durchgemacht haben und immer wieder mal für einen Witz gut sind. Außerdem merkt ihr Locke und seinem Team an, dass es ihnen nicht leicht fällt, gegen eine Legende und gefeierten Helden wie den Master Chief zu arbeiten, was hier und da zu leichten Zweifeln führt.

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Fehlt nur noch der Rest der Crew.

An dieser Stelle übrigens ein großes Lob an Microsoft. War die Synchro der Halo-Spiele früher zum Teil noch sehr zum Fremdschämen und wirkte lieblos hingeklatscht, ist sie heute wirklich exzellent gelungen. Perfekt ausgewählte Sprecher - auch wenn ich zuweilen dachte, dass da jetzt Black Widow an meiner Seite kämpft - und dazu alles lippensynchron. So sieht eine gelungene Übersetzung aus, die nicht die Atmosphäre des Spiels ruiniert und euch aus der Stimmung reißt. Was die Spielzeit anbelangt, beschäftigte mich die Kampagne auf dem normalen Schwierigkeitsgrad alleine rund neun Stunden - das ist eine ordentliche Länge. Es variiert natürlich in Abhängigkeit davon, welchen Schwierigkeitsgrad ihr wählt und mit wie vielen menschlichen Mitspielern ihr antretet, zu kurz ist die Kampagne aber keineswegs. Ich würde sagen, man liegt damit genau im richtigen Bereich, ohne dass ihr das Gefühl bekommt, zu wenig gesehen zu haben oder dass alles unnötig in die Länge gezogen wurde.

Bleibt schlussendlich noch die Frage, ob Halo 5 auch etwas für euch wäre, wenn ihr euch mit Halo bislang wenig bis gar nicht beschäftigt habt. Nun, an und für sich habt ihr dann immer noch einen sehr guten Shooter vor der Nase. Vergleichen lässt sich das mit „Das Imperium schlägt zurück“. Funktioniert durchaus als alleinstehender Film, allerdings fehlen euch dann schlicht und ergreifend einige Details zum Handlungsbogen, der im vorherigen Teil begonnen wurde. Gleichermaßen ist die Bindung zu den Charakteren eine ganz andere und ihr erlebt den Film beziehungsweise in dem Fall dann Halo 5 dadurch auf eine völlig andere Art und Weise. Einen kompakten Überblick über die Geschehnisse der Reihe liefert euch unser Story-Rückblick zur Master-Chief-Saga. Alternativ gibt es natürlich noch die Master Chief Collection mit allen wichtigen Spielen für die Xbox One, sofern ihr alles nachholen möchtet.

Wie ich schon gesagt habe: Halo 5 bleibt Halo. Eigentlich eher Halo 2, aber ihr wisst schon, was ich meine. Ein paar neue Fähigkeiten und der Koop-Modus ergänzen das nach wie vor perfekt funktionierende Zu-Fuß- und Fahrzeug-Gameplay der Reihe, das hier so viel Spaß macht wie eh und je - mit anderen menschlichen Mitspielern noch mehr. Das alles steht und fällt natürlich mit der Story, aber da kann ich euch beruhigen. Die ist wunderbar inszeniert, spannend erzählt und hält die ein oder andere Überraschung parat. Es ist schlicht und ergreifend tolle SciFi-Kost, die den in Halo 4 begonnenen Handlungsbogen mit großem Unterhaltungswert und großen Schauwerten fortsetzt.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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