Creative SXFI Air - Test: Erst Ohren scannen, dann Klang genießen

Ein guter Ansatz macht noch kein Must-have.

Mit seiner speziellen Technologie überzeugt das Creative SXFI Air nicht in allen Bereichen, zudem gibt es Lag-Probleme mit Bluetooth.

Das Erste, was ich mit der zugehörigen App für das SXFI Air von Creative auf meinem Smartphone machte, war jetzt nicht das, was ich erwartete: Ich fotografierte beziehungsweise scannte meine Ohren. Und mein Gesicht. Bevor ihr fragt: Ja, es war definitiv die richtige App. Grund für diese ungewöhnliche Vorgehensweise ist Creatives Super-X-Fi-Technologie, die ein "holografisches" Klangerlebnis verspricht.

Bitte was? Anders ausgedrückt: Es geht um virtuellen Surround Sound. Creative geht noch weiter und bezeichnet diese Technik als den "Heiligen Gral des Kopfhörerklangs". Große Worte und ein großes Versprechen. Mehr zu dieser Technologie, in der insgesamt 20 Jahre Arbeit und 100 Millionen Dollar an Entwicklungsgeld stecken sollen, lest ihr hier.

Wir kommen später auf das Klangerlebnis zurück, zuerst sind andere Dinge an der Reihe. Das anfangs erwähnte Scannen dient dazu, euch zu einem individuellen Sound zu verhelfen. Mithilfe der gescannten Bilder gleicht eine KI auf den Creative-Servern diese mit einer Datenbank ab und versucht ein passendes Sound-Mapping für euch zu finden, das dann auf dem Kopfhörer gespeichert wird. Das ist eine einmalige Sache und bleibt dann so gespeichert. Schade ist, dass dafür extra die Erstellung eines Accounts nötig ist - ohne geht es nicht, keine Chance. Wer allergisch auf so was reagiert, hat hier seinen ersten Kritikpunkt.

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Die LEDs zeigen an, wenn es aktiv ist, ebenso verraten sie euch auf Knopfdruck den Status des Akkus in den Farben Grün, Orange und Rot.

Knapp 340 Gramm wiegt das Creative SXFI Air und hinterlässt einen qualitativ guten Eindruck. Nicht perfekt, weil überwiegend Kunststoff Verwendung findet. Und bei Kunststoff mache ich mir immer Sorgen hinsichtlich der Fragilität - schlechte Erfahrungen mit einigen anderen Kopfhörern. Das Headset wirkt aber stabil, was eine gute Voraussetzung ist, um zirka 160 Euro dafür zu verlangen. Es ist sauber verbaut und mit abnehmbaren Stoffohrmuscheln ausgestattet, falls Ersatz nötig ist. Empfindliche Ohren könnten sich daran stören, dass das SXFI Air eng sitzt, daher ist der Druck hoch, mit dem es auf eurem Schädel sitzt. Nicht unangenehm hoch, aber nach längerer Zeit macht es sich bemerkbar.

Mir gefällt vor allem, dass sich das Creative SXFI Air komplett ohne aktives Zusatzgerät betreiben lässt. Das kabellose Headset verfügt über einen Slot für eine microSD-Karte und bietet so die Möglichkeit, Musik in verschiedenen Formaten (MP3, WMA, WAV und FLAC) ohne Verbindung zum Smartphone und dergleichen abzuspielen. Zur Bedienung fummelt ihr am Headset herum. Zum einen gibt es per Knopfdruck die Möglichkeit, zwischen Bluetooth und anderen Verbindungsmethoden (USB) zu wechseln. Für das Erhöhen und Reduzieren der Lautstärke, für Wiedergabe und Pause sowie für den nächsten und vorherigen Track kommt eine Touch-Steuerung auf der linken Ohrmuschel zum Einsatz. Bis auf ein paar Ausnahmen funktionierte die problemlos. Habt ihr euch erst daran gewöhnt, geht es - buchstäblich - gut von der Hand.

Die Akkulaufzeit gibt Creative mit zirka zehn Stunden an, was im Großen und Ganzen zutrifft. Neigen sich die Reserven dem Ende zu, benachrichtigt euch das Headset bei der Nutzung über eine Sprachmitteilung. Ebenso seht ihr es anhand der Farbe der LEDs an den Ohrmuscheln. Einmal kurz den An-Aus-Knopf gedrückt halten und ihr wisst, wie es um den Akku bestellt ist.

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Das hier verwendete Mikrofon ist klein und unauffällig.

Mittels SXFI versucht Creative hier, auf Basis von zwei Treibern für virtuellen 7.1-Surround-Sound zu sorgen. Es sind zwei 50-mm-Neodym-Magneten mit einem Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz sowie einer Impedanz von 32 Ohm. Und das hört sich erstaunlich gut an. Ohne SXFI klingt die Musik hier wie bei einem ganz normalen Headset. Aktiviert ihr die Funktion, habt ihr das Gefühl, als käme die Musik nicht aus einem Kopfhörer, sondern vielmehr aus der näheren Umgebung, als säße eine Band bei euch im Wohnzimmer oder wo ihr euch zu dem Zeitpunkt aufhaltet.

Ähnlich gut kommt der Surround-Sound bei Filmen rüber, wobei der Bass mit dieser Funktion insgesamt ein wenig leidet. Es ist nicht ganz perfekt, im Endeffekt bringt es bei Filmen und Spielen mehr als bei Musik. Bei Letzterer hängt es davon ab, was ihr hört. Elektronische Musik kommt besser zur Geltung als andere Genres, die Stimmen profitieren im Gesamtbild von SXFI. Qualitativ ist es nicht das Beste, was ich je hörte, der Surround-Sound-Effekt ist aber eine interessante Erfahrung und ich habe ihn gerne genutzt.

Verwendet ihr eine Bluetooth-Verbindung bei Spielen und Videos/Filme, habt ihr ein Problem. Hier gibt es Lags, die sich spürbar bemerkbar machen. Bei Musik ist das natürlich kein Thema. Die Lösung ist, das Headset beim Spielen oder beim Schauen von Filmen per Kabel zu verbinden, was dieses Problem löst. Was bei einem teuren Headset wie diesem aber nicht die Optimallösung sein sollte.

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Hier seht ihr den SXFI-Button, den microSD-Slot, den Button für die Quelle und weitere Anschlussmöglichkeiten.

Für Gespräche nutzt das SXFI ein so genanntes NanoBoom-Mikrofon. Es ist klein, leistet aber gute Dienste. Mittels der Bluetooth-Verbindung zum Smartphone lässt sich das Headset zusätzlich bei Telefongesprächen einsetzen. Das funktioniert ebenso gut. Die Stimmen sind gut verständlich. Bei aktiviertem SXFI Air wirkt es definitiv ein wenig so, als würde euer Gesprächspartner bei euch im Raum stehen. Das Mikrofon lässt sich abnehmen und durch ein ClearComms-Mikrofon ersetzen. Es entspricht mehr dem typischen Mikrofon eines Gaming-Headsets, das vor beziehungsweise neben eurem Mund hängt, wenn euch so was lieber ist. Ihr bekommt es einzeln oder indem ihr die kabelgebundene Variante des Headsets kauft. Active Noise Cancelling unterstützt der Kopfhörer indes nicht.

Im Endeffekt kann ich nicht sagen, dass die Super-X-Fi-Funktion die Klangqualität bei der Nutzung des Headsets durch die Bank weg verbessert. Manche Sachen klingen cool, mir gefällt der räumliche Effekt, andere Sachen hören sich ein wenig blechern an und nicht ganz so gut wie erhofft. In Anbetracht dessen ist das SXFI Air kein Must-have, vor allem wenn ihr die Probleme im Bluetooth-Modus mit Spielen und Filmen bedenkt. Für mich bietet das Headset mit dem microSD-Kartenslot, der es unabhängig von anderen Geräten macht, und der Super-X-Fi-Technik zwei spannende Features. Ich bin gespannt, wie Creative künftig darauf aufbaut. Ob das hier allein eine Investition von 160 Euro rechtfertigt, ist eine andere Frage. Es hängt vom Einsatzbereich ab und ob ihr bereit seid, in einzelnen Situationen für eine bessere Qualität lieber auf eine Kabelverbindung zurückzugreifen - was bei einem als kabellosen Headset konzipierten Produkt nicht der Optimalfall ist.

Das Creative SXFI Air ist im Shop von Creative erhältlich.

Entwickler/Vertrieb: Creative - Preis: ca. 160 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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