Winziger, extrem praktischer mobiler Hi-Res-DAC, groß im Klang mit nur wenigen Schwächen, ausgezeichnet verarbeitet und mit viel Zubehör.

Mobile DACs - vor ein paar Jahren wurde man noch in Hi-Fi-Fachgeschäften etwas fragend angeguckt, inzwischen gang und gäbe und sie haben sich auch den Realitäten gut angepasst. Nur weil Handys keinen Klinkenausgang mehr haben und das auch noch als en vogue gilt, dachte ich schon, dass das Ende des guten Musikhörens auf dem Handy nah sei. Aber weit gefehlt, warum die Musik im Handy wandeln und mit einem Akku-beschwerten DAC-Verstärker dann retten, was zu retten ist, wenn man per USB oder auch Apples Donner-und-Blitz einfach das digitale Signal zusammen mit genug Strom in einen Mini-Verstärker schicken kann. Zum Beispiel den Ultrasone Naos, erhältlich für um die 160 Euro.

Wenn man die Packung sieht und öffnet, schaut das alles erst mal nicht so sehr nach 150 Euro aus, dann wiederum ist das im Higher-end des Klangs ja auch kein echter Preis. Nur im richtigen Leben. Immerhin, aus der stabilen Box fällt nicht nur der wenige Gramm schwere Naos, so der Name des Mini-DACs, sondern auch eine kleine Hülle, die genug Platz für nicht weniger als vier Kabel bietet: Das Micro-USB-Ende geht immer in den Naos, auf der anderen Seite habt ihr dann USB, USB-C, Micro-USB und Apples Lightning. Damit müsste der Naos eigentlich an jedem mobilen und auch sonstigen Gerät auf die eine oder andere Weise Anschluss finden. Was ihr nicht habt, ist ein analoger Eingang, ihr könnt also nicht von der Klinke eures Gerätes aus in den Naos gehen. Logisch, denn DAC heißt Digital-Analog-Converter, ein digitales Signal soll also gewandelt werden.

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Wiegt nichts, kann viel.

Der Naos ist sowas wie das Ultimative in Sachen Mobilität. Es gibt auch eine Reihe anderer Winzlinge, aber selbst Zwerge wie der Apogee Groove sind ein paar Gramm schwerer als die lächerlichen 6 Gramm des Naos. Wer sonst Akku-getriebene DACs wie die FiiOs gewöhnt ist, landet hier in einer anderen Welt der Portabilität, denn ganz ehrlich, wenn der Naos zwischen Handy und Kopfhörer hängt, merkt ihr nichts davon. Außer er bleibt an der Hosentasche hängen, wenn ihr das Handy einsteckt, aber daran gewöhnt man sich auch.

Natürlich ist eine der ersten Fragen, die sich stellt, der Stromverbrauch. Der Naos hat keinen eigenen Akku, bei 6 Gramm Gewicht kein Wunder. Also muss er den Strom des Players nutzen, der über den USB-Port kommt. Es ist nicht einfach zu sagen, wieviel Strom er jetzt genau frisst, das hängt natürlich immer von der Lautstärke, der Ohm-Zahl der Kopfhörer und sogar ein ganz klein wenig der Art der Musik und Qualität der Aufnahme ab. Um zu sehen, ob es relevant ist, habe ich mein Sony ZX Premium zwei Durchgänge jeweils sechs Stunden laufen lassen, einmal mit dem Naos, einmal habe ich die Ultrasone Performance 880 direkt an die Klinke angeschlossen. Mit ausgeschaltetem Netzwerk und Spotify als einzig laufender App lief Kotos "Dragon's Legend" auf Dauerschleife. Am Ende waren es dann ungefähr fünf bis zehn Prozent weniger Laufzeit bei voller Ladung bei dem 3300 mAh-Akku, wenn der Naos dran war. Also ja, er zieht, aber er zieht nicht relevant viel. Wenn ihr wisst, dass die letzten fünf Prozent laufen, dann würde ich ihn nicht nutzen, aber sonst dürfte es im realen Leben seltener eine echte Rolle spielen.

Äußerlich bin ich beim Naos sehr zwiegespalten. Fangen wir mit dem Wichtigen an: Die Verarbeitung wirkt sehr solide. Ihr habt eine sehr stabile Aluminium-Hülle, die die Innereien zuverlässig schützt. Hochwissenschaftliche Drucktests unterhalb eines Stuhlbeins verliefen äußerst zufriedenstellend, ihr müsst unterwegs keine Sorge haben, dass dem Naos was passiert. Eher passiert euch was, aber wenn ja, dann könnt ihr beruhigt als letzten Gedanken haben, dass wenigstens euer DAC euch überleben wird. Zu morbide? Hey, es ist Weihnachten, da darf man das, um den Marzipan-Zucker-Schock ein wenig zu kontern. Was dagegen richtig hässlich ist, ist das Design. Nein, nicht die Form des funktionalen Zylinders. All der Schmu, der vorn und hinten draufgedruckt wurde. Das kann man auch schicker und vor allem dezenter machen. Abkratzen ohne viele unbeabsichtigte Macken zu fabrizieren, scheint auch nicht möglich. Zumindest weiß jeder genau, was da an euch herumbammelt, denn "Hi-Res DAC 192KHz/24bit" steht ja neben anderen Dingen groß genug drauf.

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Aufmachen ging leider nicht - zumindest nicht, ohne das Muster zu zerstören. Es wäre auch nicht einfach gewesen, der kleine Stick ist ausgesprochen hochwertig verarbeitet.

Was es nicht gibt, sind Tasten. Die meisten Konkurrenten haben zumindest eine Laustärkeregelung, hier steuert ihr mit dem Player die Eingangsleistung. Das ist Hi-Fi-technisch der Legende nach nicht ideal, es ist besser am Verstärker die Leistung zu regulieren. In der Realität ist mir kein klanglicher Nachteil daraus erwachsen und praktischer ist es eh, nur an einer Stelle mit der Lautstärke herumzuspielen. So wie es unpraktischer ist, unter Umständen erst das Handy aus der Tasche holen zu müssen, um das zu tun. Andererseits hätten die Tasten das Gerät wieder komplexer und schwerer gemacht. Ist halt immer eine Abwägung, ich denke, dass ich ohne Tasten genauso gut mit dem Naos leben kann, als wenn er welche hätte.

Was ist drin in dem guten Stück, welcher Chip werkelt da? Dies wäre ein AKM 4432, ein 2-Kanal-32-Bit-DAC-Chip mit einem 192-kHz-PCM-Eingang, dessen vornehmliche Eigenschaft es ist, mit wenig Strom über die Runden zu kommen. Das und sehr solide Werte in Sachen Wandlungsleistung, die sich beim Naos wie folgt äußern: Frequenz reicht von 10 Hz bis 30 kHz, Signal-to-Noise 110 dB, 200 mW bei 5 Volt Eingang und 16 Ohm Hörern, 100 mW mit 32 Ohm Widerstand, Ausgangs-Impedanz 0,73 Ohm. Mit diesen Daten können natürlich 16 und auch 32 Ohm Hörer bis zum Anschlag und darüber hinaus bedient werden, Ultrasone gibt bis 300 Ohm an, bis 250 Ohm hatte ich keine Probleme, genug Leistung zu bekommen, die 600 Ohm blieben zu leise, als dass es sinnvoll gewesen wäre. Aber immerhin hörte man sie, im Gegensatz zum Direktanschluss an das Handy.

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Vollständig: Alle möglichen Kabel-Kombinationen werden mitgeliefert und passen zusammen mit dem Naos in die winzige Tasche.

Als Testgeräte habe ich eine Handvoll Handys, drei Computer und diverse Kopfhörer benutzt, auch zwei von Ultrasone. Die verschiedenen Quellen - eigentlich reicht eine, Hauptsache sie ist in der Lage, 192/24 zu liefern - probierte ich durch, da ich ein, zwei Stimmen fand, die über ein Grundrauschen beim Naos klagten. Ich will nicht ausschließen, dass es Konstellationen gibt, wo das auftritt, aber ich denke nicht, dass der Naos damit was zu tun hat. Jedenfalls bekam ich keine Version hin, in der das der Fall war, wenn Ruhe sein sollte, dann war auch Ruhe, selbst bei maximal aufgedrehter Lautstärke.

Werte sind nichts, Grundrauschen nicht da, wie klingt der Naos: Erst mal hat er einen ganz ordentlichen Punch für etwas, das nichts wiegt. Wenn ihr einfach nur das Problem habt, dass euch eure Kopfhörer an Laptop oder Handy zu leise sind, ist das hier schon mal eine mögliche Lösung. Bei 16 / 32 Ohm Hörern geht es bis weit über jede Form von "angenehm" oder "gesundheitlich unbedenklich" hinaus, aber auch 250 Ohm konnten noch zu meiner Zufriedenheit befeuert werden und ich höre gerne schon mal (zu) laut. Als Verstärker ist der Naos schon mal absolut geeignet.

Was die Qualität der Wandlung angeht, sei eines vorweg geschickt: Ich habe schon Leute getroffen, die einen 200-Euro-FiiO an die beim mitgelieferten Handy-Kopfhörer anschlossen und sich dann beschwerten, dass es zwar laut wurde, aber immer noch nicht besser klang. Jeder Kopfhörerverstärker ist nur so gut wie die Kopfhörer daran. Daran wird auch die beste Wandlung nichts ändern. Gleichzeitig wird es mit dem Naos nicht unbedingt besser werden, wenn ihr ihn an einen eh schon hochwertigen Player anschließt. Natürlich kann der Naos zum Beispiel an einem Pioneer XDP-300R gegen dessen Sabre-DACS nicht so viel "verbessern", außer diese Klang"veränderung" ist dann genau das, was ihr gesucht habt. Ist nicht ausgeschlossen, aber meist eher nicht. Nur so als Hinweis und hauptsächlich, weil ich schon Sachen gesehen habe, die glaubt kein Mensch.

Der Ultrasone Naos bekommt es gut hin, die ursprünglichen Charakteristika des jeweiligen Kopfhörers zu bewahren und zu unterstützen. Die geschlossenen Beyerdynamic DT 770 behielten ihre Wucht einer akustischen Druckkammer, profitierten im Gegensatz zum Direktanschluss aber von mehr Dynamik in den Abstufungen, ohne dass viel künstliche Stage dazukommen würde. Den Ultrasone Pro 780i dagegen, die mit einem eigenen System - S-Logic, Test zu dem Kopfhörer hier - diese Stage erzeugt, scheint diese Aufgabe nun leichter zu fallen, ohne dass es dabei zu mehr diffusen Stereo-Verirrungen käme. Im Gegenteil, diese kleine Schwäche der Hörer im Rock-Bereich konnte der Naos ein wenig kompensieren, indem die zusätzliche Brillanz und Dynamik die teilweise etwas zu gestreute Räumlichkeit besser auf die Spur brachten. Wo der Hörer zuvor bei Metallicas Eye of the Beholder von ...And Justice for All alles ein wenig in den imaginären Saal streute, wirkt der Naos als Bühnentechniker, der den Sound nicht schmaler wirken lässt, indem er zu punktuell wird, sondern lässt euch diese Live-Version als glücklicher Konzertbesucher genießen, wie sie gedacht ist.

Bei anderen Genres schlug sich der Ultrasone PRO 780i zwar eh weit besser, aber auch hier ist der Unterschied zwischen direktem Anschluss und mit einem Naos dazwischen weit mehr als nur die höhere mögliche Lautstärke. Nehmt zum Beispiel Nightcrawlers "Hologram City" - von dem Album mit dem legendären Namen "Jägermeister Galaxy Hunter" - und ihr habt die schon zuvor kräftigen Beats mit den elegant vorgetragenen Höhen in einer etwas voluminöseren Form. Wirkte der Bass zuvor noch etwas zu weit gestreut - sehr relativ gesprochen -, kommt er nun präzise und mit dem zusätzlichen Maß an Dynamik, die mehr aus den Hörern herausholen. Das zeigt auch schön, dass ein Gewinn bei Tracks entsteht, die nicht in 192/24 daherkommen. Ist das der Fall, wie zum Beispiel im 2015er Remaster von Basil Pouledoris legendärem Conan: The Barbarian, dann lebt der alte RPG-Gossenhauer "Theology - Civilization" gleich in frischer Brillanz auf.

Die limitierende Marke für sehr hochwertige Kopfhörer ist dann der Frequenzbereich von 10Hz-30kHz. Oben und unten geht schon noch ein wenig mehr - nicht, dass ich es wirklich hören würde, aber Einbildung ist auch Bildung und ein Faktor in der Hi-fi-Religion -, die Dynamik dazwischen kann sich aber beim Naos sehen lassen. Ausgehend von den verschiedenen Hörern würde ich sagen, dass er eine recht sauber verlaufende Kurve ausgibt, wobei der Oberbassbereich im Vergleich zum Mittelbass ein wenig mehr Power gebrauchen könnte und die Kurve am anderen Ende etwas zu weit nach oben schießt. Gerade bei hohen Lautstärken kommen die oberen Höhen etwas zu sehr durch. Dies merkt man natürlich bei Chiptunes sehr schön, wenn sie euch wie zum Beispiel Allister Brimbles Amiga-Techno-Epos "Project X" diese wunderbaren Früh-90s-Highnotes um die Ohren hauen, ohne im unteren Frequenzbereich dem viel entgegenzusetzen. Oder etwas seriöser, nehmt Geinoh Yamashirogumis Epos des fast schon Surrealen "Tetsuo" aus dem Akira-Soundtrack und auch mit 192/24-Material merkt ihr diese etwas zu großzügige Betonung dieses oberen Bereichs. Trotzdem, insgesamt eine sehr solide Hi-fi-Kurve, die keinen der Frequenzbereiche sträflich zu kurz kommen lassen würde.

Natürlich könnt ihr den Naos auch für Film und Spiel nutzen und auch hier zeigen sich die Eigenschaften starker Bässe und eines irgendwann etwas zu dominanten Ober-Hoch-Bereichs, aber auch, dass die Mitten nicht vergessen wurden. Die Sprachverständlichkeit wird mit dem Naos etwas verbessert und ihr habt eine sehr gut definierte Center-Aussteuerung, wenn denn der Kopfhörer dazu passt - also vor allem keine Beats, bitte. Die Ortbarkeit von Surround-Sound in Spielen verbessert der Naos jetzt nicht, zumindest wäre mir das weder bei GTA V noch Call of Duty: Infinite Warfare oder Assassin's Creed: Origins aufgefallen. Wenn der Kopfhörer in diesem Falle eh schon gut war und eine gute Stage hat, dann bringt es nicht viel, den Naos zu nutzen. Das gilt natürlich nur, wenn euer PC sonst eine vernünftige Soundkarte drin hat, wenn nicht, am Laptop zum Beispiel, ist der Naos auf jeden Fall ein großer klanglicher Gewinn. An Konsolen hatte ich leider keine Erfolge, weder die PS4 noch die Xbox hat ihn über USB als Soundausgabegerät erkannt, was natürlich schade ist, denn an ein Pad kann er ja auch nicht ran. Das sei nur erwähnt, um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, dafür wurde der Naos auch in keiner Weise angedacht. Aber wer am Laptop Filme mit mehr Kraft und guter Verständlichkeit hören möchte und Owlboy und Stardew Valley in feinstem Hi-fi genießen möchte, kann das mit dem Naos wunderbar tun.

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Apogee Groove: Sexy, aber teuer und etwas unhandlicher.

Was es noch gibt: Mobile DACs gibt es nicht zu wenige, aber so kleine, vor allem leichte mit Hi-Res-Ambitionen dann doch nicht. Den Apogee Groove habe ich schon erwähnt und er ist klanglich in jedem Punkt dem Naos überlegen. Was auch kein Wunder ist, kostet er doch mal eben 350 Euro und ist auch etwas größer und schwerer. Der FiiO K1 ist zwar für seine nicht mal 50 Euro super, aber klanglich dann doch keine Konkurrenz für den Naos.

In der Preisklasse bis 100 Euro gibt es dann eine Reihe von China-Modellen auf Amazon und Co., teilweise mit Sabre-DACs, aber nach drei bestellten und wegen abartigen Grundrauschens wieder zurückgeschickten Modellen würde ich davon eher abraten. Mit Akku und einem Gewicht zwischen 50 Gramm - Beyerdynamic A 200 p - über 75 Gramm - FiiO E10K - bis zu 250-Gramm-Giganten wie dem Phil Jones BigHead gibt es dann alles Mögliche.

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Ultrasone Naos

Der Ultrasone Naos ist eine ideale Lösung für das Problem etwas zu schwachbrüstiger Player wie eben so ziemlich jedem Handy auf dem Markt und klanglicher Schwächen besagter Player - wiederum, praktisch jedes Handy auf dem Markt. Ihr merkt beim Tragen kaum, dass da ein paar Gramm extra hängen, der Naos ist kompatibel zu praktisch allem, liefert sogar die passenden Kabel für so gut wie alle Eventualitäten mit, hat genug Wumms im Lautstärkedepartement und klanglich bringt er euch mit vernünftigen Kopfhörern ein gutes Stück weiter. Und zu dem Preis, muss ich ehrlich sagen, ist das ziemlich einzigartig.

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Obwohl die Konkurrenz ihre Akkus in den mobilen DACs teilweise beeindruckend verkleinerte, bringen sie immer noch das Zehnfache des Naos auf die Waage, ohne jetzt klanglich so viel mehr zu bieten zu haben. Okay, noch mehr Lautstärke, aber ganz realistisch werden die meisten mobil wohl Kopfhörer unterhalb von 100 Ohm nutzen und keinen Bedarf für 600 Ohm-Power haben. Was die klanglichen Schwächen angeht, die leichte Dominanz von Oberbass und -höhen, das lässt sich abgewogen gegen die Vorteile leicht vergessen. Das Ding ist einfach irre praktisch und ich möchte es nicht mehr missen.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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