Gelungene Umsetzung der Unglaublichen in gewohnt guter, humorvoller Lego-Qualität, aber mit ein paar merkwürdigen Design-Entscheidungen.

Spielt ihr mit dem Gedanken, euch Lego Die Unglaublichen zu kaufen, steht ihr vor einem bizarren Problem. Ausschlaggebend dafür sind zwei Gründe. Der eine ist, dass Die Unglaublichen 2 in den deutschen Kinos erst im September startet. Heißt: Spoilergefahr. Da denkt ihr euch jetzt bestimmt, "hey, kein Problem, ich spiele es zur Hälfte durch. Mit dem Rest warte ich, bis ich den Film gesehen habe". Klingt logisch und nachvollziehbar. Aufgrund einer interessanten bis merkwürdigen Designentscheidung von TT Games ist das keine Option. Denn: Zuerst absolviert ihr in der Story des Spiels die Level, die auf dem zweiten Kinofilm basieren.

Erst danach kommen die Missionen dran, die dem ersten Abenteuer der Unglaublichen entnommen sind. Streicht diesen Plan direkt aus euren Gedanken. Ebenso merkwürdig ist, dass durch diese chronologische Anordnung die Entwicklung der Familie Parr und ihrer Kräfte im ersten Film keine Überraschung mehr ist. Zum Beispiel seht ihr erst zum Ende von Die Unglaublichen, dass Jack-Jack Superkräfte hat. Im Spiel setzt das Kleinkind diese von Beginn an ein, dieser überraschende Moment ist somit später keiner mehr.

Hinzu kommen Inkonsistenzen hinsichtlich der Übertragung der Geschichte ins Spiel. Mr. Incredible sagt zu IncrediBoy nach wie vor, dass er seine Hilfe nicht benötigt. Im Film führt die Zurückweisung dazu, dass er sich in den Schurken Syndrome verwandelt. Im Spiel arbeiten beide anschließend für einen kompletten Level zusammen. Und während sich Mr. Incredible im Film hinter Gazerbeams Leiche versteckt, ist dieser im Spiel quicklebendig und absolviert die Mission gemeinsam mit Bob.

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In der Stadt gibt es weniger zu tun als in anderen Lego-Spielen. (Lego Die Unglaublichen - Test)

Warum TT Games diese Änderungen vornahm und warum erst der zweite vor dem ersten Film zu absolvieren ist, bleibt ein Rätsel. Lego Die Unglaublichen passt ansonsten in die aktuelle Superhelden- und -schurken-Phase des Entwicklerstudios. 2017 erschien Lego Marvel Super Heroes 2, in diesem Jahr folgt Lego DC Super Villains. Und den Platz dazwischen füllen Disneys und Pixars Helden ganz gut aus.

Dass die Lego-Spiele seit ihrem Debüt vor vielen Jahren keine massiven Änderungen erfahren haben, ändert sich auch hier nicht. Lego Die Unglaublichen ist eines der kleineren Lego-Spiele. Vergleichbar ist es mit dem Spiel zum Lego-Kinofilm, dessen Umfang geringer ausfiel als bei anderen Teilen der Reihe. Die Welt der Unglaublichen ist nicht annähernd so groß und ausufernd wie zum Beispiel New York im ersten Lego Marvel Super Heroes. Ein Ansatz, der nicht so verkehrt ist. Die Idee kleinerer Spiele zwischen größeren Titeln gefällt mir. Lego Die Unglaublichen liegt inhaltlich zwischen einem Story-Paket für Lego Dimensions und einem Lego Star Wars, Lego Marvel oder Lego Herr der Ringe. Was Sinn macht, die Fanbasis ist nicht so groß wie bei den genannten Marken.

Mr. Incredible trägt unter anderem schwere Objekte durch die Gegend. (Lego Die Unglaublichen - Test)

Im Großen und Ganzen ist der Ablauf klar: Zuerst absolviert ihr all die Story-Missionen und schaltet so die Level für das freie Spiel frei. Anschließend habt ihr die Möglichkeit, all das einzusammeln, was noch im Spiel steckt. Rote Steine, goldene Steine, dutzende Charaktere mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und einiges mehr. Letztere benötigt ihr, um jedes noch so kleine Sammelobjekt im Spiel zu erreichen und einzusacken. Durch seine Kraft ist es Mr. Incredible zum Beispiel möglich, schwere Dinge anzuheben oder Wände durchbrechen, während Elastigirl flexibel ist und zahlreiche Formen annimmt. Es gibt wenig an Kräften, was nicht in anderen Superheldenspielen zu sehen war, hier eben auf die Unglaublichen-Art.

Neben den Story-Missionen erwartet euch eine im Vergleich überschaubare Welt mit weiteren Aktivitäten. Dazu zählen Rennen, Verbrechenswellen und kleinere kriminelle Machenschaften, die ihr als Superheld unterbindet. Mit allem Drum und Dran, bis ihr alles freigeschaltet habt, seid ihr eine gute Weile beschäftigt. Wenn euch die größeren Titel der Batman-, Marvel- oder Star-Wars-Reihen bis an die 40 Stunden beschäftigen, sind es in Lego Die Unglaublichen am Ende zirka 20, analog zum Lego Movie Videogame.

Die verschiedenen Superkräfte der Charaktere kommen regelmäßig zum Einsatz. (Lego Die Unglaublichen - Test)

Wäre ich faul, hätte ich einfach den Satz "Ist halt ein Lego-Spiel" geschrieben und es dabei belassen. Er erklärt kurz und knapp, was euch erwartet. Ein Spiel nach bekannter Lego-Formel mit mal kleineren, mal größeren Anpassungen hinsichtlich der verwendeten Lizenz. All das resultiert in einer gelungenen Umsetzung der Unglaublichen. Dem Spiel merkt ihr die liebevolle, detailversessene Beschäftigung mit dem Ausgangsmaterial direkt an. Dazu tragen die Originalmusik und die passenden Synchronsprecher ihren Teil bei.

TT Games' Engine zeigt mittlerweile an verschiedenen Stellen Alterserscheinungen. Optisch gibt es bei Texturen und Effekten Höhen und Tiefen. Es wäre an der Zeit für eine erneute, umfassende Überarbeitung des technischen Grundgerüsts. Ernsthafte Probleme hat das Spiel nicht, nur die üblichen Kleinigkeiten wie eine mitunter merkwürdige Kamera oder in bestimmten Situationen versagende KI. Nichts Dramatisches, was euch in Rage versetzt. An vereinzelten Stellen ist nötig, ein wenig nachzuhelfen. Übrigens: Gemeinsam spielt ihr ausschließlich vor einem Bildschirm. Einen Online-Modus gibt es nicht.

Gehirnwäsche per Bildschirm. (Lego Die Unglaublichen - Test)

Trotz der Merkwürdigkeiten im Hinblick auf die Umsetzung mancher Stellen der Filmgeschichte und der chronologischen Reihenfolge der Story-Missionen bereitet mir auch Lego Die Unglaublichen einmal mehr Freude. Ich glaube nicht, dass die Reihe mich jemals übersättigt oder langweilt. Ihr bekommt hier überwiegend eine gewohnt detaillierte, liebevolle Umsetzung des Ursprungsmaterials in der für Lego-Spiele typischen Qualität mitsamt eines familienfreundlichen, auf Humor getrimmten Spielablaufs. Klar, manche Gags ergeben nur dann Sinn, wenn ihr den beziehungsweise die Filme kennt, was aber für die Lego-Titel nichts Neues ist. Primär spricht Lego Die Unglaublichen die Fans an, alle anderen und vor allem Koop-Interessierte machen damit ebenso wenig falsch.

Entwickler/Publisher: TT Games/Warner - Erscheint für:PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 40 bis 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One, PS4 - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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