Was passiert, wenn die Helden, die die Welt beschützen, nicht mehr da sind? Wenn die Justice League von einer auf die andere Sekunde verschwindet und stattdessen das Justice Syndicate an ihre Stelle rückt. Das vorgibt, zu den Guten zu gehören. Was sie nicht sind. Und dann gibt es da die bösen Jungs und Mädels rund um Joker und Co., die ein Problem damit haben. Denn diese neuen Schurken erweisen sich als gefährlicher und effektiver, als die etablierten Bösewichte es sind und je waren. Dann verwandeln sich die Bösen vorübergehend in die vermeintlich Guten. Vermeintlich, weil sie ja im Grunde nach wie vor böse sind. Blickt ihr noch durch?

Nach drei Lego-Batman-Titeln schickt euch TT Games mit Lego DC Super-Villains diesmal auf die andere Seite der Medaille. Und das mit einer coolen Option, denn erstmals erstellt ihr im neuesten Teil der Reihe einen eigenen Charakter, der in die Story eingebunden ist. Er oder sie kriegt zwar nicht den Mund auf und sagt kein Wort, ohne eure Hilfe wären Lex Luthor, der Joker und ihre Schergen aber aufgeschmissen.

Machen wir uns nichts vor: Lego DC Super-Villains ist ein Lego-Spiel. Damit ist im Grunde alles gesagt, wenn ihr mit den Spielen vertraut seid. Spielt sich gut. Sieht gut aus. Macht Spaß. Es ist das übliche Zusammenspiel aus Dinge kaputt kloppen, erneut zusammenbauen, Rätsel lösen und Gegner vermöbeln. Was nicht heißt, dass es innerhalb der Reihe keine qualitativen Schwankungen gibt. Denkt an das zuletzt veröffentlichte Lego Die Unglaublichen. DC Super-Villains hinterlässt schnell den Eindruck, dass dahinter mehr Zeit und Budget stecken als beim vorherigen Projekt. Und das merkt ihr an allen Ecken und Enden, von der Qualität der Texturen bis hin zu den Effekten.

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Mein eigens erstellter Schurke 'Skull'. (Lego DC Super-Villains - Test)

Erfrischend ist der Perspektivwechsel nach den drei Abenteuern mit der Fledermaus auf jeden Fall. Zahlreiche Bad Guys und Bad Girls stehen euch zur Verfügung und bringen ihre individuellen Fähigkeiten mit sich. Der Joker versammelt Schergen um sich, um zum Beispiel Abgründe zu überwinden oder sie als Ersatz für eine Leiter aufeinander stehen zu lasen. Clayface verändert seine Form und imitiert andere Charaktere, um Zugang zu bestimmten Bereichen zu erlangen. Im Englischen hört ihr dabei die bekannten Stimmen von Mark Hamill (Joker), Michael Ironside (Darkseid), Kevin Conroy (Batman) oder Michael Rosenbaum (The Flash). Auch die deutsche Synchronisation wirkt professionell und gelungen.

Wie erwähnt nimmt die Gestaltung eures eigenen Schurken eine zentrale Rolle in DC Super-Villains ein. Ähnlich wie in einem Rollenspiel erstellt ihr zu Beginn des Spiels euren Charakter. Ihr wählt dazu einzelne Teile des Lego-Outfits und passt ihre Farben an. Egal ob Kopf, Körper oder Beine. Ihr möchtet eine Augenklappe? Lasst eure Figur mit einer Gitarre in der Hand kämpfen oder mit einem klassischen Revolver? Oder legt ihr einen schicken Mantel um die Schultern? Alles kein Problem.

Wie gewohnt nutzt ihr die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere, um im Level voranzukommen. (Lego DC Super-Villains - Test)

Das Einzige, was mich daran ein wenig störte: Von Beginn an waren nicht alle Sachen freigeschaltet. Es gibt für meinen Geschmack anfangs zu viele Fragezeichen im Charakter-Editor, die sich erst im Spielverlauf offenbaren, während ihr euch Stück für Stück neue Dinge dazuverdient. Zwar habt ihr zu jeder Zeit die Möglichkeit der Anpassung, ich hätte das relativ endgültige Design meiner Figur gerne direkt zum Start festgelegt. Ein Elder Scrolls zum Beispiel schaltet ja einzelne Körperteile nicht erst später frei. Klar, es sind immer noch Lego-Figuren und es ist kein realistisch angehauchtes Spiel. Es stellt sich jedoch die Frage: Wie weit ist es mein Charakter, wenn ich sein Aussehen durch neue Optionen ständig verändere und er am Ende unter Umständen komplett anders aussieht als zu Beginn?

Abseits dieser kosmetischen Dinge lernt euer Schurke regelmäßig neue Fähigkeiten, indem er an festgelegten Punkten Energie absorbiert. Außergewöhnliches ist darunter nicht. Wäre auch eine schwierige Aufgabe, in einem Spiel voller Charaktere mit so vielen verschiedenen Kräften herauszustechen. Ihr lernt unter anderem, mit einem Energiestrahl goldene Blöcke zu schmelzen oder verkleinert und vergrößert euch - nichts, was ihr nicht kennt. Einzelne Basis-Fähigkeiten legt ihr zum Start und zwischendurch individuell fest. Das geht zum Teil mit großer Detailverliebtheit vonstatten, bis hin zur Farbe einzelner Effekte.

Immer wieder bekommt ihr es wie hier mit größeren Bossgegnern zu tun. (Lego DC Super-Villains - Test)

Dem familienfreundlichen Ansatz der Spiele ist geschuldet, dass TT Games die Schurken-Thematik nicht in vollem Umfang aufgreift - nehme ich an. Das hier sind zwar die Bösen, aber in niedlicher Version mit einer Schicht Zuckerguss und kunterbunter Optik obendrauf. Das zeigt sich bei den verfügbaren Aktivitäten. Ihr absolviert Rennen oder schlagt zum Beispiel Dinge kaputt. Nichts, was ihr nicht in anderen Heldenspielen ebenso tut. Insgesamt stehen euch mehr als 80 Superschurken zum Freischalten zur Verfügung, es gibt diverse Sammelobjekte und natürlich den freien Modus, um alle Geheimnisse in den Levels aufzudecken - entweder alleine oder im Koop-Modus. Ihr kennt das.

Schurke zu sein ist fein. Das gilt für Lego DC Super-Villains mehr als im echten Leben. Seid dort lieber brav. Zumal das Schurkenleben hier natürlich in Gänze überzeichnet und auf eine positive Art und Weise mit dem typischen Lego-Humor ins Lächerliche gezogen wird. Nach kurzer Zeit fallen die im Vergleich zu Lego Die Unglaublichen höheren Produktionswerte auf und bringen die Reihe auf ihr gewohntes Niveau zurück. DC Super-Villains bietet ein prall gefülltes Paket mit umfangreicher Geschichte und eurem eigenen, darin eingebunden Charakter, viel zu sammeln und vor allem viel Spaß. Ein unterhaltsames Vergnügen für Spieler allen Alters, das die andere Seite des DC-Universums ein wenig näher beleuchtet.

Entwickler/Publisher: TT Games/Warner - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 40 bis 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One X - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2018 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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