The Procession to Calvary - Test: Wenn Monty Python ein Adventure machen würde ...

Löst Rätsel. Oder bringt einfach alle um.

Würde Monty Pythons Terry Gilliam ein Point-and-Click-Adventure machen, es sähe mit großer Wahrscheinlichkeit so aus wie The Procession to Calvary. Diesen Namen teilt sich das Spiel mit einem Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren - zu Deutsch: Die Kreuztragung Christi - und führt euch durch eine ganze Reihe an surrealen Situationen, die sich eine Reihe mit den bekannten Cut-Out-Animationen stellen, die ihr von Monty Python kennt.

Für Joe Richardson, den Entwickler des Spiels, ist das kein neues Territorium, sein Vorgängerspiel Four Last Things schlug in die gleiche Kerbe. Habt ihr dieses Kleinod gespielt, wisst ihr im Grunde, was ihr von The Procession to Calvary zu erwarten habt. Die Ähnlichkeiten zu Monty Python enden indes nicht beim Stil, vielmehr geht es beim Humor weiter. Und ihr seht zum Beispiel in vielen Bildschirmen dieses Adventures Musiker, die die Hintergrundmusik in der jeweiligen Situation spielen. Mehr noch, ihr könnt ihnen applaudieren und mitsingen - oder eher mitsummen.

Aber worum geht's genau? The Procession to Calvary beginnt dort, wo ein Krieg zwischen dem Norden und dem Süden endet. In welchem Land? Das ist nicht näher bekannt. Klar ist, dass ihr eine Frau spielt, die gerne ihre Feinde mit ihrem Schwert absticht und für den Norden kämpft, dies aber tragischerweise einstellen muss, weil der Krieg ja zu Ende ist. Keine weiteren Morde. Auch nicht ein wenig. Bis sie den Auftrag erhält - wobei sie sich ihn eher auf eigene Faust erteilt -, Heavenly Peter zu töten, den Anführer des Südens. Somit begebt ihr euch auf die Reise, um noch einen letzten Mord auszuführen. Es kann so einfach sein, Leute glücklich zu machen.

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Eine ganz normale Begebenheit. (The Procession to Calvary - Test)

Der Spielablauf gestaltet sich dann Adventure-typisch. Ihr klickt Objekte oder Charaktere an und habt dann die Möglichkeit, sie näher zu untersuchen oder mit ihnen zu reden - oder vielen von ihnen eine Ohrfeige zu verpassen. Warum? Einfach so! Ebenso sammelt ihr hier und da Gegenstände ein, die ihr dann woanders aus eurem Inventar nehmt und einsetzt, um weiterzukommen. Anfangs sind die Rätsel noch simpel, später gestalten sie sich ein wenig umfangreicher und beanspruchen mehr Zeit.

Und wo wir von der Zeit reden ... The Procession to Calvary ist kein langes Spiel. In einer Stunde oder weniger lässt es sich beenden. Unter besonderen Bedingungen. Denn es gibt hier eine spezielle Option, die im Grunde eine Art Cheat darstellt. Nehmen wir ein Rätsel als Beispiel: Eure Aufgabe ist, in eine Stadt zu gelangen, wofür ihr ein Rätsel lösen sollt, sonst kommt ihr nicht hinein. Die Alternative sieht so aus, dass ihr euer Schwert zückt und einen der "Türsteher" kurzerhand umbringt. Voilà, frei ist der Weg.

So sieht's in Bewegung aus. (The Procession to Calvary - Test)

Wenngleich es Konsequenzen gibt, die sich an euren Taten orientieren und zu insgesamt drei verschiedenen Enden führen. Es gibt somit Gründe, den Titel erneut durchzuspielen. Und wenn ihr euch eher darauf konzentriert, alles friedlich zu lösen, dauert's länger. Zugleich ist es eine interessante Art von Charaktertest. Habt ihr die Geduld, alle Rätsel zu lösen? Oder kommt ihr partout nicht auf des Rätsels Lösung und greift lieber zum Schwert, statt euch weitere Gedanken zu machen?

Im Großen und Ganzen ist dabei alles logisch aufgebaut, das Spiel streut hier und da einzelne Hinweise, die euch alles Wissenswerte verraten, wenn ihr aufmerksam hinschaut. Und Adventure-typisch solltet ihr so oder so alles genauer unter die Lupe nehmen. Auf eurer Reise gen Süden begegnet ihr dabei ganz normalen Menschen - relativ gesehen -, aber auch einigen merkwürdigen Kreaturen, zum Beispiel tierische Dämonen, die sich den Kopf über ein Rätsel des Teufels zerbrechen, oder einen Bibliothekar, der in Gänze aus Büchern besteht. Diese Absurditäten passen gut zum visuellen Renaissance-Stil und den eigenartigen Darstellungen, die häufiger auf diesen zu sehen sind..

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Ich bin einfach nur ehrlich. (The Procession to Calvary - Test)

Es ist ein visuell wie akustisch stimmungsvolles Gesamtpaket, perfekt ergänzt durch seinen häufig düsteren, schwarzen Humor. Nicht jeder Scherz sitzt, aber allein die surrealen Situationen sorgen des Öfteren für ein Schmunzeln, Lacher und WTF-Momente, ebenso wenig spart Richardson mit Anspielungen und Kritik zur Kirche. Bevor ihr zum Beispiel in eine Kathedrale gelangt, verlangen die Priester, die den Weg blockieren, von euch mehrere Juwelen als Wegzoll ... und einen kleinen Jungen. Was ihr dann alles besorgt oder euer Schwert zückt und euch den Weg freiräumt. Das liegt an euch.

Die Einflüsse von Monty Python sind in The Procession to Calvary an jeder Ecke spürbar und es ist definitiv ein einmaliges Erlebnis. Joe Richardson verknüpft klassische Kunst und Musik mit schwarzem Humor und Adventure-typischem Gameplay zu einem surrealen Erlebnis, das ihr so eher selten zu Gesicht bekommt. Eines, dass euch nicht ausufernd lange beschäftigt - lasst euer Schwert im ersten Durchgang am besten stecken! -, aber dabei gut unterhält. Klar, der Humor trifft am Ende nicht jedermanns Geschmack, aber wenn ihr dem schwarzen Humor und Monty Python allgemein nicht abgeneigt seid, lohnt es sich, The Procession to Calvary genauer unter die Lupe zu nehmen.

Entwickler/Publisher: Joe Richardson/Superhot Presents - Erscheint für: PC - Preis: 8,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: Englisch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News  |  f1r3storm

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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