Wissen ist Macht - Test

Ich weiß es, ich weiß es - oh nein, der Schleim!

Wissen ist Macht - im postfaktischen Zeitalter ist das schon fast eine fragwürdige These, denn nur allzu oft scheinen sich jene durchzusetzen, die nicht wirklich wissen, sondern einfach mal behaupten. Umso schöner, wenn das gute alte Faktenwissen in einem netten neuen Playlink-Titel zelebriert wird. Es heißt also wieder mal: Freunde einladen, sie eine App installieren lassen, alle Handys im gleichen WLAN anmelden, in dem auch die PS4 hängt und los geht's. Wissen ist Macht gleicht dabei eher That's You als Hidden Agenda - es handelt sich um ein reinrassiges Partyspiel und dafür braucht es neben ein paar Handys und der PS4 mal wieder Chips und Bier. Das liegt unter anderem daran, dass ihr nicht nur stur nacheinander Fragen beantwortet, sondern euch zwischendurch auch anderweitig das Leben schwermacht.

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Meine Lieblingsfigur: Der Mann im Wurstkostüm!

Bevor es losgehen kann, sucht sich jeder Kandidat erst einmal eine Spielfigur aus. Das kann beispielsweise der Bergarbeiter sein, der Typ im Fliegenkostüm, die Prinzessin oder meine Lieblingsfigur: der frivole Typ im Wurstkostüm, der in jedem Erfolgsmoment mit seinem Wurstzipfel wedelt - meinen Nerv für stupiden Pennälerhumor bringt das auch nach Stunden noch zum Klingeln. Habt ihr euch also für eine Figur entschieden, macht ihr ein Selfie von euch, dass dann recht nett in das Modell eingebaut wird - hab' ich erwähnt, dass ich diesbezüglich den Mann im Wurstkostüm empfehlen kann?

Bevor es zu den eigentlichen Fragen kommt, müsst ihr noch aus einer von vier Kategorien wählen. Manchmal ist dabei relativ klar, worum es geht, beispielsweise wenn die Kategorie "Mörder und Opfer" heißt. Was genau aber der Unterschied zwischen "Denkwürdige Daten" und "Bedeutende Ereignisse" sein soll, ist in der Praxis nicht immer ganz klar. Entschieden wird hier jedenfalls in der Regel demokratisch. Wenn die Mehrheit der bis zu sechs Spieler sich für eine bestimmte Kategorie entschieden hat, kommt die Frage aus diesem Themenbereich. Herrscht Gleichstand, entscheidet dagegen der Zufall. Der virtuelle Moderator stellt dann eine Frage und ihr müsst sie via Handy-Display beantworten. Punkte gibt's sowohl für jede richtige Antwort als auch dafür, wenn selbige besonders schnell kommt.

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Hier sucht ihr euch gerade eine passende Kategorie aus.

Was in Wissen ist Macht von Anfang an auffällt, ist die hübsche Grafik des Spiels. Alle Figuren haben einen leichten Figurentheatercharme, ihre Animationen versprühen stets ein bisschen Slapstick-Atmosphäre, obwohl das für das eigentliche Gameplay überhaupt nicht notwendig wäre. Ein Moderator inszeniert sich selbst als Quizmaster, ganz als wäre er aus den 90er-Jahren gefallen, die Fragen selbst kommen dagegen von einer weiblichen Stimme, die dem Spiel eine gewisse Ernsthaftigkeit verleiht - so wissen die Leute vor dem Bildschirm auch nach fünf Bier noch: Okay, jetzt wird's ernst und ich werfe besser mal einen Blick auf mein Handy.

Der ist ohnehin immer angebracht, denn nicht nur wählt ihr hier eure Antwortmöglichkeiten, sondern auch fiese Maßnahmen, um euren Gegenspielern übel mitzuspielen. Jeder Spieler kann auf jeweils einen anderen eine Fähigkeit anwenden, meinetwegen den Schleimbeutel. Der hat zur Folge, dass der Getroffene seine Antwortmöglichkeiten erst einmal freirubbeln muss - so kommt ein gewisser Glücksfaktor ins Spiel: Rubbelt er nämlich zufällig zuerst die richtige Antwort frei, geht alles ganz schnell, kommt sie zuletzt, dauert alles viel länger. Wird das Handy dagegen von einem Gegner eingefroren, muss man einfach mehrmals auf eine Antwort tippen bis das Spiel sie akzeptiert.

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Weiß nicht unbedingt jeder: Für welchen Film eignete sich Leonardo DiCaprio einen simbabwischen Afrikaans-Akzent an?

Die Fragen selbst sind in ihrer Schwierigkeit dabei recht unterschiedlich. Die einfacheren gehen in die Richtung: Welche Flüssigkeit verleiht der Nachspeise Tiramisu den berühmten Kick? (Es ist Kaffee, wobei mir ehrlich gesagt nicht klar war, dass es bei Tiramisu einen "berühmten Kick" gibt.) Schon anspruchsvoller ist dagegen die Frage, für die Entdeckung welchen Erregers Robert Koch im Jahr 1905 den Nobelpreis erhalten hat. (Tuberkulose - kann man auch wissen, wenn man im Biologieunterreicht aufgepasst hat, setzt aber doch ein breiteres Allgemeinwissen voraus.) Dazwischen streut das Spiel immer wieder Popkulturfragen, die die Spieler ganz unabhängig vom Bildungsgrad einfach wissen oder nicht - beispielsweise in welchem Spiel Nathan Drake die Hauptrolle spielt oder wie die Zombies in The Walking Dead genannt werden. (Wisst ihr sowieso.) Wissen ist Macht will merklich kein Intelligenztest sein - es will Spaß machen und das gelingt.

Schade ist nur, dass ihr direkt nach jeder Fragerunde schon wieder eine neue Kategorie wählen müsst. Das bremst das Spiel leider ein wenig aus, ich hätte es als angenehmer empfunden, einen ganzen Frageblock in kurzer Abfolge präsentiert zu bekommen, zumal ihr euch stets aufs Neue eine Animation ansehen müsst, wie eure Spielfiguren durch Türen laufen. Die sind zwar nett gemacht - aber so oft muss ich sie dann auch wieder nicht sehen. Ihr müsst also immer wieder Wartezeiten in Kauf nehmen, was rein technisch sicher nicht hätte sein müssen. Nach einigen Runden kommt es dann zum Finale, dabei geht es um das Rennen an die Spitze einer Pyramide. Ihr startet weiter oben, je nachdem, wie viele Punkte ihr bis zu diesem Zeitpunkt gesammelt habt. Seltsam: Hier könnt ihr praktisch nicht mehr falsch antworten. Wählt ihr eine inkorrekte Antwort, wird diese stattdessen rot unterlegt und ihr könnt weiterraten. Es kommt also faktisch nur noch darauf an, wer am schnellsten ist. Der gewinnt dann und wird mit virtuellem Konfetti überhäuft.

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Jede Partie endet mit der Wissenspyramide.

Trotz einiger Längen und vielleicht ein bisschen viel der hübschen Animationen: Wissen ist Macht hat mir und meinen Mitspielern einfach Spaß gemacht. Es ist kein Spiel mit Tiefgang, es stellt einfach ein paar Fragen und sorgt dafür, dass ihr euch gegenseitig mit Schleim bewerfen könnt. Aber gerade diese Unbeschwertheit macht es für mich so liebenswert. Weil jede Runde in etwa 20 bis 30 Minuten vorbei ist, kommt schnell die Frage auf, ob nicht noch eine Runde Spaß machen würde? Und dann noch eine? Vielleicht eine noch? Insofern funktioniert Wissen ist Macht als Partyspiel ganz und gar famos - wer potenzielle Mitspieler kennt, darf bedenkenlos 20 Euro investieren. Auch aufgrund des Manns im Wurstkostüm.

Entwickler/Publisher: Wish Studios/Sony - Erscheint für: PS4 - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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