Der Redakteur schließt die Augen beim Start des Spiels und murmelt vor sich hin. „Lass es ein Privateer sein, lass es ein Privateer sein, lass es ein Privateer sein…“ Er öffnet die Augen, spielt eine halbe Stunde und beginnt versonnen zu lächeln.

„JA! Es ist ein Privateer!“

Das heißt wohl, dass ich mein Geheule und den Wunsch, endlich eine gute Space Opera auf einer der Konsolen spielen zu dürfen, ad acta legen kann. Lang genug hat es ja wirklich gedauert. Der eine kleine Wermutstropfen ist die Tatsache, dass Darkstar One: Broken Alliance in keiner Weise ein neues Game ist. Es erschien bereits in 2006 für den PC, damals nur als Darkstar One betitelt. Und das „Broken Alliance“ bringt nicht allzu viel Neues mit auf den Tisch. Hier also die Warnung an alle, die den Weltraum bereits vor vier Jahren bereisten: Ihr würdet auf der Xbox 360 die gleiche Reise noch einmal starten.

Ich für meinen Teil ließ das aus, die Welt ist neu und trotzdem fallen beim reinen Blick auf die Optik zwei Dinge sofort auf. Erstens ist das hier ein altes PC-Game und in vielen Bereichen sieht es auch so aus. Das Design der Raumschiffe an sich ist gut, mit Ausnahmen in Richtung öde und wirklich interessant. Der Polygoncount und die Detailliebe der Schiffe sagt jedoch ganz klar Staub und zeigt ihn auch. Das, was die Schiffe wiederum umgibt, sind ein hübscher, mal wieder erstaunlich bunter Weltraum, riesige Asteroidenfelder und ein paar Störungen durch elektrische Entladungen fremder Planeten - und all das macht deutlich mehr her.

Und zweitens ist man bei diesen Teilen der Optik froh, dass das hier in vollen und echten 1080p läuft. Darkstar One ist eines der ausgesuchten echten HD-Spiele, die bei der Auflösung nicht tricksen und insoweit kann man es dem Spiel verzeihen, dass die Modelle ein wenig mit Extras geizen, zumal alles zu 99 Prozent absolut flüssig läuft. Nur selten und auch dann nur für wenige Sekunden, mitten zwischen Gesteinsbrocken mit einem dutzend Fightern plus Großschiffe um einen herum, zögerte es kurz mal, nur um sich sofort wieder zu fangen. Warum auch nicht. So richtig groß werden die Großschiffe dann ja auch nicht. Mehr Mittelschiffe eigentlich.

Die hohe Auflösung hat natürlich auch den Preis, dass Leute, die in niedrigeren Auflösungen – vor allem unterhalb von 720p – spielen, nicht viel von dem Text entziffern werden. Es wurde halt komplett auf die hohe Auflösung getrimmt, mit allen Nachteilen, aber eben auch gestochener Bildschärfe, die das so mit sich bringt. Wenn man mir die Frage stellen würde, ob ich in diesem Falle lieber schönere Raumschiffmodelle oder die 1080p gehabt hätte, müsste ich passen. Ich mag aufwendig modellierte Modelle, aber HD ist auch mal ganz nett. Zumindest sieht es nicht nach einem vier Jahren alten Game aus. Höchsten zwei Jahre. Vielleicht drei. Aber in HD.

Das gilt allerdings nicht für die Charaktermodelle der Figuren. Es muss ja nicht gleich immer Alan Wake und Heavy Rain sein, aber das hier sind ja schon fast Parodien. Erinnert ein wenig an schlechte Zeichentrickserien, etwas in der Richtung von Captain Planet. Ich kann es nicht ganz festmachen, aber gute Erinnerungen sind es nicht. Auch die weder auf Deutsch noch Englisch besonders berühmten Stimmen reißen da etwas heraus. Die Zwischensequenzen lassen sich wegdrücken und anschließend in einer Zusammenfassung bei der Missionsbeschreibung lesen, eine Möglichkeit, von der ich häufiger Gebrauch machte.

Die Story selbst ist dann auch der größte Schwachpunkt von Darkstar One, ohne dabei jedoch weniger als durchschnittlich zu sein. Es bleibt halt beim üblichen „Wir retten das Universum und machen nebenbei ein bisschen Kohle“. Das, was bisher jedes Spiel dieser Art zu bieten hatte. Es funktioniert, man zieht mit, aber begeistern tut es nicht. Aliens und Verschwörungen hatten wir schon, aber wenigstens bringt es das Universum mit verschiedenen politischen Richtungen und seiner Star Trek-esken Ansammlung von verschiedenartigen (und meist) Humanoiden auf einen guten Grad an Abwechslung und sogar Glaubwürdigkeit.

Für die Begeisterung ist dann das eigentliche Spiel zuständig. Viele der Ersatz-Privateers, X beispielsweise, suchten ihr Heil in Komplexität und mit viel Einarbeitungszeit stiegt man irgendwann auch hinter das ganze Gewebe hinter der Galaxis. Darkstar handhabt sein Universum viel einfacher. Ihr habt ein Raumschiff mit kleiner Reichweite, was sich erst langsam steigert. Missionen sind klar definiert, man wird nie allein gelassen, muss aber auch nie den direkten Weg gehen, sondern kann auch so ein wenig herumstöbern. Der Handel bleibt simpel, indem jeder Planet ein paar Sachen produziert, die in der Regel billig sind, und kauft gerne alles andere. Es ist keine tragende Säule, sondern einer der vielen Wege, nebenbei einfach ein paar Credits zu machen, ohne auf einem Laptop nebenbei Excel-Sheets mit Statistiken zu füllen müssen, nur um zu wissen, wo man mal was verkaufen kann.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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