Lego Star Wars: Das Erwachen der Macht - Test

Chewie, wir sind zu Hause.

Vor einem halben Jahr erwachte die Macht im Kino und nach fünf Jahren steht dazu passend mal wieder ein neues Lego-Star-Wars-Spiel in den Läden. Wie der Titel dabei schon andeutet, konzentriert man sich damit hauptsächlich auf die im letzten Dezember veröffentlichte Episode der Saga, der in diesem Jahr startende Ableger Rogue One findet - alles andere wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch sehr überraschend gewesen - keine Beachtung.

Ihr fragt euch sicher, wie man einen einzelnen Film so aufteilt, dass er für ein ganzes Lego-Spiel ausreicht. Nun, einerseits führt euch der Prolog noch mal in die Schlacht von Endor, danach gibt es zehn Missionen zum neuesten Film zu absolvieren. Diese decken von Anfang bis Ende alle Schauplätze des Films ab, aber an manchen Stellen wird schon ein bisschen deutlich, dass man versucht hat, das Ganze ein wenig zu strecken, wenn ihr zum Beispiel für den Falken Munition, Treibstoff und Wookiee-Cookies beschaffen oder die Tore zum Kontrollzentrum der Widerstandsbasis öffnen sollt. Dennoch: Spaß macht die bekannte Mischung aus Rätseln und Kämpfen nach wie vor.

Unabhängig von der Hauptgeschichte kommen noch sechs weitere Einsätze hinzu, die verschiedene Ereignisse aus der Zeitspanne zwischen Die Rückkehr der Jedi-Ritter und Das Erwachen der Macht zeigen. So erfahrt ihr beispielsweise, wie C-3PO seinen roten Arm bekommen hat, wie Poe Dameron Admiral Ackbar vor der Ersten Ordnung rettet oder wie Han und Chewie die gefährlichen Rathare eingefangen haben. Es sind schöne Ergänzungen, die ihr aber erst mal freischalten müsst.

In den Blaster-Gefechten feuert ihr aus der Deckung heraus auf eure Gegner.

Für jede dieser Zusatzmissionen braucht ihr eine bestimmte Menge an goldenen Steinen, die ihr unter anderem in der Spielwelt findet. Wollt ihr wirklich alle Missionen spielen, müsst ihr euch also damit beschäftigen. Erkunden könnt ihr abseits der Story-Einsätze unter anderem Jakku, den Rasenden Falken, die Starkiller-Basis oder Takodana. Kurz gesagt: Auf dem Weg zu 100 Prozent gibt es wieder allerlei Dinge zu tun, die euch eine ganze Zeit beschäftigen werden, ob nun Rätsel, Kopfgeldjagden, Rennen oder spezielle Missionen für den Widerstand und die Erste Ordnung. Langweilig wird euch nicht werden.

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Wie oft in so einem Sternzerstörer wohl geputzt wird?

Den Film selbst hat TT Games einmal mehr wunderbar ins Lego-Format übertragen. Vieles wurde genau so umgesetzt, wie man es aus dem Kino kennt, andere Szenen wurden wiederum leicht abgewandelt oder erweitert. Und mit dabei ist natürlich wieder der Lego-typische Humor. Während ihr euch über Jakku kämpft, seht ihr zum Beispiel im Hintergrund Volleyball spielende Sturmtruppler, während eines Blaster-Gefechts sonnt sich einer der Schergen auf einem Liegestuhl und ihr stört ein paar Soldaten in der Starkiller-Basis, während sie gerade ein heißes Bad nehmen. Diverse weitere Anspielungen dürfen nicht fehlen. Han Solo zieht in einer Szene etwa sein verlorenes Haarteil noch schnell unter einer sich schließenden Tür zu sich - Indy lässt grüßen. Das ganze Spiel steckt voll solcher Dinge und es ist stets eine Freude, sie alle zu entdecken.

Durchweg unterhaltsam, voller Easter Eggs und Geheimnisse ist also auch dieses Lego-Spiel, aber das war ja im Grunde nicht anders zu erwarten. Ich kann mich jedes Mal aufs Neue über die Darstellung bekannter Szenen in den Lego-Spielen amüsieren. TT Games gelingt einfach stets der Spagat zwischen Humor, Albernheit und Respekt vor dem Ursprungsmaterial, das gewohnt liebevoll und detailreich umgesetzt wurde. Pluspunkte gibt es im Vergleich zum zuletzt veröffentlichten Lego Marvel's Avengers dafür, dass viele der Originalsprecher beziehungsweise Synchronsprecher mit dabei sind, unter anderem von Rey, Finn, Kylo Renn, Han Solo, Luke Skywalker, General Hux oder Captain Phasma.

In den Raumkämpfen habt ihr mehr Bewegungsfreiheit.

Dass man das Gameplay nicht komplett umgekrempelt hat, sollte euch unterdessen nicht überraschen. Ihr baut, kämpft und sammelt dabei erneut diverse Charaktere, Vehikel und Kreaturen. Wie immer sind es die kleinen Nuancen, die die Lego-Spiele voneinander unterscheiden und dafür sorgen, dass sie sich nicht 1:1 gleich anfühlen. Hier gibt es zum Beispiel Greifhaken oder Objekte zum Verschieben, bei denen ihr die Hilfe mehrerer Figuren braucht, die ihr dann beispielsweise mit Leia dazu abkommandiert.

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Auch Sturmtruppen haben mal Urlaub.

Neu hinzugekommen sind die Blaster-Gefechte. Hier wechselt das Geschehen in eine Art Third-Person-Perspektive à la Uncharted. Ihr sucht mit euren Charakteren hinter speziellen Objekten Deckung und nehmt dann von dort aus Gegner aufs Korn, indem ihr euch aus der Deckung wagt und manuell zielt. Je nach Situation arbeitet ihr euch Stück für Stück voran und nutzt dabei die Fähigkeiten eurer Figuren, um mit Schilden geschützte, stärkere Feinde zu eliminieren, beispielsweise indem ihr einige riesige Statue auf sie fallen lasst. Die Blaster-Gefechte gibt es zwar nur an vorgegebenen Stellen, aber sie lockern den üblichen Spielablauf etwas auf.

Ebenfalls neu ist das Multi-Build-System, das es euch ermöglicht, aus einem bestimmten Steinhaufen mehrere Objekte herzustellen. Das klingt aber auf dem Papier besser, als es tatsächlich ist, weil ihr oftmals sowieso alle der so herstellbaren Objekte nacheinander bauen müsst, um ein Rätsel zu lösen. Wirklich viel mehr Freiheit beschert euch das jetzt nicht. Nur gelegentlich gelangt ihr somit mal an einen roten Stein oder andere Extras. Jedenfalls ist es nichts, was nicht auch mehrere Steinhaufen hätten lösen können, nur dass man es hier halt in einem zusammengefasst hat. Nett, aber nicht mehr.

Erweitert wurden darüber hinaus die Kampfsequenzen mit Raumschiffen. Bei der Flucht mit dem Falken von Jakku, Poes und Finns Flucht vom Sternzerstörer oder dem Kampf zwischen Widerstand und Erster Ordnung auf Takodana könnt ihr euch freier bewegen und habt mehr Spielraum. Das Ganze mag zwar kein neues Rogue Squadron sein, aber Spaß macht es allemal, wenn ihr die Gegner nach und nach vom Himmel holt und euch in einer Art Arena frei bewegen könnt. Da bekommt man doch glatt Lust auf mehr solche Level oder eben ein neues Rogue Squadron. Aber das nur am Rande, falls zufällig jemand mitliest, der solche Entscheidungen treffen kann.

Das Multi-Build-System ist nett, aber auch keine spektakuläre Neuerung.

Technisch gesehen gibt es zumindest in der getesteten Xbox-One-Version an vereinzelten Stellen leichte Probleme mit Tearing. An bestimmten Punkten spürt man außerdem, wie die Framerate schon etwas spürbarer nach unten rutschen kann, etwa wenn gerade viel auf dem Bildschirm los ist. Das ist nicht schön, aber nichts davon ist aber allzu dramatisch oder dauert so lange an, dass es sich negativ auf das Spielerlebnis auswirkt. Es wäre dennoch angebracht, wenn TT Games hier mit einem Patch noch mal Hand anlegen und ein bisschen optimieren würde.

Eigentlich könnte ich bei den Lego-Spielen immer das gleiche Fazit schreiben. Ja, sie machen trotz des überwiegend ähnlichen Gameplays immer noch Spaß. Ja, das Übertragen von Filmen ins Lego-Format amüsiert mich jedes einzelne Mal aufs Neue. Ja, auch dieses Lego-Spiel werde ich irgendwann auf 100 Prozent bringen. Und ja, ich will mehr. Vorwerfen kann man TT Games nicht wirklich viel, außer vielleicht die kleinen Macken in puncto Technik und dass man an manchen Stellen die Story womöglich ein kleines bisschen zu sehr gestreckt hat, aber damit muss man wohl leben, wenn man nur einen Film abdeckt. Dennoch gibt es in Lego Star Wars: Das Erwachen der Macht wahnsinnig viel zu entdecken und zu erledigen. Solltet ihr also nicht nur daran interessiert sein, einmal die Story durchzuspielen, könnt ihr hier zahlreiche amüsante Stunden erleben und bedenkenlos zugreifen - ob nun für euch selbst, für eure Kinder oder für euch beide, wenn ihr im Zwei-Spieler-Koop-Modus spielen wollt.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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