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Gib Trüberbrook an Spieler

So einfach wäre die Entwicklung von Trüberbrook, wenn sie in einem Adventure mit klassischem Verben-Interface ablaufen würde. In Wahrheit steckt hinter dem Spiel aus Deutschland jede Menge Aufwand. Arbeit, die sich gelohnt hat und die in einem wahrhaft einzigartigen Look resultiert. Es ist das Design, das bei Trüberbrook vor allem anderen hervorsticht. Wo andere Spiele (bewusst) fantasievoll und bunt daherkommen, versprüht dieses Spiel ein Gefühl von Realismus, weil es auf realen, von Menschen gemachten Dingen basiert.

Nicht, dass die Bestandteile anderer Spiele nicht von Menschen gemacht wären. Die Schauplätze und Gegenstände von Trüberbrook entstanden jedoch zuerst in liebevoller Kleinarbeit als Modelle, nicht von vornherein digital. Dann scannten die Entwickler sie ein, übertrugen sie in die Engine. Über dieses Grundgerüst legten sie einen Anstrich aus Effekten und Beleuchtung, einzelne Dinge erhalten Animationen und am Ende fügt sich - simpel ausgedrückt - alles zu einem wundervoll anfassbar wirkenden Resultat zusammen.

Bastelt euch ein Fortbewegungsmittel.

Ginge es noch besser? Ja! Bei aller Liebe zum Detail, die die Schauplätze ausstrahlen, es fehlt ihnen ein wenig an Lebendigkeit. So gut wie alles steht an Ort und Stelle. Es flattern keine Fahnen, wiegen sich keine Gräser und Bäume im Wind. Allein einer der Bäume am See tut das. Charaktere stehen weitestgehend in der Gegend herum, bewegen sich nur sparsam. Mehr Lebendigkeit und es wäre perfekt. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

In das schöne Äußere ist eine kleine, feine Geschichte rund um den Quantenphysiker Hans Tannhauser eingebettet. Der macht Urlaub im fiktiven Städtchen Trüberbrook, das sich mitten in der deutschen Provinz befindet. Oder anders gesagt: mitten im Nirgendwo. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und es überrascht euch sicher nicht zu hören, dass ihr mehr als den Urlaub mit Hans verbringt. Das allein wäre ein wenig langweilig. Er gerät in ein mysteriöses Abenteuer, das sich Stück für Stück entfaltet und die ein oder andere Wendung bereithält.

Es geht nicht immer todernst zur Sache. Die Geschichte, die hinter all dem steckt, ist aber doch eine ernste. In regelmäßigen Intervallen sorgen humorvolle Einlagen und Kommentare für Auflockerung, ohne das Geschehen in seiner Gesamtheit ins Lächerliche zu ziehen. Es sind weniger Slapstick-Einlagen wie in einem Monkey Island, vielmehr legten die Macher Trpberbrooks mehr wert auf den Wortwitz. Es ist ein überlegter Humor, der dem Spiel gut zu Gesicht steht. Natürlich nicht, ohne dabei die ein oder andere Anspielung zu vergessen, zum Beispiel auf besagtes Monkey Island.

So beginnt Hans' Ausflug.

Die Rätsel sind dabei nicht zu knackig ausgefallen. Die Lösung der meisten ist schnell ersichtlich, würde ich sagen, bei einigen brauchte es ein wenig Zeit, bis der Groschen ins Rutschen geriet. Es hilft, sich der Gesamtsituation bewusst zu sein. Denkt an die Charaktere und was diese unter Umständen von euch haben möchten, was ihr wo findet und wofür es sich verwenden ließe. Berücksichtigt ihr das, habt ihr im Normalfall keine größeren Probleme bei der Lösung des Spiels.

Dabei hilft euch, dass ihr zwar die Möglichkeit habt, euch ein Inventar anzeigen zu lassen, ihr stellt aber nichts damit an. Ihr kombiniert nicht alle denkbaren Objekte mit anderen Sachen in der Welt des Spiels. Das kontextuelle Menü zeigt euch beim Klick auf eine Person oder ein Objekt an, ob ihr mithilfe der Sachen aus eurem Inventar damit etwas anstellen könnt. Das resultiert darin, dass es im Grunde kein Herumprobieren gibt, bis ihr per Zufall den passenden Gegenstand für eine Kombination findet, weil ihr nicht mehr weiter wisst. Zum einen ist das gut, es gibt somit weniger Frustmomente, da euch das Spiel das Passende vor Augen führt und euch ein wenig an die Leine nimmt. Zum anderen fehlen infolgedessen das Experimentieren, ein Stückchen Freiheit und die Möglichkeit, ein paar blöde Sprüche angesichts eurer Kombinationsversuche zu hören zu bekommen.

Mysteriöse Dinge passieren.

Wie schnell ihr diese Herausforderungen bewältigt, und ob ihr die Dialoge schnell durchklickt anstatt sie euch ausgesprochen anzuhören und euch jedes einzelne Objekt anschaut, hat maßgeblich Einfluss darauf, wie viel Zeit ihr am Ende mit Trüberbrook verbringt. Zwischen fünf und zehn Stunden halte ich alles für möglich. Eine solide Spielzeit. Nicht zu wenig, nicht zu viel. Anfangs kommt die Geschichte dabei ein wenig zögerlich in Fahrt, erreicht ihr einen bestimmten Punkt im Spiel, seid ihr aber mehr darin investiert. Ihr fragt euch, was hier vor sich geht. Und werdet mit Sicherheit die ein oder andere Überraschung überleben. Und Einfluss auf das Ende habt ihr ebenso.

Wenngleich ich sagen würde, dass sich die Geschichte des Spiels mir nicht derart in die Erinnerungen eingebrannt hat wie sein Look. Es ist bis zum Schluss eine gut umgesetzte, mysteriöse und Neugier weckende Erzählung. Und nicht mehr als das. Mir fehlt ein bisschen was, das von den Charakteren hängenbleibt. Sie sind alle gut geschrieben, aber sie strahlen nicht diese spezielle Persönlichkeit aus, wie zum Beispiel ein Guybrush Threepwood. Spielerisch erwartet euch Adventure-Standardkost ohne große Revolutionen und Experimente. Braucht es die? Ich finde nicht. Trüberbrook ist ein wunderschönes Spiel mit konservativem Gameplay. Eines, das euch einige Stunden gute Unterhaltung bietet. Und eines, das ich all denen ans Herz legen möchte, die an toll gestalteten Adventures interessiert sind.

Entwickler/Publisher: btf / Headup Games - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: ca. 30 Euro - Erscheint am: 12. März (PC, Mac, Linux digital), 14. März (PC Handel), 17. April Konsolen (digital), 18. April Konsolen (Handel) - Getestete Version: PC - Sprache: Deutsch, Englisch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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