Gelungene Umsetzung des Space Shooters. Lässt sich auf der Switch unterwegs gut spielen, reicht aber nicht an die alten PC-Klassiker heran.

Was ist mit den guten, alten Space Operas passiert? Spiele wie Freespace, Colony Wars oder Starlancer flimmern heute viel zu selten über die Bildschirme. Wer gerne solche Titel spielt, ist froh über jedes Spiel, das sich diesem Genre annimmt, zum Beispiel Manticore: Galaxy on Fire. Die auf Mobilgeräten etablierte Reihe hat einige Jahre auf dem Buckel und mit dem neuesten Teil feiert sie ihr Debüt auf der Switch.

Ich ging mit gemischten Gefühlen an die Sache ran. Vor sechs Jahren spielte ich Galaxy on Fire 2 HD auf dem PC und war davon alles andere als angetan. Die Kämpfe ließen Dynamik vermissen, das Weltraumgeballer erzeugte keinerlei Faszination in mir. Davon ist Manticore: Galaxy on Fire zum Glück Lichtjahre entfernt.

So weit, so gut. Manticore ist auf jeden Fall ein kurzweiliges Spiel, das Spaß macht. Gleichzeitig merkt man ihm an, dass es dafür konzipiert ist, unterwegs gespielt zu werden. Von langen, ausufernden Missionen wie in den anfangs genannten Titeln seht ihr nicht viel. In den meisten Fällen sind die Einsätze in rund zehn bis 15 Minuten abgehakt, perfekt für den Weg zur Arbeit oder wohin ihr sonst so unterwegs sein mögt.

Klassiker: Alles, was rot markiert ist, ist böse. Feuer frei.

Diese Schnelllebigkeit resultiert darin, dass der Ablauf in gefühlt 80 Prozent der Missionen ähnlich ist. Ihr ballert zuerst ein paar normale Feinde, die mit unterschiedlichen Schiffstypen und Fähigkeiten ausgestattet sind, zu Altmetall, bevor sich ein Piraten-Bossgegner zeigt. So arbeitet ihr euch durch drei längere Akte, bis insgesamt einige Stunden an Spielzeit zusammenkommen. Für Auflockerung sorgen Eskorten, Checkpoint-Rennen und vergleichbare Aufträge. Von einer epischen Geschichte mit charismatischen, einprägsamen Gegenspielern ist hier wenig zu sehen. Mir fehlen die Wendungen, innerhalb von Missionen stattfindende, überraschende Entwicklungen.

Es macht nichtsdesotrotz Spaß, sich durch den Weltraum zu schießen. Das Spielgefühl ist gut gelungen, Manticore flutscht mit 60 FPS über den Bildschirm. Und trotzdem stellt sich ab einem gewissen Punkt dieses repetitive Gefühl ein. Mehr als vier, fünf Missionen schaffe ich nicht, bevor ich mich einer anderen Sache widme, weil mir das Geschehen zu eintönig wird.

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Eine gelegentliche Eskorte darf nicht fehlen.

Wer gerne sucht, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Nach jeder Mission habt ihr die Gelegenheit, den jeweiligen Bereich gründlich abzugrasen. Eine kleine Drohne hilft euch dabei und gibt grob die Richtung vor, indem sie euch interessante Objekte in der Nähe anzeigt. Alles zu finden, dauert zum Teil an die 20 Minuten. Ihr fliegt in der Zeit überwiegend im Kreis und sucht den Sektor ab, was wenig spannend ist. Als Belohnung erhaltet ihr neben Kodexeinträgen mit mehr Hintergrundinfos noch Schiffsteile, mit denen sich weitere Raumschiffstypen freischalten lassen. Einige bekommt ihr ausschließlich auf diese Art, andere gibt euch das Spiel einfach so. Sie verfügen über unterschiedliche Werte für Hülle, Schilde oder Energie. Die einen sind schwerer gepanzert, die anderen dafür wendiger. Ebenso habt ihr die Möglichkeit, sie sowie die einzelnen Waffen aufzurüsten. Die dafür nötigen Teile erhaltet ihr durch den Abschluss von Missionen. Da die Bossgegner über individuelle Schwächen verfügen, lohnt es sich, euer Schiff darauf abzustimmen.

Die Umsetzung von den Mobilgeräten auf die Switch ist den Entwicklern gut gelungen. Die Schiffe steuern sich mit dem linken Stick präzise durch den Weltraum. Der rechte Stick dient dazu, zu beschleunigen, abzubremsen und eine Ausweichrolle nach links oder rechts durchzuführen. Damit weicht ihr feindlichem Geschützfeuer und Raketen aus. Ihr feuert mit den Triggern (rechts die Kanone, links die Raketen) und die Buttons schalten zwischen Primär- und Sekundärwaffe um.

Weiterhin lassen sich mit ihnen verschiedene - wie viele, hängt vom gewählten Schiff ab - Spezialfähigkeiten aktivieren, zum Beispiel eine Tarnvorrichtung oder ein elektromagnetischer Impuls. Eine Überhitzung der Waffen gibt es nicht, die Spezialfähigkeiten haben einen Cooldown und nur die Raketen sind begrenzt. Das ist im Grunde alles, was ihr wissen müsst.

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Dem Fotomodus hätten ein paar Spielereien nicht geschadet.

Manticore passt von seinem Konzept her gut auf die Switch. Saubere Arbeit leistete das Entwicklerteam ebenfalls im Hinblick auf die Technik. 60 Bilder pro Sekunde erwähnte ich vor einigen Absätzen und dazu sieht das Spiel ganz ansehnlich aus. Ein Fotomodus ist über das Pause-Menü aufrufbar, mehr als rein- und rauszoomen oder die Kamera drehen lässt sich hier leider nicht. Verschiedene Effekte oder sonstige Spielereien sucht ihr vergebens.

Was die grafische, soundtechnische und musikalische Umsetzung betrifft, habe ich wenig zu bemängeln. Sieht gut aus und klingt gut, was möchte man mehr? Die Waffengeräusche vermittelt das Spiel gut über die Lautsprecher, die Explosionen schwächeln ein bisschen. Hier steht nach wie vor Wing Commander Prophecy mit seinen wuchtigen Explosionen - ja, ich weiß, dass im realen Weltraum nichts zu hören ist - ganz oben.

Verschiedene Schiffe lassen sich freischalten und verbessern.

Die KI der Gegner ist der in Galaxy on Fire 2 HD zwar deutlich voraus, von regelmäßigen Aussetzern ist sie nicht befreit. Darunter ist nichts Dramatisches. In bestimmten Situationen seht ihr, wie ein Feind kurzerhand eine Raumstation oder einen Asteroiden rammt. Das passiert eher in Bereichen, die mit Objekten vollgepackt sind. Sieht unschön aus und verleitet euch unter Umständen dazu, ebenfalls gegen eine Mauer zu fliegen, ist aber kein Game Breaker. Und ihr explodiert bei einer Kollision nicht sofort, also alles halb so schlimm.

Manticore: Galaxy on Fire ist das deutlich bessere Spiel im Vergleich zum alten Galaxy on Fire 2 HD. Ist aber kein großes Kunststück. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Manticore macht Spaß, ist kurzweilig und bringt in Ansätzen das rüber, was früher die großen PC-Titel ausgemacht hat. In Ansätzen, weil die Missionen auf schnelles Spielen für unterwegs ausgelegt sind und die Geschichte nicht diese epischen Momente bietet wie die Klassiker. Es plätschert vor sich hin und ich nehme einen Piratenboss nach dem anderen hoch. Spannung geht für mich anders und mehr Abwechslung, mehr Überraschungen hätten den Missionen gut getan. Zusammengefasst: Ein gut spielbarer und wunderbar auf die Switch übertragener Space Shooter mit solider Geschichte für den schnellen Spaß zwischendurch.

Entwickler/Publisher: Deep Silver Fishlabs/Deep Silver - Erscheint für: Switch, Mobile - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: englische Sprachausgabe, deutsche Texte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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