Corsair K100 Gaming Keyboard Test - Das edle High-Speed-Wunder

Die erste Tastatur auf dem Anschlussstandard von 2001.

Schneller und (viel) edler geht es nicht: Optische Tasten treffen auf USB 2.0 in fast idealer Verarbeitung. Hat natürlich seinen Preis...

Corsair K100 Gaming Keyboard Test: Meh, ne neue Tastatur. Whatever. Jede Woche gibt es drei davon, mal mit mehr, mal weniger Geblinke. Aber gut, Corsair ist ein Name, die haben immer wieder gute Sachen im Programm, mal gucken... Ups, das hier ist richtig gut. Richtig, richtig gut! Die Corsair K100 könnte die beste Tastatur sein, die ich bisher hatte - in einem relativen kontemporären Sinne, 1991 hätte ich das zu meiner neuen Model M auch gesagt (die war inflationsbereinigt wahrscheinlich nicht mal billiger). Für mich trifft das beim K100 zu, weil sie einfach eine ultra-hochwertige Schönheit ist. Für den (Möchtegern-)Pro-Gamer, der sich für die Details hinter den Tasten interessiert, gibt es dann sogar ein paar echte Innovationen.

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Aber erst mal von vorne. Das Paket ist schwer und das liegt nicht nur an der stabilen Pappe, der Aluminiumrahmen der Tastatur hält wahrscheinlich Kleinkaliber auf und wenn kann die K100 aus der Hülle befreit hat, dann gibt es keine Sekunde Zweifel, dass man für seine fast 200 Euro Straßenpreis zumindest wertige Verarbeitung gekauft hat. Erschreckenderweise ist das heute für ein mechanischen RGB-Keyboard kein völlig außergewöhnlicher Preis mehr. Aber hier würde ich mich nicht grämen: Egal von welcher Seite man sich das gute Stück anguckt, die K100 ist ein Schmuckstück.

Vornehm: Kunstleder und Double Shots

Aber wie gesagt, das war zu erwarten und ist auch der Fall hier. Mit einer Ausnahme vielleicht und die geht so ins Detail, wie es bei dem Preisschild auch sein muss: Ihr habt zwei Räder oben, eine Rolle für normalerweise Lautstärke rechts und ein richtiges Rad für andere Funktionen links. Beide sind ebenfalls aus Aluminium und haben eine angemessen edle Haptik und beide schleifen ein wenig beim Drehen. Das Rechte quietschte am Anfang sogar etwas, aber das hat sich zum Glück mittlerweile gelegt. Das war es dann auch schon mit der Detailkritik, der Rest ist Lobpreisung. Vom dicken Textilkabel bis zur ausgesprochen angenehm Kunstleder-Handauflage ist das hier vom Feinsten, wie man so schön sagt. Sehr angetan bin ich von den leicht texturierten Tasten, die eine warme Haptik vermitteln. Damit das so bleibt, wurden nun grundsätzlich Double Shot Caps genutzt, bei denen sich auch mit der Zeit diese schöne Oberfläche nicht so abnutzt und auch nicht leicht absplittert. Im Verdacht habe ich allerdings die vier Multimedia-Tasten über dem Num-Block, die sehen nicht sehr Double-Shot-tig aus, so wie auch die drei Sondertasten ganz oben und die G-Makro-Tasten links. Schade, okay, ist halt so. Alles anderen sind jedenfalls ein taktiler Traum.

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Corsair K100 Test: Ambilight einmal außen rum. Unterbodenlicht fehlt noch.

An Sondertasten, um das abzuschließen, habt ihr besagte sechs auf der linken Seite, dann die vier Multimedia-Keys, oben rechts Lautstärke und Stummschaltung. Links oben wird es spannend, denn das Rad habe ich schnell ins Herz geschlossen: In der Software definiert ihr, was es können soll. Es gibt Media-Jog, Zoom, Anwendungen durchschalten und ein paar mehr praktische Dinge. Jedes davon wird mit einer Farbe gekennzeichnet und die Taste in der Mitte vom Rad schaltet diese Farben und damit Funktionen durch. Wenn man sich nach ein oder zwei Tagen dran gewöhnt hat, möchte man es nicht mehr missen. Die Tasten links und rechts davon sind auch nicht verkehrt, es gibt immer irgendwas, das man auf eine Taste extra packen kann.

Leuchten tut natürlich alles und das in allen RGB-Farben, die für jede Taste natürlich einzeln definierbar sind. Zig Regenbogen-Blinke-Waber-Effekte sind Standard, was nicht Standard ist, ist die fast schon exzessive Unterbodenbeleuchtung. Okay, Seiten, nicht Unterboden. Links, rechts und oben vom K100 habt ihr RGB-Lichtleisten, die natürlich auch frei und getrennt definierbar sind und das in 44 Zonen. Als Fan von Philips Ambilight habe ich auch das hier geschätzt. Wirklich sinnvoll? Ja, vielleicht, da ich vermeide im Dunkel zu Arbeiten oder Spielen hält sich der Effekt für mich in Grenzen. Ich mag ihn trotzdem und bei dem Preis sollte es ja auch ein paar Dinge geben, die man extra mag.

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Corsair K100 Test: Bei dem Preis fast selbstverständlich.

Was es nicht gibt, ist ein kleines OLED-Display, wie es die Steelseeries-Konkurrenz bietet. Stattdessen ist das glatte Schwarz mit dem Logo oben nur eine Glasplatte, hinter der Num-Lock, Caps und andere Standards dezent angezeigt werden, das aber auf herkömmliche Weise. Wer zum Display upgraden möchte, muss noch mal etwa 100 Euro extra für den iCUE Nexus Companion Touch Screen einplanen, der dann aber auch jede Menge Funktionen in seinem LCD-Touch-Display unterbringt.

Na endlich: Volle USB 2.0 Speed Switch Power

Was in der K100 dann unter den Tasten passiert, das ist das Zeug, für das E-Sportler leben: Die K100 ist eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Tastatur mit USB 2.0 Signalübertragung. Das klingt erst mal schräg, USB 1.1 stammt aus dem Jahr 1998 und auch USB 2.0 kam 2001 und ist nicht viel jünger. Aber ja, alle diese Super-High-End-Gaming-Keyboards nutzen Technik aus der Zeit, als Will Smith mit Man in Black die Charts toppte. Wurde Zeit, das endlich mal auf Atomic Kittens Whole Again upzugraden. Dieser Sprung aus dem letzten in das aktuelle Jahrtausend ist insoweit relevant, als dass USB 1.1 eine maximale Polling-Rate von 1000Hz erlaubt, USB 2.0 dagegen hier auf 4000Hz hochgehen kann. Das senkt die Datenverzögerung von einer Millisekunde auf 0,25. Spielt das in der Realität eine Rolle? Sofern ihr nicht einer der Top-5-Counterstrike-Spieler weltweit seid, wohl kaum und selbst bei denen wäre ich mir nicht ganz sicher.

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Corsair K100 Test: Statt eines Kontaktes zu berühren wird eine Lichtschranke unterbrochen.

Was relevanter sein dürfte, sind die neuen Switches. Ihr habt bei der K100 die Wahl zwischen den üblichen Cherry-Speed-Switches, die ich hier in meinem Muster habe, und ein paar deutlich innovativeren optischen Switches, die sich immer mehr ausbreiten. Die Cherry MX Speed Switches haben eine Bounce-Time von einer Millisekunde, bis ein klares Signal aus einer sicheren Kontaktabgabe des Switches ausgelesen werden kann. Das passt gut zu den Alten 1000Hz Polling und ist auch deutlich schneller als die vier bis fünf Millisekunden älterer oder einfacherer Switches. Das Problem rührt aus der Natur der Sache mechanischer Eingaben und des Materialverhaltens her. Das ist auch der Grund, warum selbst die MX Speed Switches relativ bald schlechtere Bounce-Zeiten produzieren, weil sie sich abnutzen und das lange bevor ihre Lebenszeit wirklich am Ende ist.

Ein optischer Switch löst eine kleine Lichtschranke aus und das ist ein sehr viel präziser feststellbares Kontaktsignal. So habt ihr eine Verzögerung von immer unter einer Millisekunde bei den optischen Switches der K100, die Corsairs OPX-Switches nutzt. Immer unter einer Millisekunde, im Vergleich zu realistischen fünf bis zehn - oder sogar mehr - selbst bei Speed-Switches kann für Leute, bei denen ein 144Hz-Monitor nicht im Missverhältnis zu ihren Spielkünsten steht, einen echten Unterschied machen. Wiederum, das ist nicht die breite Masse, aber darum geht es bei dieser Art Innovation schon lange nicht mehr. Auch ist das hier natürlich der Grund, warum es den Sprung auf USB 2.0 geben musste, denn einen futuristischen Switch zu bauen, der dann von 1997er-Technologie ausgebremst wird, macht nicht so viel Sinn.

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Corsair K100 Test: Optional - Ein ausgesuchter Satz Extra-Kappen liegt dabei, falls ihr zum Beispiel WASD abheben möchtet.

Mich interessiert mehr der normale Anschlag und der ist mit den hier verbauten MX-Speed wie immer ein Traum. Die Tasten sind relativ leise für eine Mechanische, wenn auch alles andere als "silent", haben einen schönen 3,5mm linearen Hub und ermüden auch nach Stunden des Tippens in keiner Weise. "Klassisch", praktisch, einfach gut. Fast schon zu gut, da schon nach wenig mehr als einem Millimeter ausgelöst wird und ich als unsauberer Tipper auch gern mal eine Taste mehr an der Kante erwische und mitnehme. Ich sehe es mal so: Die K100 erzieht mich wieder zur etwas mehr Präzision beim Tippen.

Die Software: iCUE lässt euch nicht im Stich

Kommen wir zur Software. Die heißt bei Corsair iCUE und gibt sich sehr leistungsfähig, aber nicht ganz so idiotensicher aufgeräumt, wie es teilweise bei der Konkurrenz der Fall ist. Natürlich steuert sie mehr als nur ein Keyboard, sondern ist für alle neueren Corsair-Produkte in Kombination zuständig, schon allein, um eine einheitlich gesteuerte Beleuchtung sicherzustellen. Ihr findet technische Einstellungen wie die Polling-Rate, Layout und Firmwareupdates, habt Dashboards für einzelne Geräte und es ist eine veritable Kommandozentrale für eure bunte Peripherie, wenn ihr das möchtet und die Geräte habt. Ihr könnt beliebig alle Arten von Makros aufnehmen und definieren, könnt On-the-Fly-Makros mit Hilfe der Sondertasten belegen und diese alle in bis zu 200 Profile speichern. Diese werden in den 8MB internen Speicher abgelegt und sind so auch ohne die iCUE-Software verfügbar. Wobei ihr vielleicht ein paar weniger nehmen solltet, um nicht jeden Überblick zu verlieren. Immerhin, wenn ihr sauber jedem Profil eigene Farben zuweist, habt ihr zumindest eine kleine Chance. Ich empfehle die Farben und Profile autobiografisch zu sortieren...

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Corsair K100 Test: Die Software ist nicht super-intuitiv, aber simpel genug und sehr leistungsfähig.

Ihr habt natürlich die obligatorischen Beleuchtungseffekte. Wellenformen, Puls-Effekte und sogar hübsche Dinge wie einen Farbregen, aber am Ende nutzte ich eigentlich immer eine dezente statische Farbe, die mich nicht ablenkt. Jeder wie er es mag, das ist dann ja der Sinn all dieser Optionen - deshalb kann sogar das RGB-Farbband außen getrennt gesteuert werden. Jede Taste ist natürlich einzeln farblich wie auch in der Funktion definierbar, nur das Lautstärke-Rad oben rechts hat eine feste Funktion. Dass man die Windows-Taste oder Standards wie Alt-Tab deaktivieren kann, ist normal, besonders ist die Unterstützung des Elgato-Streaming-Decks mit den Sechs-G-Tasten an der linken Seite. Insgesamt macht iCUE-Software einen durchdachten, ausgereiften Eindruck und gab sich auch im Betrieb in keiner Weise zickig oder inkompatibel. Die meiste Zeit merkte man gar nicht, dass sie da ist, ganz so wie es sein sollte. Schließlich, wer den WASD-Block noch mehr abheben möchte, findet noch eine Hardware-Option in der Box: Hellgraue Ersatz-Caps sind gleich mitgeliefert.

Corsair K100 Gaming Keyboard Test - Fazit

Man kann die Corsair K100 aus zwei Perspektiven sehen. Die erste ist meine eigene Sicht darauf, die vielen entsprechen wird, die keine echten E-Sport-Ambitionen haben und einfach nur eine richtig praktische und funktionale, aber auch gern dekadent gut verarbeitete Tastatur haben wollen. Aus dieser Sicht ist die K100 ein echter Gewinner, wenn auch nicht viel mehr als einige der ebenfalls hochwertigen Konkurrenten. Hier ist es das linke Rädchen, das ich schnell schätzen lernte und das mir wohl bei meinem nächsten Keyboard schmerzlich fehlen wird. Und auch sonst gibt sich die K100 keine Blöße, angefangen bei der geradezu vornehmen Handballenauflage über die massive Alu-Konstruktion bis zur perfekten Haptik der Caps-Oberfläche. Es fällt nicht schwer, sich in dieses Gerät zu verlieben.

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Es darf etwas mehr kosten? Das Corsair K100 Gaming Keyboard auf Amazon.de suchen.

Die andere Sichtweise geht darüber hinaus und betrifft dann eben den E-Sport, wo es um Millisekunden geht. Die K100 ist nicht das erste Keyboard mit optischen Switches, aber es ist das erste, dass diese zur Gänze - oder zumindest mehr als andere - ausnutzen kann. Die absurden theoretischen Werte zu den Datenraten mögen nur die allerwenigsten selbst in dieser Spielergruppe bewegen, aber die Eliminierung der Bounce-Zeit in Verbindung mit der Erhöhung der Polling-Rate auf unter eine Millisekunde echte Latenz ist schon beachtlich. Wiederum, etwas, aus dem nur die wenigsten einen kalkulierbaren Vorteil ziehen werden. Aber es ist technische Innovation, wo diese in den letzten Jahren stagnierte. Das ist etwas Besonderes, nicht alltäglich und in diesem Falle ein voller Erfolg.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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