Schnell und unkompliziert zu spielen und mit ein paar erinnerungswürdigen Momenten. Verliert sich aber alsbald in Wiederholungen.

Mein kleiner Raumjäger fliegt auf den feindlichen Dreadnought in meinem Fadenkreuz zu. Je näher ich komme, desto mehr von meinem Sichtfeld nimmt er ein. Sobald ich eine bestimmte Distanz erreiche, spuckt er mir erste Jäger entgegen. Deren Aufgabe besteht darin, mich von ihm fernzuhalten. Ich verwandle einen nach dem anderen in Weltraumschrott, nehme mir dann die Geschütze des Großkampfschiffes vor und befasse mich dazwischen mit immer mehr Gruppen von Angreifern. Habe ich genug Schaden angerichtet, jagt mir das riesige Schiff aus seinem "Maul" Raketen entgegen. Ich weiche aus, zerlege den Raketenwerfer in seine Einzelteile und rase ins Innere des Ziels. Ich fühle mich ein wenig wie Lando Calrissian, als er den Rasenden Falken während der Schlacht um Endor in den Todesstern lenkt. Langsamer als im Film, was das Umfliegen der Laserfallen zu keinem großen Problem macht. Am Ende des Schachts gelange ich zum Kern des Schiffs, jage ihn in die Luft und verschwinde, bevor der Koloss in einer gleißenden Explosion verglüht.

Ein Kinderspiel. Mehr oder weniger. Das beim ersten Angriff auf einen Dreadnought zu erleben, ist eine nette Erfahrung. Und zugleich eine, die sich im Spielverlauf mehrmals wiederholt. Es ist ein Problem, mit dem Starlink: Battle for Atlas durchgehend zu kämpfen hat. Die Dreadnoughts gehören zur Legion, einer außerirdischen Rasse, die über das Atlas-System herfällt und es für ihre Zwecke transformieren möchte. Dazu nutzen sie Extraktoren auf Planetenoberflächen. Zerstört ihr diese, schwächt ihr damit einen Prime. Einen größeren Gegner, der über die Welten wandert. Und eliminiert ihr den Prime, schwächt ihr den damit verbundenen Dreadnought.

Wenn ihr es euch leicht machen möchtet, tut ihr das. Ansonsten sind die Aufgaben schwieriger. Und dabei kommen die sich wiederholenden Elemente zum Tragen. Stück für Stück befreit ihr die Planeten im Atlas-System, errichtet eigene Anlagen und stärkt eure Starlink-Initiative. Mit eurem Mutterschiff, der Equinox, unterstützt ihr die hier lebenden Spezies. Es ist die bekannte Ubisoft-Formel, diesmal im Weltraum. Ihr habt eine Hauptkampagne, der ihr folgt. Und auf dem Weg zum Ziel gibt es zahlreiche Dinge zu erledigen, wenn ihr denn möchtet. Errichtet Außenposten. Sammelt Rohstoffe. Sammelt und erkundet alles auf einem Planeten.

Ohne Ladezeiten fliegt ihr durch den Weltraum von einem Planeten zum anderen. (Starlink: Battle for Atlas - Test)

Hinter all dem steckt ein Toys-to-life-System à la Lego Dimensions oder Disney Infinity. Es gibt unterschiedliche Raumschiffe, Piloten und Waffen. Mit einem Aufsatz befestigt ihr diese Modellschiffe und -piloten an eurem Controller und natürlich gibt es Unterschiede zwischen ihnen. Jeder Pilot hat seine individuellen Fähigkeiten, die Raumschiffe unterschiedliche Werte für Handling oder Verteidigung. Herzstück dieses Aspekts ist die Anpassung der Schiffe mit Modifikationen, die ihr im Spiel zuhauf findet. Die stärken dann eure Waffen oder Schiffswerte. Switch-exklusiv gibt es im Übrigen einen Arwing mit samt Fox McCloud als Pilot und speziellen Missionen. Und eine Fassrolle ist natürlich wie mit allen anderen Raumschiffen möglich.

Die Geschichte des Spiels entspricht dabei dem, was zu erwarten ist. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Helden lehnt sich gegen das Böse auf. Mehr braucht ihr dazu nicht zu wissen. Es fehlt das Besondere, das alles weniger generisch wirken lässt. Das gilt gleichermaßen für die Story wie für die Spielsysteme. Schnell kennt ihr die Abläufe bei der Bekämpfung von Extraktoren, Primes und Dreadnoughts, es folgt nichts Neues mehr. Wenn es wenigstens von Planet zu Planet Unterschiede beim Vorgehen gäbe. Im Grunde tauschen die Entwickler die Oberflächen aus, die Ziele bleiben identisch. Ihr drängt die Legion auf die gleiche Art und Weise zurück, wie ihr es auf den fünf Planeten zuvor getan habt.

Die Kämpfe sind schnell und unkompliziert. (Starlink: Battle for Atlas - Test)

Und trotz all seiner Wiederholungen und immer gleichen Prozesse hat Starlink etwas, das mich anspricht. Es ist diese Schnelligkeit und Zugänglichkeit. Habe ich im Moment nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit? Kein Problem, schnell das Spiel gestartet und ich erziele ein paar nützliche Fortschritte. Alles geht fließend ineinander über. Es gibt keine Ladezeiten. Ihr gleitet und fliegt über Planetenoberflächen, hebt dann in den Weltraum ab. Dort reist ihr per Hyperantrieb oder Schnellreise zur nächsten Welt und dringt mit einem orange-roten Glühen in die Atmosphäre ein und macht einfach weiter, wo ihr woanders aufgehört habt.

All das funktioniert, es ist unkompliziert und leicht einprägsam. Starlink hält sich nicht mit komplizierten Sachverhalten auf. Es lässt euch spielen, die farbenfrohen Welten nach Lust und Laune erkunden. Die Kämpfe machen Spaß und das Sammeln von Modifikationen zur stetigen Verbesserung eures Raumschiffs ebenso. Echter Frust entsteht nie. Das Problem ist am Ende die mit jeder Spielstunde prägnanter werdende Eintönigkeit. Abseits der Hauptkampagne ist Starlink zu generisch.

Hinter dem Kampfsystem stecken verschiedene Affinitäten. Manche Gegner sind für Feuer anfällig, andere für Eis. Wenn ihr nicht vorbereitet seid, ist das kein Problem. Das Spiel macht es möglich, sofort im Menü oder durch den Austausch der Waffen am Modellschiff zwischen ihnen zu wechseln - ohne große Wartezeiten. Wer möchte, richtet seine Waffen auch nach hinten aus und schießt dann rückwärts. Gebrauch gemacht habe ich davon nie und es war nie nötig. Eine unnütze Spielerei.

Spätestens nach ein paar Stunden verliert sich das Spiel in Wiederholungen. (Starlink: Battle for Atlas - Test)

Schießt euch ein Gegner ab, habt ihr die Möglichkeit, zu einem anderen Schiff zu wechseln und weiterzumachen oder an einem nahegelegenen Punkt erneut zu spawnen und erzielte Fortschritte bei einem Extraktor oder Dreadnought zu verlieren. Für die erste Option braucht ihr eines der anderen Schiffe. Und hierbei gibt es vor allem preisliche Unterschiede. Die Starter Packs im Handel enthalten jeweils einen Piloten (auf der Switch zwei). Die digitale Version umfasst vier Raumschiffe und sechs Piloten. Im Handel kosten einzelne, zusätzliche Piloten mitsamt Raumschiff 30 Euro, was nicht wenig ist. Dem Spiel kommt zugute, dass ihr die Modelle nicht zwingend zum Spielen braucht und die digitale Version somit den besten Deal darstellt. Für den Test spielte ich ohne diese Aufsätze und daraus entstanden keine negativen Konsequenzen. Starlink ist ein Toys-to-life-Spiel, das euch diese Option bietet, sie euch aber nicht aufzwingt.

Ob es euch das wert ist, ein paar Raumschiffe zu sammeln, vereinbart ihr mit eurem Gewissen. Verlockend ist ohne Frage der Arwing für Star-Fox-Fans. Davon abgesehen? Starlink hat seine besonderen Momente. Der anfangs erwähnte Flug in den Dreadnought. Wenn ihr euren ersten Planeten befreit habt. In eurem Raumschiff über die Planetenoberfläche dem Sonnenaufgang entgegen rast. Die spätere Repetition raubt dem Ganzen rückwirkend ihre Faszination, das Spiel verliert sich in ewig gleichen Abläufen. Wo eure Schiffe in höchstem Maße individuell anpassbar sind, entpuppen sich eure Gegner als generische Widersacher aus dem Klonlabor.

In Starlink steckt das Potenzial für mehr. Mein Wunsch wäre, dass die Entwickler eine weitere Chance bekommen, dieses zu erschließen. Mehr Abwechslung, weniger Generisches. Von der Geschichte und den Charakteren bleibt nicht viel hängen. Spielerisch funktioniert das hier gut, schnell und unkompliziert. Hirn aus und ein paar Aliens aus dem Weg ballern. Reicht für zwischendurch. Und es ist immer eine Freude, tief über die Planetenoberflächen zu fliegen oder von dort aus in den Weltraum zu starten und dann nahtlos auf einer anderen, schillernd bunten Welt zu landen.

Entwickler/Publisher: Ubisoft Toronto/Ubisoft - Erscheint für: PS4, Xbox One, Switch - Preis: ca. 60 bis 70 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: ja (zusätzliche Piloten, Raumschiffe und Waffen)

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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