Blaster Master Zero - Test

Ein Junge, sein Kampfpanzer und sein Frosch im soft reload.

Das erste Blaster Master gehört zu meinen Lieblingsspielen aus der NES-Ära. Es nimmt viel vorweg, was später als Genre unter dem Namen Metroidvania bekannt werden sollte und es bietet eine tolle Mischung aus Sidescroller- und Top-Down-Shoot'em-Up-Gameplay. Für alle, die das Original nicht kennen: Ihr fahrt in einem futuristischen Panzer namens Sophia durch unterirdische Gewölbe, Seitenansicht. Ihr steigt aus und erforscht Dungeons, wo ihr meist neue Fähigkeiten für euren Panzer freischaltet - Ansicht von oben. Das macht auch heute noch Spaß, wenn man ein NES hat, aber es zeigt Alterserscheinungen. Wenige Checkpoints, keine Speichermöglichkeit, noch nicht mal ein Passwortsystem. Diverse Iterationen haben seit dem ersten, echten Blaster Master versucht, das Spielgefühl wieder einzufangen - leider alle relativ erfolglos. Mit Blaster Master Zero dürft ihr nun endlich etwas spielen, das dem Original so nahekommt, wie es nur geht und gleichzeitig moderne Elemente einfügt. Speicherpunkte beispielsweise. Und ein bisschen an der Hand nimmt das Spiel euch jetzt auch.

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Los geht's! Am Anfang unterscheidet sich Blaster Master Zero durch nichts von seinem Original.

Blaster Master Zero ist in der Tat eine sehr sanfte Überarbeitung des Originals. Der größte Unterschied ist dabei augenscheinlich die Geschichte. Während das amerikanische Original sich damit abfand, dass der Protagonist seinen Frosch wiederfinden muss und allein deshalb im Inneren der Erde Mutanten abknallt, lieferte das japanische Original seinerzeit eine etwas elaboriertere Geschichte über ein Mutanten-Untergrund-Imperium in der post-apokalyptischen Erde. Blaster Master Zero vereint beide Geschichten und liefert so eine zwar bizarre, aber dennoch hilfreiche Geschichte. Hilfreich vor allem deshalb, weil das Spiel euch im Gegensatz zum Original jetzt zumindest ab und zu anzeigt, wo ihr hinmüsst. Denn euer Panzer Sophia kann regelmäßig das Signal eures Mutantenfrosches aufnehmen und euch deshalb auch direkt auf der Karte zeigen, wo das nächste Ziel liegt.

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Im Top-Down-Modus verändert sich das Gameplay komplett.

Ich gebe es ja zu, die Geschichte ist nach wie vor Quatsch, jetzt in doppelter Ausführung, aber es ist schon angenehm, plötzlich zu wissen, wohin ich fahren muss. Das ursprüngliche Blaster Master war ein einziges Labyrinth, frei von jeglicher Spielerführung. Ein gutes Spiel, wenn man wusste, was man zu tun hatte, ein Quell der Frustration, wenn eben das nicht der Fall war - auch wenn es für den einen oder anderen ein zusätzlicher Reiz sein konnte. Fragmente dieser Frustration sind übrigens auch jetzt noch im Spiel enthalten. Tatsächlich musste ich das Internet konsultieren, weil ich stets in dunklen Dungeons stand, ganz ohne Möglichkeit, Licht zu machen. Ein Online-Forum verriet mir dann nicht nur, dass ich nicht der einzige mit diesem Problem war, sondern auch, dass ich es drei Spielwelten zuvor verpasst hatte, die Blitzgranaten mitzunehmen. Heute würde sowas in Spielen wohl nicht mehr passieren, aber gerade deshalb empfand ich diesen Moment als so erfrischend. Etwa eine halbe Stunde lang dachte ich, meine Spielsituation sei eine Sackgasse. Mein Panzer stand auf dem Meeresboden, ich konnte nicht mehr zurück und der einzige Dungeon, den ich erreichen konnte, war stockdunkel. Und dann habe ich eben doch einen Ausweg gefunden, das Erfolgserlebnis war grandios.

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Unter Wasser den Blitz einsetzen - großartig!

Abgesehen davon haben die Entwickler so ziemlich alles ausgebessert, was am Original verbesserungsbedürftig war. Das betrifft einige Level-Abschnitte, aber beispielsweise auch das generelle Gameplay der Top-Down-Passagen. Im Original schoss der Protagonist in diesen Abschnitten merklich mit seiner rechten Hand. Das war zwar ansatzweise realistisch, sorgte aber dafür, dass Spieler zumindest zu Beginn reihenweise ihre Gegner verfehlt haben. Im Gegensatz zu echten Menschen sollten Spielfiguren eigentlich immer aus ihrer Mitte heraus schießen, von ihrem Bauchnabel aus gewissermaßen. Das ist jetzt der Fall. Reihenweise neue Upgrades gibt's auch, was allerdings einen Preis hat. Wer sich in den Dungeons einigermaßen geschickt anstellt, kann immer seine beste Waffe behalten, die absolut zerstörerisch ist. Es gab Endbosse, die ich innerhalb von Sekunden damit ins Jenseits befördert habe, ohne, dass diese auch nur eine einzige Aktion durchführen konnten. Für Endbosse, die mit einem großen, roten Alarm angekündigt werden, ist das ein bisschen ernüchternd. Ein bisschen mehr Balancing hätte der Überarbeitung des Spiels an dieser Stelle wohl gutgetan.

Aber ganz ehrlich, das tut dem Spielvergnügen keinen Abbruch. Das Metroidvania-Gefühl bleibt bei Blaster Master Zero großartig. Ihr könnt immer wieder zurück in frühe Spielabschnitte kommen und stellt fest, dass ihr plötzlich mit euren neuen Fähigkeiten neue Gegenden erreichen könnt, um dort wieder neue Fähigkeiten freizuschalten. In der Luft schweben, im Wasser springen, an der Wand entlangfahren - sowas erweitert den Horizont manchmal immens und plötzlich stehen euch eine Handvoll neuer Dungeons zur Verfügung, die ihr vorher gar nicht betreten konntet. Ich habe dieses Gefühl nicht oft, aber bei Blaster Master Zero spiele ich nicht, um irgendwann das Ende zu erreichen, mir macht tatsächlich die Erkundung der Welt Spaß. Jeder Pixel dieses Spiels scheint irgendeine Überraschung für mich vorbereitet zu haben und ich möchte sie alle finden.

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Die Bosse sollten sich in einem nächsten Teil mehr Mühe geben, dem Spieler gefährlich zu werden.

Das Spiel ist aktuell sowohl für 3DS als auch für Switch erhältlich, wobei die Switch-Version einen entscheidenden Vorteil hat: einen Multiplayer-Modus. Denkt nun nicht an zwei Panzer, die über den Bildschirm fahren, denkt mehr an Super Mario Galaxy. Der zweite Spieler ist nämlich hauptsächlich dazu da, via Fadenkreuz Gegner auf dem Bildschirm abzuschießen. Der eine spielt Blaster Master, der andere gewissermaßen einen Light-Gun-Shooter. Macht Spaß. Aber ein pixeliges Spiel wie Blaster Master funktioniert auch auf dem 3DS immer noch super. Wer die Wahl hat, sollte natürlich zur Switch-Variante greifen. Egal auf welcher Plattform, wer Blaster Master Zero einmal angefasst hat, kann nicht mehr die Finger davonlassen.

Und das alles für zehn Euro! Im Ernst, wenn ihr einen Hauch Vorliebe für Metroid habt, wenn ihr Sidescroller mögt und Spiele, die es frecherweise wagen, die Genregrenzen zu durchbrechen, dann dürft ihr Blaster Master Zero einfach nicht verpassen. Selten wurde ein Klassiker so schön, aber gleichzeitig so behutsam aufbereitet. Der ursprüngliche Charme des Spiels ist immer noch da, gleichzeitig kann ich aber jederzeit speichern und Upgrades einsammeln, die im Kontext des Spiels wirklich Sinn ergeben. Wenn ihr eine Switch habt und nicht wisst, was ihr außer Zelda darauf spielen sollt, kauft Blaster Master Zero. Wenn ihr einen 3DS habt und schon lange mal was Neues darauf spielen wollt, kauft Blaster Master Zero. Ihr werdet es lieben.

Entwickler/Publisher: Inti Creates/Sunsoft - Erscheint für: Switch, 3DS - Preis: 9,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: 3DS - Sprache: deutsche Bildschirmtexte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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