Angenehme Passform der Hörer und guter, kraftvoller Gaming-Klang im Stereobetrieb, aber schwache 7.1 Leistung, Ausstattung und Mikrofon.

Das ASUS ROG Strix Fusion 300 fischt mit seinen etwa 130 Euro im mittleren Preissegment, wenn es um Gaming-Headsets geht. Es locken 7.1-Surround-Sound, der mit seinen mächtigen 50mm-Treibern wahnsinnig viel Druck aufbauen soll, ein bequem wegklappbares Mikro und eine Verarbeitung, die trotz Kunststoff-Dominanz nicht billig wirkt. In der Theorie ein attraktives Angebot zu diesem Preis. Aber was leistet es in der Praxis?

Nun, beginnen wir mit der Packung, die komplett in transparentes Plastik gehüllt ist und das Anpreisen der Features des Fusion 300 attraktiv und teils silbrig glänzenden bedruckten Papp-Inlays überlässt. Zieht man die Halteschalen aus der Hülle, fallen einem als erstes nicht ein, sondern gleich zwei textilummantelte Kabel entgegen, was direkt das nächste Doppelpack an Pluspunkten bedeutet: Mit USB- und 3,5-mm-Klinkenstrippe gibt sich dieses Headset anschlussfreudig und flexibel, nicht fest installierte Kabel verlängern zudem die Lebenszeit eines solchen Stücks Hardware drastisch.

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Der Umfang an Dreingaben ist nett. Wechselbare Kabel sowieso. Großes Lob dafür!

Zudem ließ sich ASUS nicht lumpen und lieferte als Ersatz für oder Alternative zu den Standard-Ohrpolstern - ein Mix aus Textil und Kunstleder - noch eine vollständig in Protein-Kunstleder gehüllte Variante. Ich habe zwei Mal hin und her gewechselt und mich schließlich für die Standardversion entschieden, da sie sich an meinen Ohren sehr angenehm anfühlte. Die Voll-Kunstlederversion vermittelt noch etwas mehr Druck und Direktheit, falls das euer Ding ist. Der Wechsel verlief unproblematisch und ohne die entsprechenden Komponenten auszuleiern. Ein feiner Zug des Herstellers, der den Eindruck vermittelt, ihm ist an der Langlebigkeit seiner Produkte gelegen.

Der Eindruck bestätigt sich auch nach längerem Anfassen, drehen und biegen. Die Ohrmuscheldrehung um 90 Grad ist wunderbar leichtgängig und reibungslos. Wenn man das Kopfband in sich verdreht, muss man schon ordentlich Kraft aufwenden, bis man das erste Knarzen hört. Alle Einzelteile der komplett aus Kunststoff bestehenden Schallwandler liegen wundervoll passgenau aufeinander. Tritton-User (und nicht nur die) kennen das Geräusch, wenn die Kanten weicher Plastikteile aneinandergeraten. Das passiert hier zu keinem Zeitpunkt. Zudem sind diese Kannen alles andere als leicht. Hätte sich ASUS die in meinen Augen etwas nichtssagenden und etwas nach Spielzeug aussehenden roten Leuchteinsätze gespart, das hier sähe auf Gamer-Art edel aus. Immerhin darf man das Pulsieren des Lichts per Aura-Software mit dem Rest der ASUS-Hardware synchronisieren. Ich hatte definitiv schon hässlichere und vor allem deutlich klapprigere Headsets in der Hand.

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Die Lichter hätte es nicht gebraucht. Aber sonst wirkt's wertig.

Auf dem Kopf fühlen sich die Textil-Kunstleder-Verbundpolster sehr angenehm an. Der Innenrand wird durch das Leder isoliert, während alle Seiten, die Hautkontakt haben, schön luftdurchlässig sind. Die Passform der Muscheln ermöglicht langes Tragen. Auch die Voll-Kunstlederpolster fühlen sich hautschmeichelnd an, sind sie doch extrem weich. Aber unter ihnen wird ihnen schon einmal warm, was Fans dieser Art von Polster aber in Kauf nehmen. Trotzdem bin ich mit der Ergonomie "out of the box" nicht zufrieden. Die Kombination aus ausladenden Lautsprecherkorpussen und einem langen USB-Stecker an einem starren Kabel sorgte dafür, dass die Strippe so gut wie immer störend und im Headset hörbar an meiner Schulter entlang scheuerte.

Ich fühlte mich richtiggehend bewegungseingeschränkt, bis ich das Kabel durch ein weicheres mit kürzerem Stecker ersetzt hatte. Meine Frau sagt, mein Hals sei zu kurz. Nun denn. Das hier ist seit Langem das erste Headset, mit dem ich solche Probleme hatte. Ich werde wohl nicht der Einzige sein. Der nächste nicht ganz unwichtige Faktor fällt auf, will man das Strix an einer Konsole benutzen (mit USB-Verlängerungskabel zum Beispiel): Es gibt keinerlei Steuerungsmöglichkeiten am Headset selbst oder am Kabel. Kein Lautstärkeregler, keine Stummtaste, nur einen Knopf, um die 7.1-Emulation hinzuzuschalten. Soll das eigene Mikro schweigen, muss man es erst hochklappen, was natürlich mit Geräuschentwicklung am anderen Ende verbunden ist. Am PC mit Tastaturen samt Medientasten ist das natürlich kein Faktor. Auf Konsole dafür umso mehr.

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Der flexible Mikrofonarm stellt sich automatisch stumm, wenn man ihn hochklappt, verursacht bei Gesprächspartnern aber natürlich Kontaktgeräusche.

Zudem: Für den Einsatz an der Konsole kann man natürlich auch das Klinkenkabel am Controller einstecken. Dann aber läuft das Headset passiv, ohne Beleuchtung und 7.1 Sound. Funktioniert immer noch gut genug, aber nicht so gut, dass ich es auch als Unterwegslösung fürs Smartphone für empfehlenswert hielte. Dafür wäre es auch zu klobig. Auch auf eine Monitorfunktion hat ASUS verzichtet, ihr hört euch also nicht selbst sprechen. Es gibt Leute, die interessiert dieses Feature nicht besonders. Ich persönlich will es nicht mehr missen, weil es bedeutet, dass man merkt, wenn man in Rainbow Six: Siege seine Befehle zu brüllen beginnt. Optional wäre es in jedem Fall nett gewesen, ich hätte dafür gerne auf den Klinkenanschluss verzichtet, der eh die Hälfte der Kern-Features dieses Headsets unterwandert.

Klanglich macht das Fusion 300 im Stereobetrieb eine ordentliche Figur. Ich würde es nicht ansatzweise Hi-Fi-tauglich nennen. Das hier fischt eindeutig nach Gamern. Aber das tut es ziemlich gut. Gerade die 50mm-Treiber erzeugen einen kräftigen, raumumfangenden Bass, der gut die Luft aus den Ohren drückt. Die Pegelfestigkeit ist für das Geld in Ordnung. Standesgemäß klingen die Höhen am oberen Rand dessen, was man lautstärkemäßig ertragen kann, eine Idee zu blechern und schneidend. Aber in diese Preisklasse ist das guter Gaming- und Actionfilm-Sound, der den Anspruch, dass es klar und möglichst kräftig aus den Schallwandlern tönt, bestens erfüllt.

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Ohrpolster und Kopfband sind angenehm zu tragen.

Musik... nun. Abgesehen von gesangsarmen, bassigen Elektrostücken fühlt er sich hier nicht gerade zuhause. Er bekommt es tatsächlich hin - zumindest mit den Hybridpolstern - ein bisschen Stage aufzubauen. Die Stimmen klingen im Zentrum der Bühne aber immer etwas steril und gequetscht. Helle Drums, wie kleine Toms oder die Snare, wirken hier und da etwas pappig. Florence + The Machines Dog Days Are Over ist ein gutes Beispiel für den Effekt. Wiederum: Wenn Klarheit und Kraft eure Kriterien sind, bitte. Aber "natürlich" klingt anders. Wie gesagt: Elektro gelingt ihm ganz gut, weil er mit Bassmacht punkten kann, Metal tiefschwarzer Färbung eher weniger, Groove-Spielweisen wiederum ganz ok, während bei Pop wie gesagt die Stimmen zu verfremdet wirken. Aber dass ich diesen Absatz so kurz abreiße, lässt schon tief blicken: Es gibt weiß Gott Schlimmeres in diesem Segment. Aber hiermit würde ich nur im Notfall Musik hören.

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Der 7.1-Modus, den ich immer noch jedes zweite Mal an- oder ausschalte, wenn ich das Headset auf- oder absetze, weil der Knopf genau dort liegt, wo ich normalerweise anfasse, überzeugt mich ebenfalls nicht. Und hier beginnt dieser als Spezialist für Gaming- und Effektfilmangelegenheiten eigentlich ganz passable Hörer, auf die ungute Seite zu rutschen. Im Software-seitigen Surround-Betrieb wird die Stage ganz ordentlich aufgeblasen und einzelne Effekte rücken überwiegend in die richtige Entfernung, was der Ortung zu Gute kommt. Vieles, was in Nähe der Spielfigur geschieht, schallt aber diffus aus allen Richtungen auf euch ein. Besonders deutlich wird das bei Stimmen, die grundsätzlich einfach nur massiv mit Hall versehen werden, anstatt aus einem virtuellen Center-Lautsprecher zu kommen. In Stereo ist man mit diesem Kopfhörer deutlich besser dran.

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Es knarzt und knackt nichts. Schade, dass er mit Stimmen nie so recht warm wird.

Eine Einschränkung für Spieler, die hauptsächlich im Multiplayer unterwegs sind, muss ich zum Mikrofon loswerden. Das produziert ein Grundrauschen, das ich auch mit Pegelspielereien nie wegbekommen habe. Zudem wird die Stimme relativ dünn aufgezeichnet. Meine Teamspeak-Kollegen sprachen mich direkt an, was mit meinem Mikro los sei, und beschwerten sich über die übertrieben empfindlich aufgezeichneten Umgebungsgeräusche und Tastaturanschläge. Auch hier gilt: Es funktioniert und es gibt schlimmere Mikros in teureren und bessere in billigeren Headsets. Aber deutlich oberhalb von Telefonqualität dürfte es in diesem Segment schon sein.

Am Ende fällt es mir schwer, mir den User vorzustellen, dem ich das Fusion 300 uneingeschränkt empfehle. Es ist einfach kein Kopfhörer, dem alles gleich gut gelingt, was er sich vornimmt. Klar, der Bass gefällt und in Spielen macht er zumindest in Stereo eine gute Figur. Aber keine so gute, dass es die wechselhafte Performance bei der Wiedergabe gewisser Musik vergessen machte. Wer klanglich ohnehin nicht so anspruchsvoll ist, kommt unterdessen vielerorts deutlich günstiger weg (wenn's ASUS sein soll, in Form des Strix 2.0 oder des Cerberus) oder dürfte von Geräten wie dem HyperX Cloud 2 (günstiger) oder dem Lucid Sound LS30 (gleich teuer) positiv überrascht werden - darüber, was man doch so alles raushören kann, wenn man nur das richtige Headset auf den Ohren hat.

Entwickler/Publisher: ASUS - Kompatibel mit: PC, PS4, Xbox One und allen Geräten mit 3,5mm Klinke - Preis: ca. 135 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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