CellFactor: Psychokinetic Wars

Geist-reicher Standard-Shooter

Heimlich, still und leise hat Ubisoft zur E3 einen Multiplayer-Shooter für Xbox Live und PSN veröffentlicht, der im täglichen News-Dauerfeuer einfach unterging. Ursprünglich als kostenlose Technik-Demo für die erfolglose PhysX-Hardware gestartet und später als Freeware-Spiel veröffentlicht, sieht der inzwischen kostenpflichtige Konsolentitel auf den ersten Blick nicht nach viel aus.

Mit seiner durchschnittlichen Grafik, dem Standard-Gameplay und dem recht geringen Umfang würde man ihn als Vollpreistitel links liegen lassen. Doch für ca. zehn Euro und dank einiger interessanter Gameplay-Kniffe ist CellFactor zumindest auf dem Papier eine nette Alternative, gäbe es da nicht ein kleines, aber entscheidendes Manko.

Doch zuallererst ein paar Worte zur kaum vorhandenen Story. Psychokinetic Wars spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der sich Roboter, telekinetisch begabte Soldaten und echte Psionik-Monster harte Gefechte mit ihren Geist-Fähigkeiten liefern. Statt wie bei Unreal Tournament auf absolute Chancengleichheit zu setzen, definiert sich CellFactor über seine drei spielerisch komplett unterschiedlichen Klassen.

Die roboterartigen Guardians halten am meisten aus, können zwei Waffen gleichzeitig einsetzen, auf Knopfdruck mächtige Sprints einlegen und mit gigantischen Sprüngen von Plattform zu Plattform segeln. Ein gewaltiger Unterschied zu den Bishop-Einheiten, die ihre Stärke insbesondere aus ihren geistigen Fähigkeiten ziehen. Ihr psionischer Schild schützt sie vor Schaden, verbraucht aber bei Treffern die knappen Energiereserven. Offensiv wird dagegen der Telekinetik-Schub verwendet, der herumstehendes Levelinventar als Geschoss missbraucht und daran erinnert, dass Cellfactor mal als Physikdemo fungierte. Aufgeladen eine wirklich mächtige Waffe, die bei einem Volltreffer das Ende eures Gegners markiert.

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Nicht sexy, aber tödlich: Die Bishop-Klasse.

Zusätzlich können Bishop-Einheiten eine kurze Strecke fliegen und mit Spezialmunition den Feind mit einem Energiestoß betäuben. Nettes Detail am Rande: Wenn Ihr Waffen aufnehmt, werden diese in ihr psionisches Pendant verwandelt. Statt also das doch recht zierliche Wesen mit einem dicken Raketenwerfer herumrennen zu lassen, verändert sich nur die Haltung und andersfarbige Energien umspielen eure biomechanische Hand.

Als Mittler zwischen den beiden Welten versteht sich dagegen der BlackOps-Soldat. Er setzt, wie der Guardian, auf normale Waffen, kann aber, wie der Bishop, einen Schild und die Schub-Fähigkeit einsetzen. Exklusiv teleportiert er sich auf Knopfdruck durch die Gegend. Im Notfall auch durch feste Wände, was ihn als Flaggenrunner für Capture the Flag prädestiniert. In der Verteidigung punktet er durch Minen, sein Durchhaltevermögen und seine Vielseitigkeit.

Leider hört an dieser Stelle die Kreativität der Entwickler auf. Die generischen Level, altbackenen Waffen und innovationslosen Spielmodi können wirklich niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Im Jahr 2009 will man sich nicht mit Standard-Schrotflinte, Langweiler-Sturmgewehr und Hässlich-Raketenwefer im Deathmatch durch die hundertste Variante einer Industrie-Brache ballern. Kreative Alternativen wie Left 4 Dead zeigen, dass es auch abseits der üblichen Mehrspieler-Ballerpfade erstklassige Spielideen gibt.

Trotzdem gelingt es den frischen Gameplay-Mechaniken, die Spieler zumindest für ein paar Stunden zu fesseln. Es macht einfach Spaß, sich auf Knopfdruck durch die Gegend zu teleportieren, kurze Strecken zu fliegen oder das Level-Inventar als Waffe zu nutzen. Da ist es egal, dass es keine alternativen Feuermodi für die Waffen gibt, das biomechanische Design stark an Unreal Tournament erinnert und selbst der Assault-Modus nur ein müder Abklatsch der Counter-Strike-Variante ist.

Wie bei Multiplayer-Shootern oft üblich, wurde auch auf eine richtige Einzelspieler-Kampagne verzichtet. Stattdessen setzt CellFactor auf spezielle Herausforderungen gegen die mittelprächtige KI, die euch die Gameplay-Mechaniken, Spezialkräfte und Waffen näher bringen. Jede der drei Klassen muss zehn Aufgaben bestehen, um kleine Upgrades zu erhalten, schicke Kostüme und neue Farbkombinationen für die Online-Gefechte freizuschalten.

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Frisch aus dem Baukasten für Multiplayer-Shooter: Der BlackOps.

Kein Ersatz für eine echte Kampagne, ein paar Stunden lang aber durchaus unterhaltsam. Bevor ihr euch in die Online-Gefechte stürzt, könnt Ihr anschließend die hübschen Spielermodelle ausstaffieren, sie farblich anpassen und ihnen zwei der freigespielten Perks mitgeben, die zum Beispiel die Waffenreichweite erhöhen oder den Energieverbrauch von Fähigkeiten senken. Die Auswirkungen auf das Gameplay sind zwar nicht gewaltig, können aber den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.

Wer partout offline bleiben möchte, stürzt sich in Skirmish-Gefechte gegen die KI. Richtig spannend wird es aber erst online - in zweierlei Hinsicht. Erstens gewinnt das Spiel gegen menschliche Gegner deutlich an Fahrt. Selbst kleine 1vs1-Kämpfe versprühen eine Dynamik, die man diesem Durchschnittsshooter so gar nicht zutraut, und verwandeln sich bei unterschiedlichen Klassen in ein taktisches Katz-und-Maus-Spiel.

Zweitens müsst ihr froh sein, wenn ihr überhaupt jemand trefft. Mehr als eine Handvoll Spieler tummeln sich nicht auf den Servern. Vielleicht liegt es am suboptimalen Releasezeitpunkt oder an der generischen Aufmachung. Fakt ist: Wer sich auf spannende 16-Spieler-Gefechte freut, wird leider enttäuscht. Schade um die für XBLA-Verhältnisse gelungene Grafik, die abwechslungsreichen Klassen und die flüssige Steuerung.

Mit Schwergewichten wie Call of Duty, Unreal Tournament oder Battlefield kann, will und soll CellFactor: Psychokinetic Wars nicht konkurrieren. Stattdessen ist es als nette, kostengünstige Alternative für Zwischendurch gedacht, wenn man keine 60 Euro für ein paar Runden Online-Geballer ausgeben möchte. Leider machen momentan die leeren Server einen Strich durch diese Rechnung. Ohne Mitspieler bleibt nur der Kampf gegen die höchst mittelmäßigen KI-Gegner. Eine äußerst unbefriedigende Angelegenheit. Findet ihr menschliche Kontrahenten, entfaltet der Titel aber eine kurzweilige Faszination, die den Preis mehr als rechtfertigt. Gebt also zumindest der Testversion eine Chance, es lohnt sich.

7 /10

CellFactor: Psychokinetic Wars ist für ca. zehn Euro auf Xbox Live Arcade und PSN erhältlich. Auf dem PC gibt es die kostenlose Variante CellFactor: Revolution.

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Kristian Metzger

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