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RECARO Aer - Keep it simple und vor allem komfortabel, aber auch preiswert. Kann dieser Gaming-Stuhl alles

Ein frischer Wind am Rücken im Sommer.

"Keep it simple, stupid." (oder "Keep ist simple and stupid", eigentlich noch treffender und weniger beleidigend), ist ein Design-Grundsatz, der bis in die 50er oder 60er zurückgeht und das erste Mal im Flugzeugbau aufkam. Ergibt Sinn. Gerade bei so einem gefährlichen Konstrukt ist oft eine einfache, verlässliche und mit wenigen Fehlerquellen behaftete Lösung für etwas der beste Weg. Sitzen auf einem Gaming-Stuhl ist nicht ganz so gefährlich, wie in einem Schleudersitz, aber das Konzept gilt immer und wie es sich in Aktion verhält, zeigt RECAROs neuestes und preiswertestes Modell: der RECARO Aer, Preisrahmen von 400 bis 540 Euro mit allen Extras.

Wir hatten hier letztens einen Gaming-Stuhl, der hatte bei dem Entwurf seiner Anleitung die Idee sie so groß zum machen, dass man beim Aufbau nicht schielen muss, sondern sie bequem aus fünf Meter Entfernung lesen kann. Schon nicht schlecht und mitgedacht. Und was ist noch besser? Ein Gaming-Stuhl, der so einfach zusammenzubauen ist, dass man keine Anleitung braucht. Der Aer kommt in einer geräumigen Papp-Box mit Papp-Halteteilen und ohne zusätzliches Plastik und ich bin mir nicht mal sicher, ob eine Anleitung drin ist. Bestimmt, aber bei insgesamt neun Teilen, fünf davon Räder, war der Aer gebaut, bevor ich mir diese Frage stellen konnte.

Auch im Look leicht gehalten, wiegt der RECARO Aer nur etwa 15 Kilo.

Steckt die Räder an das Kreuz, setzt den Hydraulikstab auf das Kreuz, steckt das Rückenteil an die Sitzfläche, den Sitz auf die Hydraulik und fertig. Keine Schraube, kein Nippel, keine Lasche, drei Minuten. Und das Beste: Das Ding ist stabil! Ich war erst mit dem Schnappmechanismus für die Rückenlehne etwas skeptisch, aber warf mich mit Wucht mehrfach in den Sessel und versuchte durch dramatisch wertvolles Sitzen mit viel Rückeneinsatz das Teil zu Instagram-würdigen Defekt-Momenten hinzureißen, aber keine Chance. Passt, wackelt nur so, wie es soll und hat nur da Luft, wo es gebraucht wird.

Das wäre beim RECARO Aer wohl die Rückenlehne. Wo diese sonst ein massiver Schaumstoff, Stoff und Plastik-Korpus ist, habt ihr hier nur das Exoskelett einer Rückenlehne, welches ihr beim Sitzen praktisch nicht berührt. Ihr lehnt euch stattdessen an ein sehr festes und relativ großmaschiges Netz, das gerade im Sommer für viel frische Luft am Rücken sorgt. Das ist viel netter als an einem Echt- oder Kunst-Leder-Sitz zu kleben und selbst angenehmer als der ebenfalls atmungsaktive Stoff des RECARO-Spitzenmodells, der sonst meinen Homeoffice-Thron gibt.

Die dezenten Farbakzente kosten einen Aufpreis.

Offensichtlich stellt man dabei die Frage, ob denn so ein Netz auch genug Stabilität bietet, wie es mit dem Lumbar-Support aussieht und ob man da nicht etwas durchhängt. Kurz gesagt und alles: ja, gut und nein. Auch wenn eine massive Lehne etwas mehr Widerstand bieten kann, ist das Netz straff genug, dass ihr euch bequem zurücklehnen könnt und nicht den Eindruck habt, in den Seilen zu hängen. Es kommt dem Gefühl einer etwas weicheren herkömmlichen Lehne sehr nah und ist ausgesprochen bequem. Auch nach vier Stunden mit auf dem Tisch liegenden Beinen, den Aer nach hinten gekickt und vollen Gewicht im Netz, um ein wenig Gotham zu bingen, ich meine Background für Superhelden-Stories zu recherchieren, konnte ich mich nicht über Unbequemlichkeit oder gar Rückenschmerzen beschweren. Auch der untere Rücken bekommt mit der straffen Bespannung guten Halt. Ich war skeptisch, da andere hochwertige Bürostühle die Bespannung an dieser Stelle separat handhaben, während es hier alles aus eine Fläche ist, aber die Wölbungen sitzen ausgesprochen gut und bieten idealen Widerstand. Lehnt sich gut und sitzt sich auch so.

5D: Wer seine Armlehne nicht immer braucht, bekommt dieses Feature optional.

Die Sitzfläche ist konventionell und simple gehalten, bis 150 Kilo tauglich und fiel in keiner Weise beim Sitzen auf. So soll es sein. Wenn man gar nicht merkt, dass der Stuhl da ist, dann ist es wohl bequem. Die Armlehnen sind etwas weniger fancy, als es bei großen Exo der Fall ist. Es kommt auch darauf an, was ihr ausgebt. Standard ist eine 2D-Armlehne, die in der Höhe verstellbar ist. Für 25 Euro mehr gibt es 4D, das heißt, die Armlehne lässt sich auch horizontal verstellen. 5D gibt es für 40 Euro extra, dann lassen sich die Lehnen bei Bedarf unter den Stuhl wegklappen. Ich selbst habe hier 4D und auch wenn die massive Konstruktion des Exo einen noch mal unverwüstlicheren Eindruck macht, nichts am Aer fühlt sich billig oder klapperig an, Armlehnen inklusive.

Der traurigste Link der Welt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand schon mal die Anleitung für den Aer angeklickt hat, so simpel wie Aufbau und Handhabung sind.

Es gibt noch ein paar optionale Extras mehr: Mit der Synchronmechanik Plus (40 Euro) bekommt ihr drei fest einstellbare Sitzpositionen, die normale Fassung kennt nur aufrecht oder freies Kippeln. Mit Plus kann auch der Widerstand beim Kippeln eingestellt werden. Isst schon schlecht, würde ich wohl dazubuchen. Die Sitztiefenverstellung habe ich nicht und brauche sie auch nicht, aber wenn ihr die Sitzfläche ein wenig vor und zurück einstellen möchtet, dann kostet das 20 Euro. Und die 10 Euro extra für weiche Rollen sind für alle sinnvolle, die harte Holzböden haben. Die Frage schließlich ist dann eine Frage des Geschmacks und ob ihr noch mal 30 Euro in einen der drei farblichen Akzente investiert oder bei klassisch schwarz bleibt.

Nur als kleiner Hinweis: Der Aer ersetzt offenbar bei Recaro den Rae, - hier getestet - was auch Sinn macht. Der Rae war ein ausgezeichneter herkömmlich designter Gaming-Stuhl, aber die Netzbespannung des Aer würde ich auf jeden Fall bevorzugen und beide bewegen sich im gleichen Preisrahmen. Zu kaufen gibt es den RECARO Aer zum Beispiel in ihrem eigenen Shop.

RECARO "keeps it simple" und zwar auf die beste Art. Der RECARO Aer ist leicht (um die 15 Kilo), auf die beste Art minimalistisch, stabil, sitzt sich fantastisch und bietet all den Komfort und auch die meisten Features, die der Premium-Exo auch hat. Halt nur reduziert auf das, was nötig und wichtig ist. Der Sitzkomfort ist dabei am Ende nicht viel schlechter als im Exo und vor allem sehr viel besser als bei allen Gaming-Stühlen der Preisklasse des Aer, auf denen ich so saß. Gerade jetzt, bei steigenden Temperaturen, ist das luftige Mesh im Rücken ein echter Segen. Sicher, ich throne weiter auf dem Exo, aber mein Zweitarbeitsplatz ist jetzt mit dem Aer kein großes Downgrade mehr. Der Aer ist für mich der beste Gaming-Stuhl in seiner Preisklasse.

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